Berggorilla
Gorilla gorilla beringei
© 1991 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
Der Gorilla (Gorilla gorilla) ist der grösste
und schwerste Menschenaffe und damit der mächtigste Vertreter
der Ordnung der Herrentiere (Primates), zu der ja auch der Mensch
gehört. Wegen seinem «finsteren» Aussehen, seiner
offensichtlichen Stärke und seinem beeindruckenden Brusttrommeln
galt der Gorilla lange Zeit als wildes Ungeheuer. Dank der eingehenden
Studien von George Schaller und Dian Fossey, welche beide das
Leben der Gorillas aus nächster Nähe beobachtet haben,
weiss man es heute besser. Bei all seiner Kraft ist der Gorilla
ein sanftmütiger Pflanzenfresser, der höchstens gefährlich
wird, wenn er sich bedroht fühlt. Für die Verträglichkeit
des Gorillas spricht unter anderem die Tatsache, dass heute in
Ruanda und Zaire alljährlich viele hundert Touristen von
unbewaffneten Führern auf wenige Meter an freilebende Gorillagruppen
herangeführt werden, ohne dass es dabei je zu Zwischenfällen
kommt.
Man unterscheidet in der Regel drei verschiedene Gorilla-Unterarten,
welche alle im tropischen Äquatorialafrika beheimatet sind:
Die häufigste Unterart ist der Westliche Flachlandgorilla
(Gorilla gorilla gorilla), der den Küstenregenwald
Westafrikas zwischen den Flüssen Niger und Kongo bewohnt.
Der Bestand dieser Rasse dürfte rund 45 000 Tiere zählen.
Der Östliche Flachlandgorilla (Gorilla gorilla
graueri) lebt etwa 1000 Kilometer entfernt am östlichen
Rand des Kongobeckens in Zaire. Der Bestand dieser Unterart wird
auf ungefähr 5000 Tiere geschätzt.
Ebenfalls mitten im Herzen Afrikas, jedoch nicht im
Tiefland, sondern in den nebelfeuchten Bergwäldern auf 2000
bis 4000 Metern Höhe, lebt schliesslich die dritte Gorillarasse,
der Berggorilla (Gorilla gorilla beringei). Von dieser
Unterart gibt es nur noch etwa 400 Tiere. Ungefähr 250 davon
leben an den Hängen der Virunga-Vulkane in der Grenzregion
zwischen Zaire, Uganda und Ruanda; die restlichen bewohnen den
Bwindi-Wald in Uganda.
Berggorillas leben in festgefügten, familienähnlichen
Sippen, welche ein ausgewachsenes Silberrücken-Männchen
und durchschnittlich etwa vier fortpflanzungsfähige Weibchen
sowie ebensoviele Jungtiere in verschiedenen Altersstufen umfassen.
Als Verständigungsmittel untereinander dient den Tieren
eine «Sprache», die sich aus über fünf
zehn verschiedenen Heul-, Brüll, Hust- und Knurrlauten zusammensetzt.
Etwa neun Zehntel ihrer Zeit verbringen die Berggorillas
am Boden. Nur selten halten sie sich auf Bäumen auf, denn
ihr grosses Gewicht und ihr massiger Körperbau sind beim
Klettern eher hinderlich. Sie ernähren sich von einer vielfältigen
Pflanzenkost. Besonders gern verzehren sie das Mark von wildem
Sellerie und jungem Bambus. Aber auch Schösslinge, Blätter,
Stengel, Wurzeln und Rinde vieler anderer Pflanzen gehören
zu ihrer abwechslungsreichen Nahrung. Auf ihren Fresswanderungen
legen die Gruppen täglich etwa 500 bis 1000 Meter zurück.
Das Wohngebiet, in welchem sie sich das ganze Jahr aufhalten,
misst etwa fünf bis zehn Quadratkilometer.
Leider muss man die Berggorillas heute zu den meistbedrohten
Säugetieren der Welt rechnen. Denn obschon ihre letzten
Lebensraumreste als Schutzgebiete ausgewiesen sind, werden diese
noch immer von illegalen Eindringlingen zur Gewinnung von Bau-
und Brennholz sowie zur Schaffung von Pflanzland Stück für
Stück zerstört. Eine weitere Gefährdung stellt
auch immer noch die Bejagung durch Wilderer dar, sei es des Fleisches
wegen, sei es zur Beschaffung von Schädeln für Trophäensammler.
Zudem verenden viele der schwarzen Menschenaffen in Fangschlingen,
welche für andere Tiere ausgelegt wurden.
Trotz dieser Widrigkeiten darf man hoffen, dass die
Berggorillas in eine fernere Zukunft überleben werden. Dazu
hat nicht zuletzt der massvoll betriebene Tourismus zu den «sanften
Riesen» beigetragen, welcher im Rahmen des breit abgestützten,
vom WWF und von anderen internationalen Organisationen getragenen
«Projekt Berggorilla» seit vielen Jahren gefördert
wird. Er bringt den Ländern Ruanda und Zaire mittlerweile
Devisen in beachtlicher Höhe. Ausserdem verhilft er der
ansässigen Bevölkerung zu diversen Verdienstmöglichkeiten
im Dienstleistungssektor. So konnte das Interesse an der Erhaltung
der Berggorillas und ihres Lebensraums in allen Schichten der
«betroffenen» Bevölkerung geweckt werden, und
dies ist wohl die wichtigste Voraussetzung für die Erhaltung
dieses nach dem Schimpansen nächsten Verwandten des Menschen.
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