Ascension

(Ascension Island)


© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Wenn die «Sankt Helena» - jenes Passagier- und Frachtschiff, das die britischen Besitzungen im Südatlantik zweimonatlich mit dem Mutterland verbindet - nach tagelangem Durchpflügen der dunkelblauen Fluten Ascension erreicht und in der Clarence Bay vor Anker geht, bleibt selbst dem uneingeweihten Fahrgast nicht verborgen, welche Funktion diese abgeschiedene Insel innehat: Linkerhand bedeckt ein ganzer Wald von Antennen eine Geröllebene. Dahinter steht auf einer Erhebung ein riesenhaftes, golfballartiges Gebilde. Auf der abgeflachten Kuppe des Hügels geradeaus befinden sich neben einigen Gebäuden eine ganze Reihe kleinerer Masten. Im Hintergrund rechts werden zwei Hügel von enormen, schüsselförmigen Richtantennen gekrönt. Wohin der Blick auch fällt, finden sich Zeichen elektrotechnischer Empfangs- und Sendeanlagen. Ascension spielt ganz offensichtlich eine wichtige Rolle bei der interkontinentalen Datenübermittlung.

In der Tat ist Ascension im Verlauf unseres Jahrhunderts zu einer Kommunikations-Drehscheibe von globaler Bedeutung ausgebaut worden. Mag die Insel auf der Weltkarte noch so winzig erscheinen - ihre Bedeutung für uns Menschen des elektronischen Zeitalters ist überraschend gross.

 

Öder Anblick

«Der öde Anblick dieser Insel war so fürchterlich, dass wir die Osterinsel gar nicht damit vergleichen konnten und sogar Feuerland mit seinen Schneegebirgen vorziehen mussten. Es war ein wilder Felsenhaufen, der grossenteils, so weit wir vom Schiff aus sehen konnten, von vulkanischem Feuer verbrannt war», schrieb der Naturforscher Georg Forster am 28. Mai 1775 in sein Tagebuch, als er auf der von Kapitän James Cook befehligten «Resolution» Ascension besuchte. Gewiss: Niemand kann im Ernst behaupten, die Insel gehöre zu den «Juwelen» unseres Planeten. Aber wer sich nicht - wie Georg Forster - durch die scheinbar versengte, ausgedörrte Landschaft abschrecken lässt, dem offenbart sich eine faszinierende Vielfalt bizarrer vulkanischer Szenerien, welche grossenteils aus schwarzem Basalt, teils aber auch aus grauem Tuff oder rotbrauner Asche bestehen.

Ascension, im südlichen Atlantik bei 7°56' südlicher Breite und 24°22' westlicher Länge gelegen und 88 Quadratkilometer gross, ist unzweifelhaft vulkanischen Ursprungs. Es ist die Spitze eines mächtigen untermeerischen Gebirgsstocks, der sich - ähnlich wie Sankt Helena, Tristan da Cunha und Gough - entlang der geologisch instabilen Nahtstelle zwischen der amerikanischen Kontinentalplatte im Westen und der afrikanischen im Osten gebildet hat. Über 60 kleinere und grössere Krater zeigen, dass Ascension nicht aufs Mal, sondern im Verlauf langer Zeiträume, anlässlich zahlreicher Eruptionen entstanden ist. Der älteste Inselteil ist der Bereich im Südosten von Ascension, wo sich der bis 859 Meter hohe Green Mountain erhebt. Als jüngste Formation gilt der auffällige, 446 Meter hohe Sister' s Peak im Norden von Ascension; hier dürften die letzten Eruptionen lediglich etwa 600 Jahre zurückliegen.

Das Klima Ascensions ist warm und trocken. Keine 8 Breitengrade südlich des Äquators gelegen, herrschen auf Ascension ganzjährig recht hohe Temperaturen vor. Sie bewegen sich beim Hauptort Georgetown zwischen 20 und 29°C, und wären da nicht die steten südöstlichen Passatwinde, lägen sie wohl noch höher.

