Südandenhirsch - Hippocamelus bisulcus

Langschwanz-Chinchilla - Chinchilla lanigera

Juan-Fernandez-Seebär - Arctocephalus philippii


© 1984 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Die Republik Chile, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, säumt als schmales Band die Südwestküste Südamerikas. Das Land ist mit einer Fläche von 750 000 Quadratkilometern gut doppelt so gross wie Deutschland, erscheint aber ausgesprochen langgezogen: Bei einer durchschnittlichen Breite von nur 177 Kilometern ist es über 4200 Kilometer lang. In chilenischem Besitz befinden sich die Osterinseln sowie der San Felix/San Ambrosio-Archipel und die Juan-Fernandez-lnselgruppe. Zudem beansprucht Chile einen 1 250 000 Quadratkilometer grossen Teil der Antarktis zwischen dem 53. und 90. Grad westlicher Länge.

 

Chile hat Inselcharakter

Chile hat - biologisch gesehen - den Charakter einer Insel. Auf allen vier Seiten ist das Land von der übrigen Welt abgetrennt: Im Norden durch die extrem trockene Wüste Atacama. Im Osten durch den hohen, zusammenhängenden Gebirgszug der Anden. Und im Westen und Süden durch den Pazifischen Ozean.

Aufgrund dieser Isolation ist die Tier- und Pflanzenwelt Chiles durch eine geringe Artenzahl sowie viele endemische - also nur in Chile heimische - Arten gekennzeichnet. In der Abgeschiedenheit war ursprünglich auch die Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum gering, weshalb viele der chilenischen Tier- und Pflanzenarten jene für Inselformen so typische Verwundbarkeit zeigen gegenüber vom Menschen eingeschleppten Tierarten.

Bereits um die Jahrhundertwende zeigte sich eine kleine Gruppe von Leuten sehr besorgt über die fortschreitende Rodung der chilenischen Wälder und forderte von der Regierung dringliche Massnahmen zum Schutz der Natur. So ist im Jahre 1907 das Naturschutzgebiet Malleco entstanden. Es zählt heute zu den ältesten Reservaten Südamerikas. 1926 wurde auch bereits der erste Nationalpark Chiles gegründet. Und über die Jahre hinweg ist das Netz von Schutzgebieten stetig erweitert worden. Heute weist es gesamthaft eine Fläche von mehr als 120 000 Quadratkilometer auf - das entspricht der dreifachen Fläche der Schweiz und stellt über 15 Prozent der Fläche Chiles dar.

Dies scheint zwar auf den ersten Blick sehr viel zu sein. Leider sind aber die Naturschutzgebiete sehr unregelmässig über das Land verteilt. Die überwiegende Zahl der Reservate befindet sich im südlichen, von Fjorden zerklüfteten Teil der Republik. Küsten, Tiefland-Laubwälder und Wüsten sind im Netz der Schutzgebiete kaum oder gar nicht enthalten. Die Gründung weiterer Reservate im Norden Chiles ist dringend erforderlich.

Im Sinne eines umfassenden Naturschutzkonzepts gilt es aber noch weitere Massnahmen zu treffen: Die Naturschutz-Gesetzgebung muss ausgebaut werden. Besondere Hilfsprogramme zur Rettung bedrohter Tierarten müssen anlaufen. Forschungsprojekte müssen sichere Grundlagen für den Naturschutz liefern. Und eine vermehrte Öffentlichkeitsarbeit muss den Naturschutzgedanken auf eine breitere Basis stellen.

Im folgenden sollen drei bedrohte Säugetierarten Chiles vorgestellt werden.

 

Der Südandenhirsch

Der Südandenhirsch oder Huemul (Hippocamelus bisulcus) gehört innerhalb der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) zur Familie der Hirsche (Cervidae). Zwischen 1782 und 1902 hat er nicht weniger als einundzwanzigmal seinen wissenschaftlichen Namen gewechselt. Mit dem Anden-Kondor (Vultur gryphus) zusammen ist der Südandenhirsch auf dem Wappen Chiles abgebildet.

Der Südandenhirsch ist ein mittelgrosser, etwas untersetzter Vertreter seiner Familie. Das Männchen erreicht eine Schulterhöhe von 80 Zentimetern und ein Gewicht von 100 Kilogramm. Weibliche Tiere sind etwas kleiner und leichter. Die Ohren sind mit etwa 20 Zentimeter auffallend lang. Wie bei allen Hirscharten - das Ren ausgenommen - trägt nur das Männchen ein geweih. Es weist im allgemeinen nur zwei Enden auf, von denen das hintere bis 30 Zentimeter lang werden kann.

