Berberaffe - Macaca sylvanus
© 1991 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection,
Ausgabe «Gibraltar»,
Groth AG, Unterägeri)
Die Affen von Gibraltar
Im Sommer 1942, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs,
erhielt der britische Oberkommandierende in Nordafrika den dringlichen
Auftrag von Grossbritanniens Premierminister Winston Churchill,
unverzüglich einige Berberaffen aus dem nahen Atlasgebirge
zu beschaffen und nach Gibraltar zu senden. Dieser Befehl von
allerhöchster Stelle mag auf den ersten Blick befremden.
Wer aber weiss, dass nach gängigem Aberglauben die Briten
ihre Festung im Süden Spaniens verlieren, sobald keine Berberaffen
mehr dort wohnen, und dass die Affenkolonie 1942 auf klägliche
sieben Individuen zusammengeschrumpft war, der versteht die Besorgnis
und das persönliche Engagement des damaligen britischen
Regierungschefs. Der Auftrag wurde denn auch eiligst ausgeführt.
Die auf Gibraltar heimischen Berberaffen oder Magots
(Macaca sylvanus) sind die einzigen freilebenden Affen
Europas. Ihre eigentliche Heimat sind die Bergwälder Nordafrikas,
wo sie auch heute noch in grösseren Beständen vorkommen.
Wie und wann die schwanzlosen und bis fünfzehn Kilogramm
schweren Berberaffen nach Gibraltar kamen, weiss heute niemand
mehr zu sagen. Sind sie die letzten Überlebenden einer in
grauer Vorzeit über das ganze südwestliche Europa verbreiteten
Population? Oder wurden die Vorfahren der Berberaffen von den
Phöniziern, von den Römern oder von den Mauren auf
Gibraltar angesiedelt? Sicher ist nur, dass sich die Berberaffen
von alters her auf dem Felsen von Gibraltar so wohl fühlten,
dass sie zeitweise für die menschlichen Anwohner zur Plage
wurden. Ab 1913 wurde deshalb ein britischer Offizier für
den «Affendienst» abkommandiert. Seine Aufgabe war
es, die erbosten «Gibraltarenos» vor den boshaften
Affen - und wohl auch umgekehrt - zu schützen, indem er
letztere mit Futter versorgte.
Noch heute unterstehen die Berberaffen dem britischen
Kriegsministerium, welches über diese «Truppe»
genau Buch führt und einen «Affenoffizier» besoldet,
der sich um das Wohl der schicksalsträchtigen Tiere kümmert.
Der Bestand der Berberaffen auf Gibraltar umfasst derzeit ungefähr
70 Tiere. Sie haben sich in zwei Gruppen aufgetrennt, von denen
sich die eine in einem schwer zugänglichen Gebiet hoch oben
in den Felsen aufhält, während die andere auf Touristen
«spezialisiert» ist und sich bei der Mittelstation
der Seilbahn von ihnen verwöhnen lässt.
Zur Hauptseite
|