Bosnien-Herzegowina


© 1998 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Im nordwestlichen Bereich der Balkanhabinsel, auf halbem Weg zwischen Mitteleuropa und Vorderasien liegt ein Land, um das sich feindliche Nachbarn zu allen Zeiten stritten: die ehemals jugoslawische, seit 1992 unabhängige Republik Bosnien-Herzegowina (im folgenden kurz «Bosnien» genannt). Das Land, das mit einer Fläche von 51 129 Quadratkilometern wenig grösser ist als die Schweiz (41 285 km2), befindet sich an uralten Verbindungswegen, die zahllose Völker beschritten - Handelswege in guten, Heeresstrassen in schlechten Zeiten.

Aus der Zeit um 4000 v.Chr. stammen die ältesten archäologischen Funde an diesen Völkerstrassen, auf denen sich während Jahrtausenden der Kulturaustausch zwischen Asien und Europa vollzog. Stets aber war dieser friedliche Handel durch Einfälle feindlicher Heerscharen gefährdet. Viele zogen spurlos vorüber, andere liessen sich nieder und verdrängten die einheimische Bevölkerung, von der sich nur da und dort noch kleine Reste bis in unsere Tage erhielten. So entstand die völkische Vielfalt des heutigen Bosniens, in dem neben muselmanischen Bosniaken, orthodoxen Serben und katholischen Kroaten noch diverse Minderheiten leben, Montenegriner, Makedonier, Slowenen, Albaner, Ungarn, Türken, Italiener und andere mehr.

Abwechselnd wie das Muster eines Teppichs ist in Bosnien aufgrund seiner bewegten Vergangenheit das kulturelle Erbgut. Am Schnittpunkt religiöser und künstlerischer Beeinflussung, zwischen Byzanz im Osten, Rom im Westen und Wien im Norden, entstanden römische Paläste neben katholischen Domen, orthodoxen Klöstern und islamischen Moscheen. Die Geschichte des Landes ist in vier Schriften aufgezeichnet, im glagolithischen (altslawischen), kyrillischen, lateinischen und arabischen Alphabet. Man spricht drei Amtssprachen: Serbisch, Kroatisch und Bosniakisch.

Das Ergebnis eines solchen Zusammentreffens kann nicht anders als ausserordentlich sein: Bosnien ist von alters her ein Land der Widersprüche: ein Land, in welchem zeitweise alle geneigt sind, miteinander von der kulturellen Vielfalt zu profitieren; ein Land aber auch, das sich zeitweise - wie die jüngste Vergangenheit bestätigt - als ein ethnisches Pulverfass entpuppt.

 

Fruchtbare Becken, riesige Wälder, öde Karstflächen

Die Natur hat innerhalb Bosniens die unterschiedlichsten Landschaften geformt, die kontrastreich aufeinanderstossen. Der grösste Teil des Landes ist gebirgig. Eben ist nur der äusserte Norden im Bereich der ostwärts zur Donau fliessenden Save, ferner das Mündungsgebiet der Neretva, welche bei der Halbinsel Peljesac ins Adriatische Meer fliesst. Im Südwesten - parallel zur Adriaküste - verläuft das verkarstete Dinarische Gebirge, dessen höchste Spitzen bis über 2300 Meter aufragen. Den Rest des Territoriums nimmt das bewaldete bosnische Bergland ein mit teils breiten, teils schroffen Tälern und vielen mächtigen, isolierten Kalkstöcken. So wechseln in Bosnien fruchtbare Becken ab mit steppenartigen Hochflächen, gebietsweise beherrschen riesige Wälder das Bild, anderenorts ist die Landschaft an Steinen so reich, dass man mit ihnen eine Mauer wie die chinesische errichten könnte.

Bosnien gehört im übrigen dem kontinentalen Klimabereich an, denn die Kammzone des Dinarischen Gebirges stellt eine so wirksame Klimascheide dar, dass bereits in zwanzig Kilometern Luftlinie von der adriatischen Küste entfernt kein mediterranes Klima mehr anzutreffen ist. Das Klima des Binnenlands ist deshalb durch kalte Winter (mit mittleren monatlichen Temperaturen von bis zu -2°C) und recht heisse Sommer (mit mittleren Monatstemperaturen von bis zu 22°C) gekennzeichnet.

