Pfauenaugengaukler - Chaetodon auriga

Bennetts Gaukler - Chaetodon bennetti

Fähnchengaukler - Chaetodon ephippium

Schwarzrückengaukler - Chaetodon melannotus


© 1997 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Korallenriffe gehören hinsichtlich ihrer biologischen Vielfalt zu den reichsten Ökosystemen unseres Planeten. Was auf den ersten Blick wie ein wirres Kaleidoskop aus bizarren Formen und bunten Farben erscheint, erweist sich bei genauerem Hinsehen als eine harmonisch in sich abgestimmte Tiergemeinschaft. Korallenpolypen spielen darin die Rolle der Baumeister, während diverse Gruppen von Fischen und Wirbellosen die bereitgestellten Gebilde als Lebensgrundlage nutzen. Durch ein komplexes Beziehungsgeflecht sind alle Rifftiere untereinander verbunden; jeder ist auf den anderen in irgendeiner Form angewiesen.

Eine allgegenwärtige Gruppe von Korallenriffbewohnern sind die Gauklerfische (Familie Chaetodontidae). Ihr farbenprächtiges Kleid, ihre anmutige Gestalt und die Leichtigkeit der Bewegungen, mit denen sie durch die lichtdurchfluteten Korallengärten schweben, entzücken den tauchenden Naturfreund stets von neuem. In den englischsprechenden Ländern werden sie denn auch treffend als «Schmet-ter-lings-fische» («butterflyfishes») bezeichnet.

Als Familie sind die Gauklerfische enorm weitverbreitet: Es gibt wohl weltweit kein Korallenriff, welches nicht von mindestens einer Gauklerfischart bewohnt wird. Dies gilt auch für die Korallenriffe im Bereich der Föderierten Staaten von Mikronesien - dem im Westpazifik gelegenen Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken. Vier charakteristische Arten aus diesem Raum sind der Pfauenaugengaukler (Chaetodon auriga), Bennetts Gaukler (Chaetodon bennetti), der Fähnchengaukler (Chaetodon ephippium) und der Schwarzrückengaukler (Chaetodon melannotus). Sie sollen hier vorgestellt werden.

 

Eine tropische Fischfamilie

Die Familie der Gauklerfische setzt sich aus rund 120 Arten zusammen. Sie werden in zehn Gattungen gegliedert, wobei die Gattung Chaetodon, zu der «unsere» vier Arten gehören, mit etwa 80 Arten die bei weitem formenreichste ist.

Die allermeisten Gauklerfische sind in den marinen Gewässern der tropischen Klimazone zu Hause. Sie bewohnen dort hauptsächlich Gebiete, welche eine Wassertiefe von weniger als dreissig Metern aufweisen und in denen die Wassertemperatur ganzjährig mehr als 21° Celsius beträgt - also genau die Bereiche, welche auch den Korallenpolypen optimale Lebensbedingungen bieten.

Obschon jede Gauklerfischart aufgrund spezifischer Eigenschaften in Körperbau und Verhalten auf eine ganz spezielle ökologische Nische in ihrem Unterwasserlebensraum angepasst ist, lassen sich doch auch verschiedene familientypische Merkmale erkennen. Dazu gehört, dass die meisten Gauklerfische Allesesser sind: Sie ernähren sich zum einen von diversen kleinwüchsigen Wirbellosen, darunter Kleinkrebsen, Würmern und auch Korallenpolypen, zum anderen von allerlei Algen, welche auf Korallenriffen stets in grosser Menge wachsen.

Betreffend die Fortpflanzung der Gauklerfische im freien Meer liegen bislang erst wenige Beobachtungen vor. Von Individuen, die in Aquarien gehalten und untersucht worden sind, wissen wir aber, dass die durchschnittliche Anzahl Eier, die ein Weibchen je Fortpflanzungszyklus erzeugt, bei drei- bis viertausend liegt. Die Befruchtung derselben erfolgt nicht im Körper des Weibchens, sondern erst nach ihrer Abgabe ins Wasser: Sobald das Weibchen seine Eier abgelaicht hat, schwimmt das Männchen dicht über sie hinweg und «nebelt» sie mit seiner Samenflüssigkeit ein.

