Aruba


© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Woher Aruba seinen Namen hat, konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Am wahrscheinlichsten ist die Theorie, wonach sich «Aruba» aus einer Zusammensetzung der indianischen Wörter uru (Kanu) und oubao (Insel) herleitet, also ursprünglich «Kanuinsel» bedeutet. Dies klingt deshalb recht plausibel, weil die frühen indianischen Ureinwohner die Insel nur mit dem Kanu erreichen konnten. Am unwahrscheinlichsten ist dagegen die gängige Theorie, die in so manchem Reiseführer zu lesen ist, wonach «Aruba» aus dem spanischen oro (Gold) in Verbindung mit oubao (Insel) hervorgeht und somit «Goldinsel» bedeutet. Denn ironischerweise hatten die spanischen Entdecker Arubas in ihrer Gier nach der leichten Beute des Festlandgolds eine der wenigen ergiebigen Goldadern auf den Westindischen Inseln übersehen und das Eiland allzu rasch auf ihre Liste der Islas inutiles, der «unbrauchbaren Inseln», gesetzt.

Erst nachdem die Holländer Aruba in ihren Besitz gebracht hatten, wurden die Goldvorkommen auf der Insel entdeckt. Der Überlieferung zufolge begann der «Goldrausch» auf Aruba im März 1824, nachdem ein zwölfjähriger Junge an der Nordostküste ein Nugget gefunden hatte. Die Kunde verbreitete sich damals in Windeseile, und jung und alt machte sich sogleich auf die Goldsuche. Als dabei mehr und mehr Gold zum Vorschein kam, griff die Kolonialregierung ein und liess das betreffende Gelände von Soldaten abriegeln, um das begehrte Edelmetall fortan in eigener Regie ausbeuten zu können. Zu diesem Zweck wurden zwei Firmen gegründet: Die «Aruba Island Goldmining Company» betrieb bei Bushiribana an Arubas Nordostküste (bei Boca Mahos) eine Goldschmelzerei für das Erz, das in der Umgebung geschürft wurde, während sich die «Aruba Gold Concessions» bei Balashi an Arubas Südwestküste (bei der Spaans Lagoen) niederliess.

Die Goldförderung auf Aruba wurde schliesslich 1916, 92 Jahre nach dem ersten Fund, wegen mangelnder Rentabilität eingestellt. Immerhin 1340 Kilogramm Gold waren während dieser Zeit geschürft worden. 1946 versuchte man, die Goldgewinnung mit moderneren Methoden nochmals aufzunehmen, doch das erwies sich abermals als unrentabel. In Sachen Gold scheint Aruba heute tatsächlich eine Isla inutile zu sein.


Kakteen in der Karibik

Aruba ist die westlichste der zu den Kleinen Antillen gehörenden Karibikinseln. Bis zum südamerikanischen Festland - bei der venezolanischen Halbinsel Paraguana - sind es nur 32 Kilometer. 31 Kilometer ist Aruba lang, die grösste Breite beträgt 8 Kilometer, und die Fläche bemisst sich auf 193 Quadratkilometer.

Wie die beiden östlichen Nachbarinseln Curacao und Bonaire gehört Aruba geologisch gesehen zum südamerikanischen Festland; es ist sozusagen die Spitze eines untergetauchten venezolanischen Küstenhügelzugs. In der Inselmitte finden sich einige Erhebungen aus hartem, teils vulkanischem Gestein, darunter der mit 189 Metern höchste «Berg» Arubas, der Jamanota. Der übrige Bereich der Insel besteht hauptsächlich aus einem flachwelligen Kalkstein-Hügelland.

Die Nordostküste Arubas ist schroff und felsig. Infolge des fast unablässig wehenden Nordostpassats brandet hier das Meer mit grosser Gewalt gegen die Küste. Unentwegt schleudert es meterhohe Gischtwände gegen die zerklüfteten Felsen und hat so im Laufe langer Zeiträume bizarre Formen aus dem Gestein herausgewaschen. Besonders eindrucksvolle Felsformationen finden sich bei Boca Mahos, und in der nahegelegenen Andicouri-Bucht sind die Klippen so stark unterspült, dass eine imposante Naturbrücke entstanden ist.

Im Gegensatz zu der wind- und wettergebeutelten Nordostküste besteht die Südwestküste überwiegend aus lieblichen, palmengesäumten Sandstränden. Sanft fallen sie auf einer Länge von vielen Kilometern zum glasklaren, türkisfarbenen Meer ab. Hier, im Windschatten, wo die Schiffe sichere Ankerplätze finden, liegt denn auch Arubas Hauptstadt Oranjestad, in der rund ein Drittel der Inselbevölkerung lebt und arbeitet.

