Fennek

Fennecus zerda


© 1990 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Hunde»)



Kopfrumpflänge: 35 - 40 cm
Schulterhöhe: 18 - 22 cm
Gewicht: 1 - 1,5 kg

Mit einem Gewicht von höchstens eineinhalb Kilogramm ist der Fennek das kleinste und zierlichste Mitglied der Hundefamilie. Die Heimat dieses Winzlings sind die Sandwüsten Nordafrikas und der Arabischen Halbinsel. Er wird darum auch «Wüstenfuchs» genannt.

Den schwierigen Bedingungen des Wüstenlebens ist der Fennek gut angepasst: So besitzt er unter seinen Pfoten dicke Haarpolster, die es ihm ermöglichen, festen Tritt im lockeren Dünensand zu finden und sich mit erstaunlicher Leichtigkeit auf dieser nachgiebigen Unterlage fortzubewegen. Diese «Filzpantoffeln» schützen ihn zudem davor, sich die Sohlen auf dem heissen Sand zu verbrennen, falls er je gezwungen ist, tagsüber sein Versteck zu verlassen. Auch die gut zehn Zentimeter langen Riesenohren des Fenneks haben - neben ihrer Funktion als hochempfindliche «Schalltrichter» - eine spezielle «Wüstenaufgabe»: Sie dienen der Abstrahlung überschüssiger Körperwärme und schützen so den kleinen Kerl vor Überhitzung in seinem sonnendurchglühten Lebensraum. Im übrigen braucht der Fennek das ganze Jahr über kein Trinkwasser, denn sein Körper ist darauf eingerichtet, allein mit der Flüssigkeit auszukommen, die in seiner Nahrung enthalten ist.

Fenneks leben in Gruppen von bis zu zehn Tieren. Dabei handelt es sich um «Grossfamilien», welche neben dem fest verheirateten erwachsenen Paar und seinen noch abhängigen Welpen mehrere bereits selbständige Nachkommen des Vorjahres umfassen. Anstatt nach der Geschlechtsreife auf eigene Faust loszuziehen, bleiben viele Jungfüchse nämlich noch ein ganzes Jahr bei ihren Eltern und helfen tatkräftig bei der Aufzucht ihrer jüngeren Geschwister mit. Früher war man sich über den Sinn dieses uneigennützigen Verhaltens nicht recht im klaren. Heute weiss man, dass es sich um eine sehr zweckmässige Anpassung an die schwierigen Verhältnisse handelt, unter denen diese zierlichen Wüstenbewohner leben: Die Jährlinge vergrössern durch ihr Verweilen in der Familie und ihre aktive Mithilfe im «Haushalt» den Aufzuchterfolg der Eltern. Ausserdem können sie so genügend Erfahrung im Umgang mit Kleinkindern sammeln, bevor sie ihre eigene Familie gründen.

Fennekfamilien bewohnen selbstgegrabene Baue, welche aus einigen flach verlaufenden Röhren von mehreren Metern Länge und einem geräumigen Kessel bestehen. Dort verschlafen die Tiere gemeinsam den Tag. In den kühlen Nachtstunden kommen sie dann heraus, um - jedes für sich - auf die Jagd zu gehen. Ihr scharfes Gehör und ihre grossen schwarzen Nachtaugen sind ihnen beim Aufspüren der spärlich vorhandenen Beutetiere sehr dienlich. Äusserst vorsichtig, nach allen Seiten hin äugend, witternd und lauschend, schleichen die kleinen Wüstenjäger zwischen den Sandhügeln umher und erbeuten hier eine Springmaus, dort eine Heuschrecke, mal eine Eidechse und mitunter sogar einen schlafenden Vogel.

Zum Verspeisen tragen die grossohrigen Zwergfüchse ihre Beutetiere gewöhnlich zum Bau zurück. Vermutlich hat dies den Zweck, herumstreunenden grösseren Raubtieren wie etwa dem Wüstenluchs aus dem Weg zu gehen. Im Bau müssen sie dann allerdings ihre Leckerbissen gegenüber den anderen Familienmitgliedern verteidigen. Denn obschon die kleinen Füchse gesellig leben, sind sie nicht besonders friedfertig. Im Gegenteil: Heftige Zänkereien um Futter gehören bei Familie Fennek zur Tagesordnung.

Die Paarungszeit der Fenneks fällt in die Monate Januar und Februar. Die erwachsenen Männchen sind jetzt allen Rivalen gegenüber äusserst feindselig eingestellt. Eifrig markieren sie ihr Streifgebiet und sagen damit «Grundstück betreten verboten!».

Nach einer Tragzeit von ungefähr 50 Tagen bringen die Fennekweibchen dann im Frühjahr ihre zwei bis fünf Jungen zur Welt. Sie werden gut zwei Monate lang gesäugt, nehmen aber schon nach dreieinhalb Wochen auch feste Nahrung zu sich. Am Ende ihres ersten Sommers können die Jungfüchse dann bereits selbständig jagen. Manche von ihnen bleiben aber ein weiteres Jahr mit ihren Eltern zusammen, um nach der Kunst des Beutegreifens auch noch die Kunst der Jungenaufzucht zu erlernen.

In Menschenobhut beträgt das Höchstalter der Hundezwerge zwölf Jahre.




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