Grevyzebra
Equus grevyi
© 1983 Markus Kappeler / WWF Schweiz
(erschienen im WWF-Kalender 1984, WWF Schweiz, Zürich)
Drei Arten von Zebras oder «Tigerpferden» bewohnen
den afrikanischen Kontinent: Das Bergzebra (Equus zebra),
das Steppenzebra (E. quagga) und das Grevyzebra (E.
grevyi). Das Grevyzebra ist die am nördlichsten lebende
Art. Es ist in den offenen, grasbestandenen Busch- und Steppengebieten
Aethiopiens, Somalias, des südlichen Sudans und Nordkenias
beheimatet.
Von den anderen Zebraarten unterscheidet sich das
Grevyzebra deutlich durch die schmale, dichtstehende Streifung,
die bis zu den Hufen hinunter reicht, und durch seine Größe:
Mit einer Schulterhöhe von 1,5 Metern ist es sogar weltweit
das größte Wildpferd. Typisch sind außerdem
sein ungestreifter Bauch und die ausgesprochen großen,
abgerundeten «Eselohren».
Das Grevyzebra ist aber nicht nur in seiner äußeren
Erscheinung verschieden von den übrigen Zebras. Auch sein
Sozialverhalten weicht von dem der anderen Zebraformen ab: Steppen-
und Bergzebra leben in festen, von einem fürsorglichen Hengst
geführten Familiengruppen von zehn bis zwanzig Tieren, die
sich manchmal in günstigen Weidegebieten vorübergehend
mit anderen Familien zu riesigen Herden zusammenschließen.
Anders das feingemusterte Grevyzebra: Es bildet keine stabilen
Verbände. Besonders die Grevyhengste leben ungesellig. Jeder
Hengst hält für sich ein festes, bis zu zehn Quafratkilometer
großes Revier besetzt. In diesen Eigenbezirken werden die
Hengste von Stutengruppen besucht, deren Zusammensetzung wenig
beständig ist. Denn auch die Stuten gehen keine persönlichen
Bindungen zueinander ein, sondern wechseln des öfteren zwanglos
von einer Gruppe zur anderen.
Zebras können sich im Galopp ausgesprochen rasch
fortbewegen. Sie sind allerdings keine ausdauernden Läufer
wie die echten Pferde. Dazu ist ihr Beinskelett wenig geeignet,
die Beinmuskulatur zu schwach. Da ihnen in der Natur eigentlich
nur der Löwe gefährlich werden kann, genügt der
kurze, rasche Lauf auch vollkommen zur Feindvermeidung. Denn
der Löwe verfolgt seine Beute in der Regel nicht, wenn er
sie im ersten Ansprung aus dem Hinterhalt verfehlte. Ganz abgesehen
davon, daß er auch ziemlichen Respekt vor den eisenharten
Hufen des Zebras hat, mit denen es sich notfalls schlagkräftig
zu verteidigen weiss.
Sowohl der schnelle Sprint als auch Hufschläge
sind hingegen wirkungslos gegen den größten Feind
des Zebras: den Menschen. Der rücksichtslose Abschuß
hat die einstmals großen Zebrabestände vielerorts
stark zusammenschmelzen lassen: Bereits um die Jahrhundertwende
waren die beiden südlichsten Unterarten des Steppenzebras
- das Quagga- und das Burchell-Zebra - ganz vom afrikanischen
Erdboden verschwunden. Bald war auch das Bergzebra Südafrikas
dem Aussterben nahe. Und Mitte der siebziger Jahre wurde man
sich auf einmal darüber klar, daß - trotz aller mittlerweile
erlassenen Schutzgesetze - auch das Grevyzebra an Zahl drastisch
abgenommen hatte und in Gefahr stand auszusterben. Im Samburu-Schutzgebiet
im nördlichen Kenia, wo die Grevyzebras früher am häufigsten
waren, konnte man kaum mehr eines sehen.
Der Grund für die erschreckende Abnahme war professionelle
Wilddieberei. Für Grevyfelle - wenn auch weniger begehrt
als Raubtierpelz, Elfenbein und Rhinozeroshorn - bestand auf
dem schwarzen Trophäenmarkt stets große Nachfrage.
Es war klar, daß hier nur eine harte, nachdrückliche
Wilddiebbekämpfung und rigorose Maßnahmen der Zollbehörden
helfen konnten. Durch das Training und die Ausrüstung mobiler
Antiwilderer Einheiten und durch die Unterstützung der afrikanischen
Regierungen bei der Ratifizierung und Verwirklichung des Internationalen
Artenschutzübereinkommens (CITES) hat der WWF denn auch
entscheidend dazu beigetragen, das weitere Schwinden der Grevy-Bestände
zu verhindern.
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