Bestialisches



22 dramatische Tiergeschichten

orthografisch dramatisiert von Markus Kappeler

 

«Leichtsinnig streckte der dreijährige indische Bub Nitin beim sonntäglichen Zoobesuch seinen Arm in den Tigerkäfig. Wütend schlug die Tigerin, die ihre Jungen bewachte, zu und biss Nitin den ganzen Arm ab. Der Bub hat - Glück im Unglück - den schrecklichen Angriff der Raubkatze überlebt.»

«Blick», März 1988

 


 

Ein Reförmchen wurde angerührt...

Mehr als zwanzig Jahre haben die Neuregler der Sprache studiert, um ein paar Spitzfindigkeiten auszuhecken, auf die kein Mensch gewartet hat und die sie nun kühn als «Orthografie-Reform» bezeichnen. Dabei wissen wir alle: Dieses mickrige Reförmchen vereinfacht das Schreiben und Lesen nicht. Ganz im Gegenteil: Millionen müssen umlernen und dafür Stunden und Tage aufwenden. Hinzu kommen Missverständnisse, Blamagen und damit verbundene psychische Probleme wegen falscher Anwendung der neuen, völlig überflüssigen Regeln.

Ich schlage vor: Wenn schon, denn schon! Wagen wir doch den ganz grossen Wurf und reduzieren wir die unverständlichen und unlogischen Regeln der deutschen Grammatik endlich auf das wirklich Notwendige. Kommende Generationen von Schülern und Lehrern, Lesenden und Schreibenden, Ausländern und Inländern werden uns für unseren Mut ewig dankbar sein.

Fangen wir gleich an und definieren wir die zwölf wirklich nötigen Regeln:

 

  
      



1.
Es wird nur noch klein geschrieben

der ruf nach kleingeschriebenem ist alt und berechtigt. wir wollen diesen schritt deshalb gleich am anfang machen. die abschaffung der grossbuchstaben vereinfacht das alphabet sofort um 29 unnötige zeichen (die umlaute sind als separate buchstaben gezählt).

 

2.
dehnlaute werden entfernt

die dehnung von vokalen wird in der deutschen orthografie uneinheitlich gehandhabt. einmal heisst's «uhr», «moor» und «tier», ein andermal «kultur», «tor» und «wir», obschon die vokale gleichermassen gedehnt sind. da die dehnlaute offensichtlich unnötig sind, lassen wir sie ab sofort weg. das vereinfacht viles. selbstverständlich bleibt aber di bestie in australien eine solche.

 

3.
v wird entweder f oder w; ph wird f

auch mit fil fantasi leuchtet es nicht ein, weshalb für gleich ausgesprochene laute ferschidene zeichen nötig sein sollen. kein fernünftiger mensch wird eine fertretbare begründung für dise wariationen in der ortografi finden. dise (und alle nachfolgenden) regeln wenden wir jedoch weder auf eigennamen noch auf fremdwörter an: verena und philippe krümmen wir kein har, und auch di villa in villach lassen wir so stehen.

 

4.
ck und tz ferschwinden;
z ist z und nicht t

dise unlogischen kombinazionen sind föllig unnüz, und noch nimand war richtig glüklich darüber. bastion ist weiterhin bastion; portion ist zukünftig porzion. föllig klar.

 

5.
j ist i

damit haben wir ia bereits wider einen buchstaben gespart, und ieder wird zufriden sein und dise fereinfachung begrüssen.

 

6.
das y wird dem ü gleichgesetzt

man könnte zwar darüber diskutiren, ob man nicht besser umgekert ferfaren sollte, aber da wir das ü besser gewont sind als das y, lässt sich dise regelung one weiteres fertreten. nun kann der rhythmus also ganz rütmisch geschriben und gelesen werden.

 

7.
ä wird e

und schon wider ist's ein buchstabe weniger. kein mensch kann nemlich logisch erkleren, warum das e nicht auch den laut darzustellen fermag, den wir bisher als ä schriben. bei «mord» und «mond», «wind» und «wir», «senf» und «segel», «burg» und «buch» representirt ia auch ieweils ein und derselbe buchstabe wariazionen desselben lauts, one dass uns dis ferwirrt.

 

8.
ei wird ai
(ausser wenn es e-i ausgesprochen wird);
äu und eu werden oi

endlich können wir auf anhib erkennen, dass beinhalten im gegensaz zu bainstellen nichts mit fussballunsitten zu tun hat. und warum sollen wir ferkäuferin schraiben, wenn wir doch ferkoiferin sagen?

 

9.
qu wird ku, q wird k

das ist kuasi pure ferainfachung; bekuem ist ain waiterer buchstabe aingespart - und taucht höchstens noch auf, wenn wir uns an jacqueline wenden.

 

10.
st wird scht
(ausser wenn es st ausgesprochen wird);
mit sp dasselbe

es ist doch ain schtarkes schtük, dass das so unlogisch gehandhabt werden soll. wir schparen damit zwar kaine buchschtaben ain, aber das lesen wird doch fil ferschtendlicher und schpürbar laichter und schtrapazirt nicht unnötig unsere nerfen.

 

11.
kommaregeln,
ia interpunkzionsregeln überhaupt,
gibt es kaine mer

wo man aine kürzere oder lengere pause fermerken oder ainfach zur ferbesserung der übersichtlichkait den schprachfluss glidern will, tut man dis nach aigenem gutdünken mittels komma, semikolon oder punkt.

 

12.
trennen kann man di wörter,
wi man es für gut befindet

wer hat sich nicht schon den kopf bai trennungen zerbrochen? wer hat sich nicht auch schon toischen lassen durch trennungen wi «bilder-kennung»? damit ist nun ain für allemal schluss. wir trennen erstens so, wi wir möchten, und zwaitens so, dass der leser nicht ferwirrt wird.

 

damit wir ietzt das fuder nicht überladen, wollen wir es hirmit gut sain lassen. di maisten fon uns werden über dises forsichtige forgehen fro sain, denn so brauchen wir nur etwas natürliches schprachgefül, um dise ainfachen schritte umzusezen. ab sofort ist doitsch aine simple lautschrift.

«schrift ist das bild der schtimme. ie mer es diser glaicht, desto besser ist es» schrib ainst voltaire. wir wollen mal guken, wi gut unser bild nun ist!

 


 

 

ain hai zerbiss main gummibot

etwa fünfzig meter for der ostküste der insel thasos (nordgrichenland), ist di küste felsig, di wassertife zimlich glaichmessig zwölf meter, bis der meresgrund gut sechzig meter sewerts schtail abfellt. an ienem sommerabend gegen achtzen ur beschtand bai tischglatter se ser klare sicht. ich schtand aufrecht in ainem mit holz verschterkten schlauchbot, um zu fischen. auf ainmal zit ain hai in zwai metern wassertife um mich herum kraise. ich lasse mich auf di mittelbank zurüksinken und graife nach den rudern. da taucht im glaichen augenblik aus der tife der fünf bis sechs meter lange risenfisch auf. er schlisst den linken schlauch mit sainen kifern ain, zerbaisst gummi- und holztaile, und sinkt dann sofort zurük. ich kann mich der lenge nach auf den rechten schlauch werfen. der hai umkraist mich etwa zen bis fünfzen minuten, ich ferhalte mich ruhig. plözlich erfolgt ain noier angriff. dismal zerbaisst das ungetüm den schlauch, auf dem ich lige. ich glaite ins wasser und neme zunechst aine zimlich hoffnungslose, schtarre abwerhaltung ain - doch zu mainem glük übersit mich der hai und zit mit dem bot im mundwinkel sewerts.