Die Eier bleiben in der Folge nicht am Boden haften, sondern treiben frei im Wasser. Aus ihnen schlüpfen nach wenigen Tagen Larven, deren Form von derjenigen der erwachsenen Fische sehr verschieden ist. Sie sind kaulquappenförmig und weisen rund um ihren übergrossen Kopf herum gutentwickelte Knochenplatten mit stacheligen Rändern auf. Dieses Stadium dauert ungefähr drei Monate. In dieser Zeit werden die frei im Wasser lebenden Larven durch die Meeresströmungen über oftmals beträchtliche Distanzen vom elterlichen Riff weggetragen. Am Schluss machen die Larven eine gründliche Umwandlung durch und lassen sich dann als Jungfische auf einem neuen Korallenriff nieder, dem sie den Rest ihres Lebens treu bleiben.

Die Fähigkeit der Ausbreitung in der «Kindheit» ist der Grund dafür, dass die meisten Gauklerfischarten eine enorm weite Artverbreitung aufweisen. So sind «unsere» vier Gauklerfische allesamt nicht nur im Westpazifik heimisch, sondern kommen auch in den meisten anderen Bereichen des Indopazifiks vor. Meeresströmungen bewegen sich unablässig in einem höchst komplexen Muster durch diese riesenhafte Region und tragen freischwimmende Organismen wie die Gauklerfischlarven bis in die entlegensten Winkel. Für wärmeliebende Tiere wie sie bilden einzig die kalten Gewässer im Bereich der Südspitzen Afrikas und Südamerikas unüberwindbare Barrieren. Die Gauklerfischarten, denen man auf den Korallenriffen im Atlantik (einschliesslich der Karibik) begegnet, sind darum von denen im Indopazifik verschieden.

 

Der Pfauenaugengaukler

Der Pfauenaugengaukler weist ausgewachsen eine Länge von 13 bis 14 Zentimetern auf. Er ist über die meisten Bereiche der tropischen indopazifischen Region verbreitet - vom Roten Meer im Westen bis zu den Hawaii-Inseln im Osten. Er bewohnt hauptsächlich seichte Lagunen und kommt vielerorts ziemlich zahlreich vor.

Wie alle Gauklerfische ist der Pfauenaugengaukler ein reines Tagtier, das sich nachts in den Spalten des Korallenriffs versteckt. Bei der Nahrungssuche erweist er sich als wenig wählerisch und nimmt neben allerlei Algen ein breites Spektrum kleiner wirbelloser Riffbewohner zu sich. Besonders gut scheinen ihm Gliederwürmer aus der Sippe der Vielborster (Polychaeta) zu schmecken.

Pfauenaugengaukler leben im Unterschied zu den meisten anderen Gauklerfischen nicht nur einzeln oder paarweise, sondern bilden mitunter kleine Schwärme von zehn bis dreissig Individuen. Dies ist vor allem dort der Fall, wo Korallenblöcke durch sandige Abschnitte voneinander getrennt vorkommen, wie es in Lagunen häufig der Fall ist. Die Gaukler schwimmen dann im Schwarm von einem Korallenblock zum nächsten und verteilen sich dort vorübergehend, um individuell nach Nahrung zu suchen. Später sammeln sie sich wieder und begeben sich gemeinsam auf den Weg zum nächsten Korallenblock.

 

Bennetts Gaukler

Bennetts Gaukler ist mit einer Länge um 16 Zentimeter etwas grösser als der Pfauenaugengaukler, hingegen ist seine Schnauze deutlich kürzer. Wie alle Gauklerfische vermag er seine Rückenflosse aufzurichten, so dass sie einen auffälligen «Rückenkamm» mit markanten «Stacheln» bildet.

