Ceylon-Elefant
Elephas maximus maximus
© 1986 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Wohl kein anderes Tier hat die Kultur eines ganzen
Kontinents so stark geprägt wie der Asiatische Elefant.
Wann genau der graue Koloss zum Helfer, Freund und sogar Gott
des Menschen geworden ist, wissen wir nicht, da die Geschichte
der Menschheit nicht mehr als 5000 bis 6000 Jahre zurückverfolgt
werden kann. Relief-Darstellungen in den Ruinen von Mohenjo Daro
und Harappa im Indus-Tal zeigen aber, dass Elefanten schon um
3500 v.Chr. gezähmt worden sind. Eine lückenlose Reihe
von Bildern auf Münzen, Schriftstücken und an Tempeln,
welche bis in unsere Zeit reicht und Zähmungsversuche sowie
Arbeits- und Kriegseinsätze von Elefanten zeigt, gibt eine
Idee von der Stärke und Beständigkeit dieses Bunds
zwischen Mensch und Tier.
Erwartungsgemäss kommt dem Elefanten auch in
den asiatischen Religionen grosse Bedeutung zu. So ist eine Prozession
ohne Beteiligung von Elefanten in vielen Fällen undenkbar.
Zweifellos erreicht diese Verehrung der grauen Riesen ihren Höhepunkt
im weltberühmten Kandy-Perahera-Umzug auf Sri Lanka, bei
dem über hundert reich geschmückte Elefanten durch
die Strassen der alten Hauptstadt ziehen. Ein mächtiger
Elefantenbulle trägt dabei einen Schrein, in dem sich ein
heiliger Zahn Buddhas befindet.
Trotz alledem ist der Asiatische Elefant nie ein richtiges
Haustier geworden. Zu keiner Zeit hat ihn der Mensch über
Generationen hinweg gezüchtet. Der Grund dafür dürfte
sein, dass die Aufzucht von Elefanten viel kostspieliger ist
als ihr Fang. Man kann nämlich die Tiere erst vom zehnten
Lebensjahr an zur Arbeit einsetzen.
Ein Geschöpf des Walds
Die Familie der Elefanten (Elephantidae) hat im Laufe
ihrer Stammesgeschichte 21 Gattungen mit 113 Arten hervorgebracht.
Der Asiatische Elefant (Elephas maximus) und der Afrikanische
Elefant (Loxodonta africana) sind die beiden letzten Vertreter
dieser einstmals blühenden Tiergruppe. Sie stammen von einem
gemeinsamen Vorfahren ab, der vor rund zwei Millionen Jahren
in der Faym-Senke im nordöstlichen Afrika lebte.
Der Asiatische Elefant wird in vier verschiedene geografische
Rassen unterteilt: den Indischen Elefanten (Elephas maximus
indicus) aus Indien, den Malaya Elefanten (E. m. hirsutus)
aus Thailand und Malaysia, den Ceylon-Elefanten (E. m. maximus)
von Sri Lanka und den Sumatra-Elefanten (E. m. sumatranus)
von Sumatra.
Der Asiatische Elefant ist kleiner als sein afrikanischer
Bruder. Während der Afrikaner vier Meter hoch und sechs
Tonnen schwer werden kann, ist ein 3,2 Meter hoher und fünf
Tonnen schwerer Asiate bereits ein aussergewöhnlich mächtiges
Tier. Auch die Ohren und die Stosszähne des Asiatischen
Elefanten sind vergleichsweise klein. Letztere sind bei den meisten
Weibchen und auch bei vielen Männchen äusserlich gar
nicht sichtbar.
Die geringeren Körpermasse des Asiatischen Elefanten
dürften Anpassungen an das Leben in dichter Vegetation sein.
Im Gegensatz zum Afrikanischen Steppenelefanten ist der Asiatische
Elefant nämlich ein typischer Bewohner dichter tropischer
Urwälder. Ein massiger Körper und ausladende Körperanhänge
wären in diesem Lebensraum nur hinderlich.