hans r. hermes in «das tier», ianuar 1973

 

 

fon nashornbullen hochgeschloidert

auf di harmlosigkait fon nashörnern darf man sich nicht ferlassen. das erfur auch rudolf schenkel, der im tsavo-nazionalpark in kenia nashörner zu fuss beobachtete und über manche wochen im schlafsak ainfach im fraien auf dem boden schlif. file sainer begegnungen mit schpizmaulnashörnern ferlifen in der tat harmlos. aber aines schpetnachmittags nam in doch ain bulle an, als er sich in etwa fünfzig meter entfernung fon disem bewegte. schenkel rannte, wi schon so oft, brüllend auf den bullen zu, um in zu ferschoichen. da diser aber sainersaits in follem tempo heranpreschte, musste schenkel im bogen saitlich auswaichen. dann rannte er auf ainen klainen baum zu, dessen halbe krone abgeknikt war und ferdorrt am ferblaibenden baum hing. in di noch lebende krone zu klettern, blib im kaine zait. so rannte er um den schtamm herum und über den abgeknikten tailschtamm, werend das nashorn um di dürre krone herumlaufen musste. bald aber enderte der bulle saine taktik: werend schenkel auf des baumes ainer saite neben dem abgebrochenen tailschtamm ferharrte, wartete der bulle auf der anderen saite, um dann plözlich forzuschtossen. schenkel fersuchte nun, sich doch in di lebende baumkrone hinaufzuzihen, wurde aber fom bullen erwischt und hochgeschloidert. er landete zunechst auf des tires schulter, dann am boden, und kroch sofort unter di abgeknikte krone. da warf der bulle den abgeknikten schtamm- und kronentail mit ainem ruk baisaite. schenkel entschloss sich, bewegungslos zu blaiben. bloss den ainen fuss hob er auf di höhe der nashornschnauze, um sich im schlimmsten fall fon ir abschtossen zu können. der bulle schtuzte zuerst, dann neherte er sich, bis saine nase den nakten fuss - der schu war abgefallen - berürte. nun, als er nicht mer di bewegte geschtalt warnam, wirkte di menschliche witterung auf den bullen. er drete plözlich ab und trabte mit erhobenem schwanz dafon. wann schenkel leztmals saine füsse gewaschen hatte, war nicht in erfarung zu bringen.

bernhard grzimek in «grzimeks enzyklopädie», 1987

 

 

krabbensuppe zum früschtük

ain iapanischer fischer fon den ryukyu-inseln kommt frümorgens fom fang nach hause und bringt aine handtellergrosse krabbe mit. saine frau serwirt si in der tradizionellen früschtükssuppe. kurze zait darauf wird dem hausherrn schlecht. er sit, wi sich das hausschwain, dem di reste der suppe forgesezt wurden, erbricht und dann unter zukungen schtirbt. daraufhin ailt der fischer aus dem haus, um saine frau zu suchen, bricht aber bewusstlos zusammen und schtirbt. di frau wird schpeter am dorfrand tot aufgefunden. sechs hüner, welche di essensreste des schwaines aufgepikt haben, sind inzwischen ebenfalls ferendet. der noinierige son und zwai eltere ferwandte, di fon der früschtükssuppe nur gekostet haben, werden im krankenhaus gerettet.

zosimus aeneus, iene schiksalstrechtige krabbe, wird filerorts an den küsten des pazifiks gegessen. giftig ist si nur dann, wenn si selber gift gefressen hat: gewisse rotalgen, di das nerfengift saxitoxin enthalten, das zwar der krabbe nicht schadet, wol aber dem menschen. es raichert sich im panzer und flaisch des krebses an und wird baim kochen gründlich herausgelöst. saxitoxin fürt baim menschen zunechst zu kribbeln und taubhaitsgefül in armen und bainen. in schweren fellen - wenn ain milligramm saxitoxin oder mer konsumirt worden ist - schtellen sich alsbald schluk- und atembeschwerden ain, di lemung der atemmuskulatur fürt schlisslich zum tode.

max schröder und martin meister in «geo», februar 1996

 

 

arme und baine abgedret

im dorf boleng-mongondon im nördlichen celebes kannte und fürchtete man in den draissiger iaren ain besonders grosses krokodil. als aines tages ain kreftiger mann fon disem krokodil unter wasser gezogen wurde, beschloss man, ainen hollendischen ieger damit zu beauftragen, es zu erschissen. dis gescha schon am tag darauf. als der laib des reptils geöffnet war, machte der ieger aufnamen. wi auf dem bild zu erkennen ist, wurden dem ferunglükten mann fom krokodil zuerst arme und baine durch rasche drehung um di lengsachse, wi si krokodile gelegentlich zaigen, abgerissen und dann der ganze rumpf mitsamt dem kopf ferschlungen. damit ist bewisen, dass krokodile selbst erwachsene menschen ferzeren können.

«das tier», merz 1972

 

 

ferlezt durch berner ber

ain 35ieriger mann hette beinahe sain leben ferloren, wail er di beren im berner berengraben mit schneebellen raizte und sich dabai übers gelender wagte. di berin selma erwischte in an den bainen und zerrte in in iren schtall. der berenwerter konnte zum glück aingraifen und selma ablenken. als er mit metallgegenschtenden gegen di gitterschtebe schlug, liss di erzürnte berin von irem opfer ab und flüchtete aus dem schtall. danach konnte der berenwerter di schtalltür schlissen, so dass di sanitetspolizai den mann bergen konnte. er erlitt erhebliche flaischwunden an den bainen und an der schulter.

«basler zeitung», dezember 1998

 

 

der mit dem rochen tanzte

der schriftschteller ernst jünger begegnete ainst baim schwimmen in nordaustralischen küstengewessern ainem rochen und ergözte sich an dessen anmutigen bewegungen. «für ainen augenblik waren wir brust an brust, und saine flanken umfingen maine saiten.» dann schtach der rochen zu. di folgen bekam der mutwillige zu schpüren: «di schmerzen waren durchweg schtark und erraichten, besonders in den nachtschtunden, schpizen, di iede andere warnemung auslöschten. ainige male schin aine schtaigerung nicht mer möglich, als ob glühende lawa, one ainen ausweg zu finden, sich ferdichtete.»

föllig fermaiden kann solche schmerzhaften erfarungen nur, wer dem rat des australischen experten struan sutherland folgt, der sich zaitlebens mit dem schtudium fon tirgiften bescheftigt hat: «dise giftigen bister baissen ieden. und dann erwarten di loite fon mir, dass ich inen sage, was si dagegen tun sollen. ser ainfach: si sollen sich nicht baissen lassen. ich hab dise ficher alle satt. hüdrokultur, ia, das ist ain interessantes tema.«

max schröder und martin meister in «geo», februar 1996

 

 

krokodil tötet werter

ain laistenkrokodil hat am sonntag for den augen fon entsezten urlaubern in australien ainen werter angefallen und getötet. der mann war gerade dabai, den besuchern auf der johnstone-krokodilfarm unwait fon cairns das fir meter lange reptil zu zaigen, als er angegriffen wurde. obwol ain helfer mit ainem klainkalibergewer auf das wütende krokodil schoss und ain anderer mit ainem schtok auf das tir ainschlug, schleppte es den hilflosen werter ins wasser. di zu hilfe gerufene polizai tötete das salzwasserkrokodil mit ainem gewerschuss. das opfer konnte aber nur noch tot - mit schweren ferlezungen an kopf, oberkörper und armen - geborgen werden.

