Färöer


© 1990 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Auf der Weltkarte erscheinen die Färöer als winzige Punkte im Nordatlantik, im Dreieck zwischen Island, Schottland und Norwegen. Erst unter der Lupe erkennt man, dass sich hinter diesen Punkten 18 Inseln sowie zahlreiche Felsen und Klippen verbergen. Die Inseln sind zwischen 0,8 und 374 Quadratkilometern gross, wobei die kleinste, Litla Dimun, als einzige unbewohnt ist, während die grösste, Streymoy, mit der Hauptstadt Torshavn auch die volkreichste ist. Die Gesamtfläche des Archipels beträgt 1399 Quadratkilometer, was immerhin fast der neunfachen Grösse Liechtensteins entspricht.

Schmale, stellenweise nur wenige hundert Meter breite Meeresstrassen («Sunde») trennen die Färöer untereinander. Ausserdem wird ihre Landfläche durch langgezogene Meeresbuchten («Fjorde») mannigfach zergliedert. Dem Besucher fällt es darum oft recht schwer, mit Sicherheit zu wissen, ob sein Blick über das vor ihm liegende Gewässer schon auf eine Nachbarinsel fällt oder lediglich auf das gegenüberliegende Fjordufer. Das Meer sieht man auf den Färöern ohnehin fast ununterbrochen, da man sich nirgendwo weiter als fünf Kilometer von der Küste zu entfernen vermag. Entsprechend der starken Zergliederung des nordatlantischen Archipels ist die Küstenlinie ausgesprochen lang: Sie misst 1117 Kilometer!

Die Färöer sind Teil eines grossen Basaltrückens, der sich von Schottland über Island nach Grönland erstreckt. Sie sind demzufolge vorwiegend aus Basaltlava- und Basalttuff-Schichten aufgebaut. Dieser untermeerische Gebirgszug hatte sich vor ungefähr 70 Millionen Jahren aufgrund grosser vulkanischer Aktivität im Erdmantel geformt. Vulkanberge fehlen allerdings auf den Färöern, denn der Vulkanismus ging hier von Rissen in der Erdrinde aus. Der Verlauf der Sunde zwischen den Inseln (von Nordwesten nach Südosten) entspricht der Ausrichtung dieser ehemaligen «Erdspalten». Die heutige Oberflächengestalt der Färöer wurde dann massgeblich im Pleistozän («Eiszeitalter») geprägt. Dicke Gletscher bedeckten damals die Inseln. Das Eis lag aber nicht still, sondern rutschte, dem Gesetz der Schwerkraft folgend, in den bereits vorhandenen Rinnen und Tälern langsam ab und schliff diese im Laufe der Jahrtausende zu U-förmigen Trogtälern aus. Als dann mit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren und dem weltweiten Abschmelzen der Vergletscherungen der Meeresspiegel um fast 100 Meter anstieg, füllten sich die glazialen Trogtäler grossenteils mit Wasser. Wie in Norwegen enstanden dadurch zahlreiche Fjorde und Sunde - und somit das zerfurchte Erscheinungsbild der Färöer, das wir heute vorfinden.

Im Norden, Westen und Süden, wo die Färöer direkt dem offenen Atlantik mit seinen vorwiegend westlichen Stürmen ausgesetzt sind, haben Brandung, Wind und Wetter in den Jahrtausenden seit der letzten Eiszeit Steilküsten geschaffen, die auf der ganzen Welt ihresgleichen suchen. Senkrechte Felswände von mehreren hundert Metern Höhe sind keine Seltenheit und gehören heute mit zum unverwechselbaren Charakter der Inselgruppe. Das Kunoyarnakkur an der Nordspitze der Insel Kunoy ist mit 829 Metern Höhe sogar eines der mächtigsten Kaps der Welt.

Der stetige Angriff von Wind und Wellen hat neben Steilwänden aber auch bizarre Abbrüche, Klüfte und Grotten geschaffen. Sie bilden mit ihren unzähligen Nischen und Vorsprüngen ideale Brutplätze für Millionen von Meeresvögeln, welche ihrerseits ein weiteres augenfälliges «Markenzeichen» der Färöer sind.

 

Nebel als Naturschauspiel

Die vielen idyllischen Buchten der Färöer laden leider selbst im Hochsommer nicht «zum Bade» - dazu ist das Wasser (mit einem Höchstwert von 10° Celsius im August) schlicht zu kalt. Immerhin sorgt aber ein Nebenarm des warmen Golfstroms dafür, dass der Ozean im Bereich der Färöer trotz der hochnordischen Lage ganzjährig eisfrei bleibt: Am kältesten ist das Wasser mit 7° Celsius im Februar.

