Afrikanischer Elefant

Loxodonta africana


© 1983/91 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana) und der Asiatische Elefant (Elephas maximus) sind die beiden letzten Überlebenden der einst vielgestaltigen und über die ganze Welt verbreiteten Ordnung der Rüsseltiere (Proboscidea). Über 300 verschiedene Arten hatte diese Tiergruppe im Lauf von etwa 25 Millionen Jahren hervorgebracht. Nach und nach waren aber - wahrscheinlich wegen gravierender Klimaänderungen - ganze Entwicklungslinien ausgestorben. Zuletzt blieb, vor weniger als einer Million Jahren, dann auch noch das in den nördlichen Breiten beheimatete Mammut auf der Strecke.

Die beiden «modernen» Elefanten sind heute die grössten und schwersten Landsäugetiere unseres Planeten. Den Grössenrekord hält ein 1955 in Angola erlegter Bulle mit einer Schulterhöhe von vier Metern und einem Gewicht von sechs Tonnen. Neben ihrem Riesenwuchs sind der Rüssel und die Stosszähne wohl die auffälligsten Merkmale der grauen Kolosse. Die Stosszähne sind die verlängerten oberen Schneidezähne der Tiere, der Rüssel die zur kraftvollen und sehr beweglichen Hand umgebaute Nase. Dieses Tast-, Greif- und Riechorgan ist stark genug, um einen Baum zu entwurzeln, feinfühlig genug, um erbsengrosse Früchte vom Boden aufzuheben, und lang genug, um Blätter in der «Giraffenetage» zu erreichen. Es ist ein sensationelles Vielzweckorgan und eine in der Tierwelt einzigartige Erfindung.

 

Zwei afrikanische und vier asiatische Elefantenrassen

Der Afrikanische Elefant und der Asiatische Elefant unterscheiden sich in ihrem Körperbau recht deutlich. Sie werden deshalb von den Zoologen in zwei verschiedene Gattungen - Loxodonta und Elephas - eingeteilt. Der Asiatische Elefant ist seinem afrikanischen Vetter in jeder körperlichen Hinsicht «unterlegen»: Er ist mit einer Schulterhöhe von maximal drei Metern um rund einen Meter kleiner als jener. Seine Rüsselspitze weist nur einen «Greiffinger» auf gegenüber zwei beim Afrikaner. Und er hat kleinere Ohren sowie beträchtlich kleinere Stosszähne; bei fast allen Weibchen und bei vielen Männchen treten letztere äusserlich überhaupt nicht in Erscheinung.

Vier geografische Rassen werden beim Asiatischen Elefanten unterschieden: der Indische (Elephas maximus indicus), der Ceylon- (E. m. maximus), der Malaya- (E. m. hirsutus) und der Sumatra-Elefant (E. m. sumatranus). Sie sind alle Waldbewohner.

Beim Afrikanischen Elefanten unterscheidet man gewöhnlich zwei Rassen: den Waldelefanten (Loxodonta africana cyclotis), der in den Regenwäldern Westafrikas und des Zentralafrikanischen Beckens lebt, und den Steppenelefanten (L. a. africana), der die Savannengebiete südlich der Sahara bewohnt. Der Waldelefant unterscheidet sich von seinem Bruder in der Savanne durch die geringere Körpergrösse, kleinere Ohren und weniger ausladende Stosszähne, ähnelt also in gewisser Hinsicht den waldbewohnenden asiatischen Elefanten. Offensichtlich sind kleinere Körpermasse für das Leben im dichten Pflanzenwuchs günstiger.

Im folgenden wollen wir uns mit dem Steppenelefanten etwas eingehender befassen.

