Gelbrückenducker - Cephalophus silvicultor
Maxwellducker - Cephalophus maxwellii
Schwarzrückenducker - Cephalophus dorsalis
Rotflankenducker - Cephalophus rufilatus
© 1996 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Die Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) setzt sich
aus neun Familien zusammen, von denen die Familie der Hornträger
(Bovidae) die weitaus artenreichste ist: Rund 120 Arten von Hornträgern
gibt es weltweit - von den Gazellen Afrikas über die Gemsen
Europas und die Wildrinder Asiens bis hin zu den Schneeziegen
Nordamerikas. Interessanterweise ist gerade die mit 17 Arten
grösste Hornträgergattung eine der unbekanntesten.
Die Rede ist von den Schopfduckern (Gattung Cephalophus),
welche allesamt in Afrika südlich der Sahara und mehrheitlich
im Bereich der tropischen Regenwälder West- und Zentralafrikas
zu Hause sind.
Der geringe Bekanntheitsgrad der Schopfducker hängt
wohl damit zusammen, dass diese mehrheitlich kleingewachsenen
Huftiere in freier Wildbahn kaum je zu beobachten sind. Sie streifen
hauptsächlich nachts umher, leben stets im Bereich möglichst
dichten, unwegsamen Pflanzengewirrs und verhalten sich überaus
scheu und wachsam. Von den Fussspuren abgesehen ist gewöhnlich
das einzige Zeichen, das auf die Anwesenheit eines Schopfduckers
hindeutet, jenes kurze «Platschen», das entsteht,
wenn das Tier schleunigst ins grüne Pflanzendickicht «eintaucht»
und sich davonmacht. Diesem charakteristischen Verhalten verdanken
die Ducker ja ihren deutschen Namen: «Ducker» ist
vom Afrikaans-Wort «Duiker» abgeleitet, was nichts
anderes als «Taucher» bedeutet.
Im folgenden sollen vier Duckerarten vorgestellt werden,
welche in Togo, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken
vorkommen, nämlich der Gelbrückenducker (Cephalophus
silvicultor), der Maxwellducker (Cephalophus maxwellii),
der Schwarzrückenducker (Cephalophus dorsalis) und
der Rotflankenducker (Cephalophus rufilatus).
Der Gelbrückenducker
Der Gelbrückenducker ist das grösste Mitglied
der Schopfduckergattung: Erwachsene Individuen weisen gewöhnlich
eine Kopfrumpflänge von 120 bis 140 Zentimetern, eine Schulterhöhe
von 65 bis 85 Zentimetern und ein Gewicht zwischen 45 und 80
Kilogramm auf, wobei die Weibchen durchschnittlich eine Spur
grösser sind als die Männchen. Beide Geschlechter tragen
kurze Hörner, und zwischen diesen befindet sich der für
alle Schopfducker typische Büschel langer Haare («Schopf»).
Nicht nur bezüglich seines Körpers ist der
Gelbrückenducker der grösste unter den Schopfduckern,
sondern auch hinsichtlich seines Verbreitungsgebiets: Dieses
erstreckt sich von Senegal im Westen durch ganz West- und Zentralafrika
ostwärts bis nach Uganda und südwärts bis nach
Sambia.
Wie die meisten Schopfducker ist der Gelbrückenducker
ein ausgeprägter Waldbewohner, doch erweist er sich in bezug
auf den Waldtypus anpassungsfähiger als andere: Man findet
ihn in tropischen Regenwäldern ebenso wie in Flussuferwäldern
und in Bergwäldern. Er ist ein sogenannter «Buschesser»,
ernährt sich also zur Hauptsache von Blättern, Zweigen,
Früchten und anderen Teilen halbhoher Gehölzpflanzen.
Dabei geht er nicht wie ein «Mähdrescher» vor,
sondern sucht sich von jeder Pflanze nur die zartesten und nährstoffreichsten
«Bissen» aus. Auf diese Weise stellt er sich gezielt
eine energetisch hochwertige, leicht verdauliche Nahrung zusammen.
