Gorilla

Gorilla gorilla


© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)



Der Gorilla (Gorilla gorilla) ist das grösste und schwerste Mitglied der Familie der Menschenaffen. Ausgewachsene Männchen können aufgerichtet eine Höhe von etwa zwei Metern erreichen und bringen bis zu 200 Kilogramm auf die Waage.

Man unterscheidet drei verschiedene Gorillarassen, welche alle im tropischen Äquatorialafrika, sozusagen im Herzen Afrikas, beheimatet sind: Der Westliche Flachlandgorilla bewohnt die Küstenregion am Golf von Guinea zwischen den Flüssen Niger und Kongo. Sein Bestand wird auf ungefähr 45 000 Tiere geschätzt. Der Östliche Flachlandgorilla lebt am östlichen Rand des Kongobeckens in Zaire. Sein Bestand dürfte etwa 4000 Tiere umfassen. An den Hängen der Virunga-Vulkane in der Grenzregion zwischen Zaire, Uganda und Ruanda sowie in den nahegelegenen Bwindi-Bergen lebt sodann der vergleichsweise langhaarige Berggorilla. Von ihm gibt es nur rund 400 Tiere.

Fast alle der ungefähr 500 Gorillas, welche weltweit in Zoos gehalten werden, sind Westliche Flachlandgorillas.

Gorillas leben in festgefügten Gruppen von fünf bis zwanzig Mitgliedern. Diese Gorillafamilien setzen sich im allgemeinen aus einem vollständig ausgewachsenen «Silberrückenmännchen», ein paar fortpflanzungsfähigen Weibchen und deren Jungen in verschiedenen Altersstufcn zusammen. Sie verständigen sich untereinander durch eine «Sprache», die mehr als fünfzehn verschiedene Heul-, Brüll-, Hust- und Knurrlaute umfasst.

Eine abwechslungsreiche Pflanzenkost, die sich aus Schösslingen, Blättern, Stengeln, Wurzeln, Knollen, Mark und Rinde vieler verschiedener Pflanzenarten zusammensetzt, dient den Gorillas als Nahrung. Bei der Futtersuche halten sie sich gewöhnlich am Boden auf und klettern nur selten auf Bäume, denn ihr grosses Gewicht und ihr massiger Körperbau sind ihnen dabei eher hinderlich.

Als Lebensraum bevorzugen die Gorillas möglichst offene Regenwaldstücke mit üppigem Unterwuchs, wie man sie etwa entlang von Flussläufen oder an Berghängen findet, denn hier ist der Tisch für die grossen Menschenaffen stets gedeckt. Derart reichlich ist das Nahrungsangebot, dass die Gorillagruppen auf ihren gemächlichen, von vielen Pausen unterbrochenen Fresswanderungen gewöhnlich nur etwa 500 bis 1000 Meter am Tag zurücklegen.

Die Gorillaweibchen bringen mit etwa zehn Jahren ihr erstes Junges zur Welt. Während der ersten Lebensmonate ist das Gorillajunge völlig hilflos und wird von seiner Mutter dauernd überallhin mitgetragen. Mit sechs Monaten ernährt es sich bereits zur Hauptsache von Pflanzen, hält sich aber weiterhin ständig in der Nähe seiner Mutter auf. Erst im Alter von etwa vier Jahren, wenn die Mutter ihr nächstes Kind zur Welt bringt, löst es sich allmählich von ihr.

Nur selten bleiben die Gorillas ihr Leben lang in der elterlichen Gruppe, Die frisch erwachsenen Männchen verlassen gelegentlich ihre Stammgruppe und wandern oft monatelang allein umher, bis es ihnen gelingt, Weibchen einer fremden Gruppe zu sich zu locken und einen eigenen «Harem» zu gründen. Und auch die jungen Weibchen trennen sich zu gegebener Zeit von ihrer Gruppe, um sich einem allein herumziehenden Männchen anzuschliessen oder zu einer benachbarten Gruppe überzuwechseln.

Die Gorillas haben nur einen Feind zu fürchten: den Menschen. Bis in jüngster Zeit wurden die friedfertigen Riesen in einigen Regionen ihres Fleisches wegen bejagt. Mancherorts wurden sie unter der Begründung abgeschossen, sie würden die Felder plündern. Viele von ihnen mussten ferner sterben, weil ihre Schädel als Trophäen sehr begehrt sind. Und auch beim Fang von Jungtieren für Zoologische Gärten und Forschungslabors wurden unzählige Tiere getötet. Wirksame Handelsbeschränkungen auf internationaler Ebene sowie ein verbesserter Vollzug der lokalen Naturschutzgesetze haben nun endlich dazu geführt, dass den Gorillas durch Jagd und Fang keine übermässige Gefahr mehr droht.

Eine weit schlimmere Gefahr stellt heute die rasch voranschreitende Zerstörung ihres Lebensraums, der äqatorialafrikanischen Regenwälder, dar - verursacht zum einen durch den Platzbedarf der anwachsenden menschlichen Bevölkerung Zentralafrikas, zum anderen durch die Nachfrage der westlichen Welt nach afrikanischen Edelhölzern. Ohne Regenwälder können die Gorillas jedoch nicht überleben. Es gilt deshalb, möglichst grosse Teile der noch verbleibenden Regenwaldgebiete als Reservate und Nationalparks unter Schutz zu stellen und sowohl Wilderer als auch Plünderer strikt daraus fernzuhalten.

Bereits existiert in Äquatorialafrika eine Anzahl gut bewachter Regenwald-Schutzgebiete, in denen immerhin rund 5000 Gorillas eine sichere Heimat gefunden haben. Weitere müssen unbedingt hinzukommen.




Gorilla
Gorilla gorilla

Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Herrentiere
Familie: Menschenaffen

Körpermasse
Kopfrumpflänge: bis 180 cm
Schwanzlänge: 0 cm
Gewicht: bis 200 kg

Fortpflanzung
Jungenzahl: 1 je Geburt
Tragdauer: 8.5-9 Monate
Höchstalter: ca. 50 Jahre

Bestandssituation
Bestand: ca. 50 000
Rote Liste: «gefährdet»
CITES: Anhang I




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