Hundert Meter Pilz pro Gramm


© 1985 Markus Kappeler
(erschienen im Pro-Natura-Sonderheft Nr. 4/85)



In einer Fingerspitze Erde gibt es mehr Lebewesen als Menschen auf dem ganzen Planeten. Zusammen bringen die tierlichen Organismen unter der Erdoberfläche mehr Lebendgewicht auf die Waage als die oberirdisch lebenden Tiere: Mit drei bis vier Tonnen Bodenleben pro Hektare rechnet man im Schnitt.

Die Bakterien stehen in der Rangliste der häufigsten Bodenorganismen an erster Stelle: In den obersten 30 Zentimetern eines Quadratmeters Boden finden sich gegen 100 Billionen dieser winzigen Lebewesen. 100 Gramm beträgt das Gewicht der Bodenbakterien pro Quadratmeter - pro Hektare also 1 Tonne.

Die zweithäufigste Organismengruppe bilden mit etwa einer Milliarde Exemplaren pro Quadratmeter die Pilze. Tatsächlich würden in einem einzigen Gramm fruchtbaren Bodens die Pilzfäden, könnte man sie aneinanderreihen, einen rund 100 Meter langen Faden bilden. Bakterien, Pilze und Algen zusammen machen denn auch über die Hälfte - durchschnittlich 60 Prozent - der gesamten Biomasse im Boden aus.

Auf Platz drei der Rangliste stehen mit etwa 500 Millionen Individuen pro Quadratmeter Boden die kleinsten Vertreter der Tiere, die Einzeller - gefolgt von den beachtlich grösseren Fadenwürmern, von denen immerhin noch etwa 10 Millionen in einem Quadratmeter Boden vorkommen.

Dem Gewicht nach stehen allerdings die zahlenmässig weit zurückliegenden Regenwürmer - mit den Bakterien und den Pilzen zusammen - an erster Stelle. Die rund 200 Regenwürmer pro Quadratmeter wiegen etwa 100 Gramm ­ doppelt so viel wie alle anderen Tiere im Boden zusammen.

Alle diese Zahlen sind Durchschnittswerte. Je nach der Beschaffenheit des Bodens wie auch der vorhandenen Pflanzendecke variiert der Anteil der verschiedenen Organismengruppen am gesamten Boden leben stark. Bestehen schon grosse Unterschiede zwischen den Böden der verschiedenen Waldtypen, so erst recht zwischen jenen von Feld, Wald und Wiese.




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