Goldbauchsittich - Neophema chrysogaster
Rotschwanz-Rabenkakadu - Calyptorhynchus banksii
Gouldamadine - Erythrura gouldiae
Gelbstirn-Honigesser - Lichenostomus melanops
© 1998 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Australien - Mittelding zwischen einer Insel und einem
Kontinent - ist seit -zig Millionen Jahren von den übrigen
Erdteilen abgetrennt und beherbergt demzufolge eine höchst
eigenwillige Tierwelt. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang
sicherlich die Känguruhs und all die anderen interessanten
Beutelsäuger. Aber auch unter den rund 750 Arten von Vögeln,
welche in Australien vorkommen, ist nahezu die Hälfte endemisch,
also nirgendwo sonst auf der Welt zu finden. Vier von ihnen sollen
auf diesen Seiten vorgestellt werden: der Goldbauchsittich (Neophema
chrysogaster), der Rotschwanz-Rabenkakadu (Calyptorhynchus
banksii), die Gouldamadine (Erythrura gouldiae) und
der Gelbstirn-Honigesser (Lichenostomus melanops).
Der Goldbauchsittich
Der Goldbauchsittich ist ein verhältnismässig
kleines Mitglied der weltweit rund 360 Arten umfassenden Papageienfamilie
(Psittacidae). Er ist einschliesslich des Schwanzes rund 21 Zentimeter
lang, wobei Männchen und Weibchen ungefähr gleich gross
sind und auch ähnlich aussehen.
Der Goldbauchsittich gilt als einer der seltensten
Papageien der Welt, denn sein Gesamtbestand wird auf lediglich
rund 150 erwachsene Individuen geschätzt. Die ganze Population
brütet jeweils im südlichen Sommerhalbjahr im Südwesten
der Insel Tasmanien und wandert dann im Herbst über die
Bass-Strasse auf das australische Festland hinüber, um dort
den Winter zu verbringen. Im Winterquartier verteilen sich die
Vögel in kleineren Schwärmen in einem zehn Kilometer
breiten Gürtel entlang der Küste - vom Süden der
Region Gippsland im Bundesstaat Victoria westwärts bis zum
Lake Alexandrina bei Adelaide im Bundesstaat Südaustralien.
Zur Hauptsache ernährt sich der Goldbauchsittich
von den Samen diverser Gräser. Ausserhalb der Brutzeit verbringt
er den Grossteil des Tages auf dem Boden, wo er entweder nach
Nahrung sucht oder sich im Schutz eines Grasbüschels oder
eines Buschs ausruht.
Der Goldbauchsittich scheint zu keiner Zeit ein besonders
häufiger Vogel gewesen zu sein, doch war er einst deutlich
zahlreicher als heute. Die Gründe für den Schwund seiner
Bestände sind nicht eindeutig, denn es scheinen verschiedene
Schadfaktoren - darunter der Verlust geeigneter Lebensräume
im Winterquartier, der Nahrungs- und Nisthöhlenwettstreit
mit eingeführten Vogelarten und früher (bis in den
siebziger Jahren) auch der Fang für den Käfigvogelmarkt
- hierbei eine Rolle gespielt zu haben.
Die australische Naturschutzbehörde führt
seit geraumer Zeit ein Rettungsprogramm zugunsten des Goldbauchsittichs
durch, dank dem immerhin der weitere Rückgang der Population
aufgehalten werden konnte. Seit rund fünfzehn Jahren ist
die Bestandsgrösse des hübschen kleinen Papageis stabil
geblieben.
Der Rotschwanz-Rabenkakadu
Im Gegensatz zum zierlichen und unauffälligen
Goldbauchsittich ist der Rotschwanz-Rabenkakadu ein grosser,
spektakulärer und lauter Vogel, den man in seiner Heimat
kaum zu übersehen vermag. Mit einer Gesamtlänge von
bis zu 61 Zentimetern und einem Gewicht um 750 Gramm gehört
er zu den stattlichsten Mitgliedern der Papageienfamilie. Männchen
und Weibchen unterscheiden sich deutlich in ihrer Gefiederfärbung:
Die Männchen sind - von einem roten Querband auf dem Schwanz
abgesehen - einheitlich schwarz gefärbt, während die
Weibchen ein braunschwarzes Federkleid mit gelber Sprenkelung
und gelbem Querband auf dem Schwanz tragen.