Wie beim Wasser sind auch die Temperaturschwankungen bei der Luft aufgrund des Golfstromeinflusses überraschend gering: Die durchschnittlichen Lufttemperaturen sind im Februar/März mit etwa 3° Celsius am geringsten, im Juli/August mit bis zu 11° Celsius am höchsten. Letzteres ist gar nicht so kühl, wie man vielleicht denkt: Es entspricht ungefähr den Frühlingstemperaturen in München, wo im Monat Mai ein Mittel von 12° Celsius gemessen wird. Unerlässliches Kleidungsstück ist auf den Färöern aber auf jeden Fall ein guter Regenschutz. Tatsächlich muss man laut färingischer Statistik im Jahresdurchschnitt an gut zwei von drei Tagen mit Niederschlägen rechnen, und selbst im Frühsommer, der «trockensten» Jahreszeit, regnet es an jedem zweiten Tag.

Ein alltägliches Phänomen ist auf den Färöern im übrigen Nebel. Wohl deshalb haben die Einheimischen auch verschiedene Bezeichnungen dafür, je nach Erscheinungsform des weissen Schleiers: «Skadda» verhüllt nur die Berggipfel, «Pollamjörki» legt sich in vereinzelten Flocken über Land und Meer, und der gewöhnliche «Mjörki» verhüllt gleich alles - was im «Nebelloch» Torshavn an durchschnittlich 64 Tagen pro Jahr der Fall ist! Alle Nebelformen sind auf den Färöern stark örtlich begrenzt und im allgemeinen von kurzer Dauer. Tatsächlich gehört auf- und dann wieder abziehender Nebel zu den faszinierendsten Naturschauspielen, welche die Färöer ihren Gästen zu bieten haben: Die ohnehin bizarre Insellandschaft, die soeben noch grasgrün herüberleuchtete, ist auf einmal wie ausradiert, verschluckt von einer färingischen Nebelschwade, nur um wenige Minuten später wieder bunt und tauklar im strahlenden Sonnenlicht zu erscheinen.

Der Winter mit seinem wirklich unwirtlichen Klima bleibt gewöhnlich den Färingern überlassen. In dieser Jahreszeit toben nämlich nicht nur an zehn bis fünfzehn Tagen im Monat heftige Stürme über die Färöer hinweg, sondern es verbleibt zur Zeit der Wintersonnenwende überdies nur gerade die Zeit von etwa 10 bis 15 Uhr, um sich umzuschauen. Der Rest des Tages wird von Dunkelheit eingehüllt. Oft fällt in der Nacht Schnee, der allerdings in den tieferen Lagen im Laufe des Vormittags wieder wegschmilzt und nur in den Bergen längere Zeit liegenbleibt.

 

Schauspielernde Austernfischer

Die Vegetation der Färöer besteht vorwiegend aus Mooren, Heiden und Wiesen und umfasst rund 400 verschiedene Pflanzenarten - eine recht hohe Zahl angesichts der hochnordischen Lage der Inseln und der Tatsache, dass keinerlei Lebewesen die Eiszeiten auf den Inseln überlebt zu haben scheinen. Vieles deutet darauf hin, dass sämtliche heute auf den Färöern heimischen Pflanzen erst in den letzten 10 000 Jahren - entweder durch Wind, Meeresströmungen und Vögel oder aber durch den Menschen - auf die Inseln gelangt sind. Naturwald gibt es auf den Färöern aus klimatischen Gründen nicht. Alle heutigen Baumvorkommen - hauptsächlich Fichten, Weiden, Eschen und Ahorn - sind angepflanzt und werden sorgfältig gehegt. Auch Sträucher sind auf den Färöern eine Seltenheit, denn die allgegenwärtigen Schafe, von denen derzeit 80 000 auf den Inseln herumstreifen, fressen jeglichen Bewuchs bis knapp über der Grasnarbe ab. Weite, sauber «gemähte» Grasflächen geben den baumlosen Inseln denn auch ihr charakteristisches Äusseres.