 

Bogulisten werden zu Muselmanen

Die Bevölkerung Bosniens wird pauschal als «Südslawen» oder «Jugoslawen» (jugo = süd) bezeichnet. Ihre Vorfahren waren ab dem 7. Jahrhundert n.Chr. in mehreren Schüben von Osten und Norden her auf die Balkanhalbinsel eingewandert und hatten die ursprünglich hier heimische Bevölkerung, indogermanische Illyrer, vertrieben.

Die Südslawen sind zu keiner Zeit ein einheitliches Volk gewesen, sondern es bestehen von alters her grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Volksstämmen. Die grösste Gruppe sind die Serben, welche vor allem die östlichen und nördlichen Teile Bosniens bewohnen und heute etwa 31 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie sind im allgemeinen von dunkler Hautfarbe. Die vor allem in den westlichen und zentralen Teilen Bosniens lebenden Kroaten, rund 17 Prozent der bosnischen Bevölkerung, sind vielfach klein, hellhäutig und blond. Die Serben haben eine byzantinische, östlich-orthodoxe Tradition und bedienen sich der kyrillischen Schrift. Die Kroaten verstehen sich hingegen als westliches Volk; sie haben eine überwiegend römisch-katholische Tradition und benützen das lateinische Alphabet.

Bosnien hat ferner eine umfangreiche Muslimbevölkerung (44 Prozent der Gesamtbevölkerung), welche eine eigene ethnische Gruppe namens «Bosniaken» bilden. Dieser Volksgruppe gehören diejenigen bosnischen Serben und Kroaten, die zur Zeit der Türkenherrschaft (1389 bis 1878) zum Islam übergetreten waren. In den Moscheen Bosniens beten also keineswegs Türken, sondern Slawen zu Allah. Ihre Volkszugehörigkeit ist bis heute strittig, da man gemeinhin Katholiken als Kroaten und Orthodoxe als Serben betrachtet, sich aber die Muslim so nicht einordnen lassen.

Hier ist es angebracht, ein paar Worte über die Vorgänge vor und während der Türkenherrschaft zu sagen: Die Südslawen hatten einst den Staat Serbien gegründet. Er war im 14. Jahrhundert Mittelpunkt eines starken Reichs. Dieses «Grossserbien» brach zusammen, als die Serben 1389 von den Türken geschlagen wurden. Letztere eroberten nicht nur das heutige Serbien, sondern auch Montenegro, Makedonien und Bosnien, während Kroatien und Slowenien an die Habsburger fielen.

Schon lange zuvor waren in Bosnien die serbisch-orthodoxe und die kroatisch-katholische Kirche bei dem Versuch, die Bevölkerung für sich zu gewinnen, zusammengestossen. Mehr als einmal hatten Angehörige dieser beiden christlichen Glaubensrichtungen einander zu Hunderten oder gar Tausenden umgebracht. Während sich diese beiden Bekenntnisse befehdeten, breitete sich in Bosnien - insbesondere in den gebildeteren, adeligen Schichten des Landes - eine eigenständige Richtung des Christentums aus, das «Bogumilentum». Es wurde schliesslich zur unabhängigen bosnischen Kirche, von der man sich erhoffte, dass sie Bosnien sowohl vor den Katholiken als auch vor den Orthodoxen bewahren würde. Angriffe und Verfolgung von seiten der beiden anderen christlichen Konfessionen setzten sich allerdings fort.