In seiner australischen Heimat hat der Rotschwanz-Rabenkakadu
eine zwar weite, jedoch unzusammenhängende Verbreitung.
Schwergewichtig findet man ihn im nördlichen Bereich des
Kontinents - in den Bundesstaaten Queensland und Nordterritorium
sowie in der Kimberley-Region des Bundesstaats Westaustralien.
Ausserhalb dieses Bereichs kommt er in der sogenannten «Weizengürtel»-Region
Westaustraliens sowie im südöstlichen Südaustralien
und im westlichen Victoria vor.
Der Rotschwanz-Rabenkakadu ernährt sich von den
Samen diverser Baumarten, wobei diejenigen von verschiedenen
Eukalyptusbäumen, Banksien, Kasuarinen und Wildfeigenbäumen
seine Hauptnahrung bilden. Vielerorts führt er ausserhalb
der Brutzeit ein halbnomadisches Leben und zieht auf der Suche
nach früchtetragenden Bäumen in Schwärmen von
bis zu 200 Individuen weit umher.
Die Brutsaison des Rotschwanz-Rabenkakadus fällt
im allgemeinen in das südliche Winterhalbjahr, also die
Zeit zwischen März und Oktober. Die brutwilligen Vögel
suchen sich eine geräumige Höhlung zumeist in einem
Eukalyptusbaum und polstern diese mit einer Schicht Holzschnipsel
aus. Das Weibchen legt sodann gewöhnlich ein einziges Ei.
Die Brutzeit dauert ungefähr vier Wochen, wobei allein das
Weibchen auf dem Ei sitzt, während das treusorgende Männchen
seine Nahrungsversorgung übernimmt.
Nach dem Schlüpfen des Jungvogels behalten die
beiden Partner diese Arbeitsteilung während weiteren zwei
bis drei Wochen bei. Dann verlässt auch das Weibchen tagsüber
die Nisthöhle, um wieder für sich selbst zu sorgen
sowie das Männchen beim Füttern des nimmersatten Jungvogels
zu unterstützen. Der junge Rotschwanz-Rabenkakadu verlässt
das Nest im Alter von rund drei Monaten und ist dann weitere
vier Monate lang auf die Zufütterung durch seine Eltern
angewiesen.
Als Art insgesamt wird der Rotschwanz-Rabenkakadu
derzeit nicht als gefährdet eingestuft, denn insbesondere
die Bestände im nördlichen Bereich seines Verbreitungsgebiets
sind noch recht umfangreich. Als bedroht gilt hingegen die Population
in den Bundesstaaten Südaustralien und Victoria, welche
als eine eigene Unterart namens Calyptorhynchus banksii graptogyne
betrachtet wird: Sie umfasst heute nur noch rund 100 Brutpaare.
Ihr machen die grossflächigen Veränderungen ihres Lebensraums
durch den Menschen, insbesondere der Verlust ausreichend grosser
Nisthöhlen, in diesem verhältnismässig dicht besiedelten
Teil Australiens zu schaffen.
Die Gouldamadine
Die Gouldamadine, ein im Vergleich zum Rotschwanz-Rabenkakadu
winziger Vogel, wird heute im allgemeinen der Familie der Sperlinge
(Passeridae) zugeordnet, einer weitverbreiteten Sippe mit nahezu
400 Arten, darunter die Sperlinge selbst (Passerinae) und die
Prachtfinken (Estrildinae), zu welch letzteren auch die Gouldamadine
gehört. Sie weist einschliesslich der fadenförmig verlängerten
Mittelfedern des Schwanzes eine Gesamtlänge von etwa 14
Zentimetern auf.
Die Gouldamadine bewohnt sogenannte «Eukalyptus-Savanne»,
das heisst offenes, grasreiches Gelände mit lichten Waldungen.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das nördliche
Australien - von der Cape-York-Halbinsel im Bundesstaat Queensland
westwärts über das nördliche Nordterritorium bis
zur Kimberley-Region im Bundesstaat Westaustralien.