Der grösste Teil Ascensions ist durch Niederschlagsmangel gekennzeichnet, der kaum Vegetation aufkommen lässt. Zwischen dem Küstenbereich und den zentralen, höhergelegenen Inselteilen besteht hierin jedoch ein bedeutender Unterschied: Werden bei Georgetown jährlich lediglich 40 Millimeter Niederschlag gemessen, so sind es bei Two Boats Village immerhin 310 und bei The Farm gar 590. Das ist zwar nicht besonders viel, verglichen etwa mit den 800 bis 1000 Millimetern, welche das Schweizer Mittelland erhält. Es genügt aber, um an den höhergelegenen Flanken des Green Mountain eine mehr oder weniger geschlossene Pflanzendecke gedeihen zu lassen. Von ihr hat der Berg auch seinen Namen.

 

«Ascension» oder «Conception»?

Ascension, die «Himmelfahrtsinsel», müsste eigentlich Conception, die «Empfängnisinsel», heissen, denn auf diesen Namen taufte der portugiesische Seefahrer Joao da Nova Castella im Jahr 1501 das abgeschiedene Eiland, das er auf seinem Weg nach Indien entdeckte. Als er 1502 durch den Südatlantik zurückkehrte, traf er zwar auf die weiter südlich gelegene Insel Sankt Helena, konnte aber Conception nicht mehr finden. Wahrscheinlich segelte er in der
Nacht unbemerkt daran vorbei. Es war dann 1503 sein Landsmann Alfonso d'Albuquerque, der Ascension wiederentdeckte. Er gab dem Eiland den heute gebräuchlichen Namen, da er am Himmelfahrtstag dort an Land ging.

Ascension blieb vorerst unbewohnt. Es wurde aber in der Folge von diversen Seefahrern auf ihren langen Reisen zwischen Europa und Asien gerne angesteuert, um Meeresschildkröten zu bunkern. Es hatte sich nämlich rasch herumgesprochen, dass an den Sandstränden von Ascension Meeresschildkröten-Weibchen in grosser Zahl ihre Eier ablegen. Auch Kapitän Cook besuchte seinerzeit Ascension hauptsächlich, um Schildkröten an Bord zu nehmen. Georg Forster hielt diesbezüglich fest: «Als wir am folgenden Nachmittag wieder unter Segel gingen, waren 24 Schildkröten an Bord genommen worden, deren jede zwischen 150 und 200 Kilogramm wog. Sie reichten drei Wochen, indem täglich eine oder zwei geschlachtet wurden. Auch die Mannschaft bekam von diesem gesunden, wohlschmeckenden Fleisch so viel, als sie verzehren konnte.»

1815 annektierte dann Grossbritannien die kleine, noch immer unbewohnte Insel inmitten des Südatlantiks. Anlass hierfür war die Internierung von Napoleon Bonaparte auf dem weiter südlich gelegenen Sankt Helena. Mit der Stationierung einer Garnison auf Ascension wollte Grossbritannien verhindern, dass die Insel als Basis für etwaige militärische Aktionen der Franzosen zur Befreiung ihres Kaisers dienen konnte. Am 18. Oktober wurde die britische Flagge gehisst, und in der Folge waren die Marinesoldaten dafür besorgt, Ascension zu befestigen und bewohnbar zu machen. Der regelmässigen Wasserversorgung galt ihre erste Sorge. Bald waren zwei Quellen beim Green Mountain ausfindig gemacht und gefasst. Anfänglich wurde das Wasser durch Rinnen in Fässer geleitet und diese dann auf dem Rücken von Mauleseln acht Kilometer weit über die Lavafelder zum Fort bei der Clarence Bay gebracht. Später wurde das neu entstandene Georgetown dann durch Röhren mit Wasser versorgt. Schon 1817 war auch ein Pfad zu jenem fruchtbaren Plateau im Westen von The Peak geschaffen, dort eine Hütte gebaut und ein Gemüsegarten angelegt worden.

Obschon mit dem Tod von Napoleon im Jahr 1821 die ursprüngliche Aufgabe der britischen Garnison auf Ascension dahinfiel, behielten die Briten ihren Stützpunkt im Südatlantik besetzt und bauten ihn allmählich immer besser aus. Ein Strassennetz entstand, die Farm wurde erheblich erweitert (u.a. mit Milchwirtschaft), und in Georgetown entstanden ein Spital, ein Laden und eine Bar.

