Dugong

Dugong dugon


© 1995 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Der Dugong (Dugong dugon) ist ein wasserbewohnendes Säugetier aus der Ordnung der Seekühe (Sirenia), von denen es weltweit nur vier Arten gibt: Neben dem im Indopazifik heimischen Dugong handelt es sich um drei Manatis aus der Karibik, aus Amazonien und aus Westafrika.

Wie die Manatis ist der Dugong ein mächtiges Tier: Grossgewachsene Individuen können bis vier Meter lang und 900 Kilogramm schwer werden. Er besitzt eine etwas «mollige», aber doch zylindrische und damit strömungsgünstige Gestalt. Seine Vordergliedmassen sind zu kräftigen «Paddeln» umgeformt, welche beim Schwimmen als Steuer und beim Essen am Gewässerboden als Stützen eingesetzt werden. Und anstelle der (rückgebildeten) Hintergliedmassen übernimmt ein waagrecht liegendes Schwanzruder seinen Antrieb unter Wasser.

Im indopazifischen Raum ist der Dugong weit verbreitet. Er hält sich vorzugsweise in geschützten, seichten Küstengewässern auf, deren Temperatur ganzjährig nie unter 18°C absinkt. Man findet ihn darum hauptsächlich entlang tropischer und subtropischer Gestade - vom östlichen Afrika und vom Roten Meer ostwärts durch den gesamten Indischen Ozean und indomalaiischen Archipel bis nach Vanuatu und Neukaledonien im westlichen Pazifik.

Als reiner Vegetarier ernährt sich der Dugong zur Hauptsache von Seegräsern. Allerdings bevorzugt er nicht etwa die «oberirdischen» Teile der Seegräser, wenn er gemächlich die untermeerischen Seegraswiesen abweidet, sondern seine Lieblingsspeise sind die verdickten Wurzeln und Sprosse. Beim Ausgraben dieser Pflanzenteile ist ihm seine hufeisenförmige Schnauzenspitze, die mit rauhen und feinen Borsten übersät ist, sehr dienlich: Während die feinen Haare Essbares wahrzunehmen vermögen, also eine Sinnesfunktion haben, dienen die rauhen Borsten dazu, die Nahrung zur Mundspalte zu befördern.

Unsere Kenntnisse über die Gesellschaftsform und das soziale Verhalten des Dugongs in freier Wildbahn ist recht spärlich. Man trifft Dugongs sowohl einzeln und in Mutter-Kind-Paaren als auch in Herden von mehreren Dutzend Tieren an. Ob diese Herden eine bestimmte gesellschaftliche Struktur aufweisen oder ob es sich einfach um zufällige Ansammlungen grundsätzlich einzelgängerischer Tiere handelt (zum Beispiel an günstigen Nahrungsplätzen), ist nicht bekannt.

Dugongs können zwar ein recht hohes Alter von fünfzig Jahren und mehr erreichen. Ihre Fortpflanzungsrate ist aber sehr gering: Männchen und Weibchen werden frühestens mit neun bis zehn Jahren geschlechtsreif. Ausserdem bringen die Weibchen höchstens alle drei bis sechs Jahre - nach einer Tragzeit von rund zwölf Monaten - ein einzelnes Junges zur Welt. Es ist diese geringe Nachzuchtrate, welche den Dugong auf die - von der Natur nicht «einberechnete» - Bejagung durch den Menschen sehr anfällig macht: Schon geringe Bestandseinbussen vermag er kaum mehr wettzumachen.

Tatsächlich ist der Dugong vielerorts sehr selten geworden, und seine Bestände nehmen weiterhin ab, denn überall machen die Küstenbewohner von alters her Jagd auf das wehrlose Tier. Sein Fleisch wird als schmackhafte Speise sehr geschätzt. Seine zähe Haut wird gegerbt und als Leder beispielsweise für Sandalen verwendet. Vielfach wird ferner seine dicke Unterhaut-Fettschicht zu Öl verarbeitet.

Die traditionelle Bejagung mit einfachen Booten und Waffen dürfte allerdings den Fortbestand regionaler Dugongbestände kaum je ernstlich gefährdet haben. Bedrohlich wurde es erst, als in jüngerer Zeit einerseits tradierte Schonzeiten und andere schützende «Tabus» mehr und mehr in Vergessenheit gerieten und andererseits die Ausrüstung der Jäger immer besser wurde. Dadurch nahm der Jagddruck auf die Dugongs in verheerender Weise zu. Gleichzeitig wurden die behäbigen Meeressäuger aufgrund der Schädigung ihrer küstennahen Seegraswiesen durch menschliche Abwässer und das Auslegen unzerreissbarer Nylonnetze in ihrer Lebensweise immer stärker beeinträchtigt. So wurden - und werden - die Dugongbestände vielerorts massiv geschädigt. Im Bereich der Maskarenen, Lakkadiven und Malediven im Indischen Ozean beispielsweise gibt es bereits keine Dugongs mehr.

Glücklicherweise existieren ein paar ausgedehnte Schutzgebiete, in denen der Dugong von der Nachstellung durch den Menschen vorerst verschont bleibt. Grosse Bedeutung hat diesbezüglich die riesenhafte Shark Bay ganz im Westen Australiens, wo eine gesunde Population von rund 10 000 Dugongs eine sichere Zuflucht gefunden hat.




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