Das Klima Arubas ist sonnig und trocken. Die Temperatur beträgt im Jahresdurchschnitt 27°C, bei einem Unterschied zwischen Sommer und
Winter von lediglich 4°C. Die jährlichen Niederschläge liegen bei nur 600 Millimetern im Jahr, wobei der spärliche Regen hauptsächlich in den Monaten November, Dezember und Januar niedergeht. Aruba liegt im übrigen ausserhalb des karibischen Hurrikangürtels, und so herrscht auf der Insel alles in allem das ganze Jahr über herrliches Wetter.

Zumindest für den sonnenhungrigen Feriengast. Der Pflanzenwelt behagt das trockene Klima hingegen weniger. Aruba ist gewissermassen ein «Kontrastprogramm» zu den saftig-grünen Antilleninseln im östlichen und nördlichen Bereich der Karibik, denn Trockenvegetation beherrscht das Landschaftsbild. Zahlreiche Kakteenarten, dornenreiche Strauchgewächse, schüttere Bäumchen, Agaven und Aloen sind alles, was auf Aruba von Natur aus gedeiht. Selbst permanenter grüner Graswuchs fehlt.

Auch die Fauna ist auf Aruba - im Vergleich zu derjenigen auf dem nahen südamerikanischen Festland - sehr begrenzt. Zu nennen sind neben ungefähr fünfzig Brutvogelarten (darunter Kanincheneule, Braunwangensittich und Smaragdkolibri) lediglich zwei Schlangenarten (darunter die giftige Klapperschlange) und sieben Echsenarten (darunter der pflanzenfressende Grüne Leguan). Umso formenreicher ist die Meeresfauna rund um Aruba herum.

 

Als «Ziegeninsel» verspottet

Aruba wurde 1499 vom spanischen Seefahrer Alonso de Ojeda für sein Heimatland entdeckt. So heisst es gewöhnlich. Es steht jedoch nahezu fest, dass der ehemalige Schiffsoffizier von Christoph Kolumbus die Insel nie gesehen, geschweige denn entdeckt hat. Zwar hatte er im Mai 1499 Spanien mit einer aus fünf Schiffen bestehenden Flotte in Richtung Neue Welt verlassen und Ende
Juni desselben Jahres Curaçao sowie «eine benachbarte Insel» entdeckt. Historische Karteneintragungen und Schriftstücke deuten jedoch klar darauf hin, dass es sich dabei um Bonaire und nicht um Aruba gehandelt haben muss. Aruba scheint erst ein paar Jahre später von den Spaniern auf einer Erkundungsfahrt entdeckt und ohne viel Federlesens dem spanischen Reich einverleibt worden zu sein. Wem dies zuzuschreiben ist, weiss man zwar nicht - aber bestimmt hatte Alonso de Ojeda damit nichts zu tun. Er kehrte nämlich nach der Entdeckung von Curaçao alsbald nach Spanien zurück und besuchte diese Weltgegend später nie mehr.

Archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, dass Aruba vor seiner Entdeckung durch die Spanier schon jahrtausendelang besiedelt gewesen war. Das Archäologische Museum in Oranjestad vermittelt einen hübschen Überblick über die vorkolumbianische Siedlungsgeschichte Arubas: Bei den Ureinwohnern Arubas hatte es sich um Caiquetios Indianer, Angehörige des friedfertigen Ackerbauvolks der Arawaken, gehandelt. Sie waren vermutlich in Kanus vom nahen venezolanischen Festland herübergekommen, und höchstwahrscheinlich waren sie auch stets mit dem Festland in Verbindung geblieben. Lange vor der Ankunft der Europäer hatten sie Jamswurzeln, Tabak und Mais auf der trockenen Insel angepflanzt. Als die Eroberer eintrafen, lebten sie in kleinen Familiensippen über die ganze Insel verstreut in einfachen Lehmhütten und ernährten sich von dem, was der karge Boden und
das Meer hergaben.