 

Die Kabel kommen

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlief das Leben auf Ascension in festen Bahnen, und es stellten sich allmählich Ermüdungserscheinungen bei den Marinesoldaten ein, da hinsichtlich Infrastruktur kaum mehr Neues geschaffen werden musste und militärische Aufgaben ohnehin fehlten. Da landete am 15. Dezember 1899 die Eastern Telegraph Co. (ETC) ohne jegliche Zeremonie im Norden der Insel ein Hochseekabel, dessen anderes Ende sich in Kapstadt (Südafrika) befand. Der erste der modernen «Nutzniesser» hatte Ascension erreicht. Nun war das Gefühl der Isolation wie weggeblasen; plötzlich war Kapstadt - ebenso wie Sankt Helena, wo das Kabel vorbeiführte - nur noch Sekunden entfernt. Bald war auch das nordwärts verlaufende Kabel bis zu den Kapverdischen Inseln gelegt, und wenig später bis nach England. Mit den Jahren kamen dann noch Verbindungen nach Freetown (Sierra Leone), Rio de Janeiro (Brasilien) und Buenos Aires (Argentinien) hinzu. Ascension entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem Knotenpunkt des internationalen Telegrafennetzes. Schon 1914 übermittelte die lokale Relaisstation monatlich rund 30 000 Botschaften in alle Teile der Welt.

Der Erste Weltkrieg brachte Ascension wenig Veränderungen, und bald darauf (1922) wurde die Garnison mangels sinnvoller Aufgaben endgültig abgezogen. Ascension wurde dem Gouverneur von Sankt Helena als Verwaltungsdependenz unterstellt, wobei die lokalen administrativen Aufgaben der ETC überantwortet wurden, welche für den Ausbau und Unterhalt der Infrastruktur Männer von Sankt Helena rekrutierte. Das soziale Leben der Inselbewohner drehte sich um den «Exiles Club» in Georgetown und den nahegelegenen «schlimmsten Golfplatz der Welt», auf dem öfter als nicht der Golfball unwiederbringlich in einer Lavaspalte verschwand.

Der Zweite Weltkrieg sorgte auf Ascension für mehr Aufregung als der Erste. Als das deutsche Kriegsschiff «Graf Spee» bei Kriegsbeginn im Südatlantik unterwegs war, wurde den Briten und ihren westlichen Verbündeten mit einem Schlag bewusst, wie schutzlos die für den internationalen Datentransfer so wichtige Insel dalag. Zuerst wurde ein Kommando der britischen Artillerie auf Ascension stationiert. Dann rückten die Amerikaner an: 1500 Mann und 8000 Tonnen Güter wurden innerhalb weniger Tage angelandet, und sofort wurden zwei Hauptaufgaben in Angriff genommen: der Bau einer Flugzeuglandebahn und die Errichtung eines Treibstofftanklagers. Schon bald landete das erste Flugzeug auf der mustergültigen Asphaltpiste, und in der Folge flogen Hunderte von Militärmaschinen auf ihren Transatlantikflügen die hilfreiche «Tankstelle» inmitten des weiten Ozeans an. Etwa 4000 amerikanische Militärpersonen lebten 1943 auf Ascension. Rund um die Uhr herrschte emsiges Treiben. Dann kam 1945 das Kriegsende - und mit ihm der Exodus der Amerikaner. Bald war ETC - bzw. die Cable & Wireless Co. (C&W), welche inzwischen deren Aufgaben übernommen hatte - wieder allein auf der Insel; die Bevölkerung sank auf 170 Personen.

Weitere Inselnutzer kamen dann in den fünfziger und sechziger Jahren hinzu: Zuerst kehrten die Amerikaner in Gestalt der US Air Force (USAF) zurück. Diese baute auf Ascension eine Station für die Überwachung und Auswertung ihrer Interkontinentalraketen-Tests. Radarschirme wurden auf den Lavahügeln errichtet und Wohngebäude bei der South West Bay erstellt. Dann errichtete die British Broadcasting Corporation (BBC) bei der English Bay eine Station zur Versorgung des südlichen Afrikas mit dem «BBC World Service» in den Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Haussa und Suaheli. Riesenhafte Empfänger und Sender wurden installiert. Ein leistungsfähiges Kraftwerk wurde in Betrieb genommen, dem eine Wasseraufbereitungsanlage angeschlossen war, welche in der Folge auch das anwachsende Georgetown mit genügend Trinkwasser versorgen konnte. Für die Familien des BBC-Personals wurde bei Two Boats eine Siedlung mit Schule, Klinik, Laden, Wäscherei, Schwimmbad und Fussballplatz aufgebaut. Und schliesslich eröffnete die amerikanische National Aeronautics and Space Administration (NASA) bei Devils's Ashpit im Osten der Insel eine Station zur Unterstützung ihres Apolloprogramms sowie diverser Satellitenprojekte. Allein 1978 unterstützte die NASA-Station auf Ascension 9400 Operationen im All.

