Bestialisches
22 dramatische Tiergeschichten
orthografisch dramatisiert von Markus Kappeler
«Leichtsinnig streckte der dreijährige
indische Bub Nitin beim sonntäglichen Zoobesuch seinen Arm
in den Tigerkäfig. Wütend schlug die Tigerin, die ihre
Jungen bewachte, zu und biss Nitin den ganzen Arm ab. Der Bub
hat - Glück im Unglück - den schrecklichen Angriff
der Raubkatze überlebt.»
«Blick», März 1988

Ein Reförmchen wurde angerührt...
Mehr als zwanzig Jahre haben die Neuregler der Sprache
studiert, um ein paar Spitzfindigkeiten auszuhecken, auf die
kein Mensch gewartet hat und die sie nun kühn als «Orthografie-Reform»
bezeichnen. Dabei wissen wir alle: Dieses mickrige Reförmchen
vereinfacht das Schreiben und Lesen nicht. Ganz im Gegenteil:
Millionen müssen umlernen und dafür Stunden und Tage
aufwenden. Hinzu kommen Missverständnisse, Blamagen und
damit verbundene psychische Probleme wegen falscher Anwendung
der neuen, völlig überflüssigen Regeln.
Ich schlage vor: Wenn schon, denn schon! Wagen wir
doch den ganz grossen Wurf und reduzieren wir die unverständlichen
und unlogischen Regeln der deutschen Grammatik endlich auf das
wirklich Notwendige. Kommende Generationen von Schülern
und Lehrern, Lesenden und Schreibenden, Ausländern und Inländern
werden uns für unseren Mut ewig dankbar sein.
Fangen wir gleich an und definieren wir die zwölf
wirklich nötigen Regeln:
1.
Es wird nur noch klein geschrieben
der ruf nach kleingeschriebenem ist alt und berechtigt.
wir wollen diesen schritt deshalb gleich am anfang machen. die
abschaffung der grossbuchstaben vereinfacht das alphabet sofort
um 29 unnötige zeichen (die umlaute sind als separate buchstaben
gezählt).
2.
dehnlaute werden entfernt
die dehnung von vokalen wird in der deutschen orthografie
uneinheitlich gehandhabt. einmal heisst's «uhr»,
«moor» und «tier», ein andermal «kultur»,
«tor» und «wir», obschon die vokale gleichermassen
gedehnt sind. da die dehnlaute offensichtlich unnötig sind,
lassen wir sie ab sofort weg. das vereinfacht viles. selbstverständlich
bleibt aber di bestie in australien eine solche.
3.
v wird entweder f oder w; ph wird f
auch mit fil fantasi leuchtet es nicht ein, weshalb
für gleich ausgesprochene laute ferschidene zeichen nötig
sein sollen. kein fernünftiger mensch wird eine fertretbare
begründung für dise wariationen in der ortografi finden.
dise (und alle nachfolgenden) regeln wenden wir jedoch weder
auf eigennamen noch auf fremdwörter an: verena und philippe
krümmen wir kein har, und auch di villa in villach lassen
wir so stehen.
4.
ck und tz ferschwinden;
z ist z und nicht t
dise unlogischen kombinazionen sind föllig unnüz,
und noch nimand war richtig glüklich darüber. bastion
ist weiterhin bastion; portion ist zukünftig porzion. föllig
klar.
5.
j ist i
damit haben wir ia bereits wider einen buchstaben
gespart, und ieder wird zufriden sein und dise fereinfachung
begrüssen.
6.
das y wird dem ü gleichgesetzt
man könnte zwar darüber diskutiren, ob man
nicht besser umgekert ferfaren sollte, aber da wir das ü
besser gewont sind als das y, lässt sich dise regelung one
weiteres fertreten. nun kann der rhythmus also ganz rütmisch
geschriben und gelesen werden.
7.
ä wird e
und schon wider ist's ein buchstabe weniger. kein
mensch kann nemlich logisch erkleren, warum das e nicht auch
den laut darzustellen fermag, den wir bisher als ä schriben.
bei «mord» und «mond», «wind»
und «wir», «senf» und «segel»,
«burg» und «buch» representirt ia auch
ieweils ein und derselbe buchstabe wariazionen desselben lauts,
one dass uns dis ferwirrt.
8.
ei wird ai
(ausser wenn es e-i ausgesprochen wird);
äu und eu werden oi
endlich können wir auf anhib erkennen, dass beinhalten
im gegensaz zu bainstellen nichts mit fussballunsitten zu tun
hat. und warum sollen wir ferkäuferin schraiben, wenn wir
doch ferkoiferin sagen?
9.
qu wird ku, q wird k
das ist kuasi pure ferainfachung; bekuem ist ain waiterer
buchstabe aingespart - und taucht höchstens noch auf, wenn
wir uns an jacqueline wenden.
10.
st wird scht
(ausser wenn es st ausgesprochen wird);
mit sp dasselbe
es ist doch ain schtarkes schtük, dass das so
unlogisch gehandhabt werden soll. wir schparen damit zwar kaine
buchschtaben ain, aber das lesen wird doch fil ferschtendlicher
und schpürbar laichter und schtrapazirt nicht unnötig
unsere nerfen.
11.
kommaregeln,
ia interpunkzionsregeln überhaupt,
gibt es kaine mer
wo man aine kürzere oder lengere pause fermerken
oder ainfach zur ferbesserung der übersichtlichkait den
schprachfluss glidern will, tut man dis nach aigenem gutdünken
mittels komma, semikolon oder punkt.
12.
trennen kann man di wörter,
wi man es für gut befindet
wer hat sich nicht schon den kopf bai trennungen zerbrochen?
wer hat sich nicht auch schon toischen lassen durch trennungen
wi «bilder-kennung»? damit ist nun ain für allemal
schluss. wir trennen erstens so, wi wir möchten, und zwaitens
so, dass der leser nicht ferwirrt wird.
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damit wir ietzt das fuder nicht überladen, wollen
wir es hirmit gut sain lassen. di maisten fon uns werden über
dises forsichtige forgehen fro sain, denn so brauchen wir nur
etwas natürliches schprachgefül, um dise ainfachen
schritte umzusezen. ab sofort ist doitsch aine simple lautschrift.
«schrift ist das bild der schtimme. ie mer es
diser glaicht, desto besser ist es» schrib ainst voltaire.
wir wollen mal guken, wi gut unser bild nun ist!
ain hai zerbiss main gummibot
etwa fünfzig meter for der ostküste der
insel thasos (nordgrichenland), ist di küste felsig, di
wassertife zimlich glaichmessig zwölf meter, bis der meresgrund
gut sechzig meter sewerts schtail abfellt. an ienem sommerabend
gegen achtzen ur beschtand bai tischglatter se ser klare sicht.
ich schtand aufrecht in ainem mit holz verschterkten schlauchbot,
um zu fischen. auf ainmal zit ain hai in zwai metern wassertife
um mich herum kraise. ich lasse mich auf di mittelbank zurüksinken
und graife nach den rudern. da taucht im glaichen augenblik aus
der tife der fünf bis sechs meter lange risenfisch auf.
er schlisst den linken schlauch mit sainen kifern ain, zerbaisst
gummi- und holztaile, und sinkt dann sofort zurük. ich kann
mich der lenge nach auf den rechten schlauch werfen. der hai
umkraist mich etwa zen bis fünfzen minuten, ich ferhalte
mich ruhig. plözlich erfolgt ain noier angriff. dismal zerbaisst
das ungetüm den schlauch, auf dem ich lige. ich glaite ins
wasser und neme zunechst aine zimlich hoffnungslose, schtarre
abwerhaltung ain - doch zu mainem glük übersit mich
der hai und zit mit dem bot im mundwinkel sewerts.
