Gepard

Acinonyx jubatus


© 1988 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Grosskatzen»)



Gesamtlänge: 190 - 240 cm
Schwanzlänge: 65 - 85 cm
Schulterhöhe: 70- 85 cm
Gewicht: 40 - 75 kg
Tragzeit: 86 - 95 Tage
Wurfgrösse: 1 - 6, meist 2 - 4 Junge
Geburtslänge: nicht ermittelt
Geburtsgewicht: 250 - 300 g
Höchstalter: frei ca. 15 Jahre, im Zoo bis 19 Jahre

 

Der Gepard ist weder eine Grosskatze noch eine Kleinkatze. Er nimmt innerhalb der Familie der Katzen eine Sonderstellung ein. Im Gegensatz zu allen anderen Katzenarten überfällt er seine Beutetiere nicht aus dem Hinterhalt, sondern hetzt sie in kurzem, schnellem Spurt nieder. Mit dieser Jagdweise verbunden ist eine ganze Reihe von Anpassungen im Körperbau, durch die sich der Gepard deutlich vom Rest der Katzen unterscheidet. Die Wissenschaftler ordnen ihn darum weder den Gross- noch den Kleinkatzen zu, sondern stellen ihn in eine eigene Gattung (Acinonyx).

Berühmt gemacht haben den Gepard die hohen Geschwindigkeiten, die er beim Rennen erreicht: In nur drei Sekunden beschleunigt er von 0 auf 90 Stundenkilometer, und er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von gegen 112 Stundenkilometern! Der Gepard ist damit unbestritten der schnellste Läufer unter den Tieren.

Der ganze Körper des Gepards ist auf das Rennen ausgerichtet: Besonders augenfällig sind die langen, sehnigen Beine, die schmalen, mit Laufschwielen gepolsterten Pfoten und der schlanke, windschlüpfrige Körper. Interessant ist aber auch, dass der Gepard - als einzige Katze - seine Krallen nicht zurückziehen kann. Sie stehen vor, berühren beim Laufen den Boden und werden abgewetzt. Zwar kann der Gepard deswegen als einzige Katze nicht klettern, aber beim Rennen sind diese vorstehenden Krallen sehr wertvoll: Sie wirken wie die Nägel in Rennschuhen und vermitteln dem Gepard eine ausgezeichnete Bodenhaftung.

Auf die Jagd geht der Gepard - wiederum als einzige Katzenart - gewöhnlich am Tag. Zu seinen Beutetieren zählen vor allem kleinere Gazellen und Antilopen. Des öfteren erlegt er aber auch Hasen und Vögel, selten jedoch so grosse Tiere wie erwachsene Gnus oder Zebras. Hat der Gepard ein Beutetier entdeckt, so bewegt er sich anfänglich ganz langsam und jede Deckung nutzend darauf zu. Hebt das Opfer während dieser Annäherungsphase seinen Kopf, so hält der Gepard wie erstarrt in seiner Bewegung inne, bis es wieder wegschaut. Dann erst schleicht er weiter. Schliesslich - vielleicht noch 50 Meter von der Beute entfernt - setzt er zum rasenden Schlussangriff an. Wie ein von der Sehne geschnellter Pfeil «fliegt» er auf sein Ziel los. Bis das Beutetier die Gefahr erkennt und flüchtet, hat der Gepard bereits die Hälfte der Distanz hinter sich gebracht. Und wenig später holt er es ein. Mit einem kräftigen Schlag seiner Vorderpfote wirft er das Opfer zu Boden, packt es sogleich an der Kehle und erstickt es.

Die Jagd des schnellen Sprinters verläuft keineswegs immer erfolgreich. Seine Spitzengeschwindigkeit hält er nämlich nur über kurze Strecken von 300 bis 500 Metern durch. Gelingt es dem Verfolgten, ihm über diese Strecke hinaus zu entkommen, so gibt er sofort auf und bleibt längere Zeit atemlos und erschöpft liegen. Und selbst wenn der Gepard Erfolg hat, verliert er seine Beute oft an seine kräftigeren Rivalen Löwe, Leopard, Hyäne und Wildhund. Alle diese Raubtiere greifen den Gepard ohne Zögern an und töten ihn sogar gelegentlich. Er ist das einzige Grossraubtier, das oft selbst zum Beutetier wird.