Als die (mohammedanischen) Türken Bosnien besetzten, wurden sie von vielen Bosniern begrüsst, denn sie zwangen niemanden zum Religionswechsel, boten jedoch denjenigen Schutz und vollen Besitzstand, die es taten. Der bogumilische Adel trat deshalb praktisch geschlossen zum Islam über und sicherte sich auf diese Weise Eigentum und soziale Position. Und natürlich gab es, wie in jedem besetzten Land, auch in der übrigen, grossenteils bäuerlichen Bevölkerung einen gewissen Anteil, der nachgab und mit den Türken zusammenarbeitete, um auf diese Weise zu überleben. Dazu gehörten ebenfalls vorab die Bogulisten.

Die meisten der katholischen und orthodoxen Christen lehnten es hingegen ab, Mohammedaner zu werden. Sie wurden deshalb von den Türken unter die «Herde der Ungläubigen» eingereiht, was fast gleichbedeutend war mit Sklaverei. Die Gräben zwischen den Anhängern der drei bosnischen Glaubensbekenntnisse wurden dadurch nochmals erheblich vertieft. Im übrigen erklärt sich aus diesen Vorgängen die heutige gesellschaftliche Struktur in Bosnien: Während die Christen zumeist in einfachen Verhältnissen auf dem Land leben, gibt es unter der wohlhabenden Stadtbevölkerung noch heute einen hohen Prozentsatz von Moslems. So insbesondere in Sarajevo, der ehemaligen Residenz des türkischen Wesirs in Bosnien und heutigen Hauptstadt der Republik.

 

Bosnien 1967 und 1997

«Auch mit einer sehr liebevollen Schilderung ist Sarajevo nicht ganz zu erfassen. Hier begegnen sich Orient und Okzident - diese häufig und nicht immer zu Recht gebrauchte Charakterisierung trifft für Sarajevo vollkommen zu. Die kleine Grossstadt liegt in einem grossen Kessel am Ufer des Flusses Miljacka, der aus einer Schlucht hervorströmt. Von Osten nach Westen fliesst er unter zahlreichen eleganten Brücken durch und gelangt dann in ein ausgedehntes Tal, in dem sich heute das moderne Sarajevo ausbreitet. Die Berge ringsum erheben sich auf anderthalbtausend Meter. Besteigt man einen dieser Berge und schaut unterwegs ins Tal, so wird einem erst ganz verständlich, warum man Sarajevo die schönste Stadt der Balkanhalbinsel genannt hat. Aus dem Durcheinander von Gärten, Obstbäumen, Parks und Hausdächern ragen die Minarette von rund achtzig Moscheen empor. Bei näherem Zusahen entdeckt man dann allerdings auch Hochhäuser, Fabrikschornsteine und andere Kennzeichen einer Politik, die mit Entschlossenheit westliche Zivilisationsformen anstrebt. (...)

Eine neue, ausgezeichnete Strasse hat man jetzt von Sarajevo nach Mostar gebaut. Sie geht durch das zehn Kilometer südwestlich von Sarajevo gelegene Ilidza, einen grossen Badeort mit mehreren Hotels. Schon die Römer hatten den Heilwert der heissen Quellen erkannt. Seitdem waren sie zu allen Zeiten sehr besucht. Die meisten Gebäude stammen aus österreichischer Zeit. In dem grossen, schattigen Park Vrelo Bosne vor der Stadt beginnt die Bosna ihren Weg nach Norden zur Save hin. Sie sprudelt als ein schon recht breiter Fluss am Fusse der Igman-Höhlen hervor. In ihrem frischen Wasser hat man eine Forellenzucht eingerichtet. Nun schlängelt sich die Strasse kilometerweit durch das Gebirge und durch Wälder voller Grosswild bis sie schliesslich bei Konjic die Neretva erreicht. Eine edel geformte Brücke schwingt sich hier in fünf Bogen über den Fluss. Sie wurde im Jahre 1682 von den Türken gebaut. Vor dieser hat es hier wahrscheinlich eine römische Brücke gegeben. Von Konjic aus kann man Kajakfahrten flussabwärts machen, ein erregendes und nicht ganz ungefährliches Unternehmen.