hans r. hermes in «das tier», ianuar
1973
fon nashornbullen hochgeschloidert
auf di harmlosigkait fon nashörnern darf man
sich nicht ferlassen. das erfur auch rudolf schenkel, der im
tsavo-nazionalpark in kenia nashörner zu fuss beobachtete
und über manche wochen im schlafsak ainfach im fraien auf
dem boden schlif. file sainer begegnungen mit schpizmaulnashörnern
ferlifen in der tat harmlos. aber aines schpetnachmittags nam
in doch ain bulle an, als er sich in etwa fünfzig meter
entfernung fon disem bewegte. schenkel rannte, wi schon so oft,
brüllend auf den bullen zu, um in zu ferschoichen. da diser
aber sainersaits in follem tempo heranpreschte, musste schenkel
im bogen saitlich auswaichen. dann rannte er auf ainen klainen
baum zu, dessen halbe krone abgeknikt war und ferdorrt am ferblaibenden
baum hing. in di noch lebende krone zu klettern, blib im kaine
zait. so rannte er um den schtamm herum und über den abgeknikten
tailschtamm, werend das nashorn um di dürre krone herumlaufen
musste. bald aber enderte der bulle saine taktik: werend schenkel
auf des baumes ainer saite neben dem abgebrochenen tailschtamm
ferharrte, wartete der bulle auf der anderen saite, um dann plözlich
forzuschtossen. schenkel fersuchte nun, sich doch in di lebende
baumkrone hinaufzuzihen, wurde aber fom bullen erwischt und hochgeschloidert.
er landete zunechst auf des tires schulter, dann am boden, und
kroch sofort unter di abgeknikte krone. da warf der bulle den
abgeknikten schtamm- und kronentail mit ainem ruk baisaite. schenkel
entschloss sich, bewegungslos zu blaiben. bloss den ainen fuss
hob er auf di höhe der nashornschnauze, um sich im schlimmsten
fall fon ir abschtossen zu können. der bulle schtuzte zuerst,
dann neherte er sich, bis saine nase den nakten fuss - der schu
war abgefallen - berürte. nun, als er nicht mer di bewegte
geschtalt warnam, wirkte di menschliche witterung auf den bullen.
er drete plözlich ab und trabte mit erhobenem schwanz dafon.
wann schenkel leztmals saine füsse gewaschen hatte, war
nicht in erfarung zu bringen.
bernhard grzimek in «grzimeks enzyklopädie»,
1987
krabbensuppe zum früschtük
ain iapanischer fischer fon den ryukyu-inseln kommt
frümorgens fom fang nach hause und bringt aine handtellergrosse
krabbe mit. saine frau serwirt si in der tradizionellen früschtükssuppe.
kurze zait darauf wird dem hausherrn schlecht. er sit, wi sich
das hausschwain, dem di reste der suppe forgesezt wurden, erbricht
und dann unter zukungen schtirbt. daraufhin ailt der fischer
aus dem haus, um saine frau zu suchen, bricht aber bewusstlos
zusammen und schtirbt. di frau wird schpeter am dorfrand tot
aufgefunden. sechs hüner, welche di essensreste des schwaines
aufgepikt haben, sind inzwischen ebenfalls ferendet. der noinierige
son und zwai eltere ferwandte, di fon der früschtükssuppe
nur gekostet haben, werden im krankenhaus gerettet.
zosimus aeneus, iene schiksalstrechtige krabbe, wird
filerorts an den küsten des pazifiks gegessen. giftig ist
si nur dann, wenn si selber gift gefressen hat: gewisse rotalgen,
di das nerfengift saxitoxin enthalten, das zwar der krabbe nicht
schadet, wol aber dem menschen. es raichert sich im panzer und
flaisch des krebses an und wird baim kochen gründlich herausgelöst.
saxitoxin fürt baim menschen zunechst zu kribbeln und taubhaitsgefül
in armen und bainen. in schweren fellen - wenn ain milligramm
saxitoxin oder mer konsumirt worden ist - schtellen sich alsbald
schluk- und atembeschwerden ain, di lemung der atemmuskulatur
fürt schlisslich zum tode.
max schröder und martin meister in «geo»,
februar 1996
arme und baine abgedret
im dorf boleng-mongondon im nördlichen celebes
kannte und fürchtete man in den draissiger iaren ain besonders
grosses krokodil. als aines tages ain kreftiger mann fon disem
krokodil unter wasser gezogen wurde, beschloss man, ainen hollendischen
ieger damit zu beauftragen, es zu erschissen. dis gescha schon
am tag darauf. als der laib des reptils geöffnet war, machte
der ieger aufnamen. wi auf dem bild zu erkennen ist, wurden dem
ferunglükten mann fom krokodil zuerst arme und baine durch
rasche drehung um di lengsachse, wi si krokodile gelegentlich
zaigen, abgerissen und dann der ganze rumpf mitsamt dem kopf
ferschlungen. damit ist bewisen, dass krokodile selbst erwachsene
menschen ferzeren können.
«das tier», merz 1972
ferlezt durch berner ber
ain 35ieriger mann hette beinahe sain leben ferloren,
wail er di beren im berner berengraben mit schneebellen raizte
und sich dabai übers gelender wagte. di berin selma erwischte
in an den bainen und zerrte in in iren schtall. der berenwerter
konnte zum glück aingraifen und selma ablenken. als er mit
metallgegenschtenden gegen di gitterschtebe schlug, liss di erzürnte
berin von irem opfer ab und flüchtete aus dem schtall. danach
konnte der berenwerter di schtalltür schlissen, so dass
di sanitetspolizai den mann bergen konnte. er erlitt erhebliche
flaischwunden an den bainen und an der schulter.
«basler zeitung», dezember 1998
der mit dem rochen tanzte
der schriftschteller ernst jünger begegnete ainst
baim schwimmen in nordaustralischen küstengewessern ainem
rochen und ergözte sich an dessen anmutigen bewegungen.
«für ainen augenblik waren wir brust an brust, und
saine flanken umfingen maine saiten.» dann schtach der
rochen zu. di folgen bekam der mutwillige zu schpüren: «di
schmerzen waren durchweg schtark und erraichten, besonders in
den nachtschtunden, schpizen, di iede andere warnemung auslöschten.
ainige male schin aine schtaigerung nicht mer möglich, als
ob glühende lawa, one ainen ausweg zu finden, sich ferdichtete.»
föllig fermaiden kann solche schmerzhaften erfarungen
nur, wer dem rat des australischen experten struan sutherland
folgt, der sich zaitlebens mit dem schtudium fon tirgiften bescheftigt
hat: «dise giftigen bister baissen ieden. und dann erwarten
di loite fon mir, dass ich inen sage, was si dagegen tun sollen.
ser ainfach: si sollen sich nicht baissen lassen. ich hab dise
ficher alle satt. hüdrokultur, ia, das ist ain interessantes
tema.«
max schröder und martin meister in «geo»,
februar 1996
krokodil tötet werter
ain laistenkrokodil hat am sonntag for den augen fon
entsezten urlaubern in australien ainen werter angefallen und
getötet. der mann war gerade dabai, den besuchern auf der
johnstone-krokodilfarm unwait fon cairns das fir meter lange
reptil zu zaigen, als er angegriffen wurde. obwol ain helfer
mit ainem klainkalibergewer auf das wütende krokodil schoss
und ain anderer mit ainem schtok auf das tir ainschlug, schleppte
es den hilflosen werter ins wasser. di zu hilfe gerufene polizai
tötete das salzwasserkrokodil mit ainem gewerschuss. das
opfer konnte aber nur noch tot - mit schweren ferlezungen an
kopf, oberkörper und armen - geborgen werden.