Einmalige Nase und einzigartige Zähne
Der Rüssel ist wohl das auffälligste Merkmal
des Elefanten. Diese verlängerte Nase ist ein kraftvolles
und zugleich sehr empfindliches Tast-, Greif- und Geruchsorgan:
Mit seinem Rüssel kann der Elefant hoch über seinem
Kopf dicke Äste aus Baumkronen brechen; er kann damit aber
auch kleinste Gegenstände behutsam vom Boden aufheben; er
vermag mit seinem Rüssel mehrere Liter Wasser aufzusaugen
und sie dann mit Druck in seinen Mund zu spritzen; er kann die
Luft über dem Buschwerk, in dem er sich aufhält, auf
feindliche Gerüche hin überprüfen; er kann seinen
Rüssel als Trompete für die Verständigung mit
weiter entfernten Artgenossen einsetzen; er kann seinen Rücken
mit Sand einpudern; usw. Interessanterweise endet der Rüssel
des Afrikanischen Elefanten in zwei fingerartigen Fortsätzen,
während derjenige des Asiatischen Elefanten nur einen «Finger»
aufweist. Es ist nicht bekannt, worin dieser Unterschied begründet
sein könnte.
Aussergewöhnlich ist ferner die Bezahnung des
Elefanten. Da sind zum einen die auffälligen Stosszähne,
die sich aus den oberen Schneidezähnen - nicht etwa aus
den Eckzähnen - entwickelt haben und ständig nachwachsen.
Sie dienen dem Elefanten hauptsächlich als Vielzweck-Werkzeug
bei der Nahrungssuche - beispielsweise zum Ausgraben von Wurzeln
oder zum Schälen von Rinden.
Aber auch sonst ist die Bezahnung des Elefanten höchst
eigenartig. Um mit den Tag für Tag benötigten 220 bis
270 Kilogramm faseriger Pflanzenkost fertigzuwerden, hat die
Natur die ungewöhnlichsten Backenzähne geschaffen,
die es im Tierreich gibt: Nur je ein Backenzahn befindet sich
in jeder Hälfte des Ober- und des Unterkiefers des Elefanten
- vier Zähne also insgesamt. Diese haben jedoch eine Länge
von 25 bis 35 Zentimetern! Von zahlreichen quer angeordneten
Schmelzbändern werden sie zu fast unverwüstlichen Holzraspeln
gehärtet.
Ist solch ein Backenzahn nach ein paar Jahren schliesslich
doch abgewetzt, so schiebt sich der nächste Zahn von hinten
her aus dem Kieferknochen und drückt den alten nach vorn,
wo er Stück für Stück abbröckelt. Fünfmal
wiederholt sich dieser Vorgang im Leben eines Elefanten, und
bei jedem Zahnwechsel wird die Kaufläche grösser und
reicher an harten Querleisten. Der sechste und damit letzte Satz
Zähne erscheint etwa im fünfzigsten Lebensjahr und
muss für den Rest des Elefantenlebens ausreichen. Wenn auch
dieser abgewetzt ist und nach und nach abbricht, sind die Tage
des Elefanten gezählt. Die Lebensdauer des Elefanten beträgt
daher nur ungefähr 65 bis 70 Jahre - etwas weniger also
als die des Menschen.
Der Fang von Arbeitselefanten
Drei verschiedene Methoden werden angewendet, um freilebende
Asiatische Elefanten zu fangen: Um einzelne Tiere zu fangen,
werden in der Regel Schlingen ausgelegt. Da die Schulterhöhe
des Elefanten etwa zweimal dem Umfang seines Vorderfusses entspricht,
lässt sich bei dieser Methode die Maximalgrösse des
zu fangenden Elefanten ungefähr festlegen. Eine weitere
Methode zum Fang einzelner Tiere ist hauptsächlich auf Sri
Lanka verbreitet: Unerschrockene "Panikians" (Elefantenjäger)
folgen einer Herde Elefanten durch den Urwald, wählen sich
sorgfältig ein Opfer aus und legen diesem dann flink eine
Schlinge um eines der Hinterbeine.
