Breitmaulnashorn
Ceratotherium simum
© 1986 Markus Kappeler / WWF Schweiz
(erschienen im WWF-Kalender 1987, WWF Schweiz, Zürich)
Das Breitmaulnashorn oder «Weisse Nashorn» (Ceratotherium
simum) ist ein eindrückliches Tier: Mit einem Gewicht
von drei bis vier Tonnen ist es das grösste aller fünf
lebenden Nashörner und - nach dem Elefanten - das zweitgrösste
Landsäugetier überhaupt.
Trotz seines volkstümlichen Namens ist das «Weisse
Nashorn» nicht weiss. Sein irreführender Name stammt
vom burischen Wort «wijde» (= breit) ab, was
sich auf seine breiten Lippen - eine Anpassung an das Abäsen
von Gras - bezieht. Durch einen Übersetzungsfehler wurde
aus «wijde» das englische «white»
und daraus wiederum das deutsche «weiss». In freier
Wildbahn entspricht die Färbung des Weissen Nashorns jeweils
der Farbe der Erde, in der es sich zuletzt gewälzt hat.
Es wird im allgemeinen angenommen, Nashörner
seien langsame, schwerfällige Tiere. Das ist aber nicht
richtig. Sie können im Gegenteil ausgesprochen schnell und
sehr wendig sein. Der kompakte und muskulöse Bau des Leibs
mit den kurzen Gliedmassen verschafft den Tieren Kraft und gute
Stabilität. So können Nashörner ohne weiteres
Geschwindigkeiten von 50 Kilometern je Stunde und mehr erreichen
und dabei mit Leichtigkeit engste Kurven ziehen.
Es ist die Faszination, die von der Kraft und der
fast mystischen Erscheinung der Tiere ausgeht, welche bei der
Vernichtung der Nashörner eine fatale Rolle spielt: Pulverisiertes
Nasenhorn ist - besonders seitens der traditionellen chinesischen
Heilkunde - seit jeher als Medizin für die Behandlung aller
möglichen Krankheiten begehrt. Die Nachfrage nach Nasenhorn
ist allerdings in den siebziger Jahren nochmals drastisch angestiegen,
da sich ein zusätzlicher, grosser Markt aufgetan hat: Im
arabischen Staat Nordjemen tragen die reichen Männer als
Zeichen ihrer Würde einen Dolch mit einem Griff aus fein
geschnitztem Nasenhorn. Seitdem immer mehr Jemeniten als Fremdarbeiter
in Saudiarabien und anderen Ölstaaten hohe Löhne verdienen,
hat die Nachfrage nach Nasenhorn-Dolchen verheerende Folgen.
So sind in den siebziger Jahren neunzig Prozent der Nashörner
Kenias, Ugandas und Nordtansanias vernichtet worden. Die nördliche
Rasse des Breitmaulnashorns befindet sich heute am Rande der
Ausrottung. Und der Bestand der südlichen Rasse wird auf
nurmehr 2000 bis 3000 Individuen geschätzt.
1979 startete der WWF eine internationale Aktion zum
Schutz der Nashörner vor dem Aussterben. Sie hat beachtliche
Erfolge erzielt: So haben verschiedene afrikanische Nationen
jegliche Jagd auf Nashörner verboten. Die Hornmenge, die
heute auf den Weltmarkt gelangt, ist von acht Tonnen pro Jahr
in den siebziger Jahren auf weniger als vier Tonnen gesunken.
Und vor kurzem hat nun auch die Regierung Nordjemens ein Gesetz
erlassen, welches jeglichen Import von Nasenhorn verbietet. Leider
werden aber noch immer, Tag für Tag, weitere afrikanische
Nashörner durch Wilderer niedergeschossen. Der WWF kämpft
darum weiterhin mit an der Front der internationalen Schutzbestrebungen,
die den Handel blockieren und die Schlächterei stoppen wollen.
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