«basler zeitung», nowember 1994
fersuchter mord
ain besucher des brookfield-zo nam den moment auf,
als bulle ziggy sainen pfleger george lewis mit den schtosszenen
durchboren wollte. kenner sind sich ainig, dass dis di metode
ist, wenn es ain elefant wirklich ernst maint. doch der schlanke
und wendige lewis schaffte es, sich blizschnell zwischen di zene
zu rollen und zu entkommen.
«bbc wildlife», august 1995
der mann fülte di aisberennase
auf der zwaiten doitschen nordpolarfart, werend di
tailnemer auf der sabineninsel in nordostgrönland überwinterten,
gescha es, dass ain matrose unbewaffnet das schiff ferliss und
ainen schpazirgang nach dem germaniaberg unternam.
als er auf dem gipfel des berges aine ruhepause hilt,
entdekte er plözlich ainen grossen aisberen, der wenige
schritte neben im schtand und in aufmerksam betrachtete. entsezt
lif der matrose den berg hinab. als er sich aber werend der flucht
umdrete, entdekte er, dass der ber im folgte und schnell neher
kam. er schri, aber der ber liss sich dafon nicht abschreken.
im gegentail, sain interesse schin iezt erst richtig gewekt zu
sain.
um saine aufmerksamkait abzulenken, warf der matrose
di iake fon sich. der ber untersuchte si genau, nam aber dann
mit ferschterktem tempo di ferfolgung wider auf. der matrose
warf waitere taile sainer klaidung fon sich, aber obwol dise
alle fon dem beren untersucht wurden, kam er immer neher, und
schlisslich war er so dicht hinter dem matrosen, dass diser im
das lezte, was er hatte, sain halstuch, an den kopf werfen konnte.
aber auch dis hilt den beren nur kurzfristig auf. schon wider
hatte er den matrosen aingeholt. nun gab diser di flucht auf
und blib schtehen. der ber ging dicht an in heran und beroch
saine hende, so dass er di kalte nase fülen konnte.
glüklicherwaise war man im überwinterungskuartir
der expedizion auf di anfenglichen hilferufe des matrosen aufmerksam
geworden, und man beailte sich, im zu hilfe zu kommen. als der
ber di sich nehernden menschen auf dem aise entdekte, wandte
er sich fon dem matrosen ab und ergriff di flucht.
payer (1876), zitirt fon karl kurlus in «das
tier», nowember 1967
ain silberkettchen im krokodilbauch
als wir in addis abeba schtarteten, war di geschichte
fon dem amerikanischen entwiklungshelfer gerade in aller munde
gewesen. si hatte sich am omofluss im süden etiopiens abgeschpilt.
der iunge amerikaner lebte schon ainige monate dort; er wollte
den bauern baibringen, wi si ire felder besser beschtellen, di
ertrege mit dünger schtaigern und mit modernen pflügen
di erde laichter aufbrechen können als mit den herkömmlichen
hakenpflügen.
aines abends wollte der amerikaner schwimmen gehen.
den ganzen tag über hatte im di sonne aufs fell gebrannt.
ins wasser - schon der gedanke entzükte in. doch di dörfler
hatten in gewarnt: «ge nicht ins wasser», sagten
si, «hir gibt es file krokodile. es ist zu geferlich.»
der amerikaner hörte nicht. er badete. es gescha nichts.
«set ir», dachte er, «alles nicht so geferlich,
wi es immer hingeschtellt wird.» dann sezte er sich ans
ufer, liss di baine ins wasser hengen und troimte for sich hin.
er überhörte das laise heranglaiten, er
übersa auch di schpizwinklige bugwelle. er schpürte
nur plözlich ainen rasenden schmerz im fuss, etwas riss
in mit unwiderschtelicher gewalt ins wasser, kaum dass er zait
bekam, noch ainmal zu schraien.
ain par tage schpeter wurde am omofluss ain mechtiges
krokodil erlegt. der ieger hatte es mit ainem ainzigen schuss
ins rechte auge getötet. di etiopier zerlegten das tir,
und in sainem inneren fanden si di reste aines menschlichen körpers.
ausserdem fanden si ain klaines silbernes kettchen mit ainem
kroiz. di dörfler erkannten es. der iunge amerikaner hatte
es immer um den hals getragen.
rüdiger nehberg in «drei mann, ein boot,
der blaue nil», 1974
er puzt weg, was im wasser zappelt
«der hai ist ain ieger und so etwas wi di gesundhaitspolizai
im mer. er puzt weg, was in sainem element an kraken und altersschwachen
tiren anfellt. wenn im wasser etwas zappelt, kann es aus der
sicht des hais nur ain tir sain, das mit dem tode kempft. und
so wird der iagdtrib des hais eben auch fon ainem schwimmenden
menschen ausgelöst», sagt der münchner haifenger
georg wildenauer, der es bislang fermiden hat, zwischen di kifer
aines lebenden hais zu geraten.
«das tier», iuni 1975
lebender skorpoin im sandwich
aine lebensbedroliche bailage hat ain iugendlicher
nahe der küstenschtat akko in nordisrael in sainem dandwich
entdekt: baim kauen schpürte er ainen fremdkörper im
mund - und schpuckte ainen lebenden skorpion aus. es handelte
sich dabai um ainen gelben skorpion, aine besonders geferliche
wariante des giftschtacheltirs. das mit kichererbsenbrai und
würstchen belegte brot hatte der gaistesgegenwertige iunge
mann gerade erst in ainem lebensmittelgescheft erschtanden.
«maariv», zitirt in "basellandschaftliche
zeitung», ianuar 1996
löwe frass drai menner in ainer nacht
fir afrikaner, di bai serenje in nordrodesien auf
der iagd waren, übernachteten in ainer rasch zusammengebauten
hütte. ain löwe drang ain, tötete drai der ieger
und schleppte si weg. der firte flüchtete sich auf ainen
baum. er musste zusehen, wi der löwe begann, saine drai
geferten unter dem baum aufzufressen. werenddem fersuchte er
zu flüchten. doch der löwe pakte und ferwundete auch
in.
der mann erzelte mir di ganze geschichte, befor er
an sainen wunden im schpital schtarb. ich suchte unferzüglich
nach und fand di überreste der anderen. dann ferfolgte ich
den löwen und erschoss in, als er gerade fersuchte, ainen
waiteren schwarzen zu paken.
nach der enthoitung schtellten wir fest, dass der
löwe ainige iare zufor di wirbelsoile gebrochen haben musste.
das foto zaigt di kurfe des rükenkamms. das tir war bemerkenswerte
3,3 meter lang.
wildwart w. robertson-bullock in «das tier»,
iuni 1961
sweetheart überfil motorbote
laistenkrokodile oder «salties», wi si
bai den australiern haissen, schwimmen nicht nur übers mer
und den küsten entlang, sondern durchkroizen auch bis wait
ins landesinnere hinain mangrowensümpfe und flussloife.
schezungswaise zwaitausend menschen fallen disem grössten
und geferlichsten aller krokodile iedes iar zwischen indien und
australien zum opfer. bis über sechs meter lang können
dise panzerechsen werden.
«sweetheart» (bild), das in den sibziger
iaren di befölkerung am finniss river in nordaustralien
terrorisirte und aine forlibe für klaine aussenbord-motorbote
hatte, mass bai sainem tod 1979 immerhin 5,41 meter.
