Gepard

Acinonyx jubatus


© 1994 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Berühmt gemacht haben den in Afrika und Südasien beheimateten Gepard (Acinonyx jubatus) die hohen Geschwindigkeiten, die er beim Rennen erreicht: In nur drei Sekunden beschleunigt er von O auf 90 Stundenkilometer, und er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 110 Stundenkilometern. Der Gepard ist damit unbestritten der schnellste Läufer unter den Tieren.

Innerhalb der Familie der Katzen nimmt der Gepard denn auch eine Sonderstellung ein: Im Gegensatz zu anderen Katzenarten überfällt er nämlich seine Beutetiere nicht aus dem Hinterhalt, sondern hetzt sie in kurzem, schnellem Spurt nieder. Mit dieser Jagdweise verbunden ist eine ganze Reihe von Anpassungen im Körperbau - besonders augenfällig sind die langen, sehnigen Beine und der schlanke, windschlüpfrige Körper -, durch die sich der Gepard deutlich vom Rest der Katzen unterscheidet. Die Wissenschaftler ordnen ihn darum weder den Grosskatzen noch den Kleinkatzen zu, sondern stellen ihn in eine separate Gattung.

Der bevorzugte Lebensraum des Gepards sind offene Kurzgrassavannen, Steppenlandschaften und Halbwüsten. Hier macht er gewöhnlich Jagd auf kleinere Gazellen und Antilopen. Des öfteren erlegt er aber auch Hasen und Vögel, selten jedoch so grosse Tiere wie erwachsene Gnus oder Zebras. Auf die Jagd geht der Gepard - katzenuntypisch - zumeist am Tag. Hat er ein Beutetier entdeckt, so bewegt er sich anfänglich ganz langsam und jede Deckung nutzend darauf zu. Vielleicht noch fünfzig Meter von der Beute entfernt setzt er dann zum rasanten Schlussangriff an. Wie ein von der Sehne geschnellter Pfeil «fliegt» er auf sein Ziel los. Bis das Beutetier die Gefahr erkennt und flüchtet, hat der Gepard bereits die Hälfte der Distanz hinter sich gebracht. Und wenig später holt er es ein. Mit einem kräftigen Schlag seiner Vorderpfote wirft er das Opfer zu Boden, packt es sogleich an der Kehle und erstickt es. Für einen kräftigen Nackenbiss, mit dem viele andere Katzen ihren Opfern das Genick brechen, sind die kurzen Kiefer und die schmalen Eckzähne des leichtgebauten Sprinters zu schwach.

Auch hinsichtlich seiner Gesellschaftsform ist der Gepard ein Sonderfall: Zwar führen die erwachsenen weiblichen Tiere ein Leben als Einzelgänger, wie dies bei Katzen üblich ist. Die Gepardenmännchen aber bilden kleine Rudel. Da die Weibchen in der Regel von einem Wurf Junge begleitet werden, trifft man Geparde also meistens in kleinen Gruppen von zwei bis vier Tieren an. Der Vorteil hiervon scheint zu sein, dass gruppenlebende Geparde weniger oft von anderen Raubtieren belästigt werden als einzelgängerische. Löwen, Leoparden, Hyänen und Wildhunde greifen nämlich den schwächeren Gepard ohne Zögern an und töten ihn sogar gelegentlich. Er ist das einzige Grossraubtier, das oft selbst zum Beutetier wird.

Von den äquatorialen Regenwäldern und der Zentralsahara abgesehen war der Gepard einst über ganz Afrika verbreitet und kam überdies in weiten Bereichen Südasiens, von der Arabischen Halbinsel bis nach Indien, vor. Die Bestände haben jedoch im ganzen Verbreitungsgebiet stark abgenommen und sind mancherorts - etwa in Indien - sogar vollständig ausgerottet. Da sich das dünne, borstige Fell des Gepards für die modische Verarbeitung wenig eignet, ist der Jagddruck auf die schnelle Katze nie sonderlich gross gewesen. Schlimmer hat sich der riesige Bedarf an Geparden früher für die Luxusjagd der Adeligen, später für die unzähligen Zoos und Safariparks der westlichen Welt ausgewirkt. Noch bis in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts wollte nämlich die Zucht in Menschenobhut einfach nicht gelingen, so dass immer wieder neue Tiere aus der freien Wild bahn gefangen werden mussten.

Hauptsächlich macht dem Gepard aber die fortschreitende Kultivierung der afrikanischen Savannenlandschaften zu schaffen. Sie führt zu einer ständigen Abnahme der Beutetierbestände, von denen sein Leben abhängt. Und sie hat die verstärkte Bejagung durch Viehhalter zur Folge, an deren Eigentum sich der Gepard hin und wieder vergreift.

Leider deutet alles darauf hin, dass sich trotz intensiver Schutzanstrengungen der Gepardenbestand auch zukünftig weiter vermindern wird. Denn der Landhunger der kontinuierlich wachsenden afrikanischen Bevölkerung wird den Lebensraum und die Beutetiere des Gepards weiterhin stetig schwinden lassen. Langfristig kann der Gepard wohl nur in Naturschutzgebieten überleben. Der Fortbestand der grossen Katzenart gilt deshalb einstweilen nur in Ostafrika mit seinen vielen grossflächigen und gutgeführten Nationalparks als gesichert.




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