Projekt «Berggorilla»


© 1984 Markus Kappeler
(erschienen in der Reihe «WWF-Projektberichte»)



Mitten im Herzen Afrikas, in der Grenzregion zwischen Ruanda, Zaire und Uganda, befindet sich die Heimat der letzten Berggorillas (Gorilla gorilla beringei). In den nebelfeuchten Bergwäldern der Virunga-Vulkane und der Bwindi-Berge, auf 3000 bis 400 Metern Höhe, haben diese mächtigen Menschenaffen ihre letzten Zufluchtstätten. Höchstens noch 250 Individuen zählt die Beraorilla-Population im rund 400 km2 grossen Virunga-Schutzgebiet. Im Bwindi-Kayonza-Reservat in Uganda wird der Bestand auf etwa 100 Tiere geschätzt.

Von den Menschenaffen ist der Gorilla der grösste und mächtigste. Ausgewachsene Männchen werden bis zu 1,8 Meter gross und 200 Kilogramm schwer. Bei all seiner Kraft ist der Gorilla aber ein friedlicher und verträglicher Pflanzenfresser. In familienähnlichen Sippen von 5 bis 20 Mitgliedern streifen die Berggorillas in ihren bis zu 40 km2 grossen Wohngebieten umher und suchen nach bekömmlichen Schösslingen, Blättern und Wurzeln. Auch Rinde und Früchte gehören zu ihrer Nahrung. Die Nacht verbringen die Berggorillas in einfachen Bodennestern. Normalerweise lebt jedes Männchen mit zwei bis drei Weibchen zusammen.

Berggorillas kennen nur einen Feind: den Menschen. Unter anderem sind Schädel als Trophäen sehr begehrt. Wilderei ist jedoch für die schwarzen Riesen nicht die schlimmste Bedrohung. Folgenschwerer wirkt sich die fortlaufende Zerstörunq ihres Lebensraums, des Regenwalds, aus. Wie in vielen tropischen Regionen der Erde wächst auch in Zentralafrika die menschliche Bevölkerung schnell und beansprucht immer neuen Lebensraum. Sie rodet die natürliche Vegetation, wandelt den Boden in Kulturland um und drängt die Wildtiere in immer begrenztere Gebiete zurück.

In Ruanda, dem dichtest besiedelten Land Afrikas, ist diese Entwicklung am weitesten fortgeschritten. In diesem hügelreichen Land führt die Rodung von Hängen zu besonders fataler Erosion des Bodens. Der Volcanoes-Nationalpark ist heute bald das letzte Stück unberührter Natur.

Seit vielen Jahren schon setzen sich die Mitarbeiter des vom WWF und anderen internationalen Organisationen getragenen Projekts «Berggorilla» für die Erhaltung des Bergregenwalds im Virunga-Gebiet und damit für die Erhaltung der lokalen Berggorilla-Population ein. Durch Massnahmen wie den Einsatz von gut trainierten mobilen Anti-Wilderer-Einheiten wird die Bewachung verbessert. Die Förderung eines massvollen Tourismus schafft Verdienstmöglichkeiten und hat langfristig eine ökonomische Unabhängigkeit des Gebiets zur Folge. In Filmvorträgen wird die lokale Bevölkerung über die Bedeutung der Bergwälder für den regionalen Wasserhaushalt informiert. Als Folge der Waldzerstörung entsteht nämlich insbesondere in der Trockenzeit ein Wassermangel in den Landwirtschaftszonen. Die resultierenden Ernteeinbussen sind für die zahlreichen armen Kleinbauern in der Region verheerend.

Dank der Regenwald-Kampagne des WWF kann dieser Kampf ums Überleben der letzten Berggorillas in den kommenden Jahren noch effizienter geführt werden. Die Erfolgschancen sind dadurch beträchtlich gestiegen.




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