«basler zeitung», nowember 1994

 

 

fersuchter mord

ain besucher des brookfield-zo nam den moment auf, als bulle ziggy sainen pfleger george lewis mit den schtosszenen durchboren wollte. kenner sind sich ainig, dass dis di metode ist, wenn es ain elefant wirklich ernst maint. doch der schlanke und wendige lewis schaffte es, sich blizschnell zwischen di zene zu rollen und zu entkommen.

«bbc wildlife», august 1995

 

 

der mann fülte di aisberennase

auf der zwaiten doitschen nordpolarfart, werend di tailnemer auf der sabineninsel in nordostgrönland überwinterten, gescha es, dass ain matrose unbewaffnet das schiff ferliss und ainen schpazirgang nach dem germaniaberg unternam.

als er auf dem gipfel des berges aine ruhepause hilt, entdekte er plözlich ainen grossen aisberen, der wenige schritte neben im schtand und in aufmerksam betrachtete. entsezt lif der matrose den berg hinab. als er sich aber werend der flucht umdrete, entdekte er, dass der ber im folgte und schnell neher kam. er schri, aber der ber liss sich dafon nicht abschreken. im gegentail, sain interesse schin iezt erst richtig gewekt zu sain.

um saine aufmerksamkait abzulenken, warf der matrose di iake fon sich. der ber untersuchte si genau, nam aber dann mit ferschterktem tempo di ferfolgung wider auf. der matrose warf waitere taile sainer klaidung fon sich, aber obwol dise alle fon dem beren untersucht wurden, kam er immer neher, und schlisslich war er so dicht hinter dem matrosen, dass diser im das lezte, was er hatte, sain halstuch, an den kopf werfen konnte. aber auch dis hilt den beren nur kurzfristig auf. schon wider hatte er den matrosen aingeholt. nun gab diser di flucht auf und blib schtehen. der ber ging dicht an in heran und beroch saine hende, so dass er di kalte nase fülen konnte.

glüklicherwaise war man im überwinterungskuartir der expedizion auf di anfenglichen hilferufe des matrosen aufmerksam geworden, und man beailte sich, im zu hilfe zu kommen. als der ber di sich nehernden menschen auf dem aise entdekte, wandte er sich fon dem matrosen ab und ergriff di flucht.

payer (1876), zitirt fon karl kurlus in «das tier», nowember 1967

 

 

ain silberkettchen im krokodilbauch

als wir in addis abeba schtarteten, war di geschichte fon dem amerikanischen entwiklungshelfer gerade in aller munde gewesen. si hatte sich am omofluss im süden etiopiens abgeschpilt. der iunge amerikaner lebte schon ainige monate dort; er wollte den bauern baibringen, wi si ire felder besser beschtellen, di ertrege mit dünger schtaigern und mit modernen pflügen di erde laichter aufbrechen können als mit den herkömmlichen hakenpflügen.

aines abends wollte der amerikaner schwimmen gehen. den ganzen tag über hatte im di sonne aufs fell gebrannt. ins wasser - schon der gedanke entzükte in. doch di dörfler hatten in gewarnt: «ge nicht ins wasser», sagten si, «hir gibt es file krokodile. es ist zu geferlich.» der amerikaner hörte nicht. er badete. es gescha nichts. «set ir», dachte er, «alles nicht so geferlich, wi es immer hingeschtellt wird.» dann sezte er sich ans ufer, liss di baine ins wasser hengen und troimte for sich hin.

er überhörte das laise heranglaiten, er übersa auch di schpizwinklige bugwelle. er schpürte nur plözlich ainen rasenden schmerz im fuss, etwas riss in mit unwiderschtelicher gewalt ins wasser, kaum dass er zait bekam, noch ainmal zu schraien.

ain par tage schpeter wurde am omofluss ain mechtiges krokodil erlegt. der ieger hatte es mit ainem ainzigen schuss ins rechte auge getötet. di etiopier zerlegten das tir, und in sainem inneren fanden si di reste aines menschlichen körpers. ausserdem fanden si ain klaines silbernes kettchen mit ainem kroiz. di dörfler erkannten es. der iunge amerikaner hatte es immer um den hals getragen.

rüdiger nehberg in «drei mann, ein boot, der blaue nil», 1974

 

 

er puzt weg, was im wasser zappelt

«der hai ist ain ieger und so etwas wi di gesundhaitspolizai im mer. er puzt weg, was in sainem element an kraken und altersschwachen tiren anfellt. wenn im wasser etwas zappelt, kann es aus der sicht des hais nur ain tir sain, das mit dem tode kempft. und so wird der iagdtrib des hais eben auch fon ainem schwimmenden menschen ausgelöst», sagt der münchner haifenger georg wildenauer, der es bislang fermiden hat, zwischen di kifer aines lebenden hais zu geraten.

«das tier», iuni 1975

 

 

lebender skorpoin im sandwich

aine lebensbedroliche bailage hat ain iugendlicher nahe der küstenschtat akko in nordisrael in sainem dandwich entdekt: baim kauen schpürte er ainen fremdkörper im mund - und schpuckte ainen lebenden skorpion aus. es handelte sich dabai um ainen gelben skorpion, aine besonders geferliche wariante des giftschtacheltirs. das mit kichererbsenbrai und würstchen belegte brot hatte der gaistesgegenwertige iunge mann gerade erst in ainem lebensmittelgescheft erschtanden.

«maariv», zitirt in "basellandschaftliche zeitung», ianuar 1996

 

 

löwe frass drai menner in ainer nacht

fir afrikaner, di bai serenje in nordrodesien auf der iagd waren, übernachteten in ainer rasch zusammengebauten hütte. ain löwe drang ain, tötete drai der ieger und schleppte si weg. der firte flüchtete sich auf ainen baum. er musste zusehen, wi der löwe begann, saine drai geferten unter dem baum aufzufressen. werenddem fersuchte er zu flüchten. doch der löwe pakte und ferwundete auch in.

der mann erzelte mir di ganze geschichte, befor er an sainen wunden im schpital schtarb. ich suchte unferzüglich nach und fand di überreste der anderen. dann ferfolgte ich den löwen und erschoss in, als er gerade fersuchte, ainen waiteren schwarzen zu paken.

nach der enthoitung schtellten wir fest, dass der löwe ainige iare zufor di wirbelsoile gebrochen haben musste. das foto zaigt di kurfe des rükenkamms. das tir war bemerkenswerte 3,3 meter lang.

wildwart w. robertson-bullock in «das tier», iuni 1961

 

 

sweetheart überfil motorbote

laistenkrokodile oder «salties», wi si bai den australiern haissen, schwimmen nicht nur übers mer und den küsten entlang, sondern durchkroizen auch bis wait ins landesinnere hinain mangrowensümpfe und flussloife. schezungswaise zwaitausend menschen fallen disem grössten und geferlichsten aller krokodile iedes iar zwischen indien und australien zum opfer. bis über sechs meter lang können dise panzerechsen werden.

«sweetheart» (bild), das in den sibziger iaren di befölkerung am finniss river in nordaustralien terrorisirte und aine forlibe für klaine aussenbord-motorbote hatte, mass bai sainem tod 1979 immerhin 5,41 meter.