Man gelangt alsbald nach Jablanica, eine neue Stadt, die ringsum von gezackten Zweitauserndern umgeben ist. Durch eine Landschaft von erschreckender Wildheit winden sich Strasse und Eisenbahn in das Tal der Neretva hinab. Deren aufgewühltes, eisig türkisfarbenes Wasser stürzt entfesselt durch den zerklüfteten Karst.» (J.A. Cuddon, 1967)

«Die Heimreise von Sarajevo nach Zürich ist für Montag geplant. Um 7.30 Uhr soll laut Flugplan unser Flugzeug starten. Der Flugplatz sieht aus wie eine verlassene Industriehalle. Alles ist kaputt, die Wände provisorisch mit Blechen und Plastik vermacht. Die Auskunft der Empfangsdame am Schalter lässt nichts Gutes ahnen. Die Flüge nach Sarajevo seien wegen Nebels eingestellt. Der Flughafen in Sarajevo sei im Krieg so stark beschädigt worden, dass er nur mit Sichtflugbedingungen beflogen werden könne. Wann der nächste Flug stattfinden werde, sei ungewiss.

Der Versuch, einen geeigneten Überlandbus zu finden, scheitert. Es fahren zwar Busse ab dem Busbahnhof in der Stadt, aber das Informationstelefon wird nicht abgenommen. Schliesslich findet sich ein arbeitsloser Chauffeur, der sich bereit erklärt, die mehr als 400 Kilometer von Sarajevo nach Zagreb (Kroatien) zu fahren, wo sich der nächstgelegene Flugplatz befindet.

Die Fahrt führt von Sarajevo über Zenica, Travnik und Jaijce quer durch Bosnien nach Bihac an die kroatische Grenze. Kleinere Städte, Dörfer, Einzelhäuser wechseln sich ab. Die Siedlungs- und Landschaftsstruktur ist unserer schweizerischen nicht unähnlich. Was in Bosnien aber ganz anders ist: Viele Häuser sind noch immer ohne Dach und ohne Fenster. In den Wohnblöcken ersetzen immer noch Plastikfolien Fensterscheiben. Die Menschen hier wurden wohl erfolgreich für immer von ihren angestammten Grundstücken vertrieben. Über viele Kilometer fährt man an Geisterdörfern vorbei. An anderen Orten sind aber auch Menschen zu sehen, die Häuser instandstellen. Die Fahrt durch das Land macht für jeden sichtbar, was ethnische Säuberung heisst. Alle drei Volksgruppen - Serben, Kroaten und Bosniaken - haben Minderheiten aus ihren Mehrheitsgebieten vertrieben. Ist es auch Wahnsinn, was man hier erfährt, so hat es doch System.» (Y. Birrer, 1997)

Zwischen diesen beiden Zitaten liegen lediglich dreissig Jahre, jedoch ein Bürgerkrieg, wie er grausamer nicht hätte sein können. Mehr als 190 Massengräber sind bekannt, über fünfzig Prozent der Gebäude sind zerstört, über fünfundneunzig Prozent der Produktion des Landes liegen brach, die Wasser-, Gas- und Stromversorgung ist in weiten Gebieten zerstört, und es gibt erhebliche Probleme bei der Integration der über drei Millionen bosnischen Flüchtlinge, die aus Angst vor den ethnischen Säuberungen ins Ausland geflüchtet waren. Wie war es zu diesen schrecklichen Wirren gekommen?

 

Der Friedensvertragsschluss von Dayton

Marshall Josip Broz, genannt «Tito», war 1945 Ministerpräsident der neugeschaffenen «Föderation Volksrepublik Jugoslawien» - bestehend aus den Gliedstaaten Serbien, Montenegro, Mazedonien, Bosnien, Kroatien und Slowenien - geworden. Wie schwer der Vielvölkerstaat auf dem Balkan zu regieren war, hatte Tito nie verheimlicht. Und dennoch gelang es ihm, dem Volkshelden, der im Zweiten Weltkrieg erfolgreich den Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer geführt hatte, dank seiner persönlichen Macht und Integrität, Jugoslawien bis zu seinem Tod im Jahr 1980 fest zusammenzuhalten.