Wie alle Gauklerfische hat Bennetts Gaukler keinerlei Waffen, mit denen er sich gegenüber all den Raubfischen verteidigen könnte, welche die Korallenriffe unsicher machen. Droht Gefahr, so reagiert er darum im allgemeinen mit der sofortigen Flucht in ein sicheres Versteck. Sein seitlich stark zusammengedrückter Körper erlaubt es ihm, sich in schmalste Ritzen und Spalten im Korallenriff zurückzuziehen, wo er vor Raubfischen sicher ist.

Gerät Bennetts Gaukler jedoch überraschend einmal im offenen Wasser in Gefahr, so reagiert er zunächst mit einem Verhalten, das man als «Imponiergehaben» bezeichnen könnte: Er wendet dem Feind die Breitseite mit dem auffälligen Augenfleck zu, spreizt die Rückenflosse und senkt seinen Kopf etwas nach unten. Damit bewirkt er dreierlei: Erstens wähnt sich der Gegner unvermittelt von einem grossen Auge drohend angestarrt, so dass er möglicherweise den Rückzug antritt. Zweitens lässt die stachelige Rückenflosse den Gaukler nicht nur deutlich grösser, sondern auch wenig mundgerecht erscheinen, was den Feind möglicherweise ebenfalls von seinem Vorhaben abhält. Drittens täuscht der Augenfleck vor, der Kopf befinde sich am Hinterende des Gauklers, so dass der Feind - sofern er halt doch zustösst und bei seiner Attacke die Fluchtrichtung des Gauklers «einberechnet» - leicht sein Ziel verfehlt, weil der Gaukler scheinbar rückwärts entflieht - nach hinten unten statt nach vorn oben. Dieses Täuschungsmanöver wirkt umso besser, als das wirkliche Auge des Gauklers durch einen dunklen Streifen getarnt ist.

Auch Bennetts Gaukler kommt in weiten Bereichen des tropischen Indopazifiks vor - von der Ostküste Afrikas im Westen bis nach Französisch-Polynesien im Osten. Nordwärts kann man ihm bis zum südlichen Japan, südwärts bis zum nördlichen Australien begegnen. Er ist allerdings meistenorts ziemlich selten und überdies recht scheu, so dass man ihn nicht oft zu Gesicht bekommt. Bennetts Gaukler hält sich vorzugsweise an den Aussenrändern der Korallenriffe auf, in zehn bis fünfzehn Metern Wassertiefe. Über seine Ernährungsgewohnheiten und sein gesellschaftliches Leben ist kaum etwas bekannt.

 

Der Fähnchengaukler

Der Fähnchengaukler ist ungefähr gleich gross wie Bennetts Gaukler, hat aber eine ähnlich verlängerte Schnauze wie der Pfauenaugengaukler. Wie bei letzterem ist seine Rückenflosse durch einen Hautanhang fahnenartig verlängert - daher sein Name.

Der Fähnchengaukler ist im tropischen Pazifik weitverbreitet, scheint hingegen im Indischen Ozean nur die östlichen Bereiche besiedelt zu haben. Seine Bestände sind im allgemeinen etwas dichter als die von Bennetts Gaukler, doch ist er nirgendwo wirklich zahlreich. Gewöhnlich trifft man ihn einzeln oder paarweise an, doch hat man auch schon beobachtet, dass jugendliche Individuen kleine Schwärme bilden und dass sich erwachsene Einzeltiere zeitweilig umherziehenden Schwärmen von Pfauenaugengauklern anschliessen.

Wie der Pfauenaugengaukler bewohnt der Faehnchengaukler vorzugsweise untiefe Korallenriffbereiche. Als Nahrung scheint er hauptsächlich Korallenpolypen und auf Korallen lebende Algen zu sich zu nehmen.

 

Der Schwarzrückengaukler

Der Schwarzrueckengaukler ist der kleinste der vier vorgestellten Gauklerfische: Er ist selten länger als 12 Zentimeter. Man findet ihn vom Roten Meer ostwärts bis zum Westpazifik. Er bewegt sich gewöhnlich einzeln oder paarweise umher und kann in einigen Gebieten ziemlich häufig sein, wobei er eine deutliche Vorliebe für Korallenriffbereiche zeigt, welche von besonders klarem Wasser umspült werden. Über seine Ernährungsgewohnheiten wissen wir so gut wie nichts.