«bbc wildlife», ianuar 1995
soldat fon tintenfisch getötet
«am 21. iuni 1967, kurz nach der mittagsschtunde,
schpazirten drai soldaten, di tags zufor iren dinst angetreten
hatten, etwa draihundert meter fon camp cove (bai sydney) entfernt
am schtainigen schtrand entlang. ainer fon inen, ain draiundzwanzigieriger
iunger mann, fand ainen purpurfarbenen tintenfisch im saichten
wasser, legte in auf sainen linken handrüken und zaigte
in sainen kameraden.
er mochte den tintenfisch sait ungefer zwai minuten
so auf der hand gehalten haben, als er über schwindelgefüle
klagte und bemerkte, dass er das tir nicht wegnemen konnte. es
wurde dann fon ainem sainer kameraden losgerissen und ins mer
hinausgeworfen.
ain par minuten schpeter schtellte der iunge mann
fest, dass er nicht mer schluken und auch nicht durch den mund
atmen konnte. als si in zum truppenlager zurüktrugen, war
er beraits bewusstlos und hatte sait ainiger zait nicht mer geatmet.
mit mund-zu-mund-beatmung und oisserer herzmassage bemüte
man sich um in und sezte dise behandlung fort, werend er ins
prince henry hospital, little bay (sydney), gebracht wurde. troz
aifrigster widerbelebungsfersuche war der unglükliche aber
nicht mer zu retten. um 1 ur 45 nachmittags wurde er für
tot erklert, rund noinzig minuten, nachdem er den tintenfisch
aufgehoben hatte.
di nachtregliche untersuchung ergab nichts ungewönliches,
ausser ainem gewissen blutandrang in der lunge. zwai winzig klaine,
schwache drukschtellen wurden auf dem zwaiten handknöchel
gefunden, aber es war kain riss in der haut zu sehen. di genaue
untersuchung aines hautschtükes zaigte, dass di kuetschung
nur das hautgewebe erfasst hatte.»
so lautet der amtliche bericht über aine traurige
begegnung zwischen ainem am schtrand schpazirenden australier
und ainem winzigen, aber ser geferlichen wirbellosen geschöpf,
das im ganzen süden des pazifiks hoifig ist. dises höchst
lebensgeferliche tir ist bekannt als der blaugeringelte oktopus
oder tintenfisch, fon dem es zwai etwas ferschidene arten gibt.
erich friese in «das tier», dezember
1972
fünfjeriger durch raubkaze getötet
baim zobesuch mit sainen eltern ist ain fünfjeriger
knabe in der westfranzösischen schtat doue-la-fontaine fon
ainem entlaufenen iaguar getötet worden. troz verzwaifelter
fersuche des faters, di raubkaze fon sainem son abzulenken, wurde
diser tödlich ferlezt. auch der fater - ain arme-ofizir
- erlitt nach behördenangaben schwere ferlezungen. das drama
hatte am samstag mittag begonnen, als sich zwai iaguar-waibchen
unter dem gitter irer umzoinung ain loch gescharrt hatten. als
inen di familie des iungen entgegenkam, schtürzte sich ains
der tire sofort auf di gruppe. der fünfjerige wurde dabai
fon der raubkaze am kopf gepakt und hin und her geschloidert.
«basler zeitung», dezember 1998
wi ferschlingen schlangen menschen?
baim boitefang der risenschlange get alles blizschnell
zu. di schlange ligt bewegungslos wi aine aufgerollte schtalfeder
berait, der forderkörper in ainer s-förmigen schtellung
laicht angehoben. nur di lange, an der schpize zwaigetailte zunge
tritt hin und wider herfor, um di witterung aufzunemen. sobald
sich di boite genügend genehert hat, schnellt sich ir der
forderkörper der schlange entgegen. der wait aufgerissene
rachen pakt das boitetir mit den nadelfainen zenen, und sofort
wirft di schlange merere körperschlingen um das opfer, so
dass es sich mit zenen und krallen nicht zur wer sezen kann.
es schtimmt kaineswegs, dass di risenschlange mit
irem kopf ainen menschen oder ain tir glaich zu beginn besinnungslos
schlegt. menschen, di ainen solchen angriff überlebt haben,
mainten, dass di wucht der schlange etwa der aines mittelgrossen
hunds entschpricht, der ainen anschpringt.
das boitetir kommt maist nur noch zu ainem kurzen
zappeln. bai ieder bewegung saines körpers zit sich der
schlangenkörper fester um das opfer. di luft wird zunemend
abgedrükt, der blutdruk im gehirn des opfers schtaigt, wodurch
di boite ser schnell onmechtig wird.
ain «knochenbrechen», wi so oft behauptet,
ist es nicht, dazu raichen di körperkrefte der schlange
kaum aus. alle erzelungen, nach welchen risenschlangen ire boite
durch zerpressen der knochen «wurstförmig» aufberaiten,
sind frai erfunden. und wenn dafon geschprochen wird, es saien
menschenschedel zerknakt worden, so ist das unsinn, denn ain
menschenkopf ist aine recht harte nuss.
aine schlangentenzerin erzelte mir zwar ainst, dass
aine irer schlangen ir ainmal zwai rippen gebrochen hette. aber
dazu sind kaine übermenschlichen krefte nötig. ainer
mainer söne hatte ainmal saine braut for lauter libe so
fest in di arme geschlossen, dass er ir aine rippe knakte.
sobald die lezten zukungen ausgesezt haben, lesst
di schlange ir opfer los, um es nach lengerem bezüngeln
ernoit baim kopf zu paken und langsam zu ferschlingen. sobald
der schterkste tail der boite, di körpermitte, hinuntergeschlungen
ist, rutscht der rest erschtaunlich schnell nach, und der körper
der schlange kuillt doitlich dort auf, wo sich di narung gerade
befindet. di schlange widmet sich anschlissend merere tage lang
in grösster treghait der ferdauung. in disem zuschtand ist
si laicht zu handhaben.
hans zenke in «das tier», ianuar 1969
elefant bearbaitet kotflügel
maine froindin katie newlin war an disem wochenende
zu mir herausgekommen. Si war begaistert, elefanten aus so grosser
nehe beobachten zu können. di elefantenfamilie folgte ainem
bullen, der fon ainem baum zum anderen ging und ieden schtamm
mit den schtosszenen schüttelte, bis di früchte herunterregneten.
dann ailten di waibchen mit iren schüzlingen herbai und
tailten sich mit dem bullen in den festschmaus, was diser gutmütig
duldete.
werend wir uns mit dem offenen landrover den tiren
neherten, konnten wir über den büschen nur ire rüken
sehen. ich fur auf si zu und zerbrach dabai knakend ainige auf
dem boden ligende zwaige. aine iunge ku mit ainem klainen kalb,
di ich zunechst nicht bemerkt hatte, rannte erschrekt hinter
ainen grossen gardeniabusch. sekunden schpeter schtürmte
ain risiges waibliches tir mit gebogenen schtosszenen um di gardenie
auf uns zu und borte, one ainen ton fon sich zu geben oder ainen
augenblik zu zögern, di schtosszene bis zur lippe in di
karrosseri maines landrovers.
fom ersten anschturm der elefantenku wurde das farzoig
herumgeschloidert. si zog di schtosszene heraus und fürte
ainen zwaiten hib. «schpring nicht aus dem wagen!»
rif ich katie zu. si legte sich flach nider.
nun brachen waitere elefanten mit iren kelbern rechts
fon uns aus dem busch und betailigten sich an dem angriff. ain
draiieriges kalb machte sich über ainen kotflügel her
und blib dann ferduzt schtehen. wail der gegenschtand ires zorns
relatif klain war, konnten sich
zum glük nur iewails drai elefanten glaichzaitig
mit uns bescheftigen, aber das genügte. ich kam mir for
wi in ainem winzigen bot, über das fon drai saiten hohe
wellen herainbrechen. der wagen kippte geferlich, fil aber dann
doch auf di reder zurük. fon allen saiten bearbaiteten di
tire in tüchtig mit den schtosszenen. schrille trompetenschtösse
zerrissen di luft, und man hörte das unangeneme geroisch
berstenden metalls.
im augenblik dachte ich noch nicht daran, was john
owen zum schaden an sainem noien landrover sagen würde,
denn mich sa iezt durch di obere türöffnung ain risiges
braunes, fon hautfalten umgebenes auge mit langen wimpern an.