Aus der Beobachtung von Tieren in Menschenobhut wissen
wir, dass der Gelbrückenducker zwischendurch auch tierliche
Stoffe zu sich nimmt. Ein gefangengehaltenes Individuum konnte
wiederholt dabei beobachtet werden, wie es Tauben, die sich in
seinem Gehege aufhielten, mit gesenktem Kopf anpirschte, dann
durch Schläge mit den Vorderläufen betäubte und
anschliessend totbiss und verzehrte. Auch Nagetiere und Insekten
soll der Gelbrückenducker hin und wieder erjagen. Solch
raubtierartiges Verhalten kennen wir zwar auch von anderen Duckerarten
her, doch ist es für einen Hornträger recht ungewöhnlich
- und umso merkwürdiger, als sich im Gebiss der Ducker keinerlei
Zahnmerkmale finden, die auf «fleischliche Gelüste»
hinweisen würden.
Während der heissen Tageszeit ruht der Gelbrückenducker
gewöhnlich im Dickicht, oft in einer nestartigen «Höhle»
unter einem umgestürzten Baumstamm. Am späteren Nachmittag
kommt er jeweils hervor und widmet sich dann - von kürzeren
Ruhephasen unterbrochen - die ganze Nacht hindurch und bis in
den frühen Morgenstunden der Nahrungssuche.
Soweit wir wissen, führen die Gelbrueckenducker
ein monogames Leben. Jeweils ein erwachsenes Männchen geht
mit einem Weibchen eine Dauerverbindung ein und besetzt mit diesem
zusammen ein kleines, höchstens ein paar Hektaren umfassendes
Territorium. Darin werden einzig die eigenen Jungtiere geduldet,
solange sie nicht ausgewachsen sind, während fremde Artgenossen
unnachgiebig vertrieben werden. Bei einem in Gefangenschaft gehaltenen
Paar konnte beobachtet werden, dass jeweils das Männchen
tatkräftiger gegen fremde Männchen vorging, während
das Weibchen vor allem Rivalinnen wegjagte.
Das Gelbrückenduckerweibchen bringt jeweils nach
einer Tragzeit von rund fünf Monaten ein einzelnes Junges
zur Welt. Dieses wiegt bei der Geburt etwa fünf Kilogramm.
Es verbringt die ersten Lebenswochen gut verborgen im Dickicht;
in dieser Phase beschränken sich die Kontakte zur Mutter
auf das Säugen. Danach schliesst es sich seiner Mutter an
und wandert fortan mit ihr zusammen im Wohngebiet umher. Die
Geschlechtsreife erreicht das Jungtier im Alter von ungefähr
einem Jahr, und im Lauf der nächsten Monate verlässt
es seine Eltern (welche ihm gegenüber zunehmend intoleranter
werden), um einen eigenen Partner und ein eigenes Territorium
zu suchen.
Der Maxwellducker
Ist der Gelbschopfducker der «Riese» unter
den Schopfduckern, so ist der Maxwellducker der «Zwerg»:
Mit einer Kopfrumpflänge von 50 bis 90 Zentimetern, einer
Schulterhöhe von nur 35 bis 38 Zentimetern und einem Gewicht
von 8 bis 9 Kilogramm ist er - gemeinsam mit dem eng verwandten,
früher sogar als artgleich eingestuften Blauducker (Cephalophus
monticola) - das kleinste Mitglied der Schopfduckergattung
und mithin eines der kleinsten Huftiere überhaupt.
Auch das Verbreitungsgebiet des Maxwellduckers ist
beträchtlich kleiner als das des Gelbrückenduckers:
Der zierliche Hornträger kommt ausschliesslich in Westafrika
vor - von Senegal im Westen bis zum Unterlauf des Nigers (in
Nigeria) im Osten. Jenseits des Nigers wird sein Platz von der
«Zwillingsart» Blauducker eingenommen (ostwärts
bis Kenia, südwärts bis Südafrika).
Innerhalb seines Verbreitungsgebiets hält sich
der Maxwellducker hauptsächlich im Tiefland auf, benötigt
dort aber als Lebensraum nicht unbedingt jungfräulichen
Primärregenwald, sondern fühlt sich auch im Sekundärwuchs
wohl. Dies mag damit zusammenhängen, dass sich der Winzling
vorzugsweise im Bereich von Waldrändern und Lichtungen aufhält,
wo das Unterholz aufgrund des hohen Lichteinfalls besonders üppig
wuchert. Solche Verhältnisse findet er in Gebieten mit Sekundärvegetation
natürlich zuhauf.