«bbc wildlife», ianuar 1995

 

 

soldat fon tintenfisch getötet

«am 21. iuni 1967, kurz nach der mittagsschtunde, schpazirten drai soldaten, di tags zufor iren dinst angetreten hatten, etwa draihundert meter fon camp cove (bai sydney) entfernt am schtainigen schtrand entlang. ainer fon inen, ain draiundzwanzigieriger iunger mann, fand ainen purpurfarbenen tintenfisch im saichten wasser, legte in auf sainen linken handrüken und zaigte in sainen kameraden.

er mochte den tintenfisch sait ungefer zwai minuten so auf der hand gehalten haben, als er über schwindelgefüle klagte und bemerkte, dass er das tir nicht wegnemen konnte. es wurde dann fon ainem sainer kameraden losgerissen und ins mer hinausgeworfen.

ain par minuten schpeter schtellte der iunge mann fest, dass er nicht mer schluken und auch nicht durch den mund atmen konnte. als si in zum truppenlager zurüktrugen, war er beraits bewusstlos und hatte sait ainiger zait nicht mer geatmet. mit mund-zu-mund-beatmung und oisserer herzmassage bemüte man sich um in und sezte dise behandlung fort, werend er ins prince henry hospital, little bay (sydney), gebracht wurde. troz aifrigster widerbelebungsfersuche war der unglükliche aber nicht mer zu retten. um 1 ur 45 nachmittags wurde er für tot erklert, rund noinzig minuten, nachdem er den tintenfisch aufgehoben hatte.

di nachtregliche untersuchung ergab nichts ungewönliches, ausser ainem gewissen blutandrang in der lunge. zwai winzig klaine, schwache drukschtellen wurden auf dem zwaiten handknöchel gefunden, aber es war kain riss in der haut zu sehen. di genaue untersuchung aines hautschtükes zaigte, dass di kuetschung nur das hautgewebe erfasst hatte.»

so lautet der amtliche bericht über aine traurige begegnung zwischen ainem am schtrand schpazirenden australier und ainem winzigen, aber ser geferlichen wirbellosen geschöpf, das im ganzen süden des pazifiks hoifig ist. dises höchst lebensgeferliche tir ist bekannt als der blaugeringelte oktopus oder tintenfisch, fon dem es zwai etwas ferschidene arten gibt.

erich friese in «das tier», dezember 1972

 

 

fünfjeriger durch raubkaze getötet

baim zobesuch mit sainen eltern ist ain fünfjeriger knabe in der westfranzösischen schtat doue-la-fontaine fon ainem entlaufenen iaguar getötet worden. troz verzwaifelter fersuche des faters, di raubkaze fon sainem son abzulenken, wurde diser tödlich ferlezt. auch der fater - ain arme-ofizir - erlitt nach behördenangaben schwere ferlezungen. das drama hatte am samstag mittag begonnen, als sich zwai iaguar-waibchen unter dem gitter irer umzoinung ain loch gescharrt hatten. als inen di familie des iungen entgegenkam, schtürzte sich ains der tire sofort auf di gruppe. der fünfjerige wurde dabai fon der raubkaze am kopf gepakt und hin und her geschloidert.

«basler zeitung», dezember 1998

 

 

wi ferschlingen schlangen menschen?

baim boitefang der risenschlange get alles blizschnell zu. di schlange ligt bewegungslos wi aine aufgerollte schtalfeder berait, der forderkörper in ainer s-förmigen schtellung laicht angehoben. nur di lange, an der schpize zwaigetailte zunge tritt hin und wider herfor, um di witterung aufzunemen. sobald sich di boite genügend genehert hat, schnellt sich ir der forderkörper der schlange entgegen. der wait aufgerissene rachen pakt das boitetir mit den nadelfainen zenen, und sofort wirft di schlange merere körperschlingen um das opfer, so dass es sich mit zenen und krallen nicht zur wer sezen kann.

es schtimmt kaineswegs, dass di risenschlange mit irem kopf ainen menschen oder ain tir glaich zu beginn besinnungslos schlegt. menschen, di ainen solchen angriff überlebt haben, mainten, dass di wucht der schlange etwa der aines mittelgrossen hunds entschpricht, der ainen anschpringt.

das boitetir kommt maist nur noch zu ainem kurzen zappeln. bai ieder bewegung saines körpers zit sich der schlangenkörper fester um das opfer. di luft wird zunemend abgedrükt, der blutdruk im gehirn des opfers schtaigt, wodurch di boite ser schnell onmechtig wird.

ain «knochenbrechen», wi so oft behauptet, ist es nicht, dazu raichen di körperkrefte der schlange kaum aus. alle erzelungen, nach welchen risenschlangen ire boite durch zerpressen der knochen «wurstförmig» aufberaiten, sind frai erfunden. und wenn dafon geschprochen wird, es saien menschenschedel zerknakt worden, so ist das unsinn, denn ain menschenkopf ist aine recht harte nuss.

aine schlangentenzerin erzelte mir zwar ainst, dass aine irer schlangen ir ainmal zwai rippen gebrochen hette. aber dazu sind kaine übermenschlichen krefte nötig. ainer mainer söne hatte ainmal saine braut for lauter libe so fest in di arme geschlossen, dass er ir aine rippe knakte.

sobald die lezten zukungen ausgesezt haben, lesst di schlange ir opfer los, um es nach lengerem bezüngeln ernoit baim kopf zu paken und langsam zu ferschlingen. sobald der schterkste tail der boite, di körpermitte, hinuntergeschlungen ist, rutscht der rest erschtaunlich schnell nach, und der körper der schlange kuillt doitlich dort auf, wo sich di narung gerade befindet. di schlange widmet sich anschlissend merere tage lang in grösster treghait der ferdauung. in disem zuschtand ist si laicht zu handhaben.

hans zenke in «das tier», ianuar 1969

 

 

elefant bearbaitet kotflügel

maine froindin katie newlin war an disem wochenende zu mir herausgekommen. Si war begaistert, elefanten aus so grosser nehe beobachten zu können. di elefantenfamilie folgte ainem bullen, der fon ainem baum zum anderen ging und ieden schtamm mit den schtosszenen schüttelte, bis di früchte herunterregneten. dann ailten di waibchen mit iren schüzlingen herbai und tailten sich mit dem bullen in den festschmaus, was diser gutmütig duldete.

werend wir uns mit dem offenen landrover den tiren neherten, konnten wir über den büschen nur ire rüken sehen. ich fur auf si zu und zerbrach dabai knakend ainige auf dem boden ligende zwaige. aine iunge ku mit ainem klainen kalb, di ich zunechst nicht bemerkt hatte, rannte erschrekt hinter ainen grossen gardeniabusch. sekunden schpeter schtürmte ain risiges waibliches tir mit gebogenen schtosszenen um di gardenie auf uns zu und borte, one ainen ton fon sich zu geben oder ainen augenblik zu zögern, di schtosszene bis zur lippe in di karrosseri maines landrovers.

fom ersten anschturm der elefantenku wurde das farzoig herumgeschloidert. si zog di schtosszene heraus und fürte ainen zwaiten hib. «schpring nicht aus dem wagen!» rif ich katie zu. si legte sich flach nider.

nun brachen waitere elefanten mit iren kelbern rechts fon uns aus dem busch und betailigten sich an dem angriff. ain draiieriges kalb machte sich über ainen kotflügel her und blib dann ferduzt schtehen. wail der gegenschtand ires zorns relatif klain war, konnten sich

zum glük nur iewails drai elefanten glaichzaitig mit uns bescheftigen, aber das genügte. ich kam mir for wi in ainem winzigen bot, über das fon drai saiten hohe wellen herainbrechen. der wagen kippte geferlich, fil aber dann doch auf di reder zurük. fon allen saiten bearbaiteten di tire in tüchtig mit den schtosszenen. schrille trompetenschtösse zerrissen di luft, und man hörte das unangeneme geroisch berstenden metalls.