Die Spanier machten der Idylle ein schnelles Ende: 1513 deportierten sie die gesamte indianische Bevölkerung von Aruba nach Hispaniola und zwangen sie dort zur Arbeit in den Kupferminen und auf den Plantagen. Aruba war vorübergehend menschenleer. Dann liessen sich 1527 einige Spanier beim heutigen Savaneta nieder. Sie brachten Pferde, Ziegen, Esel, Rinder und Schweine sowie einen Teil der deportierten indianischen Bevölkerung mit und gründeten hier so etwas wie eine viehwirtschaftliche Kolonie. Viel darf man sich darunter allerdings nicht vorstellen, denn die Tiere liefen zumeist frei umher und mussten selbst sehen, wo sie Futter fanden.

1634 übernahmen die Holländer die Inselherrschaft. Im Juli jenes Jahres traf ein aus sechs Schiffen bestehendes Geschwader bei den karibischen «ABC-Inseln» (Aruba, Bonaire, Curaçao) ein und übernahm zuerst Curaçao, dann auch Aruba und Bonaire. Die Spanier hatten auf den von ihnen als nutzlos eingeschätzten Inseln nur sehr kleine Garnisonen unterhalten, weshalb sie kaum Widerstand zu leisten vermochten. Seitdem ist Aruba - von einem kurzen britischen Intermezzo im 19. Jahrhundert (1805-1816) abgesehen - im Besitz der niederländischen Krone.

Auch für die Holländer war Aruba wenig mehr als ein kolonialer Aussenposten - Fleischlieferant für das benachbarte Curacao, wo die «Westindische Kompanie», die im mittelamerikanischen Raum operierende Handelsgesellschaft der Holländer, ihren Hauptumschlagplatz hatte. Weisse gab es nur sehr wenige auf Aruba: Bei Savaneta, an der Commandeursbaai, lebte der holländische Inselkommandant mit ein paar wenigen Landsleuten. Vieh - insbesondere Pferde und Ziegen - lief auch unter holländischer Oberhoheit frei auf der ganzen Insel umher und gedieh so gut, dass Aruba damals spottend «Ziegeninsel» genannt wurde. Die Pferde wurden teilweise auf andere Karibikinseln exportiert, wo sie auf den Zuckerplantagen gebraucht wurden. Eingeschifft wurden sie jeweils in der Bucht bei Oranjestad, die deshalb den Namen Paardenbaai («Pferdebucht») trägt.

Wenn die Pferde eingefangen werden mussten, riefen die Holländer jeweils die als freie Menschen auf der Insel lebenden Indianer zu Hilfe. Deren Zahl stieg damals stetig an, denn unter den Indianern auf dem benachbarten venezolanischen Festland hatte es sich rasch herumgesprochen, dass es auf Aruba bezahlte Arbeit gab. Sie führten insgesamt ein ruhiges Leben als Selbstversorger, in Eintracht mit den paar ansässigen Holländern - ein für jene kolonialistische Epoche und besonders für die Karibik keineswegs alltägliche Situation.

 

Schmelztiegel der Völker und Kulturen

Die sprichwörtliche holländische Toleranz kam der arubanischen Bevölkerung auch in den folgenden Jahrhunderten zugute: So duldeten sie als Protestanten das Wirken der katholischen Missionare und erlaubten die Einwanderung verfolgter Juden; so betrieben sie zwar einen einträglichen Handel mit Negersklaven, hielten selbst jedoch nie welche; so boten sie politischen Flüchtlingen aus aller Welt, darunter etwa venezolanischen Freiheitskämpfern, eine Heimat. Als in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts die aufblühende arubanische Erdölindustrie Menschen aller Herren Länder nach Aruba lockte, da wurde die kleine Karibikinsel endgültig zu dem, was sie heute ist: ein Schmelztiegel der Völker und Kulturen, in welchem rassische Diskriminierung weitgehend unbekannt ist. Das spürt auch der Urlauber sofort: Nirgendwo begegnet er Ressentiments, welche auf kolonialistischer Vergangenheit beruhen. Überall trifft er auf freundliche, lachende, gastfreie Menschen.

Die Hautfarbe der Arubaner reicht von tiefschwarz bis fast weiss. Den meisten von ihnen ist deutlich anzusehen, dass sie teilweise von Indianern abstammen. Aber auch niederländische und spanische Einflüsse sind unverkennbar. Das negroide Element ist hingegen weniger stark ausgeprägt als auf den meisten anderen Karibikinseln. Das arubanische Völkergemisch kommt aber nicht nur in den Gesichtern zum Ausdruck. Auch an der Umgangssprache, dem «Papiamento», das als Mischsprache aus dem Spanischen, Niederländischen, Portugiesischen, Englischen und Französischen hervorgegangen und mit afrikanischen Elementen durchsetzt ist, lässt es sich leicht erkennen. Lange Zeit galt Papiamento nur als minderwertiger Dialekt der ungebildeten Inselbewohner. Heute wird es jedoch von allen Bevölkerungsschichten gesprochen. Die Zeit, als die Kinder in der Schule nur Niederländisch sprechen durften und Papiamento sogar in den Pausen verboten war, gehört längst der Vergangenheit an. Papiamento ist die Muttersprache der Arubaner, Niederländisch ihre Amtssprache.