es gehörte ainer ku, di fersuchte, das dach des farerhauses
mit dem kopf herunterzudrüken. das farerhaus krachte in
allen fugen, hilt aber doch schtand, werend di schtosszene saitlich
an der tür entlangkrazten. ich hette das auge mit den fingern
berüren können, doch zu mainer erlaichterung ferschwand
es. ich konnte mir lebhaft forschtellen, dass di elefantenku
uns mit irem rüssel di köpfe hette abraissen können,
als pflüke si bananen.
nun ging aine andere, risige ku mit so fil aifer wi
alle übrigen zusammen zum frontalangriff über. di aine
saite der külerhaube zerknitterte wi ain blatt papir, und
ain schtosszan borte sich durch den küler. baim zwaiten
schtoss drete di ku ire waffen nach oben wi aine risige mistgabel
in der hand aines wansinnigen. dann widerholte si den angriff
und schob den landrover mit hoher geschwindigkait etwa draissig
meter zurük, bis er gegen ainen termitenhaufen gekuetscht
wurde, der unter ainem klainen baum lag.
dann lissen uns di wildgewordenen elefanten endlich
in ruhe. si zogen sich in aine entfernung fon rund draissig metern
zurük. dort bildeten si ainen geschlossenen krais und ferschwanden
nach aufgeregtem trompeten und brummen im busch.
maine froindin sezte sich auf und klopfte den schtaub
fon irer bluse. si war ain wenig mitgenommen, aber unferlezt,
und fand sich mit der situazion gelassen ab. wir waren baide
ser erlaichtert. leztlich brachen wir gar, da di schpannung sich
löste, in gelechter aus.
der wagen schin schrottraif zu sain. ich drükte
aber doch auf den schtartknopf, und zu mainem erschtaunen schprang
der motor an. ain raifen war platt, fom schtosszan aines elefanten
durchbort, und so holperten wir halt mit dem platten raifen durch
den busch, zurük zum camp. überall trafen wir auf elefanten,
aber ire zerschtörungswut schin befridigt zu sain.
ich muss zugeben, dass ich in der ganzen aufregung
des angriffs nicht darauf geachtet hatte, wi di elefanten im
ainzelnen aussahen. so konnte ich nur fermuten, welche herde
es war. bisher hatte ich nur ainen angriff erlebt, der one drogeberden
und one ainen laut begann. er war fon fir glaich grossen kühen,
den «torone sisters», gefürt worden. es müssen
widerum dise gewesen sain. di geroischlosigkait des angriffs
war unhaimlich, und dass si kainen augenblik zögerten, unterschid
sich schtark fom normalen droferhalten der elefanten fon manjara.
iain douglas-hamilton in «unter elefanten»,
1975
löwentaze auf hinterkopf
di bakatla, ainwoner des schön gelegenen dorfes
mabotsa, wurden ser fon löwen beunruhigt, di bai nacht in
ire fiherden ainbrachen und inen di kühe zerrissen, gelegentlich
sogar am hellen tage. das war so ungewönlich, dass di loite
sich behext wenten. si glaubten, fon ainem benachbarten schtamme
in di gewalt der löwen übergeben worden zu sain. ainmal
zogen si aus, um di tire anzugraifen. da si aber nicht besonders
mutige ieger waren, kerten si wider nach hause zurük, one
ainen ainzigen löwen erlegt zu haben.
nun ist es wolbekannt, dass wenn aus ainem rudel löwen
auch nur ain ainziger getötet wird, di übrigen disen
tail des landes fortan maiden. das nechste mal also, als di herden
wider angegriffen wurden, zog ich mit den loiten aus, um inen
mut ainzuflössen. wir fanden di löwen auf ainem klainen
hügel, der etwa draihundert bis firhundert meter lang und
mit boimen bedekt war. wir bildeten ainen krais fon mit schperen
bewaffneten mennern um den hügel, und dise schtigen mitainander
den hügel hinan.
ich war noch unten auf der ebene mit ainem ainhaimischen
schulmaister namens mebalwe, ainem ausgezaichneten mann. da sa
ich ainen der löwen auf ainem felsschtük innerhalb
des nun geschlossenen kraises fon mennern sizen. mebalwe foierte
auf in, noch ehe ich es konnte, und di kugel traf auf den felsen,
auf dem das tir sass. der löwe biss nach der getroffenen
schtelle, wi ain hund nach ainem schtain schnappt, der nach im
geschloidert worden ist. dann schprang er dafon, brach durch
den sich öffnenden krais und entwischte unbelestigt. di
menner schoiten sich, in anzugraifen, fermutlich wail si an hexerai
glaubten. als der krais wider geschlossen worden war, bemerkte
ich darin zwai andere löwen. wir wagten iedoch nicht zu
schissen, um di menschen nicht zu geferden. si lissen auch dise
tire durchbrechen.
wir sahen wol, dass wir di loite nicht dazu bringen
konnten, ainen der löwen zu töten, und machten uns
daher wider auf den haimweg nach dem dorf. als wir aber um das
andere ende des hügels herumgingen, sa ich aines diser raubtire
wi zufor auf ainem felsschtük sizen, nur hatte es dismal
ainen klainen busch for sich. da es nur etwa draissig schritte
fon mir entfernt war, zilte ich durch das gebüsch hindurch
auf sainen laib und foierte baide loife auf es ab. da schrien
di menner: «er ist getroffen! er ist getroffen!»
und wollten sich soglaich auf di boite schtürzen. ich bemerkte
iedoch, wi der löwe hinter dem busch sainen schwaif for
grimm ganz schtail in di höhe richtete, wandte mich daher
zu den loiten und sagte: «wartet ainen augenblik, bis ich
wider geladen habe.» werend ich aber di kugeln in den lauf
schtiss, hörte ich ainen schrai.
ich schrak zusammen, blikte mich halb um und sa den
löwen gerade im begriff, auf mich loszuschpringen. er pakte
mich im schprung an der schulter, und wir schtürzten baide
mitainander auf den boden. er brüllte dicht an mainem or
ganz entsezlich und schüttelte mich dann, wi ain dachshund
aine ratte schüttelt. dise erschütterungen ferursachten
aine betoibung, etwa wie diienige, di aine maus fülen muss,
wenn si fon ainer kaze geschüttelt wird. ich war in ainen
troimerischen zuschtand fersezt, in dem ich kaine empfindung
fon schreken und kain gefül fon schmerz ferschpürte,
obwol mir follkommen bewusst war, was mit mir forging. dise aigentümliche
lage war nicht das ergebnis irgendaines gaistigen forgangs. das
schütteln hob ainfach di furcht auf und liss kaine regung
fon entsezen baim anblik des tirs aufkommen. es ist anzunemen,
dass alle tire, di fon den grossen flaischessern getötet
werden, disen aigentümlichen zuschtand empfinden.
als ich mich umdrete, um das gewicht abzuschütteln
(denn der löwe hatte mir aine taze auf den hinterkopf gesezt),
sa ich saine augen auf mebalwe geheftet, der aus ainer entfernung
fon zen bis fünfzen schritten auf in zu foiern fersuchte.
sain gewer mit foierschloss fersagte aber auf baiden loifen.
der löwe liss augenbliklich fon mir ab und griff mebalwe
an, den er in den schenkel biss. ain anderer mann, dem ich früher
ainmal das leben gerettet hatte, als er fon ainem büffel
in di luft geschloidert worden war, fersuchte nun, den löwen
mit dem schper niderzuschtossen, werend diser mebalwe biss. darauf
liss das tir fon mebalwe ab und pakte den anderen an der schulter,
doch in disem augenblik wirkten endlich di baiden kugeln, di
er erhalten hatte, und er brach schterbend zusammen. das alles
gescha im handumdrehen und war wol aine wirkung des todeskampfes
dises löwen.