1982, anlässlich des Falkland-Konflikts zwischen Grossbritannien und Argentinien, erhielt Ascension abermals militärische Bedeutung, denn hier befand sich die letzte Möglichkeit zum Auftanken der britischen Militärflugzeuge auf ihrem Weg zu den Falklandinseln. So wurde das kleine Eiland zu einem wichtigen Stützpunkt der britischen Royal Air Force (RAF).

USAF und NASA zogen sich 1990 von Ascension zurück; geblieben sind C&W, BBC und RAF. Ohne britisches Militär beträgt die Einwohnerschaft heute rund 1100 Personen, wovon etwa 700 von der Insel Sankt Helena stammen. Weiterhin gibt es auf Ascension keine einheimische Bevölkerung; alle erwachsenen Personen leben nur deshalb auf dem abgeschiedenen Eiland, weil sie in irgend einer Form zu den Aktivitäten der genannten Institutionen beitragen. Entsprechend dem Stellenangebot dieser Institutionen schwankt denn auch die Einwohnerzahl.

Für die Inselverwaltung ist ein vom Gouverneur von Sankt Helena ernannter Administrator verantwortlich. Ihm zur Seite steht ein beratendes Kommittee, das sich aus Vertretern der ansässigen Institutionen zusammensetzt. Die staatliche «Ascension Island Services» ist für den Betrieb der Inselschulen, des Spitals und der Farm, für die Strom- und Wasserversorgung sowie für alle öffentlichen Bau- und Unterhaltsarbeiten zuständig. Eine siebenköpfige Polizeitruppe regelt den Verkehr, was - bei über 900 eingetragenen Fahrzeugen auf den wenigen Strassen von Ascension - besonders dann keine leichte Aufgabe ist, wenn jeweils am Horizont die sehnlichst erwartete «Sankt Helena» auftaucht.

 

Stützpunkt der Meeresvögel

Ascension ist nicht nur ein bedeutender Knotenpunkt des internationalen Kommunikationsnetzes und ein wichtiger Stützpunkt des britischen Militärs für seine Operationen im Südatlantik, sondern auch ein unentbehrlicher Brutplatz der südatlantischen Meeresvögel. Zehn verschiedene Arten brüten auf Ascension und auf dem nordöstlich vorgelagerten Boatswainbird-Inselchen. Es sind dies der Adlerfregattvogel, der Madeira-Wellenläufer, der Maskentölpel, der Brauntöpel, der Rotschwanz-Tropikvogel, der Weissschwanz-Tropikvogel, die Feenseeschwalbe, die Noddiseeschwalbe, die Kleine Noddiseeschwalbe und die Russseeschwalbe.

Ursprünglich brüteten alle genannten Meeresvögel in riesigen Kolonien auf der Insel Ascension. 1815 nahm jedoch ihr friedliches Leben in der Abgeschiedenheit ein jähes Ende: Zum einen wurden für die Ernährung der britischen Garnison massenhaft Meeresvogeleier eingesammelt. Zum anderen wurden Hauskatzen auf der Insel freigelassen, um der lästigen Rattenplage Herr zu werden. Die Katzen hatten jedoch rasch erkannt, dass die Meeresvögel eine viel leichtere Beute sind als die schlauen und wehrhaften Nager. Schon bald richteten sie enormen Schaden innerhalb der Brutkolonien an. Noch heute leben auf Ascension unzählige streunende Hauskatzen. Sie sind dafür verantwortlich, dass neun der zehn ansässigen Meeresvogelarten nur noch auf unzugänglichen Felsklippen und auf dem Boatswainbird-Inselchen brüten und schlafen.