Soweit wir wissen, ist der Maxwellducker wie der Gelbrückenducker
vorwiegend nachts unterwegs und ernährt sich wie dieser
von einem breiten Spektrum sorgfältig ausgewählter
pflanzlicher Stoffe, hingegen konnte bei ihm bislang kein «Raubtierverhalten»
beobachtet werden.
Wie alle Schopfducker besitzt der Maxwellducker beiderseits
des Kopfs eine als «Wangenschlitz» erkennbare Voraugendrüse.
Deren Sekret streift er auf seinen Esswanderungen immer wieder
an Zweigen und Blättern ab. Diese Duftmarken verleihen seinem
Wohngebiet eine persönliche «Duftnote» - was
einerseits ihm selbst ein Gefühl der «Heimatlichkeit»
vermittelt und andererseits fremde Artgenossen davor warnt, weiter
in das betreffende Gebiet einzudringen. Denn der Maxwellducker
ist ebenso wie der Gelbrückenducker territorial und monogam,
betrachtet also sein Wohngebiet als sein Eigentum, an dessen
Nutzung er nur seinen Geschlechtspartner und seine noch unselbständigen
Jungen, jedoch keine fremden Artgenossen teilhaben lässt.
Im Gegensatz zum Gelbrückenducker, bei dem die
Geburten ziemlich regelmässig über das Jahr verteilt
stattfinden, ist das Fortpflanzungsgeschehen beim Maxwellducker
saisonal gebunden: Die meisten Kälber werden während
der beiden trockeneren Perioden des Jahres, von Januar bis März
und von August bis September, geboren. Die Tragzeit dauert rund
vier Monate, und das Weibchen bringt jeweils ein «Einzelkind»
zur Welt, das bei der Geburt 700 bis 1000 Gramm wiegt. Schon
eine halbe Stunde nach der Geburt vermag dieses auf seinen Beinchen
zu stehen und die ersten Schritte zu unternehmen. Wie bei den
Jungen des Gelbrückenduckers begleitet es aber seine Mutter
vorerst nicht bei deren Streifzügen durchs Revier, sondern
wird von ihr in dichtem Unterholz «abgelegt» und
bleibt dann während der ersten Lebenswochen ständig
dort verborgen. Im Alter von etwa zwei Wochen beginnt es, feste
Nahrung zu sich zu nehmen, doch wird es noch gesäugt, bis
es etwa zwei Monate alt ist. In Menschenobhut sind einzelne Maxwellducker
bis zehn Jahre alt geworden.
Der Schwarzrückenducker
Mit einer Länge von 70 bis 100 Zentimetern, einer
Schulterhöhe von 40 bis 45 Zentimetern und einem Gewicht
um 20 Kilogramm ist der Schwarzrueckenducker ein mittelgrosses
Mitglied der Schopfduckergattung. Und auch sein Verbreitungsgebiet
ist «mittelmässig»: Es erstreckt sich von Guinea
im Westen über ganz Westafrika bis zur zentralafrikanischen
Republik Kongo im Osten. Bezüglich seines Lebensraums scheint
er stärker als der Gelbrückenducker und der Maxwellducker
an ursprünglichen Regenwald in tiefen Lagen gebunden zu
sein. Allerdings gibt es vereinzelte Hinweise darauf, dass er
in älteren, grösserflächigen Sekundärwäldern
zu existieren vermag.
Über die Lebensgewohnheiten des Schwarzrückenduckers
in freier Wildbahn wissen wir so gut wie nichts. Er scheint ausgeprägter
nachtaktiv zu sein als der Gelbrückenducker und der Maxwellducker,
sich aber bezüglich seiner Ernährung und seiner Gesellschaftsform
nicht oder nur unwesentlich von diesen zu unterscheiden.