im augenblik dachte ich noch nicht daran, was john owen zum schaden an sainem noien landrover sagen würde, denn mich sa iezt durch di obere türöffnung ain risiges braunes, fon hautfalten umgebenes auge mit langen wimpern an. es gehörte ainer ku, di fersuchte, das dach des farerhauses mit dem kopf herunterzudrüken. das farerhaus krachte in allen fugen, hilt aber doch schtand, werend di schtosszene saitlich an der tür entlangkrazten. ich hette das auge mit den fingern berüren können, doch zu mainer erlaichterung ferschwand es. ich konnte mir lebhaft forschtellen, dass di elefantenku uns mit irem rüssel di köpfe hette abraissen können, als pflüke si bananen.

nun ging aine andere, risige ku mit so fil aifer wi alle übrigen zusammen zum frontalangriff über. di aine saite der külerhaube zerknitterte wi ain blatt papir, und ain schtosszan borte sich durch den küler. baim zwaiten schtoss drete di ku ire waffen nach oben wi aine risige mistgabel in der hand aines wansinnigen. dann widerholte si den angriff und schob den landrover mit hoher geschwindigkait etwa draissig meter zurük, bis er gegen ainen termitenhaufen gekuetscht wurde, der unter ainem klainen baum lag.

dann lissen uns di wildgewordenen elefanten endlich in ruhe. si zogen sich in aine entfernung fon rund draissig metern zurük. dort bildeten si ainen geschlossenen krais und ferschwanden nach aufgeregtem trompeten und brummen im busch.

maine froindin sezte sich auf und klopfte den schtaub fon irer bluse. si war ain wenig mitgenommen, aber unferlezt, und fand sich mit der situazion gelassen ab. wir waren baide ser erlaichtert. leztlich brachen wir gar, da di schpannung sich löste, in gelechter aus.

der wagen schin schrottraif zu sain. ich drükte aber doch auf den schtartknopf, und zu mainem erschtaunen schprang der motor an. ain raifen war platt, fom schtosszan aines elefanten durchbort, und so holperten wir halt mit dem platten raifen durch den busch, zurük zum camp. überall trafen wir auf elefanten, aber ire zerschtörungswut schin befridigt zu sain.

ich muss zugeben, dass ich in der ganzen aufregung des angriffs nicht darauf geachtet hatte, wi di elefanten im ainzelnen aussahen. so konnte ich nur fermuten, welche herde es war. bisher hatte ich nur ainen angriff erlebt, der one drogeberden und one ainen laut begann. er war fon fir glaich grossen kühen, den «torone sisters», gefürt worden. es müssen widerum dise gewesen sain. di geroischlosigkait des angriffs war unhaimlich, und dass si kainen augenblik zögerten, unterschid sich schtark fom normalen droferhalten der elefanten fon manjara.

iain douglas-hamilton in «unter elefanten», 1975

 

 

löwentaze auf hinterkopf

di bakatla, ainwoner des schön gelegenen dorfes mabotsa, wurden ser fon löwen beunruhigt, di bai nacht in ire fiherden ainbrachen und inen di kühe zerrissen, gelegentlich sogar am hellen tage. das war so ungewönlich, dass di loite sich behext wenten. si glaubten, fon ainem benachbarten schtamme in di gewalt der löwen übergeben worden zu sain. ainmal zogen si aus, um di tire anzugraifen. da si aber nicht besonders mutige ieger waren, kerten si wider nach hause zurük, one ainen ainzigen löwen erlegt zu haben.

nun ist es wolbekannt, dass wenn aus ainem rudel löwen auch nur ain ainziger getötet wird, di übrigen disen tail des landes fortan maiden. das nechste mal also, als di herden wider angegriffen wurden, zog ich mit den loiten aus, um inen mut ainzuflössen. wir fanden di löwen auf ainem klainen hügel, der etwa draihundert bis firhundert meter lang und mit boimen bedekt war. wir bildeten ainen krais fon mit schperen bewaffneten mennern um den hügel, und dise schtigen mitainander den hügel hinan.

ich war noch unten auf der ebene mit ainem ainhaimischen schulmaister namens mebalwe, ainem ausgezaichneten mann. da sa ich ainen der löwen auf ainem felsschtük innerhalb des nun geschlossenen kraises fon mennern sizen. mebalwe foierte auf in, noch ehe ich es konnte, und di kugel traf auf den felsen, auf dem das tir sass. der löwe biss nach der getroffenen schtelle, wi ain hund nach ainem schtain schnappt, der nach im geschloidert worden ist. dann schprang er dafon, brach durch den sich öffnenden krais und entwischte unbelestigt. di menner schoiten sich, in anzugraifen, fermutlich wail si an hexerai glaubten. als der krais wider geschlossen worden war, bemerkte ich darin zwai andere löwen. wir wagten iedoch nicht zu schissen, um di menschen nicht zu geferden. si lissen auch dise tire durchbrechen.

wir sahen wol, dass wir di loite nicht dazu bringen konnten, ainen der löwen zu töten, und machten uns daher wider auf den haimweg nach dem dorf. als wir aber um das andere ende des hügels herumgingen, sa ich aines diser raubtire wi zufor auf ainem felsschtük sizen, nur hatte es dismal ainen klainen busch for sich. da es nur etwa draissig schritte fon mir entfernt war, zilte ich durch das gebüsch hindurch auf sainen laib und foierte baide loife auf es ab. da schrien di menner: «er ist getroffen! er ist getroffen!» und wollten sich soglaich auf di boite schtürzen. ich bemerkte iedoch, wi der löwe hinter dem busch sainen schwaif for grimm ganz schtail in di höhe richtete, wandte mich daher zu den loiten und sagte: «wartet ainen augenblik, bis ich wider geladen habe.» werend ich aber di kugeln in den lauf schtiss, hörte ich ainen schrai.

ich schrak zusammen, blikte mich halb um und sa den löwen gerade im begriff, auf mich loszuschpringen. er pakte mich im schprung an der schulter, und wir schtürzten baide mitainander auf den boden. er brüllte dicht an mainem or ganz entsezlich und schüttelte mich dann, wi ain dachshund aine ratte schüttelt. dise erschütterungen ferursachten aine betoibung, etwa wie diienige, di aine maus fülen muss, wenn si fon ainer kaze geschüttelt wird. ich war in ainen troimerischen zuschtand fersezt, in dem ich kaine empfindung fon schreken und kain gefül fon schmerz ferschpürte, obwol mir follkommen bewusst war, was mit mir forging. dise aigentümliche lage war nicht das ergebnis irgendaines gaistigen forgangs. das schütteln hob ainfach di furcht auf und liss kaine regung fon entsezen baim anblik des tirs aufkommen. es ist anzunemen, dass alle tire, di fon den grossen flaischessern getötet werden, disen aigentümlichen zuschtand empfinden.

als ich mich umdrete, um das gewicht abzuschütteln (denn der löwe hatte mir aine taze auf den hinterkopf gesezt), sa ich saine augen auf mebalwe geheftet, der aus ainer entfernung fon zen bis fünfzen schritten auf in zu foiern fersuchte. sain gewer mit foierschloss fersagte aber auf baiden loifen. der löwe liss augenbliklich fon mir ab und griff mebalwe an, den er in den schenkel biss. ain anderer mann, dem ich früher ainmal das leben gerettet hatte, als er fon ainem büffel in di luft geschloidert worden war, fersuchte nun, den löwen mit dem schper niderzuschtossen, werend diser mebalwe biss. darauf liss das tir fon mebalwe ab und pakte den anderen an der schulter, doch in disem augenblik wirkten endlich di baiden kugeln, di er erhalten hatte, und er brach schterbend zusammen. das alles gescha im handumdrehen und war wol aine wirkung des todeskampfes dises löwen.