 

Riesen-Probleme

Elefanten hören zeitlebens nicht auf zu wachsen. Je älter sie werden, desto grösser und schwerer werden sie. Bei der Geburt weisen Männchen wie Weibchen eine Schulterhöhe von ungefähr 85 Zentimetern und ein Gewicht von etwa 120 Kilogramm auf. Nach einem Jahr messen sie dann ungefähr 110 bis 115 Zentimeter und können gerade noch unter dem Bauch ihrer Mutter hindurch marschieren. Dies ist ein guter Anhaltspunkt für die Altersbestimmung von Jungelefanten im Feld. Im Alter von ungefähr 30 Monaten beginnen die Stosszähne äusserlich in Erscheinung zu treten. Auch dies ist ein wertvolles Merkmal für die Alterseinschätzung. Von diesem Zeitpunkt an wachsen die Männchen deutlich rascher als die Weibchen, so dass Männchen von 40 und mehr Jahren schliesslich etwa 4,5 bis 5 Tonnen wiegen, während gleichaltrige Weibchen «nur» 2 bis 2,5 Tonnen auf die Waage bringen.

Riesenwuchs hat zweifellos seine Vorteile: Keiner - vom Menschen mit seinen weitreichenden Schusswaffen abgesehen - wagt es nämlich, einen tonnenschweren Koloss anzugreifen. Grösse bringt aber nicht nur Vorteile, sondern auch physikalische Probleme mit sich:

Die Beine: Bei erwachsenen Elefantenbullen kommt auf jedes Bein mindestens eine Tonne Lebendgewicht. Die Knochen der Elefantenbeine sind darum ausserordentlich stabil; sie bilden dicke, speziell angeordnete Säulen, die einerseits dem Gewicht standzuhalten vermögen und andererseits die Belastung der Gelenke auf ein Minimum herabsetzen. Die Füsse wiederum sind federnde, elastische Ballen, die sich unter der grossen Last stark verformen und dadurch als Stossdämpfer wirken.

Die Zähne: Mit zunehmender Körpergrösse vergrössert sich das Körpervolumen eines Säugetiers - und damit die von ihm zu zerkauende Futtermenge - in der dritten Dimension, die Oberfläche seiner Zähne jedoch nur in der zweiten. Daraus ergibt sich das Problem der allzu schnellen Abnützung der Mahlzähne. Dieses Problem hat die Natur beim Elefanten auf einzigartige Weise gelöst: Fünfmal in seinem Leben wächst ihm Ersatz für seine abgenützten Zähne! Während seine Mahlzähne (nur je einer oben und unten auf jeder Kieferseite) nach und nach abgeschliffen werden, rücken sie im Kiefer langsam vor und bröckeln schliesslich vorne lamellenweise ab. Derweil rückt eine neue Garnitur Zähne von hinten nach und ersetzt die alten. Die letzte und zugleich grösste Zahngarnitur - vier Gebilde von je fast einem halben Meter Länge - erscheint im Alter von etwa 45 Jahren. Ist schliesslich auch diese abgewetzt, erwartet den mittlerweile etwa sechzigjährigen Elefanten über kurz oder lang der Hungertod.

Die Körpertemperatur: Bei den Säugetieren erfolgt die Abgabe überschüssiger Wärme, die sich durch die Muskeltätigkeit im Körper bildet, grösstenteils über die Haut. Grosse, in den Tropen lebende Säuger haben darum ein echtes Wärmeregulations-Problem: Ihre Körperoberfläche ist - wie die Zahnoberfläche - im Verhältnis zum Körpervolumen zu klein, weshalb sie bei körperlicher Anstrengung und hoher Aussentemperatur in ständiger Gefahr der Überhitzung stehen. Der Elefant löst dieses Problem vermittels seiner Ohren: Sie funktionieren sozusagen als Kühler. Die auffallend riesenhaften Ohrlappen - jeder kann zwei Quadratmeter messen - sind mit einem komplizierten Netz von Blutgefässen ausgestattet, in welchem das Blut mit ziemlich hoher Geschwindigkeit dicht unter der Oberfläche zirkuliert. Sobald der Elefant mit den Ohren fächelt, kühlt sich das Blut in den Adern um bis zu fünf Grad Celsius ab.

