Hartmann-Bergzebra
Equus zebra hartmannae
© 1992 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
Die Zebras sind Mitglieder der Pferdefamilie. Man
unterscheidet drei Arten, welche alle in Afrika zu Hause sind:
das Steppenzebra (Equus burchelli), das Grevy-Zebra (Equus
grevyi) und das Bergzebra (Equus zebra). Vom Bergzebra,
dem kleinsten der drei Zebras, gibt es wiederum zwei Unterarten:
Das Kap-Bergzebra (Equus zebra zebra) ist im südafrikanischen
Kapland zu Hause. Sein Bestand wird auf ungefähr 450 Tiere
geschätzt. Das Hartmann-Bergzebra (Equus zebra hartmannae)
lebt in Namibia und Südangola und ist mit 8000 Überlebenden
ebenfalls ein recht seltenes Huftier.
Die meisten Hartmann-Bergzebras leben heute in der
südwestafrikanischen «Randstufe» - einer steilen,
felsigen Übergangszone zwischen der Küstenwüste
Namib im Westen und dem südwestafrikanischen Binnenhochland
im Osten. Allerdings halten sich die gestreiften Pferde nicht
während des ganzen Jahres dort auf. Wenn jeweils gegen Ende
der Trockenzeit, ungefähr im September, das Nahrungsangebot
in der Randstufe allzu mager wird, wandern sie in die Wüste
hinunter, wo ihnen die Versorgung mit Nahrung und Wasser zu dieser
Jahreszeit offenbar leichter fällt. Sie werden dann vorübergehend
zu «Wüstenzebras». Neben diesen randstufenlebenden
Beständen des Hartmann-Bergzebras gibt es noch kleinere
Vorkommen im Innern Namibias, so besonders im Khomas-Bergland,
das sich zwischen der Randstufe und der namibischen Hauptstadt
Windhoek erstreckt.
Die gesellschaftliche Ordnung der Hartmann-Bergzebras
lässt zwei verschiedene soziale Einheiten erkennen, nämlich
Familiengruppen einerseits und Junggesellengruppen andererseits.
Die Familiengruppen setzen sich aus jeweils einem erwachsenen
Männchen sowie ein paar Weibchen und deren Jungen zusammen.
In den Junggesellengruppen sind die «überschüssigen»
Männchen versammelt.
Eine bestimmte Fortpflanzungszeit scheint es bei den
Hartmann-Bergzebras nicht zu geben, jedenfalls kommen Jungtiere
in allen Monaten des Jahres zur Welt. Eine Häufung der Geburten
ist allerdings zwischen November und April, während der
Regenzeit, zu beobachten, wenn das Nahrungsangebot besonders
reichlich ist und den Weibchen das Säugen ihrer Jungen leichter
fällt. Die jungen Zebras beginnen schon wenige Tage nach
der Geburt selbst Gras zu sich zu nehmen, doch werden sie erst
im Alter von etwa zehn Monaten vollständig entwöhnt.
Zu diesem Zeitpunkt werden sie durch die Mutter aus der Familiengruppe
vertrieben und sind dadurch gezwungen, sich einer fremden Gruppe
anzuschliessen. Auf diese Weise wird der Inzucht vorgebeugt.
Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Bergzebras
in Namibia ziemlich häufig gewesen. So nennen Bestandsschätzungen
aus den frühen fünfziger Jahren allein für den
zentralen Bereich des Verbreitungsgebiets zwischen 50 000 und
75 000 Individuen. Bereits 1968, also keine zwanzig Jahre später,
wurde der Gesamtbestand der Zebras aber mit nurmehr 7000 Individuen
angegeben. Verantwortlich für diesen rapiden Niedergang
der schwarz-weissen Wildpferde waren in erster Linie die viehzüchtenden
namibischen Farmer, welche in ihnen unerwünschte Nahrungskonkurrenten
für ihre Nutztiere sahen und sie daher erbarmungslos abschossen
- obschon die Bergzebras seit 1933 von Gesetzes wegen als «besonders
geschützt» eingestuft sind.
Wohlüberlegte Massnahmen der namibischen Naturschutz-
und Jagdbehörde haben schliesslich dafür gesorgt, dass
die Hartmann-Bergzebras nicht noch mehr dezimiert wurden, ja
sich in jüngerer Zeit sogar etwas erholen konnten. Schutz
fanden die bedrängten Wildpferde vor allem in Naturreservaten,
wo heute die Hälfte von ihnen lebt.
Glücklicherweise scheinen heute auch die ausserhalb
der Naturreservate auf Farmland lebenden Restbestände des
Hartmann-Bergzebras eine gute Überlebenschance zu haben,
denn bei den Farmern zeichnet sich ein Gesinnungsumschwung zugunsten
der Wildpferde ab. Viele Farmer betrachten die auf ihrem Grund
und Boden heimischen Wildtiere nicht mehr nur als unnützes
oder gar schädliches «Freiwild», sondern im
Gegenteil als eine natürliche Ressource, welche bei schonender
Nutzung langfristigen Profit verspricht, sei es über Abschussprämien,
die von Trophäenjägern entrichtet werden, oder sei
es über Einlassgebühren, die von Touristen bezahlt
werden. Zwar sind die Hartmann-Bergzebras weiterhin gesetzlich
geschützt und gehören deshalb nicht zum jagdbaren Wild.
Dafür besitzen sie einen grossen touristischen «Schauwert».
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