Grevyzebra
Equus grevyi
© 1993 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Das Grevyzebra (Equus grevyi) ist in den offenen,
grasbestandenen Trockenbusch- und Halbwüstengebieten Nordkenias
und des benachbarten Südäthiopiens zu Hause. Mit einer
Widerristhöhe von 145 bis 160 Zentimetern und einem Gewicht
von bis zu 450 Kilogramm ist es das grösste der drei Zebras,
welche auf dem afrikanischen Kontinent vorkommen, und überhaupt
das grösste Wildpferd unseres Planeten.
Seinen Namen hat das Grevyzebra nach dem früheren
französischen Staatspräsidenten Jules Grévy.
Dieser erhielt 1882 von Kaiser Menelik I. von Äthiopien
ein solches Tier aus dessen Heimat geschenkt. Da erst wurde die
Art von der Wissenschaft «entdeckt» und benannt -
obschon das «Tigerpferd», das der berühmte griechische
Gelehrte Aristoteles vor 2300 Jahren schilderte, mit grösster
Wahrscheinlichkeit bereits ein Grevyzebra gewesen war.
Anhand seiner grossen «Eselsohren» und
seiner sehr feinen Streifenzeichnung kann man das Grevyzebra
leicht vom Berg- und vom Steppenzebra unterscheiden. Doch es
ist nicht nur in seiner äusseren Erscheinung verschieden
von den beiden anderen «Streifenpferden». Auch hinsichtlich
seiner Gesellschaftsform weicht es ab: Während jene in festen,
von einem fürsorglichen Hengst geführten Familiengruppen
von zehn bis zwanzig Tieren leben, bildet das Grevyzebra lose
Trupps unterschiedlicher Grösse, die sich fortwährend
verändern. Sogar im Verlauf ein und desselben Tages können
Einzeltiere mehrmals von einer Gruppe zur anderen wechseln oder
auch stundenlang allein bleiben. Feste Einheiten bilden einzig
die Stuten mit ihren Fohlen. Sie halten jeweils rund zwei Jahre
lang zusammen.
Etwa zehn Prozent der erwachsenen Grevyzebra-Hengste
leben territorial: Sie erkämpfen sich ein Gebiet von bis
über zehn Quadratkilometern Grösse, in welchem sie
dann nicht unerhebliche Vorrechte gegenüber den anderen
Männchen haben: Nur die territorialen Hengste kommen nämlich
zur Paarung mit den Stuten, die sich auf ihrem Grundstück
aufhalten.
Grevyzebras sind an ihrem Streifenkleid eindeutig
unterscheidbar, denn keine zwei Tiere haben dasselbe Muster.
Ja, es gibt nicht einmal ein Zebra mit demselben Muster rechts
und links. Die Streifen sind wie die menschlichen Fingerlinien
jeweils einzigartig.
Die scheinbar auffällige schwarzweisse Fellzeichnung
dient den Grevyzebras überraschenderweise als Schutztracht:
Erwiesenermassen lässt sie nämlich - besonders bei
hohen Temperaturen und entsprechendem Luftflimmern - ihre Gestalt
auf wenige hundert Meter «verschwimmen», während
einfarbige Tiere noch deutlich erkennbar sind. Hinzu dürfte
eine Art «Vexierbildeffekt» kommen: Eine Zebraherde,
in der sich die Tiere durcheinander bewegen, wirkt sehr verwirrend
auf das menschliche Auge, da sich die Umrisse ständig verzerren
und auflösen. Diese Erfahrung machen vermutlich auch Löwen
und Hyänen, die hauptsächlichen Fressfeinde der Grevyzebras:
Einzelne Individuen lassen sich aufgrund der Streifenzeichnung
optisch nur sehr schwer aus dem Verband aussondern, so dass ein
gezielter Angriff auf ein bestimmtes, beispielsweise kränkliches
Tier fast unmöglich ist.
Leider hat sich die Streifenzeichnung als vollig wirkungslos
erwiesen gegenüber dem ärgsten Feind des Grevyzebras:
dem Menschen. Im Gegenteil: Gerade das attraktiv gezeichnete
Fell wäre dem eleganten Einhufer beinahe zum Verhängnis
geworden, denn für Grevyzebrafelle - wenn auch weniger begehrt
als Raubkatzenpelze, Elfenbein und Rhinozeroshorn - bestand auf
dem Trophäenmarkt von alters her eine grosse Nachfrage.
Zu Tausenden wurden die gestreiften Wildpferde aus diesem Grund
abgeschossen. So schrumpften die einstmals umfangreichen Grevyzebrabestände
vielerorts stark zusammen und wurden gebietsweise sogar ausgerottet.
Nachdem in Kenia im Verlauf der siebziger Jahre die
Wilderei durch den Einsatz gut ausgerüsteter Antiwilderereinheiten
unterdrückt und der Handel mit Fellen und anderen Wildtiererzeugnissen
durch den strikten Vollzug der CITES-Konvention unterbunden worden
waren, konnten sich die verbleibenden Grevyzebrabestände
vorerst halten, und ein paar regenreiche Jahre haben inzwischen
sogar wieder zu einer leichten Zunahme geführt. Die Gesamtpopulation
wird heute auf 7000 bis l0 000 Individuen geschätzt.
Trotzdem ist die Zukunft der ostafrikanischen Tigerpferde
noch nicht gesichert. Denn unerfreulicherweise sind alle Schutzgebiete
Nordkenias - mil Ausnahme des Sibiloi-Nationalparks - zu klein,
um lebensfähige Bestände der Grevyzebras ganzjährig
zu beherbergen. Die Tiere können nur überleben, wenn
sie zumindest saisonal auch ausserhalb der Reservate noch Lebensraum
vorfinden. Doch dort machen ihnen in stetig zunehmendem Mass
die riesigen Rinderherden der Samburu Nahrung und Wasser streitig.
Eine Lösung dieses Problems steht bedauerlicherweise noch
immer aus.
Grevyzebra
Equus grevyi
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Unpaarhufer
Familie: Pferde
Körpermasse
Länge: bis 300 cm
Schulterhöhe: l45-160 cm
Gewicht: bis 450 kg
Fortpflanzung
Tragdauer: 390 Tage
Jungenzahl: 1 je Wurf
Höchstalter: ca. 20 Jahre
Bestandssituation
Bestand: 7000-l0 000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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