 

Elefanten sind Landschaftsgestalter

200 bis 400 Kilo Pflanzenmaterial braucht ein erwachsener Elefant täglich zur Ernährung seines mächtigen Körpers. 18 bis 20 Stunden erfordert die Beschaffung dieser gigantischen Futtermenge jeden Tag. Um auf die benötigte Ration zu kommen, dürfen Elefanten nicht wählerisch sein. Sie fressen alles, was ihnen vor den Rüssel kommt - Gräser, Blätter, Wurzeln, Früchte, Rinde, ja sogar Holz.

Bei der Futtersuche legen Elefanten eine recht grobe Fressweise an den Tag: Sie reissen Äste von den Bäumen, schälen die Rinde vom Stamm und reissen und stemmen gelegentlich auch einen ganzen Baum aus der Verankerung, um an die Wurzeln zu gelangen. So zerstören sie weitaus mehr Pflanzen, als sie fressen.

Lange Zeit hat man sich über diese scheinbare Zerstörungswut der grauen Riesen gewundert. Heute weiss man aber, dass der Elefant mit seinem riesigen Appetit, seiner aussergewöhnlichen Stärke und seiner verschwenderischen Fressart ganz wesentlich zur Verjüngung und Vermehrung der Pflanzenwelt beiträgt - sofern er das geplünderte Gebiet während der nächsten Monate in Ruhe lässt und damit die Vegetation die Gelegenheit erhält, sich zu erholen. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das in den meisten Bereichen des afrikanischen Kontinents der Fall gewesen. Heute jedoch werden die Lebensräume der Elefanten durch die Erschliessung der Savannen für Landwirtschaft, Viehzucht und Siedlungen ständig verringert und die Tiere in immer begrenztere Gebiete zurückgedrängt. In dieser vom Menschen geprägten Umwelt kann aber das Fressverhalten der Elefanten schwerwiegende Folgen haben: Über kurz oder lang ist die Pflanzendecke dem zerstörerischen Fressstil der dicht zusammengedrängten Tiere nicht mehr gewachsen. Wie man aus
der Geschichte verschiedener afrikanischer Nationalparks weiss, kann dies im Extremfall zur Verwüstung ganzer Landstriche führen. Man ist sich heute der bitteren Tatsache bewusst, dass in solchen Fällen der Abschuss überzähliger Elefanten die einzige Möglichkeit bildet, die Lebensgrundlagen der friedfertigen Riesen - und damit der gesamten vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt der afrikanischen Savannen - zu erhalten.

 

Ein Elefantenbaby kommt zur Welt

Elefanten bilden kleine Familienherden von fünf bis fünfzehn Tieren, die aus untereinander verwandten Müttern und ihren Jungen bestehen. Geführt wird jede Herde von einer alten, erfahrenen Kuh. Während die in der Herde zur Welt kommenden Weibchen zeitlebens im Schoss der Familie bleiben, werden die jungen Männchen aus der Herde ausgeschlossen, sobald sie geschlechtsreif sind. Meistens schliessen sie sich anfänglich mit Gleichaltrigen zu Junggesellengruppen zusammen, später - als vollerwachene Bullen - fristen sie ihr Leben für gewöhnlich als Einzelgänger.

Solche einzeln lebenden Männchen schliessen sich hin und wieder einer Familienherde an, wenn eine der Kühe in Hitze kommt. Die Beziehung zum betreffenden Weibchen beschränkt sich aber im wesentlichen auf die Paarung; danach wird das Männchen von der Herde nicht mehr geduldet.

Nach einer Tragzeit von 22 Monaten kommt dann das Elefantenbaby zur Welt. Beim Geburtsvorgang umringen die anderen Kühe die Gebärende, «assistieren» zum Beispiel beim Entfernen der Eihäute und helfen dem Neugeborenen auf die Beine. Das Junge wird mindestens zwei Jahre lang gesäugt. Beim Saugen hebt es den Rüssel über seinen Kopf, um direkt mit dem Mund von einer der beiden Zitzen zu trinken, die sich direkt hinter den Vorderbeinen der Mutter, also brustständig, befinden. Die Geschlechtsreife erreicht es erst mit etwa zehn Jahren.