Der Südandenhirsch war einst von Zentralchile im Norden bis zur Magellan-Strasse im Süden verbreitet. Innerhalb seines Verbreitungsgebiets bewohnte er eine Vielzahl verschiedenartiger Lebensräume von den Meeresküsten bis hinauf zu den oberen Hängen der Anden. Oft konnte er dort in Moränen und anderen Gletscherlandschaften beobachtet werden.

Je mehr sich die menschliche Bevölkerung Chiles aber ausdehnte, desto mehr Viehzäune wurden errichtet, desto grossflächiger wurde der Bergwald gerodet und desto stärker wurde der Hirsch seines schmackhaften Fleisches wegen bejagt. Seine Bestände nahmen stetig ab, und die Tiere zogen sich immer mehr in die steilen, schwer zugänglichen Felshänge der Anden zurück.

Heute kommt der Huemul nur noch in einem Bruchteil seines früheren Verbreitungsgebiets vor. Kleine, versplitterte Restbestände leben isoliert voneinander in den südchilenischen Provinzen Aisen und Magallanes zwischen dem 44. und dem 54. Grad südlicher Breite. Der Gesamtbestand der Hirschart wird auf etwa 1500 Tiere geschätzt.

Die Isolation der kleinen Restpopulationen stellt natürlich für das Überleben der Art ein schwerwiegendes Problem dar. Bei kleinen Tierbeständen besteht immer die Gefahr von Inzucht, was die Anfälligkeit der Tiere auf Krankheiten vergrössert und damit ihre Sterblichkeit erhöht. Fällt aber eines der isoliert lebenden Rudel aus, so findet keine Einwanderung überzähliger Tiere aus benachbarten Gruppen statt, und die Bestände schwinden immer mehr.

Trotzdem besteht die Hoffnung, dass der Südandenhirsch überleben wird. Das chilenische Jagdgesetz verbietet die Jagd auf den Huemuls ganzjährig. Die Hirschart ist zudem in Anhang I des Internationalen Abkommens über den Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (CITES) aufgeführt. Und nicht zuletzt kommt der Südandenhirsch in einigen der südchilenischen Schutzgebiete vor.

Der WWF hat mit Fahrzeugen, Pferden und weiterer Ausrüstung zum wirkungsvollen Schutz dieser Reservate beigetragen. Er hat den Bau von Gebäuden finanziert. Und er unterstützt Untersuchungen über die Lebensweise des Südandenhirsches, welche die Grundlagen für weitere gezielte Schutzmassnahmen liefern sollen.

 

Die Langschwanz-Chinchilla

Die Langschwanz-Chinchilla (Chinchilla lanigera) gehört innerhalb der grossen Ordnung der Nagetiere zur Familie der Chinchillas (Chinchillidae). Erwachsene Langschwanz-Chinchillas erreichen eine Körperlänge von 40 bis 42 Zentimetern, wovon allerdings 15 Zentimeter auf den Schwanz entfallen.

Langschwanz-Chinchillas leben vorzugsweise in trockenen Gebieten. Sie sind gesellige Tiere, welche vor allem nachts tätig sind. Den Tag verbringen sie in unterirdischen Höhlen oder zwischen Felsen.

Die Chinchilla-Weibchen bringen bis sechs Junge je Wurf zur Welt. Diese sind schon bei der Geburt sehr weit entwickelt: Ihre Augen sind offen, und sie besitzen ein vollständiges Fell. Wenige Stunden nach der Geburt können sie laufen, und wenige Tage später nehmen sie bereits feste Nahrung zu sich. Die Geschlechtsreife erlangen sie im Alter von drei bis sechs Monaten. In Menschenobhut sind einzelne Tiere bis 22 Jahre alt geworden.

Langschwanz-Chinchillas gehören zu den endemischen Säugetieren Chiles. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war die Art sehr weit verbreitet. Sie kam sowohl im Tiefland als auch im Anden-Vorgebirge Nord- und Zentralchiles - zwischen dem 25. und dem 35. Breitengrad - vor. Die einstmals grossen Bestände der silbergrauen Nager sind aber infolge übermässiger Bejagung stark zurückgegangen. Heute kennt man nur noch eine einzige freilebende Population. Dieser klägliche Rest der vormals häufigen Säugetierart überlebt bei Auco (31. Grad südlicher Breite).

