Grevyzebra

Equus grevyi


© 1983 Markus Kappeler
(erschienen im WWF-Kalender)



Drei Arten von Zebras oder «Tigerpferden» bewohnen den afrikanischen Kontinent: Das Bergzebra (Equus zebra), das Steppenzebra (E. quagga) und das Grevyzebra (E. grevyi). Das Grevyzebra ist die am nördlichsten lebende Art. Es ist in den offenen, grasbestandenen Busch- und Steppengebieten Aethiopiens, Somalias, des südlichen Sudans und Nordkenias beheimatet.

Von den anderen Zebraarten unterscheidet sich das Grevyzebra deutlich durch die schmale, dichtstehende Streifung, die bis zu den Hufen hinunter reicht, und durch seine Größe: Mit einer Schulterhöhe von 1,5 Metern ist es sogar weltweit das größte Wildpferd. Typisch sind außerdem sein ungestreifter Bauch und die ausgesprochen großen, abgerundeten «Eselohren».

Das Grevyzebra ist aber nicht nur in seiner äußeren Erscheinung verschieden von den übrigen Zebras. Auch sein Sozialverhalten weicht von dem der anderen Zebraformen ab: Steppen- und Bergzebra leben in festen, von einem fürsorglichen Hengst geführten Familiengruppen von zehn bis zwanzig Tieren, die sich manchmal in günstigen Weidegebieten vorübergehend mit anderen Familien zu riesigen Herden zusammenschließen. Anders das feingemusterte Grevyzebra: Es bildet keine stabilen Verbände. Besonders die Grevyhengste leben ungesellig. Jeder Hengst hält für sich ein festes, bis zu zehn Quafratkilometer großes Revier besetzt. In diesen Eigenbezirken werden die Hengste von Stutengruppen besucht, deren Zusammensetzung wenig beständig ist. Denn auch die Stuten gehen keine persönlichen Bindungen zueinander ein, sondern wechseln des öfteren zwanglos von einer Gruppe zur anderen.

Zebras können sich im Galopp ausgesprochen rasch fortbewegen. Sie sind allerdings keine ausdauernden Läufer wie die echten Pferde. Dazu ist ihr Beinskelett wenig geeignet, die Beinmuskulatur zu schwach. Da ihnen in der Natur eigentlich nur der Löwe gefährlich werden kann, genügt der kurze, rasche Lauf auch vollkommen zur Feindvermeidung. Denn der Löwe verfolgt seine Beute in der Regel nicht, wenn er sie im ersten Ansprung aus dem Hinterhalt verfehlte. Ganz abgesehen davon, daß er auch ziemlichen Respekt vor den eisenharten Hufen des Zebras hat, mit denen es sich notfalls schlagkräftig zu verteidigen weiss.

Sowohl der schnelle Sprint als auch Hufschläge sind hingegen wirkungslos gegen den größten Feind des Zebras: den Menschen. Der rücksichtslose Abschuß hat die einstmals großen Zebrabestände vielerorts stark zusammenschmelzen lassen: Bereits um die Jahrhundertwende waren die beiden südlichsten Unterarten des Steppenzebras - das Quagga- und das Burchell-Zebra - ganz vom afrikanischen Erdboden verschwunden. Bald war auch das Bergzebra Südafrikas dem Aussterben nahe. Und Mitte der siebziger Jahre wurde man sich auf einmal darüber klar, daß - trotz aller mittlerweile erlassenen Schutzgesetze - auch das Grevyzebra an Zahl drastisch abgenommen hatte und in Gefahr stand auszusterben. Im Samburu-Schutzgebiet im nördlichen Kenia, wo die Grevyzebras früher am häufigsten waren, konnte man kaum mehr eines sehen.

Der Grund für die erschreckende Abnahme war professionelle Wilddieberei. Für Grevyfelle - wenn auch weniger begehrt als Raubtierpelz, Elfenbein und Rhinozeroshorn - bestand auf dem schwarzen Trophäenmarkt stets große Nachfrage. Es war klar, daß hier nur eine harte, nachdrückliche Wilddiebbekämpfung und rigorose Maßnahmen der Zollbehörden helfen konnten. Durch das Training und die Ausrüstung mobiler Antiwilderer Einheiten und durch die Unterstützung der afrikanischen Regierungen bei der Ratifizierung und Verwirklichung des Internationalen Artenschutzübereinkommens (CITES) hat der WWF denn auch entscheidend dazu beigetragen, das weitere Schwinden der Grevy-Bestände zu verhindern.




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