Eisbär

Ursus maritimus


© 1991 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Der Eisbär (Ursus maritimus) ist das grösste und stärkste Raubtier in seinem unwirtlichen Lebensraum, den endlosen Treibeisflächen der Arktis. Ausgewachsene Männchen wiegen im Durchschnitt 400 bis 500 Kilogramm und werden 2,4 bis 2,7 Meter lang. Sie fürchten niemanden und haben höchstens Respekt vor einem alten Walrossbullen oder einer geschlossenen Front von Moschusochsen.

Der Eisbär ist vorzüglich an das harte Leben in Schnee und Eis angepasst. Das weisse Fell lässt die Gestalt des mächtigen Tiers förmlich mit der Umgebung verschmelzen und trägt damit wesentlich zu seinem Jagderfolg bei. Das dichte Fell und eine mehrere Zentimeter dicke Speckschicht isolieren bestens gegen die eisige Kälte. Auch die kurzen «Plüschohren» und die stark behaarten Fussohlen sind wichtige Anpassungen an die arktischen Verhältnisse.

Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der Bärenfamilie ist der Eisbär kein typischer Allesfresser, sondern er ernährt sich fast ausschliesslich von Fleisch. Zu seinen Hauptbeutetieren gehören die Ringelrobbe und die Bartrobbe. Er nimmt aber zuweilen auch eine Sattelrobbe oder eine Klappmütze. Und manchmal erbeutet er sogar einen Belugawal oder ein Walross. Wenn keine solchen Beutetiere aufzutreiben sind, so begnügt sich der Eisbär gezwungenermassen auch mit Kleinsäugern, Vögeln, Aas und selbst Pflanzen.

Bei der Robbenjagd wendet der Eisbär verschiedene Jagdtechniken an: Manchmal liegt er mit grosser Geduld an den Atemlöchern dieser Meeressäuger auf der Lauer. Taucht eine Robbe zum Luftholen auf, so packt er sie blitzschnell mit den scharfen Krallen seiner Pranken und reisst sie aus dem Wasser. Gelegentlich schleicht er sich auch auf dem Bauch rutschend ganz langsam an Robben heran, die sich bei schönem Wetter auf dem Eis sonnen, und tötet sie mit einem kräftigen Prankenhieb. Oft wandert er auch mit tief herabhängendem Kopf umher und sucht nach Robbenhöhlen, die sich in der meterdicken Schneeschicht auf dem Eis befinden. Sticht ihm dabei die Witterung einer Robbe in die empfindliche Nase, so entfernt er so gleich mit schnellen Tatzenhieben die zumeist hartgefrorene obere Schneelage, erhebt sich auf die Hinterbeine und stösst mit der ganzen Wucht seines Körpers beide Vorderbeine in den Schnee. Auf diese Weise drückt er die Robbenhöhle ein und lässt den Robben im allgemeinen keine Chance mehr zur Flucht.

Der Eisbär hat seit langer Zeit im Menschen einen gefährlichen Feind: Das grosse Raubtier wird schon seit Urzeiten von den arktischen Küstenvölkern bejagt. Sein Fell wird zu Kleidung verarbeitet, und das Fleisch dient als Nahrung. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam vorübergehend - so besonders in Alaska und auf Spitzbergen - die Eisbärenjagd durch Trophäenjäger in Mode. Diesem unsinnigen Tun wurde glücklicherweise schon früh im ganzen Verbreitungsgebiet des Eisbaeren ein Riegel vorgeschoben. Trophäenjagden finden derzeit kaum mehr statt.

Die Eisbärenpopulationen werden heute jedoch in zunehmendem Mass durch die Förderung von Erdöl und Erdgas in der Arktis beeinträchtigt. Je mehr Menschen in die hochnordische Heimat des weissen Bären eindringen, desto öfter kommt es zu Begegnungen zwischen den beiden, die in der Regel mit der Tötung des Raubtiers enden. Eine grosse Gefahr bildet ferner das gelegentliche Ausfliessen von Öl aufgrund von Bohr- oder Förderunfällen.

Auf internationaler Ebene dient heute das «Übereinkommen von Oslo zum Schutz des Eisbären» als Grundlage für den Schutz des mächtigen Raubtiers. Es wurde 1973 durch alle fünf ans arktische Eismeer angrenzenden Nationen (Kanada, USA, Grönland, Norwegen, Sowjetunion) gemeinsam unterzeichnet. Bei der Erarbeitung dieses für den internationalen Artenschutz wegweisenden Übereinkommens hatte die Internationale Union für Naturschutz (IUCN) massgeblich mitgewirkt.

Der Eisbär ist auf internationaler Ebene ferner durch das Washingtoner Abkommen (WA) geschützt. Dieses Abkommen, das 1975 in Kraft getreten ist und mittlerweile von über hundert Ländern unterzeichnet wurde, verlangt Aus- und Einfuhrgenehmigungen für die im Rahmen des Abkommens geschützten Pflanzen- und Tierarten, zu denen auch der Eisbär zählt.




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