Als einzige Meeresvogelart haben es die Russseeschwalben geschafft, sich auf Ascension zu halten. Ihr «Erfolg» ist darauf zurückzuführen, dass sie jeweils nach Abschluss des Brutgeschäfts allesamt die Insel für drei bis vier Monate verlassen. Sobald dies geschieht, fällt die Ernährungsgrundlage der Katzen weitgehend dahin, und viele von ihnen verhungern in der Folge. Kehren die Russseeschwalben wieder an ihre Brutplätze zurück, so hat sich die Katzenpopulation zwischenzeitlich so stark verringert, dass die von ihr verursachten Ausfälle nicht allzu stark ins Gewicht fallen.

Das Felseninselchen Boatswainbird, Rückzugsgebiet der neun Meeresvogelarten, welche mit dem Katzenproblem nicht fertig geworden sind, liegt etwa 250 Meter von Ascension entfernt und ragt steil aus dem Meer auf. Sein Plateau, dessen Fläche sich auf lediglich drei Hektaren bemisst, befindet sich etwa 90 Meter über der Meeresoberfläche und ist selbst für den Menschen mit seinen technischen Hilfsmitteln schwer zu erreichen. Katzen und andere Säugetiere haben es glücklicherweise bis heute nicht geschafft, sich hier niederzulassen. So sind die Meeresvögel auf Boatswainbird zwar nicht durch Raubsäuger gefährdet, doch setzt das knappe Platzangebot ihren Beständen eine unverrückbare obere Grenze. Es herrscht auf Boatswainbird akuter Platzmangel, was sich in ständigen Zänkereien um geeignete Brutplätze äussert.

Allerdings blieben die Meeresvögel selbst auf diesem kleinen Felseneiland im Verlauf unseres Jahrhunderts nicht unbehelligt: Von 1923 bis 1926 liess die English Bay Company auf Boatswainbird die meterdicken Guanoablagerungen für die Produktion landwirtschaftlicher Düngemittel abtragen. Noch heute sind Geleisestücke und sogar Feldbetten der Arbeiter aus jener Zeit sichtbar - ihrerseits schon wieder von einer dicken Schicht Guano überzogen.

Zwischen 1966 und 1972 besuchten mehrfach ornithologisch interessierte Touristengruppen das Inselchen. Diese Besuche haben mittlerweile wieder aufgehört, nicht zuletzt deshalb, weil Landung sowie Auf- und Abstieg sehr gefährlich sind.

Als überaus wichtiger Brutplatz der südatlantischen Meeresvögel soll das Boatswainbird-Inselchen zukünftig vor sämtlichen Störungen durch den Menschen geschützt werden. Im übrigen ist geplant, die auf Ascension herumstreunenden Katzen auszumerzen, damit die von arger Platznot geplagten Meeresvögel auch ihre alte Heimat wieder als Brutplatz nutzen können.

 

 

 

Kasten: «Eingeborene Landvögel gibt es keine.»

1836 besuchte Charles Darwin die Insel Ascension an Bord des Forschungsschiffs «Beagle», welches zwischen 1831 und 1836 im Auftrag der britischen Admiralität eine Fahrt um die ganze Welt durchführte. Auf dieser fünfjährigen Expedition sammelte Darwin die Eindrücke und Beobachtungen, aus denen er später seine epochemachenden Ideen über die Abstammung des Menschen entwickelte. Hier - leicht gekürzt - die Aufzeichnungen, die er bei seinem Besuch von Ascension anfertigte:

«Am 19. Juli erreichten wir Ascension. Die, welche eine vulkanische Insel schon gesehen haben, die unter einem dürren Klima gelegen ist, werden sich sofort ein Bild von der äusseren Erscheinung von Ascension machen können: Konische Berge von teils düsterer, teils roter Farbe, die Gipfel meist abgestutzt, erheben sich einzeln aus verschiedenen Ebenen schwarzer Lava. Ein besonders hoher Berg in der Mitte der Insel scheint der Vater der kleineren Kegel zu sein. Er wird der «Grüne Berg» genannt. An der Küste werden die schwarzen Felsen von einer wilden stürmischen See gepeitscht.

Die Niederlassung befindet sich in der Nähe der Küste. Sie besteht aus mehreren, unregelmässig gestellten, aber aus behauenen Steinen ziemlich gut gebauten Häusern und Baracken. Die einzigen Einwohner sind Seesoldaten und einige von Sklavenschiffen befreite Neger, welche von der Regierung bezahlt und mit Nahrung versorgt werden. Es findet sich nicht eine einzige Privatperson auf der Insel. Viele der Seesoldaten scheinen mit ihrer Lage sehr zufrieden zu sein. Sie halten es für besser, ihre 21 Jahre auf dem Lande zu dienen, was es auch immer für ein Land sein mag, als an Bord eines Schiffes, und in dieser Hinsicht würde ich, wenn ich Seesoldat wäre, äusserst gern mit ihnen übereinstimmen.