Bei der färingischen Fauna fällt auf, dass das Spektrum bodenlebender Tiere ausgesprochen klein ist: Alle auf den Färöern vorkommenden Landsäugetiere sind vom Menschen importiert worden. (Neben den diversen Nutz- und Haustieren handelt es sich um eingeschleppte Ratten und Mäuse sowie den 1885 als Jagdwild ausgesetzten Schneehasen.) Reptilien und Amphibien fehlen auf den Färöern vollständig, und auch die Insektenwelt ist ziemlich artenarm. So haben selbst die sonst für nördliche Gefilde überaus typischen Plagegeister, die Stechmücken, den Weg auf den abgelegenen Archipel (noch) nicht gefunden.

Wesentlich reichhaltiger präsentiert sich demgegenüber der färingische Luftraum, der von 227 verschiedenen Vogelarten bevölkert wird. Viele von ihnen sind Meeresvögel, darunter etwa der Papageitaucher, der Basstölpel und die Küstenseeschwalbe. Die Inlandvögel sind mit etwa 100 Arten in der Minderzahl. Unter ihnen fällt besonders der Austernfischer auf. Der krähengrosse Watvogel mit seinem schwarzen «Frack» und dem langen roten Schnabel ist das Wappentier der Färöer. Seine Rückkehr aus den weiter südlich gelegenen Winterquartieren ins färingische Brutgebiet wird alljährlich als Frühlingsanfang gefeiert. Beim Wandern auf den Inseln trifft man im feuchten Grasland häufig auf Austernfischer, und kommt man dabei ihren Nestern zu nahe, so kann man ihre verblüffenden schauspielerischen Leistungen bewundern: Sie gaukeln dem vermeintlichen Nesträuber gekonnt die Rolle des verletzten, hilflosen Vogels vor und locken ihn dadurch immer weiter vom Nest weg.

Äusserst reichhaltig und vielfältig ist im übrigen die Meeresfauna im Bereich der Färöer. Sowohl in der Küstenzone als auch in den Fjorden und Sunden leben neben einer grossen Vielfalt von Muscheln, Krebsen, Schnecken, Stachelhäutern und Hohltieren ungezählte Klein- und Jungfische. Viele dieser Wasserlebewesen dienen den Meeresvögeln als Nahrung.

 

Irische Mönche waren die ersten

Die Färöer scheinen um das Jahr 700 erstmals besiedelt worden zu sein, und zwar von Mönchen irischer Herkunft, die sich als Einsiedler auf den Inseln niederliessen. Von einem dieser Mönche stammt denn auch die früheste schriftliche Kunde über den entlegenen Archipel: Dicuil, so sein Name, berichtete 825, man benötige zwei Tage und zwei Nächte, um mit dem Boot von Nordengland zu den Inseln mit den schmalen dazwischenliegenden Sunden und den unzähligen Meeresvögeln zu gelangen. Überfälle norwegischer Wikinger scheinen dem Inseldasein der Iren aber noch im 9. Jahrhundert ein abruptes Ende bereitet zu haben.

Die neuerliche Besiedlung der Inseln durch norwegische Bauern wird in der aus dem 13. Jahrhundert stammenden isländischen «Färingersaga» geschildert. Sie nennt als ersten Siedler Grim Kamban, der um das Jahr 900 auf die Inseln gekommen sein soll. Damals erfasste in der Tat eine Auswanderungswelle das norwegische Festland, als unter König Harald I. die norwegischen Teilreiche vereinigt, eine Zentralgewalt errichtet und eine Steuerpflicht für die bis anhin freien Bauern eingeführt wurde.

Schon bald dehnte die norwegische Krone ihren Machtanspruch auch auf die Färöer aus. Sehr einträglich dürfte der Besitz des neuen Territoriums für Norwegen allerdings nicht gewesen sein, da ärmliche Verhältnisse den Alltag der färingischen Bauern prägten. In Langhäusern mit grasbewachsenen Dächern, offener Feuerstelle und nur einem einzigen, fensterlosen Raum lebten sowohl die Bauern mit all ihren Familienangehörigen als auch die auf dem Hof arbeitenden, landlosen Knechte und Mägde. Das wenige, was die frühen Färinger für ihren Lebensunterhalt importieren mussten, so zum Beispiel Holz, Metall und Getreide, bezahlten sie mit der typisch färingischen «Währung»: Wolle bzw. Wollprodukten. Das färingische Sprichwort «Ull er föroyar gull» («Wolle ist der Färöer Gold») weist auf das jahrhundertelange Tauschmittel hin.

