Afrikanischer Manati
Trichechus senegalensis
© 1995 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
Die Seekühe (Sirenia) bilden eine der kleinsten
Säugetierordnungen, denn es existieren weltweit nur gerade
vier Arten. Neben dem Afrikanischen Manati (Trichechus senegalensis)
handelt es sich um den Nagelmanati aus der Karibik, den Flussmanati
aus dem Amazonasbecken und den Dugong aus dem indopazifischen
Raum. Wie die ebenfalls zu den Säugetieren zählenden
Wale und Delphine haben sich die Seekühe im Laufe ihrer
Stammesgeschichte vollständig an das Leben im Wasser angepasst.
Im Gegensatz zu jenen ernähren sie sich aber nicht von Tieren,
sondern sind reine Vegetarier - daher auch ihr Name.
Mit einer Länge von bis zu 4,5 Metern und einem
Gewicht von bis zu einer Tonne ist der Afrikanische Manati ein
recht imposantes - wenn auch etwas unförmiges - Tier. Seine
Heimat sind die Flüsse und Seen Westafrikas, zwischen Senegal
im Westen und Angola im Osten. Während man früher allgemein
der Ansicht war, dass er auch das küstennahe Meer bewohnt,
weiss man heute, dass er gewöhnlich im Süss-, selten
im Brack- und sozusagen nie im Salzwasser vorkommt.
Vorzugsweise hält sich der Afrikanische Manati
in träge fliessenden oder stehenden Gewässern auf,
welche einen dichten Pflanzenbewuchs aufweisen. Hier ernährt
er sich von Wasserpflanzen aller Art und nimmt auch gern an der
Oberfläche treibende Pflanzenteile sowie solche, die vom
Gewässerrand her ins Wasser hängen.
Die grössten Bestände des behäbigen
Säugers finden sich heute im weiten Niger, seinen Seitenarmen
und den angrenzenden Sumpfgebieten. Verhältnismässig
häufig scheint er ferner in den Flüssen Gabuns und
Kameruns zu sein.
Da die Pflanzenkost des Afrikanischen Manatis von
ziemlich geringem Nährwert ist, muss er, um seinen massigen
Körper ausreichend mit Nährstoffen und Energie zu versorgen,
täglich bis zu fünfzehn Prozent seines Körpergewichts
davon zu sich nehmen. Damit er diese enorme Nahrungsmenge auch
tatsächlich verwerten kann, verfügt er über einen
Darm, dessen Länge bis zu 45 Meter misst. Und er besitzt
grossflächige, querhöckrige Mahlzähne, welche
im Verlauf seines Lebens mehrmals durch neue ersetzt werden.
Eine weitere Anpassung des Afrikanischen Manatis an
seine qualitativ minderwertige Nahrung sind Einsparungen beim
Energieverbrauch: Seine Stoffwechselrate entspricht lediglich
einem Drittel der Rate eines «normalen» Säugetiers
dieser Grösse. Die Sparmassnahmen im Bereich des Stoffwechsels
sind anhand der gemächlichen, beinahe lethargischen Wesensart
des Afrikanischen Manatis gut erkennbar: Schnelle Bewegungen
sind ihm völlig fremd. Die meiste Zeit sieht es so aus,
als bewege er sich in Zeitlupe fort.
Obschon der Afrikanische Manati noch immer ein verhältnismässig
weites Verbreitungsgebiet aufweist, steht er heute auf der Roten
Liste und gilt als in seinem Fortbestand gefährdet. Vielerorts
sind seine Populationen stark vermindert, und gebietsweise sind
sie sogar vollständig verschwunden. An dieser unerfreulichen
Situation ist zum einen die Bejagung durch den Menschen schuld.
Das Fleisch des Manatis wird von den Bewohnern der meisten westafrikanischen
Ländern sehr geschätzt. Zum anderen verfangen sich
die beleibten Tiere aufgrund ihres ziemlich schlechten Sehvermögens
häufig in den modernen, reissfesten Nylonnetzen der Fischer,
werden dadurch am Atemholen gehindert und ertrinken.
Leider nehmen die Bestände des Afrikanischen
Manatis schon durch leichte Bejagung schnell ab, denn wie bei
allen Seekühen ist seine Nachzuchtrate ausgesprochen gering:
Die erwachsenen Weibchen bringen nur alle zwei bis vier Jahre
ein einzelnes Junges zur Welt, und die Jungmanatis erreichen
frühestens im Alter von fünf Jahren die Geschlechtsreife.
Offensichtlich sind die friedfertigen Grosssäuger, die in
ihrem Lebensraum keine Raubtiere zu fürchten haben, nicht
auf das Ersetzen von Verlusten durch Feinde eingerichtet, sondern
lediglich auf das Ersetzen von alterhalber ausfallenden Tieren.
Zwar steht der Afrikanische Manati heute in fast allen
westafrikanischen Ländern unter gesetzlichem Schutz. Dennoch
nehmen seine Bestände in den meisten Bereichen seines Verbreitungsgebiets
weiterhin ab, weil die personellen und finanziellen Mittel für
den wirksamen Vollzug der Schutzgesetze allgemein fehlen. Einigermassen
guten Schutz findet er lediglich in ein paar der grösseren
Nationalparks und Wildreservate Westafrikas. Ob dies jedoch genügt,
sein Überleben auf lange Sicht zu gewährleisten, ist
ungewiss.
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