um nun den zauberbann an im aufzuheben, machten di bakatla am folgenden tag ain grosses froidenfoier über dem körper des erlegten löwen, der nach irer aussage der grösste gewesen sain soll, den si ie gesehen hatten.

das tir hatte mir nicht nur den knochen zu schplittern zermalmt, sondern am oberarm auch noch elf zanwunden hinterlassen. aine solche ferlezung hat gewönlich aine ser schtarke aiterung und schorfbildung zur folge und ferursacht immerwiderkerende schmerzen, di man noch lange nachher fült. leztlich kam ich mit der unbekuemlichkait aines schtaifen gelenkes im oberarm dafon.

david livingstone in «missionsreisen und forschungen in südafrika», 1853

 

 

der leopard hatte den kopf abgetrennt

mit der ferantwortung für di waiterfürung der schtreke batticaloa-trincomalee an der ostküste ceylons betraut, kam ich mitte 1924 in di gegend fon punani, um mich fom fortgang der arbaiten zu überzoigen. der lokale bauunternemer erwente bailoifig, dass ain iunge, der im immer in der küche geholfen hatte, plözlich ferschwunden sai. er habe den ferdacht, dass er fon ainem leoparden entfürt worden sai. es war das erstemal, dass ich fom menschenfressenden leoparden in diser gegend erfur, dem beraits sibzen menschen zum opfer gefallen waren.

fir tage schpeter wurden zwai arbaiter, di gekündigt hatten und auf dem weg zurük in ire haimat, nach batticaloa, waren, fon ainem leoparden angefallen. der aine wurde weggeschleppt, der andere rannte in panischer angst zurük nach punani. er zitterte am ganzen körper und fertraute mir di entsezliche geschichte an.

si waren zusammen den knapp zwai meter braiten weg entlanggegangen, der baidersaits fon drai meter hohem managras aingefasst war und hinter dem sich undurchdringlicher urwald ausdente, als plözlich der leopard dem ainen auf den rüken schprang.

wir hatten es also mit ainem grausamen menschenfresser zu tun, und selbstferschtendlich wurden alle möglichen forsichtsmassnamen getroffen. ich hatte schtrenge anwaisung gegeben, dise schtrasse unter allen umschtenden zu maiden und schtattdessen di alte schtrasse, di um den wald herum nach vakanari fürte, zu benuzen.

ain par wochen schpeter furen siben büffelkarren, welche baumschtemme zur segemüle in punani gebracht hatten, zurük nach valachenai, wo si hergekommen waren. zur glaichen zait wollten auch fir moslems nach valachenai. da es dunkel und schon schpet war, hatten si angst, di fom leoparden haimgesuchte gegend allain und zu fuss zu durchkueren. si beschlossen deshalb, sich den karren, di dasselbe zil hatten, anzuschlissen. drai menner sezten sich auf den lezten wagen, der firte ging und hilt sich an der karre fest. alles ging gut, bis si an di schtelle kamen, wo der leopard sain unwesen trib. di ersten karren kamen sicher hindurch. aber als der lezte wagen sich der schtelle neherte, an der der leopard gewönlich auftrat, schprang er plözlich herfor und holte sich den mann, der hinter dem karren gegangen war. es gab sofort ainen höllenlerm, und di büffel rasten blindlings dafon.

als ich am sonntagmorgen des 16. august 1924 mit mainer büropost fertig war, gab ich di abzuschikenden brife manikam, mainem postboten, mit der ausdrüklichen bitte, di alte schtrasse nach kalkudah zu benuzen, um si dort auf dem postamt aufzugeben. sait mereren tagen hatten wir fon kainer unternemung des menschenfressers mer gehört, daher glaubte ich, es sai nicht allzu geferlich, in dorthin zu schiken. danach ging ich nach hause und früschtükte.

schpeter fragte ich bailoifig mainen koch, ob manikam schon gegangen sai. da erfur ich foller entsezen, dass er nicht, wi ich in ausdrüklich gebeten hatte, den alten weg gegangen sai, sondern di schtrasse, di durch den leoparden so geferdet war.

es war ungefer aine schtunde, nachdem manikam weggegangen war. one zait zu ferliren, folgte ich auf dem motorrad. ich fur so schnell es nur ging, denn ich wusste, würde der bote di bewusste schtelle for mir erraichen, were es um sain leben geschehen.

laider kam er wirklich for mir dort an. als ich di betreffende schtelle erraichte, sa ich sainen postsak am schtrassenrand ligen. ausserdem entdekte ich file schpuren in der mitte der schtrasse, di mir den untrüglichen bewais dafür liferten, dass hir leopard und mensch gekempft hatten. ebenso bemerkte ich aine braite schpur auf der schtrasse, di augenschainlich fon ainem in den busch geschlaiften körper herrürte.

ich fülte, dass es an der zait war, endlich disem gemainen roiber auf den laib zu rüken, um wider sichere ferheltnisse auf diser schtrasse zu schaffen. ich fur waiter zu ainer schtelle, wo aine gruppe fon mainen mennern mit dem abschnaiden fon managras berscheftigt war. ich welte fir fon inen, di mir als di tapfersten erschinen, und bewaffnet mit knüppeln und exten wanderten wir zurük zu dem unfallplaz. als wir ankamen, bat ich di menner, den busch abzusuchen, denn ich wollte herausfinden, wo der leopard den boten hingetragen hatte und ob man in unter umschtenden fillaicht sogar iezt noch retten konnte. di arbaiter aber lenten ab, denn zwaifellos war inen bewusst, wi geferlich es were, in der nehe aines menschenfressers, der warschainlich gerade baim ferschmausen saines opfers war, herumzuhantiren. so liss ich forerst fon mainem forhaben ab.

di posttasche nam ich auf dem motorrad mit mir nach kalkudah. ich war gerade auf dem postamt, als zufellig kapiten shelton agar, ain bekannter fon mir und ain passionirter ieger, herainkam. ich erzelte im das sonntegliche erlebnis. sofort bat er mich, telefonisch di fir arbaiter nochmals aufzubiten. dann furen wir in sainem auto nach punani, lissen di arbaiter ainschtaigen und furen an den ort, wo der leopard manikam angegriffen hatte.

es war ungefer fir ur an disem sonntag. kapiten agar untersuchte an ort und schtelle di möglichkaiten, den menschenfresser zu erlegen. er gab mir aine büchse mit hundert schuss und nam selbst auch aine solche zur hand. im gensemarsch drangen wir in den dschungel ain. schon nach siben metern fand ich das zinnkennzaichen maines postboten. noch etwas waiter sahen wir saine klaidungsschtüke. und schlisslich, kaum ainige meter fortgezerrt, sainen schreklich ferschtümmelten körper, fon dem der kopf follschtendig abgetrennt war.

das zerflaischte aussehen des laichnams liss kainen zwaifel daran, dass der menschenfresser es sich warschainlich nicht nemen lassen würde, waitere bissen fon sainem opfer girig zu ferschlingen, also widerkeren würde. kapiten agar beschloss daher, ainen hinterhalt zu errichten.

maine loite machten sich glaich an di arbait, werend wir schtendig rund um den mordplaz herumgingen, so dass für den leoparden kaine möglichkait beschtehen würde, sich an den laichnam oder an di arbaiter heranzuschlaichen. als der hinterhalt fertiggeschtellt war, begann es beraits zu demmern. ich schlug deshalb for, nach punani zurükzugehen und mit laternen und fakeln wider hir zu erschainen. kapiten agar war ainferschtanden, und so gingen wir zurük zur schtrasse, ich als lezter.