 

Grösste Ölraffinerie der Welt

Im Jahr 1925 ereignete sich in der Geschichte Arubas ein «Paukenschlag»: Damals siedelte sich die «Lago Oil and Transport Company» auf der Insel an. Auf der Suche nach einem geeigneten Hafen für Tanker mit grossem Tiefgang sowie einem Territorium mit stabilen politischen Verhältnissen, welches die Errichtung einer Raffinerie zur Verarbeitung venezolanischen Erdöls zuliess, war das Unternehmen auf Aruba aufmerksam geworden. 1927 war der geräumige Hafen bei San Nicolas fertiggestellt, und 1929 nahm die «Lago» ihre Raffinerie in Betrieb, die sich schon bald zum weltweit grössten Unternehmen dieser Art entwickelte - mit einer Tagesproduktion von 450 000 Barrel Öl und über 8000 Beschäftigten.

Jahrelang war nun Aruba das Traumziel für Männer aus dem ganzen karibischen Raum, denn hier bot sich oftmals die einzige Möglichkeit, einen gut bezahlten Job zu finden. Das brachte dem vormals reichlich verschlafenen Aruba und seinen Bewohnern tiefgreifende Veränderungen. Insbesondere verloren frühere Erwerbsquellen - darunter die Gewinnung von pharmazeutischen Grundstoffen aus der Aloe und von Ledergerbstoffen aus dem Dividivi-Baum rasch an Bedeutung. Der Lebensstandard schoss in die Höhe und gehörte mit 9000 US-Dollar im Jahr bald zu den höchsten weit und breit. Allerdings nicht auf Dauer. 1986 erfolgte nämlich der zweite «Paukenschlag», als die Leitung der «Lago» bekannt gab, dass sie zufolge mangelnder Rentabilität dazu gezwungen sei, die stark veraltete Raffinerie zu schliessen. Nun sank das Pro-Kopf-Einkommen der Arubaner schlagartig um die Hälfte, die Zahl der Arbeitslosen schnellte in die Höhe, und viele Eingewanderte sahen sich gezwungen, auf ihre Heimatinseln irgendwo im karibischen Raum zurückzukehren.

Der einzige Hoffnungsschimmer, der Aruba blieb, war der Tourismus, der sich auf der Tropeninsel seit den fünfziger Jahren zaghaft bemerkbar gemacht hatte. Mit allen Mitteln, besonders mit steuerlichen Anreizen, versuchte nun die Regierung, das Tourismusgeschäft anzukurbeln. Und in der Tat schossen schon bald Hotels, Restaurants, Diskotheken usw. wie Pilze aus dem Boden. 3000 Betten zählte man noch 1989, 1990 waren es dann schon 4000, und 1991 bereits 5000. Inzwischen hat die Inselregierung beschlossen, dass bei 7000 Betten Schluss sein soll, denn sie ist sich bewusst, dass noch mehr Ferienunterkünfte, noch mehr als die heutigen 200 000 Touristen im Jahr, den familiären Charakter der Insel allzusehr beeinträchtigen würden.

Erleichtert wird der Regierung ihre «Weitsicht» zweifellos dadurch, dass die Arubaner inzwischen ihren einstmals hohen Lebensstandard bereits wieder erreicht, ja sogar übertroffen haben. Wiederum zählt er zu den höchsten im karibischen Raum, und die elementaren Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Kläranlagen sind allesamt hervorragend. Ausgezeichnet ist mittlerweile natürlich auch die touristische Infrastruktur. Tagsüber drehen sich die Aktivitäten rund ums Wasser und den Strand, über dem die Sonne an fast 365 Tagen im Jahr lacht. Abends und nachts pulsiert dann das Leben in den Hotels, Restaurants und Bars sowie in den Kasinos und Diskos, welche erst bei Sonnenaufgang schliessen.

 

Zeitlich begrenzter Status aparte

Seit dem 1. Januar 1986 besteht das Königreich der Niederlande nicht mehr nur aus zwei, sondern aus drei autonomen Gebieten: erstens den Niederlanden, zweitens den Niederländischen Antillen und drittens (neu) Aruba. Das wirtschaftliche Aufblühen Arubas in unserem Jahrhundert hatte zwangsläufig auch Auswirkungen auf die politische Entwicklung der Insel.