Auch hinsichtlich seiner Gesellschaftsform ist der Gepard ein Sonderfall: Zwar führen die erwachsenen weiblichen Tiere ein Leben als Einzelgänger, wie dies bei Katzen üblich ist, die Gepardenmänner aber bleiben zeitlebens mit ihren Brüdern zusammen und bilden mit ihnen Rudel. Da die Gepardinnen in der Regel von einem Wurf Junge begleitet werden, trifft man Geparde also meistens in kleinen Gruppen von zwei bis vier Tieren an.

Sowohl die Mutter-Kind-Verbände als auch die Brüdergruppen leben in festen, etwa 50 bis 150 Quadratkilometer grossen Wohngebieten, die einander überlappen. Jede Gruppe vermeidet aber nach Möglichkeit Begegnungen mit Nachbarn, wobei Harnmarkierungen eine hilfreiche Rolle spielen. Nur zur Paarung besuchen die Männergruppen jeweils für kurze Zeit die einzelgängerischen «Damen».

Nach einer Tragzeit von etwa 90 Tagen bringt die Gepardin bis zu sechs Junge zur Welt. Diese tragen während der ersten zehn Wochen eine silbergraue Rückenmähne. Damit sind sie im hohen Gras, in dem sie sich während der ersten drei Lebensmonate versteckt halten, ausgezeichnet getarnt. Trotzdem fallen etwa zwei Drittel der Junggeparden in diesem ersten Lebensabschnitt anderen Raubtieren - besonders Hyänen - zum Opfer. Ab dem vierten Lebensmonat begleiten die Jungen ihre Mutter auf der Jagd und verscheuchen anfänglich durch ihre Spielereien oft die angepirschten Beutetiere. Im Alter von 15 bis 17 Monaten trennen sie sich von ihrer Mutter.

Der Mensch hat sich die ausgezeichneten Jagdeigenschaften des Gepards während mehrerer Jahrtausende zunutze gemacht. So haben bereits die Sumerer um 3000 v. Chr. Geparde gezähmt und für die Jagd abgerichtet. Um 1500 v.Chr. benutzten auch die ägyptischen Pharaonen gerne Geparde für die Jagd. Und im späten Mittelalter kam die Gepardenjagd selbst in Europa in Mode: So jagte zum Beispiel Kaiser Leopold I. von Österreich um das Jahr 1700 mit seinen Geparden Hasen und Rehe.

Der Gepard war einstmals über ganz Afrika verbreitet - von den Küsten des Mittelmeers bis zum Kap der Guten Hoffnung -, ferner in Südasien von der Arabischen Halbinsel bis nach Indien. Die Bestände haben aber im ganzen Verbreitungsgebiet stark abgenommen und sind sogar mancherorts - wie etwa in Indien - vollständig ausgerottet. Da sich das dünne, borstige Fell des Gepards für die modische Verarbeitung wenig eignet, ist der Jagddruck auf die schnelle Katze nie sonderlich gross gewesen. Weit schlimmer hat sich der riesige Bedarf an Geparden früher für die Luxusjagd, in unserem Jahrhundert für die unzähligen Zoos und Safariparks ausgewirkt. Noch bis in die fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts wollte nämlich die Zucht in Menschenobhut einfach nicht gelingen, so dass immer wieder neue Tiere aus der freien Wildbahn gefangen werden mussten. Heute macht dem Gepard vor allem die fortschreitende Zerstörung der afrikanischen Savannenlandschaften und damit die Vernichtung seines Lebensraums zu schaffen. Der Gesamtbestand der Art fiel von etwa 30 000 Tieren im Jahr 1960 auf etwa 15 000 im Jahr 1972 und auf wahrscheinlich unter 10 000 im Jahr 1980. Leider deutet alles darauf hin, dass sich trotz intensiver Schutzanstrengungen der Gepardenbestand noch weiter vermindern wird.




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