Wie die meisten Prachtfinken ist die Gouldamadine
ein sehr geselliger Vogel und bewegt sich in oftmals kopfstarken
Schwärmen umher. Sie verbringt den grössten Teil des
Tages mit der Nahrungssuche: Unermüdlich klettert sie an
Grashalmen umher und pickt an deren Ähren nach Samen. Sie
ist andererseits ein sehr wendiger Flieger und vermag mit Leichtigkeit
Insekten im Flug zu erhaschen. Tatsächlich bilden fliegende
Ameisen und andere Insekten während der Brutzeit (von Dezember
bis April) sogar den Hauptteil ihrer Nahrung.
Anders als die meisten Prachtfinken brütet die
Gouldamadine nicht im Freien, sondern in Baumhöhlen, wobei
ein eigentlicher Nestbau - von ein paar eingetragenen Grashalmen
abgesehen - nicht stattfindet. Das Gelege umfasst vier bis acht
Eier und wird von beiden Altvögeln abwechslungsweise bebrütet.
Die Jungen schlüpfen schon nach zwölf Tagen aus den
Eiern und verlassen bereits nach drei Wochen flugfähig das
Nest. Das Elternpaar kann daraufhin nochmals zur Brut schreiten
und - falls es zeitig im südlichen Frühsommer mit der
Erstbrut angefangen hatte - danach sogar noch ein drittes Mal.
Wie bei den meisten Prachtfinken erreichen die jungen Gouldamadinen
schon in ihrem ersten Lebensjahr die Geschlechtsreife und können
in der nächstfolgenden Brutsaison bereits ihrerseits zur
Fortpflanzung schreiten.
In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts waren
die Gouldamadinen noch in riesigen Schwärmen an Wasserstellen
zu sehen gewesen. In den vergangenen dreissig Jahren sind ihre
Bestände jedoch dramatisch geschrumpft. In nahezu der Hälfte
ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets ist die Art inzwischen
ausgestorben, und im restlichen Teil kommt sie nur noch fleckenhaft
in stark ausgedünnten Beständen vor.
Die Gründe für diesen besorgniserregenden
Bestandsrückgang der Gouldamadine in freier Wildbahn sind
keineswegs klar. Ob der einstmals starke Fang für den internationalen
Heimtiermarkt zu ihrem Rückgang beigetragen hat, ist fraglich,
da die Vögel aufgrund ihrer überaus hohen Vermehrungsrate
eigentlich in der Lage sein sollten, solche Ausfälle leicht
wettzumachen. Eher eine Rolle dürfte spielen, dass bestimmte
Wildgräser, deren Samen die farbenprächtigen Kleinvögel
als Nahrung brauchen, durch die Landwirtschaft und durch Buschfeuer
stark vermindert worden sind. Und zweifellos schwer zu schaffen
macht den Gouldamadinen eine parasitische, Atemprobleme verursachende
Luftsackmilbe namens Sternosoma tracheacolum, mit welcher
über zwei Drittel der Vögel befallen sind und die vermutlich
durch freigelassene Käfigvögel in den natürlichen
Bestand eingeschleppt worden sind.
Der Gelbstirn-Honigesser
Die Honigesser (Meliphagidae) sind eine zu den Singvögeln
zählende Vogelfamilie mit rund 180 Arten, welche hauptsächlich
in Australien und auf Neuguinea heimisch sind, aber auch im östlichen
Indonesien, auf Neuseeland und auf weiteren Inseln im südlichen
Pazifik vorkommen. Mit einer Gesamtlänge von 17 bis 23 Zentimetern
ist der Gelbstirn-Honigesser ein mittelgrosses Mitglied der Familie,
wobei Männchen und Weibchen einander sehr ähnlich sehen.
Der Gelbstirn-Honigesser ist im südöstlichen
Australien ziemlich weit verbreitet. Man findet ihn vom südlichen
Queensland quer durch das östliche Neusüdwales und
Victoria bis zum südöstlichen Südaustralien. Innerhalb
dieses Gebiets werden zwei Rassen unterschieden: Lichenostomus
melanops cassidix ist die grössere der beiden Unterarten
und trägt ein kräftiger gefärbtes Federkleid.
Sie kam einst in der Region Gippsland im Bundesstaat Victoria
grossflächig vor, überlebt aber heute nur noch an einem
einzigen Ort am Oberlauf des Yarra-Yarra-Flusses, rund fünfzig
Kilometer nordöstlich von Melbourne. Das restliche Verbreitungsgebiet
wird von Lichenostomus melanops melanops bewohnt.
