Blauer Planet Erde


© 1983 Markus Kappeler
(erschienen im WWF-Kalender 1984)



Photographien aus dem Weltraum zeigen die Erde als bläulich schimmernde Kugel - als blauen Planeten. Ursache dieser Färbung ist zweifellos das auf der Erde vorhandene Wasser: 71 Prozent der Erdoberfläche - 360 Millionen Quadratkilometer - sind davon bedeckt.

Auf diesem Wasser beruht die Einzigartigkeit der Erde. Es macht unseren Planeten zu einer fruchtbaren Oase inmitten des Sonnensystems, in dem sonst kein Leben gedeiht. Es ist Geburtsstätte und Träger allen Lebens auf der Erde.

Das erste Wasser vermochte sich auf der sich langsam abkühlenden Erde zu bilden, als die Temperatur der Atmosphäre unter 365° Celsius sank. Erst dann konnten sich nämlich Wasserstoff- und Sauerstoffatome zu Wasser - H2O - verbinden. Das Wasser blieb allerdings vorerst als Dampf in der Atmosphäre, bis sich die Oberfläche der Erdkugel unter den Siedepunkt des Wassers abgekühlt hatte. Dann erst ergoss es sich über die Erde. Es regnete unaufhörlich. Die Meeresbecken füllten sich. Allmählich - in Tausenden von Jahren - bildeten sich infolge der anhaltenden Regenfälle die Urmeere.

In diesen Urmeeren haben sich dann - so jedenfalls die heutige naturwissenschaftliche Hypothese - vor ungefähr zwei Milliarden Jahren aus chemischen Stoffen die ersten bescheidenen Lebensformen entwickelt. Wie diese ausgesehen haben, wissen wir nicht. Wir können nur vermuten, dass sie primitiven Organismen wie Bakterien oder Blaualgen glichen: unscheinbare, lebende Gallertkügelchen. Aber aus diesen einfachen Gallertklümpchen sollen sich im Laufe der Jahrmillionen schliesslich all die Tiere und Pflanzen entwickelt haben, die heute unsere Erde in so überwältigender Vielfalt beherbergt.

Wenn auch nicht feststeht, wie genau die ersten Lebensformen aussahen, so ist doch erwiesen, daß die ersten Organismen auf unserem Planeten im Wasser zu Hause waren. Von seinem Geburtsmilieu hat sich denn das Leben auch nie ganz lösen können. Natürlich gibt es heute unzählige Arten von Pflanzen und Tieren, die auf dem trockenen Land existieren. Aber auch sie können nicht ohne Wasser sein. In ihren Körpersäften tragen sie das Wasser mit sich, in dem sie einst entstanden sind. So haben die meisten landbewohnenden Pflanzen einen Wassergehalt von rund 75 Prozent. Der menschliche Körper besteht zu ungefähr 65 Prozent aus Wasser, und ähnlich verhält es sich bei der überwiegenden Zahl der Landwirbeltiere. So betrachtet ist das Wasser der Träger jeglichen Lebens. Ohne Wasser ist kein Leben möglich, wie wir es auf der Erde kennen.

Heute ist das Wasser leider vielerorts krank. Vor allem in den industrialisierten Ländern herrscht eine katastrophale Verunreinigung der Gewässer. Den Wiesenbächen und Waldteichen ist dies zwar wenig anzusehen, den trägen Strömen und ruhenden Seen dafür umso deutlicher. Durch Verschmutzung und Vergiftung unterschiedlichster Art sind sie allesamt als Lebensräume in Frage gestellt. Und mit ihnen das Leben auf der Erde. Denn dieses Wasser, von dem alle Lebewesen abhängen, ist durch nichts zu ersetzen.




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