Bereits in den dreissiger Jahren äusserte Aruba den Wunsch, sich administrativ aus dem Verband der Niederländischen Antillen (mit Curacao, Bonaire, Sint Marteen, Sint Eustatius und Saba) zu lösen, um zukünftig die Entscheidungsbefugnis über die inneren Angelegenheiten in den eigenen Händen zu haben. Der Drang nach Eigenständigkeit wurde in der Folge stärker umd stärker. Am 18. März 1948 - dem späteren Nationalfeiertag - wurde das unüberhörbare Bestreben Arubas, unter dem Schlagwort Status aparte («Sonderstatus») ein eigenständiges Mitglied des Königreichs der Niederlande zu werden, endlich auch von offizieller niederländischer Seite zur Kenntnis genommen. Noch waren aber lange und zähe Verhandlungen notwendig, bis 1983 der Durchbruch gelang und Aruba per 1. Januar 1986 den Status aparte zugesprochen erhielt. Seit diesem Datum ist Aruba ein innenpolitisch autonomes Territorium innerhalb des Königreichs der Niederlande.

Ein Wermutstropfen trübt allerdings Arubas Freude über den politischen Erfolg: Im «Statut des Königreichs der Niederlande» wurde nämlich Arubas Status aparte auf zehn Jahre begrenzt und der 1. Januar 1996 als der Zeitpunkt festgehalten, an welchem das kleine Territorium die volle Unabhängigkeit erlangen wird - dies gegen den ausdrücklichen Wunsch Arubas. Denn die Loslösung von den Niederländischen Antillen ist eine Sache, die Loslösung vom Königreich der Niederlande eine ganz andere. Schliesslich könnte die volle Autonomie mit ihren zusätzlichen Aufgaben hinsichtlich Verteidigung und Aussenpolitik leicht zum wirtschaftlichen Fiasko führen. Im Frühling 1991 hat sich Arubas Bevölkerung deshalb in einer Volksabstimmung klar für den Verzicht auf die für 1996 vorgesehene Unabhängigkeit ausgesprochen - und hofft nun einmal mehr auf den Grossmut der ehemaligen Kolonialherren.

 

 

 

Legenden

Arubas Nordostküste unterscheidet sich grundlegend von der Südwestküste: Während im passatexponierten Norden die anbrandenden Meereswogen eine rauhe Küste mit bizarren Felsformationen geschaffen haben (oben; Andicouri-Bucht), finden sich im passatabgewandten Süden palmengesäumte Traumstrände (unten; Palm Beach).

Kakteen und Felsblöcke prägen das Landschaftsbild im Innern Arubas, hier bei Paradera, einem 4000-Seelen-Dorf mit weit verstreut liegenden Häusern. Im Hintergrund ragt der kegelförmige Hooiberg («Heuberg») auf, zu dessen 167 Meter hohem Gipfel mehrere hundert in den Stein gemeisselte Stufen hinaufführen und von dem aus der Blick an klaren Tagen bis Venezuela reicht.

Die Hauptstadt von Aruba ist das an der Paardenbaai gelegene Oranjestad, welches seinen Namen nach dem niederländischen Königshaus Oranien trägt. Der Wirtschaftsboom im 20. Jahrhundert führte leider dazu, dass die meisten der alten Kolonialgebäude abgerissen und teils durch stillose Neubauten, teils auch durch Gebäude in pseudokolonialer «Zuckerbäcker-Architektur» ersetzt wurden.

Die Arubaner sind ein überaus bunt gemischtes Volk. Ihre kleine Karibikinsel war aufgrund der vergleichsweise toleranten Rassenpolitik der niederländischen Kolonialherren jahrhundertelang Auffangbecken für unterdrückte Angehörige aller Nationen und Religionen gewesen, und das hat sich in ihren Gesichtszügen ebenso niedergeschlagen wie in ihrer lautmalerischen Sprache, dem Papiamento.

Die Ruinen der Goldschmelzerei bei Balashi nahe der Spaans Lagoen zeugen davon, dass auf Aruba einst (zwischen 1824 und 1916) Gold gewonnen wurde. Es ist geplant, rund um die historisch wertvollen Mauerreste einen Besucherpark anzulegen, in welchem dereinst allerlei Folkloredarbietungen zu bewundern sein werden.




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