plözlich tailte sich mir aine tödliche angst for ainem unmittelbar auf uns zukommenden unhail mit. ich konnte den drang, mich umzusehen, nicht mer bezwingen. und sihe da: ungefer zwölf meter entfernt sa ich den menschenfresser in foller grösse, wi er auf uns zulif! ain fesselnder, aber noch wait mer erschrekender anblik!

ich hatte kaine zait, ainen warnschrai auszuschtossen, sondern foierte sofort - und ferfelte in. kapiten agar, der for mir gegangen war, drete sich zum glük gaistesgegenwertig um und gab zwai waitere, gutgezilte schüsse ab. baim zwaiten sahen wir das tir hoch in di luft schpringen - aber noch im schprung hauchte der menschenfresser sain elendes leben aus und fil tot zu boden. der schuss war im mitten ins gehirn gedrungen.

wir alle brüllten for froide in den demmrigen abend. bai der untersuchung des leoparden zaigte sich dann, dass aine ganze anzal schtacheln in den pranken, glidern und im laib sassen, di in bai der iagd arg behindert haben mussten, so dass im nichts anderes übrig blib, als werlose menschen anzufallen. one zwaifel war er der menschenfresser, der di gegend mit schreken erfüllt hatte.

er wurde dann noch in der gegend zur schau geschtellt, damit di ferengstigten loite sich dafon überzoigen konnten, dass ir faind wirklich gefallen war. werend des rests maines aufenthalts in punani erlebte ich kaine waiteren überfelle durch ainen leoparden.

a.h. altendorff in «das tier», iuni 1967

 

 

nashorn in rage

der 10. nowember 1987 ferschprach für den zwaiundzwanzigierigen fribourger manfred piller ain herrlicher tag zu werden. als sich über dem royal-chitwan-nazionalpark in nepal der morgennebel lichtete, erschin aine schtralende sonne am wolkenlosen himmel. der iunge mann, der for kurzem di wirtschaftsmatura beschtanden hatte, war an disem dinstag frü aufgeschtanden, um zusammen mit ainem ainhaimischen fürer das tirparadis zu erkunden, in dem drai duzend arten grosser soigetire leben, darunter tiger und panzernashörner. piller, der gut zwai wochen zufor zu ainer weltraise aufgebrochen war, froite sich darauf, dise exotischen tire zu fotografiren.

zu fuss ferlissen di baiden di lemhütten in sauraha am offiziellen aingang zum park. «wir nemen den dschungelpfad, der parallel zum rapti-fluss ferloift», sagte der fürer, ain nepalese mittleren alters. zu irer linken schtand der dichte urwald, zur rechten hohes elefantengras und gebüsch. «sist du di geknikten este hir?» fragte der fürer. «da ist ain nashorn forbaigekommen.» biswailen pfiff oder sang er, um sich den tiren anzukünden, denn er wollte si nicht erschreken und zu ainem angriff prowoziren.

fon zait zu zait erschtigen si aussichtstürme und beobachteten wildrinder, hirsche, affen und zalraiche fogelarten. «welch ain unwarschainlicher tirraichtum!» schtaunte manfred immer wider. um zen ur kamen si zu ainem wasserloch. «wollen wir nicht hir auf tire warten?» schlug manfred for. er wusste nicht, dass ain nepalese schlecht nain sagen kann - und sai ain ansinnen auch noch so riskant.

«okay!» sagte der fürer, und di baiden lissen sich etwa zen meter fon dem wasserloch entfernt im schuz fon gebüschen nider. manfred blikte gelegentlich durch das obiektif saines fotoapparats, um schussberait zu sain, falls sich etwas zaigen sollte.

«hör mal!» flüsterte der fürer plözlich und machte manfred auf ain rascheln aufmerksam, das aus der dichten wegetazion am gegenüberligenden ufer kam. manfred drete saine kamera in iene richtung, und im selben augenblik füllte sich di linse mit ainer schnauze und ainem horn.

«ain nashorn!» durchschoss es manfred. da rannte das risentir beraits durch das saichte wasserloch auf in und sainen fürer zu.

«baum, baum, baum!» war pillers ainziger gedanke, werend si baide dafonschtoben - der nepalese zum fluss, in schpizem wikel zur angriffslinie des tirs, der schwaizer in der laufrichtung des nashorns zum rand des urwalds. «ich bin nicht schnell genug!», schpürte er. «ich sinke auf dem waichen boden ain!»

und doch rannte er um sain leben - one zu bedenken, dass man sich for dem kurzsichtigen, mit sainen zwai tonnen gewicht ser schwerfelligen tir am besten auf ainem zikzakkurs in sicherhait bringt. weder rükwerts noch saitwerts blikend schprintete der durchtrainirte fribourger, ain passionirter fussballer, auf den rettenden wald zu.

das geroisch knakenden klainholzes hinter im kam iedoch immer neher. plözlich - er war noch etwa fünfzig meter fom waldrand entfernt - wirbelte manfred ain heftiger schtoss in den rüken durch di luft. «iezt schterbe ich!» dachte er.

sekunden darauf schtand das faltige ungetüm wild schnaufend über im und pakte mit den zenen manfreds rechten oberschenkel. den lauten angstschrai des opfers erwiderte der angraifende koloss mit ainem markdurchdringenden urlaut. als manfred sain blut schprizen sa, war im klar: «nun ist alles forbai!»

trozdem klammerte er sich, werend das panzernashorn in wild hin und her schüttelte, krampfhaft an dessen kopf fest. «wenn ich auf den boden zu ligen komme», dachte er, «trampelt das tir mich zu tode». noch schpürte er, fom schok wi betoibt, kainen schmerz.

di painigung schin endlos zu dauern, und als manfreds krefte nachzulassen begannen, schüttelte das tir sain opfer zu boden und schnappte und trat in unferminderter raserai nach dem blutigen körper. zum schluss schlizte es im mit sainem gewaltigen horn di rechte brustsaite auf. dann trollte es sich.

dem zögernd zurükkerenden fürer pillers bot sich ain schrekliches bild: auf dem föllig zertrampelten und blutbeflekten boden lag, inmitten fon flaisch- und klaiderfezen, ain gresslich zugerichteter körper. «o, nain, nain!» schtammelte er fassungslos und hilt sich di hende for das gesicht.

wi durch ain wunder war der schwaizer noch am leben. aus sainer ferlezten brust kam ain rasselnd-pfaifendes geroisch, das der nepalese zunechst für laute aines tirs hilt. panikartig schlug er mit sainem schtok auf den boden, um es zu fertraiben. «das rasseln ... kommt ... fon hir», presste manfred müsam herfor und doitete auf sainen brustkorb. der fürer half im auf di baine und fürte den angeschtrengt humpelnden zum dschungelrand. dort wurde es manfred schwarz for den augen. er sank unter ainem baum zu boden und bat mit kraftloser schtimme: «ge bitte ... ins dorf ... und hol hilfe!»