Heute, keine zwanzig Jahre später, liegt Titos Lebenswerk in Trümmern. Es war nicht zuletzt der drohende Wirtschaftsbankrott Jugoslawiens zufolge Misswirtschaft seiner Nachfolger gewesen, der die alten Nationalitätenkonflikte im Land mit voller Kraft wiederaufflackern liess und letztlich zum Auseinanderbrechen des Balkanstaats führte. Im Verlauf des Jahres 1991 lösten sich Slowenien, Kroatien, Bosnien und Makedonien aus der jugoslawischen Föderation und machten sich selbständig.

Im Gegensatz zu Slowenien, Kroatien und Makedonien missriet Bosnien der erfolgreiche Start in die Unabhängigkeit allerdings gründlich. Unmittelbar nach seiner internationalen Anerkennung als souveräner Staat brach im April 1992 in Bosnien ein brutaler Bürgerkrieg aus, da die einzelnen Volksgruppen entgegengesetzte Ziele und Vorstellungen bezüglich Politik- und Wirtschaftswesen besassen. Durch Angriffe auf Hab und Gut, durch Deportationen, Internierungen, Vergewaltigungen, Folter, Verstümmelung, Mord und andere Gewalttaten wurden von serbischer wie von kroatischer Seite möglichst einheitliche, «ethnisch saubere» Gebiete erzwungen.

Zunächst eroberten die bosnischen Serben in einer Art Blitzkrieg zwischen April und September fast siebzig Prozent des bosnischen Staatsgebiets und riefen dann die «Serbische Republik aus». Eine Militärallianz zwischen Kroaten und Bosniaken gegen die Serben wurde gebildet. Anfang 1993 zerbrach die Allianz aufgrund verschiedener Vorfälle. Ein «zweiter Krieg» begann - eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Kroaten und Bosniaken. Anfang 1994 gelang es internationalenm Vermittlern, die bosnischen Kroaten und Muslimen auf die Gründung einer gemeinsamen Föderation zu verpflichten. Im März 1994 kämpften die beiden Militärs wieder miteinander gegen die Serben. Dadurch gerieten die Serben zunehmend in Bedrängnis. Dies führte zu einer Pattsituation - die Voraussetzung für den Friedensvertragsschluss von Dayton.

Das Dayton-Abkommen, im November 1995 auf der US-Luftwaffenbasis Wright-Patterson in Dayton (Ohio/USA) ausgehandelt und am 14.12.1995 in Paris von allen involvierten Parteien unterzeichnet, sieht eine Trennung Bosniens in zwei Gebietseinheiten vor - eine «Bosniakisch-kroatische Föderation» (auf 51 Prozent der Landesfläche) im Zentrum und Westen und eine «Serbische Republik» (auf 41 Prozent der Fläche) im Norden und Osten Bosniens. Von politischen Beobachtern wird das Abkommen allgemein als fragwürdig eingestuft, denn es zementiert sozusagen die militärisch geschaffenen Fakten und die «ethnisch» begründete Aufsplitterung des Landes. Bosnien sei damit endgültig geteilt, heisst es, das multikulturelle Bosnien existiere nun nicht mehr, und es sei zu befürchten, dass sich der Prozess mit den vorgeschlagenen Landkarten höchstwahrscheinlich in Richtung dieses «Lands der traditionellen Widersprüche» bewege.

Das historische Pulverfass Europas scheint zwar allmählich wieder zur Ruhe zu kommen. Es ist aber ein sehr zaghafter Frieden - gewährleistet vorerst vor allem durch eine 36 000 Mann starke Nato-Friedenstruppe («Implementation Force», IFOR), welche für die fristgerechte und korrekte Umsetzung des Abkommens sorgt und zwischen den Fronten der Konfliktparteien Stellung bezieht. Was aber wird nach deren Abzug sein, lautet die bange Frage. Noch immer herrscht nämlich zwischen den bosnischen Serben, bosnischen Kroaten und Bosniaken im besten Fall kalter Krieg, und eine erneute Eskalation der Gewalt ist keineswegs auszuschliessen.




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