Der Tatzelwurm hat zahlreiche Namen


Der Tatzelwurm trägt innerhalb seines Verbreitungsgebiets viele verschiedene Namen. Die meisten davon beziehen sich auf bestimmte Körper- oder Verhaltensmerkmale des Tiers:

Tatzelwurm, Tazzelwurm, Tatzlwurm, Daazlwurm, Pratzlwurm, Praatzelwurm, Füesselwurm: Sie bezeichnen eine Schlange (Schlangen wurden früher «Würmer», gelegentlich auch «Beisswürmer» genannt) mit auffälligen, wenn auch stummelartigen Gliedmassen (Tatzen, Pratzen).

Stollenwurm, Stollwurm. Das soeben Gesagte gilt auch für diese Namen, denn so heisst das Tier nicht etwa deshalb, weil es in verlassenen Bergwerksstollen oder ähnlichen Löchern wohnt, sondern weil es ganz kurze Füsse oder Stollen besitzt (wie ja auch Fussballschuhe Stollen haben).

Steinkatze, Bisamkatze: Die Namen leiten sich von der rundlichen, an eine Katze erinnernde Kopfform her.

Bisamwurm, Bisamkatze, Moschusschlange, schmeckender (auch: schmeckete oder schmöcketen) Wurm: Die Bezeichnungen weist auf den «strengen» Geruch des Tiers hin.

Bergstutz, Birgstutz, Birgstutzen, Natternstutz, Waldstutz: Die Namen bringen die gedrungene, hinten gleichsam «abgestutzte» Gestalt zum Ausdruck.

Waldstutz, Bergstutz, Steinkatze, Heuwurm, Legernwurm (Legern = Legföhren): Die Namen weisen auf beliebte Aufenthaltsorte des Tiers hinweisen.

Springwurm: Der Name bezieht sich auf das sprungartige Vorwärtsschnellen des Tiers. Auch Psokok, der in Unterkärnten gebräuchliche slawische Name des Tiers, soll Springer bedeuten.

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Die Wissenschaft hingegen hat bislang keinen Namen für den Tatzelwurm.

Hübner erwähnt das Tier in seiner 1796 erschienenen Beschreibung des Erzstifts und Reichsfürstentums Salzburg, 3. Band, Seite 868, als «eine Art Lacerta seps», was «Gift-Eidechse» bedeutet.

Jakob Nicolussi meint 1933 im «Schlern», der Tatzelwurm sei «eine Krustenechse, der man den Fachnamen Heloderma europaeum (= Europäische Krustenechse) geben kann, wenn nicht bekannt werdende Eigenschaften eine andere Bezeichnung erfordern».

In seinem 1954 publizierten Bericht behauptet Dr. Otto Croy, die Fachleute des Zoologischen Instituts Zürich hätten gegenüber dem «Reporter X» folgendes verlauten lassen: «Wissen Sie, (...) dass Sie das unwahrscheinliche Glück hatten, als erster Mensch ein uns völlig unbekanntes Tier aufgenommen zu haben, das wahrscheinlich mit dem sagenumwobenen Tatzelwurm identisch sein dürfte? (...) Wenn wir es finden, wird es nach Ihnen benannt. Sie werden mit ihm in die Unvergänglichkeit eingehen, denn man wird es voraussichtlich «Tacitus xensis» benennen.» Ich würde das als «X'ens Tatzi» übersetzen - und mithin als Scherz des Autors betrachten.






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