Bei der «Keddah» (Elefantentreibjagd)
schliesslich werden ganz Elefantenherden auf einmal gefangen:
Eine Herde Elefanten wird von Treibern in einen eigens dafür
gebauten, aus dicken Palisaden gebildeten Pferch getrieben. Dort
werden dann die einzelnen Tiere mithilfe von gezähmten und
besonders dafür abgerichteten Elefanten von der Herde abgetrennt.
Und inmitten des gewaltigen Durcheinanders von Staub und Schreien
bewegen sich mutige Männer, welche die erschreckten und
wütenden Tiere mit Seilen festzubinden versuchen.
Die Keddah scheint in Assam entwickelt worden zu sein.
Jedenfalls ist sie in allen Einzelheiten im Hastividyarnava dargelegt
- einem sehr alten, in assamesischer Sprache geschriebenen Buch.
Heute finden allerdings kaum mehr Keddahs statt.
Nach dem Fang von Wildelefanten beginnt die lange
und mühevolle Arbeit des Abrichtens der Tiere zu treuen
Helfern des Menschen. Jedem der gefangenen Elefanten wird ein
«Mahout» (Elefantenpfleger) zugeordnet, der ihn pflegt,
dressiert und das ganze Leben lang führt.
Während der ersten zwei Tage nach der Gefangenschaft
bleibt der Elefant in Fesseln. Dann werden die Stricke langsam
gelockert und etwas Nahrung verabreicht. Alle diese Arbeiten
werden vom Mahout mit grosser Sorgfalt ausgeführt. Zur Beruhigung
seines Elefanten singt er ständig die gleiche monotone Melodie,
um ihn so allmählich an seine Gegenwart und Stimme zu gewöhnen.
Schliesslich lässt sich der Elefant von seinem Pfleger berühren
und streicheln.
Wenn sich der Wildelefant so weit an die menschliche
Nähe gewöhnt hat, beginnt die eigentliche Dressur:
Zunächst wird er zwischen zwei bereits abgerichteten Tieren
geführt, die den Befehlen des Mahouts gut gehorchen. Durch
ihr Beispiel lernt der Neuling die Bedeutung der einzelnen Befehle
schnell. Nach zwei oder drei Wochen eingehender Dressur kann
er bereits die Befehle «Vorwärts!», «Halt!»,
«Niederknien!» und «Aufstehen!» unterscheiden.
Es dauert aber noch lange Zeit, bis er ein vollwertiges Arbeitstier
ist. Ein gut ausgebildeter Arbeitselefant versteht rund vierzig
verschiedene Befehle.
«Dschungelmaschinen»
Gerade die Fügsamkeit und Gelehrigkeit des Elefanten
scheint am meisten zu seinem Verschwinden aus grossen Teilen
seines ehemaligen Verbreitungsgebiets beigetragen zu haben. Als
der Mensch dazu überging, sich in festen Siedlungen niederzulassen,
seine Ernährung immer mehr auf landwirtschaftliche Produkte
abstützte und immer mehr Holz für seine Häuser
benötigte, da entdeckte er im Elefanten die bestgeeignete
«Maschine» zur Nutzung und Urbarmachung des Dschungels.
Der graue Koloss mit seinen vielen Pferdestärken konnte
auf seinen Befehl hin Bäume niederzerren, konnte Stämme
Hügel hinauf tragen und kam in jedem Terrain mühelos
voran. Darüberhinaus war er einfach zu beschaffen und billig
im Unterhalt; mit Pflanzenkost und Wasser war er durchaus zufrieden.
So wurden mehr und mehr Wildelefanten eingefangen
und dazu angespannt, ihren eigenen Lebensraum zu zerstören,
damit der Mensch das Holz der Waldbäume verwerten und seine
Felder anlegen konnte. Dies hat im Laufe der Zeit dazu geführt,
dass der Asiatische Elefant aus immer weiteren Bereichen seines
Verbreitungsgebiets verschwunden ist. Noch in geschichtlicher
Zeit starben die in Kleinasien, Syrien, Mesopotamien, Persien
und China sowie auf Java heimischen Rassen gänzlich aus.