um nun den zauberbann an im aufzuheben, machten di
bakatla am folgenden tag ain grosses froidenfoier über dem
körper des erlegten löwen, der nach irer aussage der
grösste gewesen sain soll, den si ie gesehen hatten.
das tir hatte mir nicht nur den knochen zu schplittern
zermalmt, sondern am oberarm auch noch elf zanwunden hinterlassen.
aine solche ferlezung hat gewönlich aine ser schtarke aiterung
und schorfbildung zur folge und ferursacht immerwiderkerende
schmerzen, di man noch lange nachher fült. leztlich kam
ich mit der unbekuemlichkait aines schtaifen gelenkes im oberarm
dafon.
david livingstone in «missionsreisen und
forschungen in südafrika», 1853
der leopard hatte den kopf abgetrennt
mit der ferantwortung für di waiterfürung
der schtreke batticaloa-trincomalee an der ostküste ceylons
betraut, kam ich mitte 1924 in di gegend fon punani, um mich
fom fortgang der arbaiten zu überzoigen. der lokale bauunternemer
erwente bailoifig, dass ain iunge, der im immer in der küche
geholfen hatte, plözlich ferschwunden sai. er habe den ferdacht,
dass er fon ainem leoparden entfürt worden sai. es war das
erstemal, dass ich fom menschenfressenden leoparden in diser
gegend erfur, dem beraits sibzen menschen zum opfer gefallen
waren.
fir tage schpeter wurden zwai arbaiter, di gekündigt
hatten und auf dem weg zurük in ire haimat, nach batticaloa,
waren, fon ainem leoparden angefallen. der aine wurde weggeschleppt,
der andere rannte in panischer angst zurük nach punani.
er zitterte am ganzen körper und fertraute mir di entsezliche
geschichte an.
si waren zusammen den knapp zwai meter braiten weg
entlanggegangen, der baidersaits fon drai meter hohem managras
aingefasst war und hinter dem sich undurchdringlicher urwald
ausdente, als plözlich der leopard dem ainen auf den rüken
schprang.
wir hatten es also mit ainem grausamen menschenfresser
zu tun, und selbstferschtendlich wurden alle möglichen forsichtsmassnamen
getroffen. ich hatte schtrenge anwaisung gegeben, dise schtrasse
unter allen umschtenden zu maiden und schtattdessen di alte schtrasse,
di um den wald herum nach vakanari fürte, zu benuzen.
ain par wochen schpeter furen siben büffelkarren,
welche baumschtemme zur segemüle in punani gebracht hatten,
zurük nach valachenai, wo si hergekommen waren. zur glaichen
zait wollten auch fir moslems nach valachenai. da es dunkel und
schon schpet war, hatten si angst, di fom leoparden haimgesuchte
gegend allain und zu fuss zu durchkueren. si beschlossen deshalb,
sich den karren, di dasselbe zil hatten, anzuschlissen. drai
menner sezten sich auf den lezten wagen, der firte ging und hilt
sich an der karre fest. alles ging gut, bis si an di schtelle
kamen, wo der leopard sain unwesen trib. di ersten karren kamen
sicher hindurch. aber als der lezte wagen sich der schtelle neherte,
an der der leopard gewönlich auftrat, schprang er plözlich
herfor und holte sich den mann, der hinter dem karren gegangen
war. es gab sofort ainen höllenlerm, und di büffel
rasten blindlings dafon.
als ich am sonntagmorgen des 16. august 1924 mit mainer
büropost fertig war, gab ich di abzuschikenden brife manikam,
mainem postboten, mit der ausdrüklichen bitte, di alte schtrasse
nach kalkudah zu benuzen, um si dort auf dem postamt aufzugeben.
sait mereren tagen hatten wir fon kainer unternemung des menschenfressers
mer gehört, daher glaubte ich, es sai nicht allzu geferlich,
in dorthin zu schiken. danach ging ich nach hause und früschtükte.
schpeter fragte ich bailoifig mainen koch, ob manikam
schon gegangen sai. da erfur ich foller entsezen, dass er nicht,
wi ich in ausdrüklich gebeten hatte, den alten weg gegangen
sai, sondern di schtrasse, di durch den leoparden so geferdet
war.
es war ungefer aine schtunde, nachdem manikam weggegangen
war. one zait zu ferliren, folgte ich auf dem motorrad. ich fur
so schnell es nur ging, denn ich wusste, würde der bote
di bewusste schtelle for mir erraichen, were es um sain leben
geschehen.
laider kam er wirklich for mir dort an. als ich di
betreffende schtelle erraichte, sa ich sainen postsak am schtrassenrand
ligen. ausserdem entdekte ich file schpuren in der mitte der
schtrasse, di mir den untrüglichen bewais dafür liferten,
dass hir leopard und mensch gekempft hatten. ebenso bemerkte
ich aine braite schpur auf der schtrasse, di augenschainlich
fon ainem in den busch geschlaiften körper herrürte.
ich fülte, dass es an der zait war, endlich disem
gemainen roiber auf den laib zu rüken, um wider sichere
ferheltnisse auf diser schtrasse zu schaffen. ich fur waiter
zu ainer schtelle, wo aine gruppe fon mainen mennern mit dem
abschnaiden fon managras berscheftigt war. ich welte fir fon
inen, di mir als di tapfersten erschinen, und bewaffnet mit knüppeln
und exten wanderten wir zurük zu dem unfallplaz. als wir
ankamen, bat ich di menner, den busch abzusuchen, denn ich wollte
herausfinden, wo der leopard den boten hingetragen hatte und
ob man in unter umschtenden fillaicht sogar iezt noch retten
konnte. di arbaiter aber lenten ab, denn zwaifellos war inen
bewusst, wi geferlich es were, in der nehe aines menschenfressers,
der warschainlich gerade baim ferschmausen saines opfers war,
herumzuhantiren. so liss ich forerst fon mainem forhaben ab.
di posttasche nam ich auf dem motorrad mit mir nach
kalkudah. ich war gerade auf dem postamt, als zufellig kapiten
shelton agar, ain bekannter fon mir und ain passionirter ieger,
herainkam. ich erzelte im das sonntegliche erlebnis. sofort bat
er mich, telefonisch di fir arbaiter nochmals aufzubiten. dann
furen wir in sainem auto nach punani, lissen di arbaiter ainschtaigen
und furen an den ort, wo der leopard manikam angegriffen hatte.
es war ungefer fir ur an disem sonntag. kapiten agar
untersuchte an ort und schtelle di möglichkaiten, den menschenfresser
zu erlegen. er gab mir aine büchse mit hundert schuss und
nam selbst auch aine solche zur hand. im gensemarsch drangen
wir in den dschungel ain. schon nach siben metern fand ich das
zinnkennzaichen maines postboten. noch etwas waiter sahen wir
saine klaidungsschtüke. und schlisslich, kaum ainige meter
fortgezerrt, sainen schreklich ferschtümmelten körper,
fon dem der kopf follschtendig abgetrennt war.
das zerflaischte aussehen des laichnams liss kainen
zwaifel daran, dass der menschenfresser es sich warschainlich
nicht nemen lassen würde, waitere bissen fon sainem opfer
girig zu ferschlingen, also widerkeren würde. kapiten agar
beschloss daher, ainen hinterhalt zu errichten.
maine loite machten sich glaich an di arbait, werend
wir schtendig rund um den mordplaz herumgingen, so dass für
den leoparden kaine möglichkait beschtehen würde, sich
an den laichnam oder an di arbaiter heranzuschlaichen. als der
hinterhalt fertiggeschtellt war, begann es beraits zu demmern.
ich schlug deshalb for, nach punani zurükzugehen und mit
laternen und fakeln wider hir zu erschainen. kapiten agar war
ainferschtanden, und so gingen wir zurük zur schtrasse,
ich als lezter.
