Gepard

Acinonyx jubatus


© 1984 Markus Kappeler
(erschienen im WWF-Kalender 1985)



Der Gepard nimmt innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) eine Sonderstellung ein. Im Gegensatz zu allen anderen Raubkatzen ist er ein Hetzjäger, erinnert in seiner Jagdweise also an die Wildhunde. Und er ist die einzige Katze, die ein vorwiegend tagaktives Leben führt.

Berühmt gemacht haben den Geparden die ausserordentlich hohen Geschwindigkeiten, die er beim Rennen erreicht. Zwar ist man sich über die genaue Höchstgeschwindigkeit uneinig. Sie liegt aber mit Bestimmtheit zwischen 90 und 110 Kilometern in der Stunde. Der Gepard ist damit unbestritten das schnellste Lebewesen zu Land.

Seine Spitzengeschwindigkeit hält der Gepard nur über kurze Strecken von 100 bis 500 Metern durch. Das genügt aber in der Regel, um das verfolgte Beutetier einzuholen und zu Boden zu werfen. Schafft es das Beutetier, dem Gepard über diese Strecke hinaus zu entkommen, so gibt die hochbeinige Raubkatze sofort auf und bleibt längere Zeit atemlos und erschöpft liegen. Beutetiere des 50 bis 60 Kilogramm schweren Gepards sind hauptsächlich kleinere Gazellen und Antilopen. Manchmal erlegt er auch Hasen und Vögel, selten jedoch so grosse Tiere wie erwachsene Gnus oder Zebras.

Die Gepardenjungen auf diesem Bild sind erst wenige Wochen alt. Sie tragen noch die silbergraue Rückenmähne, welche sich bereits im Alter von zehn Wochen rückbildet. Die Mähne verleiht den Jungen eine ausgezeichnete Tarnung im hohen Gras, in dem sie sich während der ersten drei Lebensmonate vor Löwe, Leopard und Hyäne versteckt halten.

Der Gepard war ursprünglich über ganz Afrika verbreitet - von den Küsten des Mittelmeers bis zum Kap der Guten Hoffnung. Und er kam auch in Südasien von der Arabischen Halbinsel bis nach Indien vor. Die Bestände der eleganten Raubkatze haben aber im ganzen Verbreitungsgebiet stark abgenommen. In Asien dürfte sie mittlerweile vollständig ausgerottet sein. Der Gepard wird daher in der Roten Liste der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) als gefährdet eingestuft.

Da sich das dünne, borstige Fell des Gepards für die Mode nicht besonders eignet, ist der Jagddruck auf die Katze nie sonderlich stark gewesen. Weit schlimmer hat sich der enorme Bedarf an Geparden für die unzähligen Zoos und Safariparks in Nordamerika und Westeuropa ausgewirkt. Hauptursache des Rückgangs des Geparden in weiten Teilen Afrikas ist aber zweifellos die fortschreitende Kultivierung seines Lebensraums, der offenen Savannenlandschaften. Sie führt zu einer ständigen Abnahme der Beutetierbestände, von denen das Überleben der schnellen Katze abhängt.

Die Gesamtpopulation der Art wird heute auf etwa 15 000 Individuen geschätzt. Grosse Bestände leben in Ostafrika einerseits und in Botsuana und Namibia anderseits. Während in Ostafrika das Überleben der Tiere dank der vielen grossflächigen Nationalparks vorläufig gesichert sein dürfte, nimmt der Gepardenbestand Namibias und Botsuanas um rund 200 Tiere jährlich ab. Die Viehzüchter schiessen die schöne Raubkatze erbarmungslos ab, weil sie sich hin und wieder an deren Eigentum vergreift.

IUCN und WWF haben eine grosse Zahl von Projekten für die Errichtung und den Unterhalt von Naturschutzgebieten im ganzen Verbreitungsgebiet des Gepards unterstützt und so zur Erhaltung der Katze selbst und auch ihrer Beutetiere beigetragen. Als Förderer von CITES - dem internationalen Artenschutz-Übereinkommen - zeichnen die beiden Organisationen auch für den Handelsstopp mit Geparden und Gepardenfellen mitverantwortlich.




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