Und auch die vier überlebenden Unterarten sind recht selten
geworden. Der Gesamtbestand des Asiatischen Elefanten in freier
Wildbahn wird auf höchstens noch 40 000 Tiere geschätzt.
Die Art gilt als gefährdet.
Die Situation der Elefanten auf Sri Lanka
Während vor etwa 200 Jahren noch schätzungsweise
12 000 Elefanten Sri Lanka bevölkerten, leben heute nur
noch rund 3000 auf der 65 000 Quadratkilometer grossen Insel
im Indischen Ozean. Der Grund für den starken Rückgang
des Elefantenbestands ist auch hier die anhaltende Umwandlung
des Urwalds in Kulturland und damit die weitgehende Zerstörung
des Lebensraums der Elefanten. Heute ist nur noch rund ein Fünftel
der Insel von Wald bedeckt. Waren es im 19. Jahrhundert hauptsächlich
die grossflächigen Gummi-, Tee- und Kokosplantagen der englischen
Kolonialherren, denen die ursprüngliche Vegetation Platz
machen musste, so ist es heute der immense Landbedarf der rasch
anwachsenden Bevölkerung.
Diese für die Dickhäuter fatale Entwicklung
wird noch verschärft durch das drei Milliarden Franken teure
Mahaweli-Projekt. Es bezweckt die Nutzung des grössten Flusses
der Insel, des Mahaweli Gangas, für die Bewässerung
von 1200 Quadratkilometern neuen Ackerlandes. Dadurch wird der
Lebensraum der letzten Ceylon-Elefanten empfindlich geschmälert:
die einstmals zusammenhängende Elefantenpopulation zerfällt
mehr und mehr in einzelne isolierte Bestände. Diese leben
in zerstückelten Waldgebieten, umgeben von Siedlungen, Kulturland
und Strassen. Gezwungenermassen führt dies zu Konflikten
zwischen Elefant und Mensch. Bereits wurden Elefanten in grösserer
Zahl abgeschossen, weil sie Schäden an Plantagen und Feldern
angerichtet hatten.
1938 wurden zum Schutz der reichen Tier- und Pflanzenwelt
Sri Lankas - einschliesslich des Ceylon-Elefanten - die beiden
weiträumigen Nationalparks Yala und Wilpattu gegründet.
1960 stellte man die Elefanten unter strikten gesetzlichen Schutz
und 1967 startete der WWF ein erstes Projekt zum Schutz des Ceylon-Elefanten,
welches ein neuartiges Naturschutzkonzept beinhaltet: Nebst zusätzlichen
Reservaten wurden sogenannte Korridore geschaffen - breite, vor
menschlichen Zugriffen geschützte Landstreifen, welche die
verschiedenen Naturschutzgebiete miteinander verbinden. Durch
den Einbezug vieler kleiner Waldpartien konnten verschiedene
Elefantenbestände aus ihrer Isolation befreit und mit den
Herden in den Reservaten verbunden werden. Die Korridore erleichtern
es den Dickhäutern zudem, ihre traditionellen Wanderungen
durchzuführen. Dies gewährleistet eine gleichmässigere
Nutzung ihres Lebensraums.
Eine weitere wichtige Massnahme im Elefantenschutz-Konzept
auf Sri Lanka ist die Schaffung von Pufferzonen rund um die bestehenden
Reservate herum. Diese Schutzgebiets-Bereiche dürfen von
der ansässigen Bevölkerung in einem gewissen Ausmass
genutzt werden. So ist etwa das Sammeln von Brennholz oder die
Ernte von Waldfrüchten erlaubt. Dagegen ist die Jagd auf
Grossäuger oder das Fällen von Edelhölzern untersagt.
Die Pufferzonen sollen die dauernden Diskussionen um den genauen
Verlauf der Reservatsgrenzen aus der Welt schaffen und verhindern
helfen, dass die Schutzgebiete ständig an ihren Rändern
von den Anwohnern «angenagt» werden.
Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem Korridor- und
Pufferzonen-Konzept auf Sri Lanka wird dieses nun auch in Bangladesh
und in Malaysia eingeführt.
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