plözlich tailte sich mir aine tödliche angst
for ainem unmittelbar auf uns zukommenden unhail mit. ich konnte
den drang, mich umzusehen, nicht mer bezwingen. und sihe da:
ungefer zwölf meter entfernt sa ich den menschenfresser
in foller grösse, wi er auf uns zulif! ain fesselnder, aber
noch wait mer erschrekender anblik!
ich hatte kaine zait, ainen warnschrai auszuschtossen,
sondern foierte sofort - und ferfelte in. kapiten agar, der for
mir gegangen war, drete sich zum glük gaistesgegenwertig
um und gab zwai waitere, gutgezilte schüsse ab. baim zwaiten
sahen wir das tir hoch in di luft schpringen - aber noch im schprung
hauchte der menschenfresser sain elendes leben aus und fil tot
zu boden. der schuss war im mitten ins gehirn gedrungen.
wir alle brüllten for froide in den demmrigen
abend. bai der untersuchung des leoparden zaigte sich dann, dass
aine ganze anzal schtacheln in den pranken, glidern und im laib
sassen, di in bai der iagd arg behindert haben mussten, so dass
im nichts anderes übrig blib, als werlose menschen anzufallen.
one zwaifel war er der menschenfresser, der di gegend mit schreken
erfüllt hatte.
er wurde dann noch in der gegend zur schau geschtellt,
damit di ferengstigten loite sich dafon überzoigen konnten,
dass ir faind wirklich gefallen war. werend des rests maines
aufenthalts in punani erlebte ich kaine waiteren überfelle
durch ainen leoparden.
a.h. altendorff in «das tier», iuni
1967
nashorn in rage
der 10. nowember 1987 ferschprach für den zwaiundzwanzigierigen
fribourger manfred piller ain herrlicher tag zu werden. als sich
über dem royal-chitwan-nazionalpark in nepal der morgennebel
lichtete, erschin aine schtralende sonne am wolkenlosen himmel.
der iunge mann, der for kurzem di wirtschaftsmatura beschtanden
hatte, war an disem dinstag frü aufgeschtanden, um zusammen
mit ainem ainhaimischen fürer das tirparadis zu erkunden,
in dem drai duzend arten grosser soigetire leben, darunter tiger
und panzernashörner. piller, der gut zwai wochen zufor zu
ainer weltraise aufgebrochen war, froite sich darauf, dise exotischen
tire zu fotografiren.
zu fuss ferlissen di baiden di lemhütten in sauraha
am offiziellen aingang zum park. «wir nemen den dschungelpfad,
der parallel zum rapti-fluss ferloift», sagte der fürer,
ain nepalese mittleren alters. zu irer linken schtand der dichte
urwald, zur rechten hohes elefantengras und gebüsch. «sist
du di geknikten este hir?» fragte der fürer. «da
ist ain nashorn forbaigekommen.» biswailen pfiff oder sang
er, um sich den tiren anzukünden, denn er wollte si nicht
erschreken und zu ainem angriff prowoziren.
fon zait zu zait erschtigen si aussichtstürme
und beobachteten wildrinder, hirsche, affen und zalraiche fogelarten.
«welch ain unwarschainlicher tirraichtum!» schtaunte
manfred immer wider. um zen ur kamen si zu ainem wasserloch.
«wollen wir nicht hir auf tire warten?» schlug manfred
for. er wusste nicht, dass ain nepalese schlecht nain sagen kann
- und sai ain ansinnen auch noch so riskant.
«okay!» sagte der fürer, und di baiden
lissen sich etwa zen meter fon dem wasserloch entfernt im schuz
fon gebüschen nider. manfred blikte gelegentlich durch das
obiektif saines fotoapparats, um schussberait zu sain, falls
sich etwas zaigen sollte.
«hör mal!» flüsterte der fürer
plözlich und machte manfred auf ain rascheln aufmerksam,
das aus der dichten wegetazion am gegenüberligenden ufer
kam. manfred drete saine kamera in iene richtung, und im selben
augenblik füllte sich di linse mit ainer schnauze und ainem
horn.
«ain nashorn!» durchschoss es manfred.
da rannte das risentir beraits durch das saichte wasserloch auf
in und sainen fürer zu.
«baum, baum, baum!» war pillers ainziger
gedanke, werend si baide dafonschtoben - der nepalese zum fluss,
in schpizem wikel zur angriffslinie des tirs, der schwaizer in
der laufrichtung des nashorns zum rand des urwalds. «ich
bin nicht schnell genug!», schpürte er. «ich
sinke auf dem waichen boden ain!»
und doch rannte er um sain leben - one zu bedenken,
dass man sich for dem kurzsichtigen, mit sainen zwai tonnen gewicht
ser schwerfelligen tir am besten auf ainem zikzakkurs in sicherhait
bringt. weder rükwerts noch saitwerts blikend schprintete
der durchtrainirte fribourger, ain passionirter fussballer, auf
den rettenden wald zu.
das geroisch knakenden klainholzes hinter im kam iedoch
immer neher. plözlich - er war noch etwa fünfzig meter
fom waldrand entfernt - wirbelte manfred ain heftiger schtoss
in den rüken durch di luft. «iezt schterbe ich!»
dachte er.
sekunden darauf schtand das faltige ungetüm wild
schnaufend über im und pakte mit den zenen manfreds rechten
oberschenkel. den lauten angstschrai des opfers erwiderte der
angraifende koloss mit ainem markdurchdringenden urlaut. als
manfred sain blut schprizen sa, war im klar: «nun ist alles
forbai!»
trozdem klammerte er sich, werend das panzernashorn
in wild hin und her schüttelte, krampfhaft an dessen kopf
fest. «wenn ich auf den boden zu ligen komme», dachte
er, «trampelt das tir mich zu tode». noch schpürte
er, fom schok wi betoibt, kainen schmerz.
di painigung schin endlos zu dauern, und als manfreds
krefte nachzulassen begannen, schüttelte das tir sain opfer
zu boden und schnappte und trat in unferminderter raserai nach
dem blutigen körper. zum schluss schlizte es im mit sainem
gewaltigen horn di rechte brustsaite auf. dann trollte es sich.
dem zögernd zurükkerenden fürer pillers
bot sich ain schrekliches bild: auf dem föllig zertrampelten
und blutbeflekten boden lag, inmitten fon flaisch- und klaiderfezen,
ain gresslich zugerichteter körper. «o, nain, nain!»
schtammelte er fassungslos und hilt sich di hende for das gesicht.
wi durch ain wunder war der schwaizer noch am leben.
aus sainer ferlezten brust kam ain rasselnd-pfaifendes geroisch,
das der nepalese zunechst für laute aines tirs hilt. panikartig
schlug er mit sainem schtok auf den boden, um es zu fertraiben.
«das rasseln ... kommt ... fon hir», presste manfred
müsam herfor und doitete auf sainen brustkorb. der fürer
half im auf di baine und fürte den angeschtrengt humpelnden
zum dschungelrand. dort wurde es manfred schwarz for den augen.
er sank unter ainem baum zu boden und bat mit kraftloser schtimme:
«ge bitte ... ins dorf ... und hol hilfe!»