Ihr kostbares, seidenweiches Fell ist schuld daran, dass die zierliche Langschwanz-Chinchilla bis an den Rand der Ausrottung getrieben worden ist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war hauptsächlich auf dem europäischen Markt eine enorme Nachfrage nach Chinchilla-Pelzen. Jährlich wurden etwa 500 000 Felle aus Chile ausgeführt. Mangels Einhaltens einer Schonzeit und Festsetzens von Fangquoten wurden die Bestände der Chinchillas derart leergeplündert, dass schon kurz nach der Jahrhundertwende der Nachschub an Fellen dramatisch zurückging.

Im Jahr 1929, nachdem praktisch keine Chinchillas mehr übrig waren, wurde schliesslich ein Jagdverbot erlassen. Trotz dieser Schutzmassnahme wurde aber weitergejagt, denn nun schnellte der Preis für Chinchilla-Felle rasch in die Höhe. So wurden vielerorts noch die letzten Überlebenden ausgemerzt.

1974 führte die Forstbehörde Chiles eine Untersuchung über die Situation der Chinchilla-Population bei Auco durch. 1979 wurden zwei Beamte vollamtlich mit dem Schutz dieser letzten freilebenden Tiere beauftragt. Ihre Aufgabe bestand vorerst darin, die Besitzansprüche der über einhundert ansässigen Bauern zu klären. Langwieriger Landabtausch und Landerwerb folgten. 1984 konnte schliesslich offiziell das Las Chinchillas-Reservat eingeweiht werden. Es bemisst sich auf 4200 Hektaren und ist rundherum eingezäunt. Eine Station mit Arbeits- und Wohnräumen für Wissenschafter wurde erbaut. Für Patrouillen steht ein Geländefahrzeug des WWF zur Verfügung. Langfristige Untersuchungen sollen nun die noch wenig bekannte Lebensweise der scheuen Nager in freier Wildbahn klären. Der Kampf ums Überleben der Langschwanz-Chinchillas scheint jedenfalls gewonnen.

 

Der Juan-Fernandez-Seebär

Der Juan-Fernandez-Seebär (Arctocephalus philippii) gehört zu den Ohrenrobben (Otariidae). Er ist nah verwandt mit dem Guadelupe-Seebär (Arctocephalus townsendi), mit welchem er früher in einer gemeinsamen Art zusammengefasst wurde. Wie alle Ohrenrobben besitzt der Juan-Fernandez-Seebär äusserlich sichtbare Ohrmuscheln und vermag seine Hinterflossen nach vorn unten den Bauch zu drehen, sodass er sich an Land recht flink zu bewegen vermag.

Auch der Juan-Fernandez-Seebär gehört zu den endemischen Säugetierarten Chiles: Er kommt ausschliesslich auf den chilenischen Inseln Alejandro Selking, Robinson Crusoe, San Felix und San Ambrosio vor. Erwachsene Männchen werden über zwei Meter lang und bis 450 Kilogramm schwer. Die Weibchen sind wesentlich schlanker gebaut: Sie erreichen zwar eine Körperlänge von 1,6 Metern, wiegen aber nur etwa 70 Kilogramm.

Seebären werden auch «Pelzrobben» genannt, da sie unter ihrem groben, zottigen Oberfell eine ausgesprochen dichte, weiche Unterwolle tragen. Unter der Bezeichnung «Seal» erzielen diese Felle im Pelzhandel hohe Preise. Dieses wertvollen Fells wegen sind die Seebären von alters her stark bejagt worden. Dies hat weltweit zu einem drastischen Bestandesrückgang der wendigen Meeressäuger geführt.

Die Bestände des Juan-Fernandez-Seebären wurden im Verlauf des 18. und im frühen 19. Jahrhundert besonders durch Robbenjäger aus Grossbritannien und Massachussets (USA) geplündert. Die Fangquoten aus jener Zeit lassen vermuten, dass die ursprüngliche Seebären-Population mehrere hunderttausend Tiere umfasst haben muss. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt die Art jedoch als ausgerottet. Einige Individuen sind aber glücklicherweise dem unglaublichen Gemetzel entgangen und haben sich an den steinigen Küsten der abgelegenen Inselgruppen wieder zu vermehren vermocht. Die letzte Zählung ergab 6300 Tiere.

Der Juan-Fernandez-Archipel, wo der Grossteil der Tiere lebt, ist zum Nationalpark erklärt worden. 1970 wurde der erste Parkwächter auf der Inselgruppe stationiert. Ein vom WWF getragenes Forschungsprojekt dient der Abklärung der Lebensbedürfnisse der Seebären.




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