Breitmaulnashorn
Ceratotherium simum
© 1993 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
Das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum),
landläufig auch «Weisses Nashorn» genannt, ist
nach dem Afrikanischen und dem Asiatischen Elefanten das drittgrösste
Landsäugetier der Erde. Ausgewachsene Männchen erreichen
eine Schulterhöhe von bis zu 185 Zentimetern und ein Gewicht
von über 2000 Kilogramm. Wie sein Name sagt, besitzt das
Breitmaulnashorn ein breites, eckiges Maul, welches sich für
das Abäsen von Gräsern gut eignet. Tatsächlich
ernährt sich das Breitmaulnashorn zur Hauptsache von Gras,
während alle anderen Nashornarten überwiegend Blätter
und Zweige von Sträuchern verzehren und zu diesem Zweck
über ein zugespitztes Maul mit greiffähigen Lippen
verfügen.
Das Breitmaulnashorn ist ein Bewohner der afrikanischen
Kurzgrassavannen. Erwachsene Weibchen bilden mit Halbwüchsigen
zusammen kleine Trupps von bis zu sieben Tieren. Jede solche
Weibchengruppe lebt in einem festen, gewöhnlich zehn bis
zwanzig Quadratkilometer grossen Wohngebiet, in welchem sie das
ganze Jahr über umherstreift. Im Gegensatz zu den Weibchen
leben die erwachsenen Männchen einzelgängerisch, und
die kräftigeren unter ihnen halten Territorien von etwa
zwei Quadratkilometern Bodenfläche besetzt, aus denen sie
Rivalen nach Möglichkeit fernhalten. Der Vorteil der Territoriumsbesitzer
gegenüber den Besitzlosen besteht in der Möglichkeit,
sich fortzupflanzen. Die Weibchen paaren sich nämlich nur
mit «Grundeigentümern».
Die weiblichen Breitmaulnashörner bringen erstmals
im Alter von sechs bis acht Jahren - nach einer Tragzeit von
etwa 16 Monaten - ein Junges zur Welt. Im allgemeinen wird nur
ein Kalb geboren; es sind aber auch schon Zwillingsgeburten beobachtet
worden. Die Männchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter
von sieben Jahren. In der Regel pflanzen Sie sich jedoch erst
mehrere Jahre später fort - dann nämlich, wenn sie
es geschafft haben, ein eigenes Territorium zu erobern.
Breitmaulnashörner können bis zu 45 Jahre
alt werden. In freier Wild bahn dürften aber die wenigsten
von ihnen ein solch hohes Alter erreichen, denn selbst diesen
mächtigen Tieren drohen manche Gefahren: Nashornkälber
fallen mitunter Raubtieren, besonders Löwen, zum Opfer.
Einzelne Tiere verunfallen auch, verhungern oder sterben an einer
Krankheit. Und viele erwachsene Tiere werden wegen ihres Horns,
dessen Kilopreis heute über dem von Gold liegt, von Wilderern
erlegt. Hinsichtlich der Bestandssituation muss man das Nördliche
Breitmaulnashorn (Unterart cottoni) und das Südliche
Breitmaulnashorn (Unterart simum) getrennt betrachten.
Die beiden Rassen leben - wahrscheinlich aufgrund abrupter Klima-
und Vegetationsänderungen während der letzten Eiszeit
- seit mehreren Jahrtausenden in zwei getrennten, über 2000
Kilometer auseinanderliegenden Verbreitungsgebieten.
1817 war das Südliche Breitmaulnashorn entdeckt
worden. Es war damals von Angola ostwärts bis Mosambik und
südwärts bis Südafrika verbreitet gewesen. Doch
bereits 75 Jahre später, 1892, galt es infolge übermässiger
Bejagung durch die europäischen Kolonialherren als ausgestorben.
Glücklicherweise zu Unrecht, denn ein letzter Rest der grauen
Kolosse hatte sich in der südafrikanischen Provinz Natal
im Tal des Umfoloziflusses noch halten können. Diese letzte
Zufluchtsstätte wurde 1897 unter Schutz gestellt, und damit
konnte die Ausrottung der Unterart wirkungsvoll verhindert werden.
Heute zählt der Gesamtbestand des Südlichen Breitmaulnashorns
wieder über 3500 Tiere.
Das Schicksal des Nördlichen Breitmaulnashorns,
welches erst im Jahr 1900 entdeckt worden war, ist leider weniger
erfreulich: Es steht heute am Rand der Ausrottung. Das ursprüngliche
Verbreitungsgebiet erstreckte sich über die afrikanischen
Staaten Tschad, Sudan, Zentralafrika, Zaire und Uganda, und noch
vor wenigen Jahrzehnten waren die Bestände recht gross.
1980 gab es jedoch bereits keine 100 Exemplare dieser Unterart
mehr, und heute sind keine 50 mehr übrig. Der WWF und weitere
internationale Naturschutzorganisationen setzen derzeit alles
daran, das Nördliche Breitmaulnashorn in freier Wildbahn
zu erhalten. Insbesondere unterstützen sie die Naturschutzbehörden
Zaires durch finanzielle und fachliche Hilfe bei der wirksamen
Bewachung des Garamba-Nationalparks, wo die letzten Exemplare
dieser Rasse überleben. Bleibt zu hoffen, dass die vereinten
Anstrengungen ebensolchen Erfolg zeitigen werden wie seinerzeit
beim Südlichen Breitmaulnashorn.
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