Buckelwal
Megaptera novaeangliae
© 1995 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
Der Buckelwal (Megaptera novaeangliae) gehört
zu den grössten Tieren, die auf unserem Planeten leben.
Der mächtige Meeressäuger, der seinen Namen den zahlreichen
warzenartigen «Knubben» an Kopf und Brustflossen
verdankt, erreicht gewöhnlich eine Länge von etwa 15
Metern und ein Gewicht um 30 Tonnen.
Unter allen Grosswalen verhält sich der Buckelwal
am auffälligsten: Oft springt der Schwergewichtler hoch
aus dem Wasser und fällt mit dröhnendem Knall wieder
zurück. Und häufig schlägt er auch mit der Schwanz-
oder mit den Brustflossen laut klatschend auf die Wasseroberfläche.
Dieses scheinbar verspielte Verhalten, das dem Buckelwal das
Attribut «Clown unter den Walen» eingetragen hat,
dient wahrscheinlich der Verständigung mit seinen Artgenossen,
denn unter Wasser sind solche «Signale» viele Dutzend
Seemeilen weit zu hören.
Populär gemacht haben den Buckelwal aber nicht
nur seine Luftsprünge, sondern auch die merkwürdigen
«Unterwassergesänge», welche von den Bullen
während der Fortpflanzungszeit geäussert werden. Es
sind die lautesten, längsten und abwechslungsreichsten Gesänge
im ganzen Tierreich. Auch sie dürften nicht einfach Ausdruck
der Lebensfreude sein, sondern spielen wohl bei der innerartlichen
Verständigung und insbesondere bei der Partnerfindung eine
wichtige Rolle.
Überraschenderweise ernährt sich der Buckelwal
seiner enormen Grösse zum Trotz ausschliesslich von marinen
Kleintieren - von Krillkrebschen einerseits und von sardinen-
bis heringgrossen Schwarmfischen andererseits. Zum Ausseihen
seiner vergleichsweise winzigen Beutetiere aus dem Meerwasser
verfügt er über rund 800 längliche, an der Innenkante
ausgefranste Hornplatten, sogenannte «Barten», welche
in seinem Riesenmund allseitig wie ein Lamellenvorhang vom Oberkiefer
herabhängen und einen wirkungsvollen «Filterapparat»
abgeben.
Buckelwale kommen in allen Ozeanen rund um die Erdkugel
herum und von den Tropenmeeren bis zu den Polarmeeren vor. Allerdings
verteilen sich die grossen Meeressäuger nicht gleichmässig
über dieses riesenhafte Verbreitungsgebiet, sondern führen
regelmässige saisonale Wanderungen durch: Den Sommer verbringen
sie in den kalten Polarmeeren, wo sie sich der «Beweidung»
der dort besonders reichen Nahrungsgründe widmen. Jeweils
im Herbst suchen sie dann wärmere Gewässer in gemässigten
bis tropischen Zonen auf, um sich dort während des Winters
zu paaren und ihre anfangs kälteempfindlichen Jungen zur
Welt zu bringen. Sie versammeln sich dann oft zu kleinen Verbänden,
während man sie die restliche Zeit des Jahres zumeist einzeln
oder in kleinen Trupps von zwei bis vier Tieren antrifft.
Die jungen Buckelwale, welche nach einer Tragzeit
von beinahe einem Jahr als «Einzelkinder» zur Welt
kommen, messen bei der Geburt bereits vier bis fünf Meter
und wiegen etwa anderthalb Tonnen. Sie werden von ihrer Mutter
etwa zehn Monate lang gestillt. Die Geschlechtsreife erreichen
sie im Alter von vier bis fünf Jahren, und ihre Alterserwartung
liegt bei 30 bis 50 Jahren.
Wie die anderen Bartenwale ist der Buckelwal vom Menschen
in den letzten zwei Jahrhunderten erbarmungslos verfolgt und
abgeschlachtet worden. Die schlimmste Zeit des Walfangs begann
gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem eine Harpune erfunden
worden war, welche im Körper der grossen Meeressäuger
explodierte und sie sofort tötete, und nachdem etwa gleichzeitig
die ersten motorisierten Walfangsschiffe entwickelt worden waren.
Viele tausend Buckelwale wurden in der Folge Jahr für Jahr
erlegt - bis die mächtigen Meeressäuger praktisch ausgerottet
waren und deshalb 1966, auf Drängen der Weltöffentlichkeit,
in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet unter Schutz gestellt wurden.
Im Nordatlantik und im Nordpazifik mag es heute noch
etwa 8000 Buckelwale geben. Auf der südlichen Erdhalbkugel,
wo ursprünglich schätzungsweise 120 000 Buckelwale
lebten, dürften es allenfalls noch 12 000 Individuen sein.
Leider kann bei der geringen Vermehrungsrate - je erwachsenes
Weibchen höchstens alle zwei bis drei Jahre ein Junges -
eine Bestandsvermehrung nur sehr langsam erfolgen.
Ausser Frage steht, dass der Buckelwal nur dann eine
Überlebenschance hat, wenn das internationale Fangverbot
auch weiterhin strikt aufrechterhalten bleibt. Zudem muss unbedingt
dafür gesorgt werden, dass durch die massiv zunehmende Krillfischerei
(zwecks Herstellung von Viehfutter) seine Nahrungsgrundlage nicht
zerstört wird. Und natürlich gilt es, auch in unserem
eigenen Interesse, der allgemeinen Gesunderhaltung der Weltmeere
grösste Beachtung zu schenken.
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