1380 wurde Norwegen mit Dänemark vereinigt und in der Folge mitsamt den Färöern vom dänischen König regiert. Die Färinger auf ihrem abgeschiedenen Archipel dürfte diese Machtverschiebung wenig gekümmert haben. In kultureller Hinsicht war jedoch von Bedeutung, dass nun Dänisch zur Amtssprache ernannt wurde. Das Färingisch, das sich seit der Besiedlung der Inselgruppe als ehemaliger westnorwegischer Dialekt erhalten hatte und bisher die offizielle Sprache gewesen war, verlor in der Folge immer mehr an Bedeutung und drohte schliesslich im 18. Jahrhundert völlig in Vergessenheit zu geraten.

Als jedoch Dänemark 1814 Norwegen wieder in die Unabhängigkeit entlassen musste, die Färöer hingegen weiterhin in seinem Besitz behielt, da besannen sich die Färinger plötzlich doch noch auf ihr kulturelles Erbe. Ihr Versuch, der färingischen Sprache im öffentlichen Leben wieder mehr Geltung zu verschaffen, wurde letztlich zur Triebfeder und zum Ausdruck der nationalistischen Bewegung, welche die Inseln nunmehr erfasste. 1889 wurde der «Färingerverein» gegründet, der ganz bewusst das Ziel verfolgte, das Färingische zu fördern und dadurch das Bewusstsein der Bewohner als eigenständiges Volk zu stärken. Im Jahr 1890 erschien dann die erste Zeitung in färingischer Sprache. 1899 wurde die Volkshochschule gegründet, auf der die erwachsenen Färinger lernten, die gesprochene Sprache zu lesen und zu schreiben. Und ab 1920 durfte das Färingisch auch in den unteren Schulklassen gelehrt werden.

Am 12. April 1940, nur drei Tage nach der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen, landeten englische Einheiten auf den Färöern, um die strategisch wichtige Inselgruppe vor dem Zugriff Deutschlands zu bewahren. Für die gesamte Dauer des Zweiten Weltkriegs endete damit jeglicher Kontakt zwischen der Inselgruppe und Dänemark. Nach Kriegsende war die Frage vorerst offen, wie es politisch weitergehen sollte. Dänemark gab zu verstehen, dass es gerne den Vorkriegszustand wiederhergestellt sähe. Doch die fünfjährige Trennung der Färöer vom Mutterland hatte der färingischen Autonomiebewegung enormen Aufschwung gegeben - schliesslich war man die ganze Zeit gut ohne Dänemark ausgekommen. Nach längerem Hin und Her schlossen sich die Färinger dann aber doch wieder Dänemark an. Allerdings nicht, ohne sich zuvor für ihr Inselparlament gesetzgeberische Kraft für sämtliche innerfäringischen Angelegenheiten und für ihre Inseln den Status eines autonomen Teils des dänischen Königreichs ausbedungen zu haben. Diese bis heute geltenden Regelungen wurden in der «Selbstverwaltungsakte» von 1948 fest gelegt. Seither ist Färingisch auch wieder die Hauptsprache der Inselgruppe; Dänisch ist zur Schulpflichtsprache «abgerutscht».

Die heutige Regierungsform der Färöer ist die parlamentarische Demokratie. Alle vier Jahre werden die 32 Mitglieder des Inselparlaments neu gewählt, wobei sämtliche Inselbewohner ab 18 Jahren wahlberechtigt sind. Das Parlament ernennt seinerseits die Regierung, die aus dem Ministerpräsidenten und mindestens zwei weiteren Mitgliedern besteht.

Jedes Jahr nach der Sommerpause, am 29. Juli, wird die Eröffnung des Parlaments in der Innenstadt von Torshavn mit einem riesigen Volksfest gefeiert. Dieses «St. Olafsfest» ist für die meisten Bewohner der Inseln das zentrale Ereignis im Jahr. Jung und alt finden sich in der Hauptstadt ein und bilden das Spalier für die Parlamentsabgeordneten. Überall ist die Hauptstadt mit färingischen Nationalfahnen und bunten Wimpeln geschmückt. Und Schiessbuden sowie Verkaufsstände für Süssigkeiten erfreuen sich regen Zulaufs.

 

95 Prozent des Exports sind Fische

Verhältnismässig spät, nämlich erst im 19. Jahrhundert, begannen die Färinger, Fischfang zu betreiben. Angefangen hatte alles mit dem 1766 auf der Insel Nolsoy geborenen (und mittlerweile zum Nationalheld erhobenen) Nolsoyar Pall: Er lernte Bootsbau und Navigation, ging mehrere Jahre lang zur See und baute schliesslich mit zwei Freunden aus einem Wrack ein kleines seetüchtiges Schiff, mit dem er auf Fischfang ging und Handelsfahrten unternahm.