 

70 Prozent der Korallenriffe sind geschädigt

Angesichts des enormen Ausmasses ihres Verbreitungsgebiets fällt die Vorstellung schwer, dass die vier vorgestellten Gauklerfischarten jemals in ihrem Fortbestand gefährdet sein könnten. Doch leider ist dies aufgrund der vielfältigen schädigenden Eingriffe des Menschen in die Natur gar nicht so unwahrscheinlich.

Tatsächlich steht mit den Korallenriffen, die den Gauklerfischen als Lebensgrundlage dienen, längst nicht mehr alles zum besten. Neuere wissenschaftliche Abklärungen haben ergeben, dass dieses marine Ökosystem bereits auf einer Fläche von über 400 000 Quadratkilometern - das entspricht ungefähr siebzig Prozent seiner geschätzten globalen Gesamtfläche - in mehr oder weniger starkem Mass geschädigt ist. Hält diese ungute Entwicklung an, und darauf deutet leider alles hin, so werden dereinst selbst die weitestverbreiteten Korallenrifftiere in Bedrängnis geraten.

Die Faktoren, welche zu einer Beeinträchtigung der Korallenriffe führen, sind vielfältig. Zu nennen sind unter anderem die allgemeine Verschmutzung der Küstengewässer mit Abwässern aus Haushalt und Industrie; die Trübung der küstennahen Bereiche durch Schwebstoffe, welche aufgrund der allgemeinen Bodenerosion ins Meer gelangen; das Ausbaggern von Korallenriffen zur Gewinnung von Korallenblöcken und Korallensand für den Häuserbau; der Einsatz von Sprengstoffen zur Gewinnung der in Korallenriffen versteckt lebenden Fischbestände; und, nicht zuletzt, die vielfältigen Auswirkungen des Massentourismus.

Alle genannten Schadfaktoren treten - in unterschiedlichem Ausmass - auch im Bereich der Inseln der Föderierten Staaten von Mikronesien in Erscheinung. Der pazifische Staatenbund, der erst 1986 die Unabhängigkeit erlangt hat, besteht aus über sechshundert mehrheitlich kleinen und kleinsten Inseln, deren gesamte Landfläche sich auf nur 700 Quadratkilometer bemisst, die aber über ein Meeresgebiet von rund 2,4 Millionen Quadratkilometern verstreut liegen.

Wie man sich denken kann, sind die Mikronesier für ihren Lebensunterhalt stark auf die Güter angewiesen, die ihnen die umliegenden Gewässer im allgemeinen und die küstennahen Korallenriffe im speziellen liefern. Das Bewusstsein für die grosse Bedeutung, welche der schonenden, nachhaltigen Nutzung der marinen Ressourcen zukommt, hatte früher durchaus bestanden: Traditionelle, über viele Generationen hinweg gereifte Formen der Selbstbeschränkung bei der Riffnutzung (in Form diverser «Tabus») hatten früher dafür gesorgt, dass die genutzten «Meeresfrüchte» stets die Gelegenheit erhielten, sich ausreichend zu erholen. Leider gehen aber diese überlieferten, gesellschaftlich verankerten Nutzungsformen immer mehr verloren - und sie sind leider bislang nicht durch entsprechende Gesetze ersetzt worden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf seitens der mikronesischen Regierung.

Erfreulicherweise sind - den genannten Missständen zum Trotz - mehrere Korallenriffe im Bereich der Föderierten Staaten von Mikronesien noch in vorzüglichem Zustand. Dazu gehören etwa die Riffe von Fayu, Ulithi und Woleai. Noch bieten sie den vier vorgestellten Gauklerfischarten und all ihren vielgestaltigen Riffmitbewohnern eine reichhaltige Lebensgrundlage. Bleibt zu hoffen, dass die Regierung Mikronesiens bald dafür sorgt, dass sie diese - auch für die menschliche Inselbevölkerung bedeutsame - Aufgabe noch lange zu erfüllen vermögen.




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