 

Der Rückgang des Afrikanischen Elefanten

Der Afrikanische Elefant hatte einst ganz Afrika besiedelt. Noch vor wenigen Jahrhunderten konnte er - wie in all den Jahrtausenden zuvor - ungestört durch die Savannen des schwarzen Kontinents ziehen. Heute ist er im nördlichen Afrika ausgestorben, und auch aus einigen Bereichen des westlichen und südlichen Afrikas ist er gänzlich verschwunden. Drei Hauptursachen sind für den massiven Bestandsrückgang des Elefanten zu nennen: die Nachfrage nach Elfenbein, die Ausweitung der Wüstengebiete und die Lebensraumzerstörung durch die rasch anwachsende menschliche Bevölkerung.

Bereits in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts war der rapide Niedergang der Elefanten allgemein erkannt worden, worauf viele afrikanische Länder Gesetze zum Schutz der mächtigen Tiere erliessen. Die unkontrollierten Massenabschlachtungen gehörten dadurch bald der Vergangenheit an. Ja, bis zum Ende der sechziger Jahre hatten sich mancherorts die Elefantenbestände dermassen gut erholt, dass Populationsbegrenzungen durch kontrolliertes Abschiessen notwendig wurden, um schwerwiegende Störungen der natürlichen Pflanzendecke sowie Konflikte mit der örtlichen Bevölkerung zu verhindern.

Leider erfolgte dann in den frühen siebziger Jahren eine Wende dieser erfreulichen Entwicklung. Aufgrund der unsicheren Weltwirtschaftslage sowie des rasch sinkenden Lebensstandards weiter Teile der afrikanischen Bevölkerung stieg damals die Nachfrage nach dem «weissen Gold», dem Elfenbein, plötzlich wieder stark an - und hat bis heute nicht mehr nachgelassen. Dies hat zu einem neuerlichen erschreckenden Rückgang der afrikanischen Elefantenpopulation geführt: So wurden allein zwischen 1982 und 1988 schätzungsweise 36 Prozent aller Afrikanischen Elefanten getötet. Der Gesamtbestand der Art fiel auf unter 750 000 Individuen. Geht die Bestandsverminderung in dieser Rasanz weiter, so dürfte die Elefantenpopulation Afrikas während der nächsten zehn Jahre erneut halbiert werden - und zwar selbst innerhalb einiger weltbekannter Schutzgebiete wie Tsavo, Serengeti, Selous, Manyara und Luangwa Valley.

Als Antwort auf diese alarmierende Situation hat sich der Welt Natur Fonds (WWF) jetzt mit einigen anderen internationalen Naturschutzorganisationen zusammengetan, um mit vereinten Kräften ein gross angelegtes Rettungsprogramm für den Afrikanischen Elefanten durchzuführen. Dessen Ziel ist es, den dramatischen Rückgang der grauen Riesen schleunigst aufzuhalten. Dazu soll dem illegalen Elfenbeinhandel ein Riegel vorgeschoben und den afrikanischen Nationen handfeste Hilfe bei ihren Elefantenschutz-Bemühungen geboten werden.

Selbstverständlich geht es bei dieser breit abgestützten Kampagne nicht allein um die Erhaltung des Afrikanischen Elefanten. Wie etwa beim Grossen Panda in China oder dem Tiger in Indien dient der Elefant sozusagen als «Zugpferd» für die Erhaltung der gesamten biologischen Vielfalt seines Lebensraums. Man hofft, dass sich aus Sympathie zu diesen bedrängten Tieren eine breite Öffentlichkeit für die Erhaltung unverfälschter Naturlandschaften - und damit der Lebensgrundlage unzähliger weiterer Lebensformen - gewinnen lässt.




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