Der Gelbstirn-Honigesser lebt in Kolonien von zehn
bis hundert Individuen in Eukalyptuswäldern mit gebüschreichem
Unterwuchs. Wie aus seinem volkstümlichen Namen hervorgeht,
ernährt er sich vorzugsweise von Nektar, wofür sein
Schnabel und seine Zunge gut eingerichtet sind. Letztere ist
vorstreckbar und nahe der Spitze bürstenartig aufgeteilt.
Trotz dieser Anpassung führt aber der Gelbstirn-Honigesser
nicht nur Nektar auf seinem Speisezettel, sondern nimmt auch
Frucht- und andere Pflanzensäfte zu sich. Und er verzehrt
auch bereitwillig Insekten, denen er «zufällig»
während der Nektarsuche in Blüten oder aber auf gezielten
Streifzügen begegnet.
Während die melanops-Rasse des Gelbstirn-Honigessers
noch recht häufig zu sein scheint, ist die cassidix-Rasse
heute vom Aussterben bedroht: In freier Wildbahn überleben
nur noch etwa fünfzehn Brutpaare in einem langgezogenen
Gehölzstreifen entlang eines Bachs. Dieser letzte Zufluchtsort
der lebhaften Vögel steht in Form des fünf Quadratkilometer
grossen Yellingbo-Reservats unter Schutz.
Der Bestandsschwund des Gelbstirn-Honigessers scheint
in erster Linie auf die Zerstörung seiner ursprünglichen
Lebensräume zurückzuführen zu sein. Tatsächlich
findet sich im Yellingbo-Reservat heute weitherum eines der letzten
Stücke buschreichen Eukalyptuswalds, «eingekreist»
von land-, vieh- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche. Die
Situation zusätzlich verschlimmert hat möglicherweise
der Umstand, dass die vom Menschen gelichteten Lebensräume
des Gelbstirn-Honigessers die Ausbreitung des Klingel-Honigessers
(Manorina melanophryx) begünstigt hat, welcher offenere
Lebensräume bevorzugt. Er gilt als besonders «forsches»,
kampflustiges Mitglied der Familie und scheint vielerorts den
Gelbstirn-Honigesser von dessen angestammten Brutplätzen
vertrieben zu haben.
Um das Überleben der cassidix-Rasse des
Gelbstirn-Honigessers zu sichern, wurde vor ein paar Jahren ein
Zuchtprogramm in Menschenobhut begonnen. Mit den nachgezüchteten
Individuen will man später an geeigneten Orten ausserhalb
des Yellingbo-Reservats neue Kolonien dieses hübschen Vogels
gründen.
Australien nimmt die Herausforderung an
Die vier vorgestellten Vogelarten veranschaulichen
gut die unterschiedliche Bestandssituation der Vögel Australiens:
Während Arten wie der Goldbauchsittich in zwar geringen,
jedoch stabilen Beständen zu überleben vermögen,
nehmen andere Arten wie die Gouldamadine in ihrem Bestand aus
noch ungeklärten Gründen in besorgniserregendem Tempo
ab, und nochmals andere Arten wie der Rotschwanz-Rabenkakadu
und der Gelbstirn-Honigesser kommen zwar als Art noch häufig
und weitverbreitet vor, doch sind einzelne geografische Bestände
in ihrem Fortbestand bedroht, was für den Rest der Population
gewiss kein gutes Omen darstellt.
In diesen vier - wie auch und in all den anderen -
Fällen bedrängter australischer Vögel gilt es
zuerst abzuklären, welches die genauen Ursachen für
die Gefährdung der Arten sind, um dann gezielte Massnahmen
zu ihrer Erhaltung treffen zu können. Dies ist gewiss eine
aufwendige und schwierige Aufgabe. Australien verfügt aber
zweifellos über die erforderlichen finanziellen und fachlichen
Mittel, um seine Wildtiere vor der übermässigen Beeinträchtigung
seitens des Menschen zu schützen - und es ist erfreulicherweise
auch gewillt, diese Herausforderung anzunehmen. Bleibt zu hoffen,
dass den Bestrebungen guter Erfolg beschieden ist.
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