«ich darf nicht onmechtig werden», sagte sich manfred. «wenn ich auf di helfer den aindruk aines schterbenden mache, lassen si mich umkommen. in östlichen religionen ist ia der tod nichts endgültiges.» er hörte dem gezwitscher der fögel zu und sa for sainem inneren auge bilder der eltern, der drai geschwister und mererer froinde forbaizihen. ob er si ie widersehen würde? «ich darf mir nichts formachen», resignirte er, als er merkte, wi er immer schwecher wurde, «ich schaffe es nicht».

in sauraha besorgten gegen elf ur morgens der zwanzigierige australier jordan armstrong und saine froindin sandra jeffery for irem bungalow gerade di wesche, als si ainige ainhaimische aufgeregt reden hörten. aine halbe schtunde darauf kam der lodgebesizer und sagte zu jordan: «ain tourist ist im dschungel fon ainem nashorn angefallen worden. könnten si fillaicht nach im sehen?» jordan, absolwent ainer landwirtschaftlichen schule, machte sich sofort auf den weg - zusammen mit fir ainhaimischen und ainem elefanten.

nach ainem draifirtelschtündigen marsch erraichten si manfred. er befand sich an der schwelle des todes, war aber noch bai bewusstsain. nach dem enormen blutferlust war der puls des schwaizers kaum mer zu schpüren. «er lebt wol bestenfalls noch ain par minuten», dachte jordan, bemüte sich iedoch, sich saine hoffnungslosigkait nicht anmerken zu lassen. er schprach manfred mut zu: «mach dir kaine sorgen - wir bringen dich ins schpital.»

als di menner fersuchten, den ferschtümmelten körper auf den elefanten zu heben, schri manfred for schmerz dermassen, dass si nach ainer anderen lösung suchten. jordan baute aus esten und lianen aine tragbare und polsterte si mit der sattelmatraze des elefanten.

behutsam legten di menner manfred darauf und machten sich auf den weg zurük nach sauraha. «das wird schon wider werden», sagte jordan zufersichtlich. di ruhige, besonnene art des iungen australiers ferli dem schwaizer noien lebensmut. «iezt musst du auf di zene baissen», sagte er sich.

als der bergungstrupp um zwai ur in sauraha ankam, begannen jordan und sandra ferzwaifelt nach ainem arzt zu suchen. auf der parkferwaltung gab es weder ain telefon noch ain funkgeret noch medizinische hilfsmittel. doch dann begegneten si kevin davison, ainem amerikanischen arzt, der gerade den park besuchte und saine hilfe anbot. «ich habe zwar kaine schmerzschtillenden medikamente bai mir, dafür aber ferbandsmaterial», sagte er und schikte sich an, di brustwunde des opfers fachgerecht zu ferbinden, so dass manfred das atmen etwas weniger mühe machte.

um halb drai furen di baiden australier sowi davison und ain ainhaimischer mit manfred aine schtunde in ainem jeep über holprige schtrassen nach narayanghat, ainem klainen ort mit ainem lazarettartigen schpital. nach ainer schainbaren ewigkait des wartens nam sich ain nepalesischer arzt des nashornopfers an.

doch erst um halb acht - noin schtunden nach dem angriff - war der arzt für di operazion berait. «iezt nehen wir daine wunden», erklerte er. der narkosearzt fersuchte, dem pazienten ainen kugelschraiber in di hand zu drüken. one manfreds unterschrift wollte er das risiko ainer narkose kainesfalls auf sich nemen. doch der iunge schwaizer war zum schraiben zu schwach, und so musste er das rainigen und nehen der wunden one schmerzschtillende mittel über sich ergehen lassen.

manfred schpürte ieden ainzelnen der rund hundert schtiche und schri fast ununterbrochen. aine krakenschwester hilt sainen oberkörper; der linke fuss war mit ainem lederrimen am operazionstisch angebunden.

risse und kuetschungen bedekten den ganzen körper des pazienten. der rechte unterarm war - wol als folge aines bisses - föllig offen. der rüken trug tife schpuren des ersten schtosses mit dem horn. und an der rechten körpersaite klaffte aine rund zwanzig zentimeter lange wunde. drai rippen waren gebrochen, di lunge aber unfersert gebliben. erschtaunlicherwaise fand sich am kopf kain ainziger krazer.

davison schtand werend der ganzen operazion an manfreds saite. «iezt ist der oberschenkel fertig; nun kommt der arm dran», sagte er etwa, und zum operirenden arzt: «hir sollten wir darauf achten, dass sich di flaischtaile nicht überlappen.»

nachdem di tortur forüber war, gelangte der schwaizer in ain zimmer, in dem sich drai waitere pazienten befanden. manfred war am ende sainer krefte und dachte, nun habe man in aufgegeben und lasse in zum schterben dort. «ich will aber nicht schterben!», dachte er. des öfteren bat er um wasser.

in fribourg erhilt hilda piller am dinstag nachmittag kurz nach zwai ur ainen telefonanruf. «ir son manfred hat ainen schweren unfall erlitten», meldete aine konsularbeamtin aus katmandu (wo es zu disem zaitpunkt siben ur abends war). «ain nashorn hat in übel zugerichtet.» hilda piller musste sich erst fon irem schok erholen, befor si iren mann an sainem arbaitsplaz benachrichtigen konnte. als er dahaim war, beschlossen si, di konsularagentur um nehere auskünfte zu bitten. der beamte beschtetigte di unglüksbotschaft und sagte: «es beschtet kaum aussicht darauf, dass ir son überlebt. bitte lassen si uns wissen, ob si in beerdigen oder kremiren lassen wollen.» gegen ire ferzwaiflung kempfend, zündete hilda piller aine kerze an und betete.

in iener nacht schlif manfred kaum, obwol di schmerzen nachgelassen hatten. am morgen erschin kevin davison und mainte: «nun hast du das schlimmste überschtanden.»

dank der fermittlung fon martin pauli, koordinator der «direkzion für entwiklungszusammenarbait und humanitere hilfe» in nepal, gelang am selben tag mit ainem nepalesischen militerflugzoig di überfürung des pazienten ins uniwersitetsschpital fon katmandu.

manfred sente sich danach, in di schwaiz zurükzukeren. di erzte beurtailten indessen sainen zuschtand noch immer als kritisch. doch nach ainer woche hilten si di rükraise für fertretbar.

di lufthansa erklerte sich berait, manfred nach frankfurt zu fligen - unter der bedingung, dass ain arzt in beglaitete. glüklicherwaise traf davison im büro ainer fluggesellschaft in katmandu di schwaizer erztin susanne schaad, di ainen flug nach delhi buchen wollte. ob si di beglaitung überneme? «aber sicher», sagte si.

als manfred am 18. nowember kurz for mitternacht mit ainer ambulanz der schwaizerischen rettungsflugwacht im kantonsschpital fribourg aintraf, erwarteten in saine eltern beraits. «es war, als hette man mir mainen son ain zwaites mal geschenkt», sagte hilda piller. sofort nam in aine equipe in pflege. bis drai ur frü rainigten und desinfizirten erzte und schwestern di geneten wunden und ferabraichten dem pazienten antibiotika.

als manfred am 12. dezember aus dem schpital entlassen wurde, hatte er achtzen kilogramm abgenommen. der rechte unterarm war so ferlezt, dass er di finger nicht mer schtreken konnte. nach ainem senentransfer kerte di beweglichkait der finger aber zurük, und der iunge mann begann, den kraftferlust mit training wettzumachen. im iuni 1988 konnte manfred sainen militerdinst zum abferdinen des loitnants antreten.

«der zwischenfall in ienem reserwat und di wunderbare art und waise mainer rettung haben mir beschtetigt, dass man überall auf der welt auf di hilfsberaitschaft der mitmenschen zelen kann», erklert er und fügt hinzu: «das leben ist für mich hoite nicht mer etwas selbstferschtendliches. oft sage ich iezt innerlich danke, wenn ich etwas gutes oder schönes erlebe.»

hedwig schaffer in «das beste», iuni 1989






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