Afrikanischer Elefant
Loxodonta africana
© 1991 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
Der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana)
und der Asiatische Elefant (Elephas maximus) sind die
beiden einzigen Vertreter der Ordnung der Rüsseltiere. Beim
Afrikanischen Elefanten unterscheidet man gewöhnlich zwei
Rassen: den Steppenelefanten (Loxodonta africana africana),
der die weiten Savannengebiete südlich der Sahara bewohnt,
und den Waldelefanten (Loxodonta africana cyclotis), der
in den Regenwäldern Westafrikas und des Zentralafrikanischen
Beckens lebt. Der Waldelefant unterscheidet sich von seinem Bruder
in der Savanne durch die geringere Körpergrösse, kleinere
Ohren und weniger ausladende Stosszähne. Er ist im übrigen
ziemlich selten und führt eine sehr versteckte und heimliche
Lebensweise.
Der savannenbewohnende Afrikanische Elefant ist das
grösste und schwerste Landsäugetier der Erde. Ältere
Männchen können eine Schulterhöhe von etwa vier
Metern und ein Gewicht von ungefähr fünf Tonnen erreichen.
Neben ihrem Riesenwuchs sind der Rüssel und die Stosszähne
wohl die auffälligsten Merkmale der Grauhäuter. Die
Stosszähne sind die verlängerten oberen Schneidezähne
der Tiere, der Rüssel ist die umgebaute Nase plus Oberlippe.
Dieses Tast-, Greif- und Riechorgan ist stark genug, um einen
Baum zu entwurzeln, feinfühlig genug, um winzige Früchte
vom Boden aufzuheben, und lang genug, um Blätter in der
«Giraffenetage» zu erreichen. Es ist ein sensationelles
Vielzweckorgan und eine in der Tierwelt einzigartige Erfindung.
Riesenwuchs hat zweifellos seine Vorteile: Keiner
- vom Menschen mit seinen weitreichenden Schusswaffen abgesehen
- wagt es, einen tonnenschweren «Koloss» anzugreifen.
Er bedeutet aber auch, dass der Elefant die meiste Zeit seines
Lebens der Ernährung widmen muss. Etwa 140 Kilogramm Pflanzenmaterial
braucht ein erwachsenes Männchen täglich zur Ernährung
seines mächtigen Körpers, und durchschnittlich 18 Stunden
erfordert die Beschaffung dieser enormen Futtermenge Tag für
Tag. Um auf die benötigte Ration zu kommen, dürfen
Elefanten nicht wählerisch sein. Sie fressen sozusagen alles,
was ihnen an pflanzlichen Stoffen vor den Rüssel kommt -
von Gräsern und Blättern über Wurzeln und Früchte
bis hin zu Rinde und sogar Holz.
Die weiblichen Steppenelefanten leben mit ihren Jungen
zusammen in Familiengruppen von 5 bis 15 Individuen. Geführt
wird jede Herde von einer alten, erfahrenen Kuh. Während
die in der Gruppe zur Welt kommenden Weibchen zeitlebens im Schoss
der Familie bleiben, werden die jungen Männchen aus der
Gruppe ausgeschlossen, sobald sie geschlechtsreif sind. Meistens
bilden sie anfänglich mit Gleichaltrigen zusammen sogenannte
«Junggesellentrupps». Später, als vollerwachsene
Bullen, fristen sie ihr Leben gewöhnlich als Einzelgänger
und schliessen sich nur hin und wieder kurzfristig einer Familiengruppe
an, wenn eines der Weibchen in Hitze ist.
Die Jungen kommen nach einer Tragzeit von 22 Monaten
zur Welt und wiegen dann bereits über 100 Kilogramm. Sie
werden ungefähr zwei Jahre lang von ihrer Mutter gesäugt.
Die Geschlechtsreife erreichen sie mit acht bis zehn Jahren.
1979 wurde der Artbestand des Afrikanischen Elefanten auf mindestens
1,3 Millionen Tiere geschätzt, doch davon sind in der Zwischenzeit
weit mehr als die Hälfte ihres Elfenbeins wegen abgeschossen
worden. In einigen Ländern ist der Prozentsatz sogar noch
höher: Sambia hat beispielsweise seit 1981 etwa 80 Prozent
seiner Elefanten verloren, Kenia seit 1973 85 Prozent. Geht die
Entwicklung in diesem Ausmass weiter, so bleiben im Jahr 2000
in Ost- und Westafrika sowie in weiten Teilen des zentralen Afrikas
nur noch kleine, verstreute Restbestände übrig.
Um dem verheerenden Geschäft mit Elfenbein endlich
einen Riegel vorzuschieben, haben 1989 die über hundert
Unterzeichnerstaaten des «Übereinkommens über
den internationalen Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten»,
auch «Washingtoner Abkommen» genannt, ein weltweites
Verbot des Handels mit Elfenbein beschlossen. Denn in Fachkreisen
ist man sich im klaren darüber, dass das Ende des Elfenbeinschmuggels
und folglich der Elefantenwilderei die allererste Voraussetzung
für den Fortbestand des Afrikanischen Elefanten bildet.
Dessen Niedergang wäre ja nicht allein deshalb eine Tragödie,
weil er zu den bestbekannten und beliebtesten Geschöpfen
unseres Planeten zählt, sondern auch, weil er als «Landschaftsgestalter»
eine überaus wichtige Rolle für die Stabilität
der Wald- und Savannenökosysteme Afrikas spielt.
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