Pall fand schon bald Nachahmer unter seinen Mitbewohnern, und das Geschäft mit den Fischen blühte dank des enormen Fischreichtums der färingischen Gewässer schnell auf. Innerhalb kurzer Zeit verhalf die Fischerei der Inselbevölkerung zu einem beachtlichen Wohlstand, und ebenso rasch versank die Landwirtschaft von der zuvor alles bestimmenden Funktion in die Bedeutungslosigkeit. Schiffseigner und Kaufleute gewannen ständig an Einfluss. Torshavn entwickelte sich zum Wirtschaftszentrum. Und dabei ist es eigentlich bis heute geblieben.

Die aktuelle Bedeutung des Fischfangs für die Färöer lässt sich mit einigen Zahlen umreissen: Fischprodukte haben einen Anteil von 95 Prozent am Gesamtexport der Inseln. 25 Prozent der erwerbstätigen Männer und Frauen arbeiten in der Fischerei und Fischverarbeitung. Die Flotte des Archipels, welche jährliche Fänge von 350 000 Tonnen einbringt, besteht aus 260 hochseetüchtigen Schiffen. Etwa die Hälfte aller getätigten Investitionen geht in Schiffsankäufe. Und an jeder Hafenmole steht mindestens eine Filetierfabrik.

 

 

 

Bildlegenden

Der Blick von der Insel Vagar auf die vorgelagerten Felsen Dranganir und Tindholmur sowie die Insel Mykines offenbart die karge Oberflächengestalt der Färöer. 93 Prozent der Inselfläche sind als «nichtkultivierbares Ödland» eingestuft und dienen einzig den rund 80 000 auf dem Archipel umherstreifenden Schafen als Weide. Den allgegenwärtigen Wollieferanten verdankt die Inselgruppe denn auch ihren Namen: «Fär-öer» bedeutet «Schaf-Inseln».

Ein farbenfrohes Bild bietet die Archipelhauptstadt Torshavn, denn jeder Hausbesitzer scheint bemüht zu sein, für das Dach und die Aussenwände seines Heims eine bisher noch nicht vorhandene Farbkombination zu finden. In der Hafenstadt mit dem Namen des Gottes Thor leben heute l4 500 Menschen, das entspricht einem Drittel der Gesamtbevölkerung.

Nebelwetter mit seinem gedämpften Licht gehört auf der kleinen Insel Mykines wie überall auf den Färöern zum Alltag. Und hier wie überall drängt Wellblech mehr und mehr das Gras vom Dach.

Im Heimatmuseum von Saksun auf der Insel Streymoy lässt sich erahnen, wie bescheiden die Wohnsituation der färingischen Bauern einst gewesen sein muss. Alles Leben spielte sich in der fensterlosen und daher immer dunklen und verräucherten «Roykstovan» («Rauchstube») ab, dem einzigen Raum, aus dem die dickwandigen, grasbewachsenen Bauernhäuser bestanden.

Der von 1269 bis l308 amtierende Bischof Erlendur hatte die finanziellen Möglichkei ten der Färinger weit überschätzt. Als er für die Errichtung «seines» Doms in Kirkjuböur auf der Insel Streymoy höhere Abgaben erhob, musste er fluchtartig vom Archipel verschwinden, um dem Unmut der Inselbewohner zu entgehen. So blieb das überdimensionierte Bauwerk für alle Zeiten eine unvollendete Ruine im gotischen Stil.

Nichts prägt die Färinger auf ihrem abgeschiedenen Archipel stärker als das Meer. «Wir sind halb Mensch und halb Fisch», pflegen sie zu sagen, «wir haben immer das Meer im Kopf »Auf dem Bild ist das Fährboot «Sulan» («Basstölpel») vor der zerklüfteten Steilküste von Mykines zu sehen.

Die Papageitaucher bilden die grösste Gruppe der Meeresvögel auf den Färöern. Sie sind zwar keine begnadeten Flieger, dafür aber meisterhafte Taucher, die bei der Unterwasserjagd nach Kleinfischen in Tiefen bis zu 60 Metern hinabstossen. Obwohl sie im Sommer von den Färingern mit V-förmigen, an langen Stöcken montierten Netzen gefangen werden, um dann als Leckerbissen namens «Fyltur Lundi» («Gefüllte Lunde») auf den Tisch zu kommen, sind die possierlichen Vögel recht arglos und darum auf den Vogelbergen leicht zu beobachten.




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