Ein guter Fahrweg führt von der Niederlassung an der Küste zu den in der Nähe des Gipfels des zentralen Berges gelegenen Häusern, Gärten und Feldern. An der Strasse entlang finden sich Meilensteine und gleichfalls auch Zisternen, wo jeder durstige Vorübergehende gutes Wasser trinken kann. Eine ähnliche Sorgfalt zeigt sich in jedem anderen Teil der Niederlassung, besonders in der Pflege der Brunnen, so dass nicht ein einziger Tropfen Wasser verlorengeht. Die ganze Insel kann man mit einem kolossalen, in der brillantesten Ordnung gehaltenen Schiff vergleichen.

In der Nähe der Küste wächst nichts. Landeinwärts trifft man gelegentlich einmal auf eine grüne Pflanze. Etwas Gras ist über die Oberfläche der zentralen erhobenen Gegenden verstreut. Von eingeborenen Tieren sind Landkrabben in grosser Anzahl überall vorhanden. Eingeborene Landvögel gibt es keine.

Eine meiner Exkursionen führte mich nach der südwestlichen Spitze der Insel. Der Tag war klar und warm, und ich sah die Insel nicht gerade vor Schönheit lächeln, sondern eher vor nackter Hässlichkeit strahlen. Die Lavaströme sind mit kleinen Hügeln bedeckt und in hohem Grade zerklüftet. Die dazwischenliegenden Spalten sind durch Schichten von Bimsstein, Asche und Tuff ausgefüllt. Die ganze Gegend war mit weissen Flecken besetzt: Es waren Seevögel, die voller Vertrauen hier schliefen, so dass man sie selbst in der Mitte des Tages ergreifen konnte. Die Vögel waren die einzigen lebendigen Geschöpfe, die ich während des ganzen Tages gesehen habe.»

 

 

 

Bildlegenden

Ascension, im Südatlantik auf halber Strecke zwischen Südamerika und Afrika gelegen, weist eine Fläche von 88 Quadratkilometern auf. In den meisten Bereichen liegt die öde Insel 100 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel, doch steigt sie beim Sister's Peak (Bild) bis auf 446 Meter und beim Green Mountain sogar bis auf 859 Meter an.

Seit 1815 ist Ascension im Besitz Grossbritanniens, und seit 1922 ist es dem britischen Gouverneur von Sankt Helena als Verwaltungsdependenz unterstellt. Dieser ernennt einen lokalen Administrator, dessen Büro (Bild) sich im Hauptort Georgetown, am Fuss des Cross Hill, befindet.

Im Südwesten von Ascension befindet sich das «Wideawake Airfield» mit seiner vier Kilometer langen Start- und Landebahn. Ursprünglich von der US Air Force während des Zweiten Weltkriegs erbaut und benützt, erhielt es 1982 erneut militärische Bedeutung als Stützpunkt der britischen Luftwaffe während des Falkland-Konflikts.

Ascension ist ein bedeutender Knotenpunkt des internationalen Kommunikationsnetzes. In der Tat leben alle erwachsenen Personen nur deshalb auf dem abgeschiedenen Eiland, weil sie in der Welt der Elektronik die eine oder andere Aufgabe erfüllen; eine «echte» einheimische Bevölkerung gibt es nicht. Das Bild zeigt die von der Cable & Wireless Co. betriebene Fernmeldesatelliten-Bodenstation bei der zentral gelegenen, mit Opuntien bewachsenen Donkey Plane.

«Gewöhnliche» Touristen erhalten auf Ascension von alters her keine Aufenthaltsbewilligung, und auch erst seit 1979 dürfen Passagiere, welche mit der «Sankt Helena» von Grossbritannien nach Südafrika unterwegs sind, eine Inselrundfahrt mit dem Minibus der Schiffahrtsgesellschaft unternehmen. Zu den Sehenswürdigkeiten der Insel gehört dieser altertümliche Briefkasten in Georgetown.




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