Der Rotflankenducker
Der Rotflankenducker gehört zu den kleingewachsenen
Mitgliedern der Schopfduckergattung: Erwachsene Tiere weisen
eine Kopfrumpflänge von 60 bis 70 Zentimetern, eine Schulterhöhe
von etwa 40 Zentimetern und ein Gewicht von 9 bis 12 Kilogramm
auf.
Das Verbreitungsgebiet des Rotflankenduckers ist ziemlich
ausgedehnt: Es erstreckt sich sowohl über ganz Westafrika
als auch über den ganzen nördlichen Bereich Zentralafrikas,
ostwärts bis Uganda. Ausserdem reicht es deutlich weiter
nach Norden als das des Gelbrückenduckers, des Maxwellduckers
und des Schwarzrückenduckers. Das hat damit zu tun, dass
der Rotflankenducker weniger stark an die üppigen Regenwälder
gebunden ist, die nur im südlichen, äquatornahen Teil
dieser Region vorkommen. Er meidet sogar das Innere grösserer
Waldgebiete nach Möglichkeit und bevorzugt stattdessen Waldrandgebiete,
Flussuferwälder und inselartige Savannengehölze.
Die Lebensgewohnheiten des Rotflankenduckers scheinen
ähnlich zu sein wie die der anderen Schopfduckerarten.
Lebensraum schwindet, Jagddruck steigt
Obschon die vier vorgestellten Schopfduckerarten derzeit
noch recht weitverbreitet vorkommen und nicht als vom Aussterben
bedroht einzustufen sind, nehmen ihre Bestände in den meisten
Bereichen ihrer Verbreitungsgebiete schleichend immer weiter
ab. Der Hauptgrund für diese unerfreuliche Entwicklung ist
die Abholzung der Tropenwälder, welche in ganz Afrika rasch
voranschreitet, und damit der unablässige Schwund ihrer
Lebensräume.
Zwar vermögen die meisten Schopfducker offensichtlich
auch in waldähnlicher Sekundärvegetation ein Auskommen
zu finden. Solche Gebiete sind jedoch in aller Regel durch ein
dichtes Strassennetz erschlossen und für die ansässige
Bevölkerung leicht zugänglich. Der Jagddruck auf die
Wildtiere ist deshalb in Sekundärwäldern erheblich
grösser als in mehr oder weniger unberührten Urwäldern.
Und gerade auf die Schopfducker wird überall in Afrika intensiv
Jagd gemacht, weil ihr zartes und schmackhaftes Fleisch als Speise
sehr geschätzt wird. Je stärker die Duckerlebensräume
zerstückelt werden und je kleiner die verbleibenden Rückzugsgebiete
werden, desto leichter fällt ihre Bejagung und desto rascher
nehmen ihre Bestände ab. Aus vielen Gegenden sind die grazilen
Horntärger deshalb bereits vollständig verschwunden.
Togo ist bezüglich der Situation seiner Schopfducker
ein typisches westafrikanisches Land: Der Gelbrückenducker,
der Maxwellducker und der Schwarzrückenducker gelten bereits
als gefährdet. Alle drei kommen heute praktisch nur noch
in den Hügelgebieten des mittleren Westens in lebensfähigen
Beständen vor. Dort steht ihnen in Form des 1920 Quadratkilometer
grossen, gut verwalteten Fazao-Nationalparks immerhin ein einigermassen
sicheres Rückzugsgebiet zur Verfügung. Dem Rotflankenducker
geht es aufgrund seiner «bescheideneren» Lebensraumansprüche
derzeit noch etwas besser als seinen drei Vettern, doch sieht
auch seine Zukunft keineswegs rosig aus. Es ist wohl nur eine
Frage der Zeit, bis er ebenfalls auf der Liste der gefährdeten
Tierarten Togos erscheint. Seine beiden einzigen einigermassen
sicheren Zufluchtsorte sind der besagte Fazao-Nationalpark im
mittleren Westen Togos und der 1640 Quadratkilometer grosse Keran-Nationalpark
im Norden des Landes. Die Erhaltung dieser beiden Schutzgebiete
in ihrem heutigen, erfreulich reichen Zustand ist nicht nur für
die vorgestellten Schopfducker, sondern auch für all die
anderen waldbewohneneden Wildtiere Togos von grösster Bedeutung.
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