«ich darf nicht onmechtig werden», sagte
sich manfred. «wenn ich auf di helfer den aindruk aines
schterbenden mache, lassen si mich umkommen. in östlichen
religionen ist ia der tod nichts endgültiges.» er
hörte dem gezwitscher der fögel zu und sa for sainem
inneren auge bilder der eltern, der drai geschwister und mererer
froinde forbaizihen. ob er si ie widersehen würde? «ich
darf mir nichts formachen», resignirte er, als er merkte,
wi er immer schwecher wurde, «ich schaffe es nicht».
in sauraha besorgten gegen elf ur morgens der zwanzigierige
australier jordan armstrong und saine froindin sandra jeffery
for irem bungalow gerade di wesche, als si ainige ainhaimische
aufgeregt reden hörten. aine halbe schtunde darauf kam der
lodgebesizer und sagte zu jordan: «ain tourist ist im dschungel
fon ainem nashorn angefallen worden. könnten si fillaicht
nach im sehen?» jordan, absolwent ainer landwirtschaftlichen
schule, machte sich sofort auf den weg - zusammen mit fir ainhaimischen
und ainem elefanten.
nach ainem draifirtelschtündigen marsch erraichten
si manfred. er befand sich an der schwelle des todes, war aber
noch bai bewusstsain. nach dem enormen blutferlust war der puls
des schwaizers kaum mer zu schpüren. «er lebt wol
bestenfalls noch ain par minuten», dachte jordan, bemüte
sich iedoch, sich saine hoffnungslosigkait nicht anmerken zu
lassen. er schprach manfred mut zu: «mach dir kaine sorgen
- wir bringen dich ins schpital.»
als di menner fersuchten, den ferschtümmelten
körper auf den elefanten zu heben, schri manfred for schmerz
dermassen, dass si nach ainer anderen lösung suchten. jordan
baute aus esten und lianen aine tragbare und polsterte si mit
der sattelmatraze des elefanten.
behutsam legten di menner manfred darauf und machten
sich auf den weg zurük nach sauraha. «das wird schon
wider werden», sagte jordan zufersichtlich. di ruhige,
besonnene art des iungen australiers ferli dem schwaizer noien
lebensmut. «iezt musst du auf di zene baissen», sagte
er sich.
als der bergungstrupp um zwai ur in sauraha ankam,
begannen jordan und sandra ferzwaifelt nach ainem arzt zu suchen.
auf der parkferwaltung gab es weder ain telefon noch ain funkgeret
noch medizinische hilfsmittel. doch dann begegneten si kevin
davison, ainem amerikanischen arzt, der gerade den park besuchte
und saine hilfe anbot. «ich habe zwar kaine schmerzschtillenden
medikamente bai mir, dafür aber ferbandsmaterial»,
sagte er und schikte sich an, di brustwunde des opfers fachgerecht
zu ferbinden, so dass manfred das atmen etwas weniger mühe
machte.
um halb drai furen di baiden australier sowi davison
und ain ainhaimischer mit manfred aine schtunde in ainem jeep
über holprige schtrassen nach narayanghat, ainem klainen
ort mit ainem lazarettartigen schpital. nach ainer schainbaren
ewigkait des wartens nam sich ain nepalesischer arzt des nashornopfers
an.
doch erst um halb acht - noin schtunden nach dem angriff
- war der arzt für di operazion berait. «iezt nehen
wir daine wunden», erklerte er. der narkosearzt fersuchte,
dem pazienten ainen kugelschraiber in di hand zu drüken.
one manfreds unterschrift wollte er das risiko ainer narkose
kainesfalls auf sich nemen. doch der iunge schwaizer war zum
schraiben zu schwach, und so musste er das rainigen und nehen
der wunden one schmerzschtillende mittel über sich ergehen
lassen.
manfred schpürte ieden ainzelnen der rund hundert
schtiche und schri fast ununterbrochen. aine krakenschwester
hilt sainen oberkörper; der linke fuss war mit ainem lederrimen
am operazionstisch angebunden.
risse und kuetschungen bedekten den ganzen körper
des pazienten. der rechte unterarm war - wol als folge aines
bisses - föllig offen. der rüken trug tife schpuren
des ersten schtosses mit dem horn. und an der rechten körpersaite
klaffte aine rund zwanzig zentimeter lange wunde. drai rippen
waren gebrochen, di lunge aber unfersert gebliben. erschtaunlicherwaise
fand sich am kopf kain ainziger krazer.
davison schtand werend der ganzen operazion an manfreds
saite. «iezt ist der oberschenkel fertig; nun kommt der
arm dran», sagte er etwa, und zum operirenden arzt: «hir
sollten wir darauf achten, dass sich di flaischtaile nicht überlappen.»
nachdem di tortur forüber war, gelangte der schwaizer
in ain zimmer, in dem sich drai waitere pazienten befanden. manfred
war am ende sainer krefte und dachte, nun habe man in aufgegeben
und lasse in zum schterben dort. «ich will aber nicht schterben!»,
dachte er. des öfteren bat er um wasser.
in fribourg erhilt hilda piller am dinstag nachmittag
kurz nach zwai ur ainen telefonanruf. «ir son manfred hat
ainen schweren unfall erlitten», meldete aine konsularbeamtin
aus katmandu (wo es zu disem zaitpunkt siben ur abends war).
«ain nashorn hat in übel zugerichtet.» hilda
piller musste sich erst fon irem schok erholen, befor si iren
mann an sainem arbaitsplaz benachrichtigen konnte. als er dahaim
war, beschlossen si, di konsularagentur um nehere auskünfte
zu bitten. der beamte beschtetigte di unglüksbotschaft und
sagte: «es beschtet kaum aussicht darauf, dass ir son überlebt.
bitte lassen si uns wissen, ob si in beerdigen oder kremiren
lassen wollen.» gegen ire ferzwaiflung kempfend, zündete
hilda piller aine kerze an und betete.
in iener nacht schlif manfred kaum, obwol di schmerzen
nachgelassen hatten. am morgen erschin kevin davison und mainte:
«nun hast du das schlimmste überschtanden.»
dank der fermittlung fon martin pauli, koordinator
der «direkzion für entwiklungszusammenarbait und humanitere
hilfe» in nepal, gelang am selben tag mit ainem nepalesischen
militerflugzoig di überfürung des pazienten ins uniwersitetsschpital
fon katmandu.
manfred sente sich danach, in di schwaiz zurükzukeren.
di erzte beurtailten indessen sainen zuschtand noch immer als
kritisch. doch nach ainer woche hilten si di rükraise für
fertretbar.
di lufthansa erklerte sich berait, manfred nach frankfurt
zu fligen - unter der bedingung, dass ain arzt in beglaitete.
glüklicherwaise traf davison im büro ainer fluggesellschaft
in katmandu di schwaizer erztin susanne schaad, di ainen flug
nach delhi buchen wollte. ob si di beglaitung überneme?
«aber sicher», sagte si.
als manfred am 18. nowember kurz for mitternacht mit
ainer ambulanz der schwaizerischen rettungsflugwacht im kantonsschpital
fribourg aintraf, erwarteten in saine eltern beraits. «es
war, als hette man mir mainen son ain zwaites mal geschenkt»,
sagte hilda piller. sofort nam in aine equipe in pflege. bis
drai ur frü rainigten und desinfizirten erzte und schwestern
di geneten wunden und ferabraichten dem pazienten antibiotika.
als manfred am 12. dezember aus dem schpital entlassen
wurde, hatte er achtzen kilogramm abgenommen. der rechte unterarm
war so ferlezt, dass er di finger nicht mer schtreken konnte.
nach ainem senentransfer kerte di beweglichkait der finger aber
zurük, und der iunge mann begann, den kraftferlust mit training
wettzumachen. im iuni 1988 konnte manfred sainen militerdinst
zum abferdinen des loitnants antreten.
«der zwischenfall in ienem reserwat und di wunderbare
art und waise mainer rettung haben mir beschtetigt, dass man
überall auf der welt auf di hilfsberaitschaft der mitmenschen
zelen kann», erklert er und fügt hinzu: «das
leben ist für mich hoite nicht mer etwas selbstferschtendliches.
oft sage ich iezt innerlich danke, wenn ich etwas gutes oder
schönes erlebe.»
hedwig schaffer in «das beste», iuni
1989
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