Gelbaugenpinguin

Megadyptes antipodes


© 1994 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Pinguine gelten im allgemeinen als besonders «frosttaugliche» Vögel, deren Heimat die Antarktis ist. Das trifft aber nicht auf alle der 17 verschiedenen Pinguinarten unseres Planeten zu. So lebt etwa der Gelbaugenpinguin (Megadyptes antipodes) zur Hauptsache in der gemässigten Klimazone: Er ist entlang der Süd- und Südostküste Neuseelands sowie auf der benachbarten Stewartinsel, der Campbellinsel und den Aucklandinseln zu Hause.

Mit einer Körperlänge von bis zu 75 Zentimetern und einem Gewicht um 5 Kilogramm ist der Gelbaugenpinguin das viertgrösste Mitglied der Pinguinfamilie. Wie alle seine Vettern ist er ein hochspezialisierter Meeresvogel, der unter Wasser Jagd auf kleine Fische und Tintenfische macht und dabei kurzfristig Geschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometern erreicht.

Pinguinuntypisch verhält er sich hingegen bezüglich seiner Gesellschaftsform: Er sucht nicht in grösseren Schwärmen seine Nahrungsgründe auf, und er brütet auch nicht in kopfstarken Kolonien in Meeresnähe, wie dies «normale» Pinguine tun. Beim Gelbaugenpinguin bauen die fest «verheirateten» Paare ihre Nester weit im Landesinnern - ausser Sichtweite der Nachbarn und gut versteckt zwischen Grasbülten, unter Felsüberhängen, im Gebüsch oder gar im Wald unter Farnwedeln und zwischen Wurzeln. Gut ausgetretene, oft kilometerlange Pfade führen von der Küste zu diesen abgeschiedenen Pinguinnestern.

Das «unkonventionelle» Nistverhalten des Gelbaugenpinguins ist keineswegs eine Laune der Natur: Ganz problemlos gestaltet sich nämlich sein Leben unter der neuseeländischen Sonne nicht, denn er hat wie alle Pinguine eine dicke Schicht Unterhautfett und ein vor züglich isolierendes Federkleid. Diese bewahren ihn zwar bei seinen tagelangen Fischzügen im kalten Wasser wirkungsvoll vor Auskühlung. Besonders während der Brutsaison, welche in den neuseeländischen Sommer fällt, steht er jedoch mit seiner «Winterkleidung» ständig in Gefahr der Überhitzung, und um dem entgegenzuwirken, baut er sein Nest an möglichst kühlen Stellen in schattiger Vegetation.

Ein vollständiger Brutzyklus dauert beim Gelbaugenpinguin mehr als ein halbes Jahr. Den Anfang machen jeweils Mitte August Balz, Paarung und Nestplatzsuche. Ende September, Anfang Oktober legt dann das Weibchen zwei weisse Eier. Männchen und Weibchen bebrüten das Gelege in der Folge abwechslungsweise während sechs Wochen in ein- bis zweitägigen Schichten. Anlässlich der Rückkehr eines Partners zum Nest findet stets ein ausgedehntes Begrüssungszeremoniell statt, bei welchem beide Altvögel mit hochgerecktem Kopf, hohlem Kreuz und nach vorn gehaltenen Flügeln aus voller Kehle «trompeten». Die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, nennen den Gelbaugenpinguin deshalb treffend hoiho - «Schreihals».

Nach dem Schlüpfen im November bedürfen die jungen Gelbaugenpinguine weitere dreieinhalb Monate lang der elterlichen Fürsorge. Erst Ende Februar, Anfang März erfolgt nämlich der Wechsel vom wolligen Daunenkleid zum wasserdichten Erwachsenengefieder und, kurz darauf, die Loslösung der Jungvögel von ihren Eltern. Stets tauchen sie ohne Begleitung und Hilfe derselben ins Meer ein und ziehen auf eigene Faust los. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 6 bis 7 Jahre; das Höchstalter liegt bei ungefähr 20 Jahren.

Der Gelbaugenpinguin gilt als der seltenste Pinguin der Welt. Die Gesamtpopulation wird auf ungefähr 1500 bis 1800 Brutpaare bzw. 5000 bis 6000 Individuen geschätzt. Dass die Bestände in unserem Jahrhundert alarmierend zurückgegangen sind und die Art heute als ernstlich bedroht eingestuft werden muss, ist allein die Schuld des Menschen: Durch die land- und besonders viehwirtschaftliche Nutzung der neuseeländischen Küstenregionen werden die Vögel von ihren traditionellen Brutplätzen verdrängt. Eingeschleppte Raubsäuger wie Frettchen, Katzen und Schweine plündern ihre Nester. Und massive Fischereiaktivitäten im Umfeld Neuseelands schmälern ihre Nahrungsgrundlage.

Der WWF hat zusammen mit lokalen neuseeländischen Organisationen einen detaillierten Schutzplan zugunsten des Gelbaugenpinguins ausgearbeitet. Zum einen sollen Reservate geschaffen werden, welche gross genug sind, um dem Vogel seine überlieferten Brutgewohnheiten zu ermöglichen. Zum anderen soll versucht werden, das Verständnis der ansässigen Küstenfarmer für die Schutzbedürftigkeit des Gelbaugenpinguins zu gewinnen. Ihr Wohlwollen ist für das Überleben des aussergewöhnlichen Pinguins unabdingbar.




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