Diverse interessante «Fundsachen»
Auf dieser Seite führe ich
ein paar «Fundsachen» auf, welche nur entfernt mit
dem Tatzelwurm-Thema zu tun haben, mir aber als Kuriositäten
gut gefallen.
Lied
Der Tatzlwurm
Worte und Weise von Josef Pöll
In der Mühlauer Klåmm, in an grauslign Loch,
håt a wüatiger Tatzlwurm ghaust;
mit an Kopf von a Kåtz und an g'schwollenen Bauch
und an Furm, dass an Tuifl hatt' graust!
Wenn der di' dersiecht, nacher hupft er di' un
und in a Weil drauf håst koan Zwåzler mer 'tun,
koan Zwåzler, koan Zwåzler mehr 'tun. *
Gott Våtter, schaug vom Himmlsturm,
beschütze vor dem Tatzlwurm
ins iatzt und ålle Zeit, jå Zeit,
die Menschn, Viech und Leit.
So a Wurm, so a Wurm, so a Wurm, so a Wurm,
so a huidi, huidi, so a huidi-a-ridi-a-trui-a-dio,
so a huidi, huidi, so a Wurm, der gang mir no' åå!
**
Der Tscherfeler Much håt in Purnhof g'heut
und der geaht in der Klåmm übern Bach,
heart pfeifn und betet und fluacht und lafft
und der Wurm, der hupft hinter eahm nåch.
Sei' lederne Hosn, dö håt'n nix g'nutzt,
der Wurm fångt ån blåsn, an Much, den håts
'putzt,
jå an Much, jå an Much, den håts 'putzt.***
Gott Våtter, schaug vom Himmlsturm,
beschütze vor dem Tatzlwurm
ins iatzt und ålle Zeit, jå Zeit,
die Menschn, Viech und Leit.
So a Wurm, so a Wurm, so a Wurm, so a Wurm,
so a huidi, huidi, so a huidi-a-ridi-a-trui-a-dio,
so a huidi, huidi, so a Wurm, der gang mir no' åå!
Der Mauggeler Hias håt a kotzngrobs Weib
und dös geaht hålt amål in die Klåmm,
håt Taxn wölln holn und a Ströb für die
Goass,
latzt «Tatzlwurm, iatzt nimm die z'samm'!»
An Wurm packt der Grausn, verkriacht sich ins Loch,
håt'n niamand mehr g'söchn - 's bease Weib, dös
lebt noch,
's bease Weib, 's bease Weib, dös lebt noch.
Gott Våtter, schaug vom Himmlsturm,
schick' liaber uns an Tatzlwurm
zur Not für ålle Zeit, ja Zeit,
nur gråd koa beases Weib
So a Weib, so a Weib, so a Weib, so a Weib,
so a huidi, huidi, so a huidi-a-ridi-a-trui-a-di-o,
so a huidi, huidi, so a Weib, dös gang mir no' åå!
* kein Lebenszeichen mehr gegeben
** der ginge mir noch ab
*** den hat es erwischt
«Das Tatzelwurm-Marterl von Unken. Im Salzburger
Land, beim Dorfe Unken in den Loferer Steinbergen, stand lange
Jahre ein seltsames Marterl, das jetzt im Salzburger Museum für
Naturkunde aufbewahrt wird. Nach der Inschrift wurde der Bauer
Hans Fuchs im Jahre 1779 beim Beerensammeln von zwei «Springwürmern»,
wie man dort die Tatzelwürmer nennt, angegriffen. Er warf
sich zu Boden und hielt sich Mund und Nase zu, um sich vor dem
giftigen Hauch der Würmer zu schützen. Aber der Gifthauch
erreichte ihn doch. Das Kreuzlein zeigt an, dass der Bauer bereits
tot ist.»
(aus: «Berliner Illustrirte
Zeitung», Nr. 16, April 1935)
Marterln sind Bildstöckchen,
also kleine Holztafeln mit in naivem Stil gemalten Bildern, welche
entweder am Ort eines Unglücksfalls von den Hinterbliebenen
zum Gedenken oder aber am Ort eines glückhaften Geschehens
(Stichwort: Schutzengel) von den Überlebenden zum Dank aufgestellt
werden. Sie sind meistens einem Heiligen oder der Muttergottes
gewidmet. Marterln, wie man sie vor allem in Österreich
noch vielerorts sieht, gehören also zu den so genannten
Votivbildern (von lat. votivus geweiht, versprochen»).
Dass schon der giftige Hauch
der Tatzelwürmer zu töten vermag, erinnert zwar im
vorliegenden Fall stark an den damals noch verbreiteten Drachenglauben.
Die dargestellten Tiere haben hingegen wenig Drachenhaftes an
sich.
Das nachfolgende Gedicht ist so hübsch,
dass ich es hier aufnehme, obschon der Dichter den Tatzelwurm
- wie so oft - einen grossen, flugfähigen, Feuer speienden
Drachen sein lässt, also nicht vom «eigentlichen»
Tatzelwurm spricht.
Der Tazzelwurm
von Joseph Victor von Scheffel (vor 1928)
Festlied bei Aufstellung des Herbergsschilds «Zum
feurigen Tazzelwurm» am Bergwirtshäuslein zu Rehau,
beim Übergang über die Audorfer Almen
Als noch ein Bergsee klar und gross
In dieser Täler Tiefen floss,
Hab' ich allhier in grosser Pracht
Gelebt, geliebt und auch gedracht
Als Tazzelwurm.
Vom Pentling bis zum Wendelstein
War Fels und Luft und Wasser mein,
Ich flog und ging und war gerollt,
Und statt auf Heu schlief ich auf Gold
Als Tazzelwurm.
Hornhautig war mein Schuppenleib
Und Feuerspei'n mein Zeitvertreib,
Und was da kroch den Berg herauf,
Das blies ich um und frass es auf
Als Tazzelwurm.
Doch als ich mich so weit vergass
Und Sennerinnen roh auffrass,
Da kam die Sündflut grausenhaft
Und tilgte meine Bergwirtschaft
Zum Tazzelwurm.
Jetzt zier' ich nur gemalt im Bild
Des Schweinesteigers neuen Schild,
Die Senn'rin hört man jauchzend schrei'n
Und keine fürcht't das Feuerspei'n
Des Tazzelwurms.
Und kommt so ein gelehrtes Haus
So höhnt's und spricht: «Mit dem ist's aus,
Der war ein vorsündflutlich Vieh,
Doch weise Männer sah'n noch nie
Den Tazzelwurm.»
Kleingläub'ge Zweifler! Kehrt nur ein
Und setzt auf Bier Tiroler Wein...
Ob Ihr dann bis nach Kufstein fleucht,
Ihr spürt, dass ich Euch angekeucht
Als Tazzelwurm.
Und ernsthaft spricht der Klausenwirt:
«Schwernoth! Woher sind die verirrt?
Das Fusswerk schwankt... im Kopf ist Sturm...
Die sahen all' den Tazzelwurm!
Den Tazzelwurm!»
«Einer der letzten spektakulären Tatzelwurm-Fälle
begab sich im Jahr 1954, als Landwirte in der Nähe von Palermo
auf Sizilien ein wurmähnliches Wesen mit zwei Vorderbeinen
und Katzenkopf beobachteten, welches eine Schweineherde angriff.»
(im Web gefunden)
Ein extra-alpiner Tatzelwurm
also! Der Künstler war gut informiert, und er hat zweifellos
grosses Talent. Ansonsten aber kann ich nur sagen: Armes Schwein!
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