Grosser Panda

Ailuropoda melanoleuca


© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion
und in der UN-Briefmarkensammlung)



Der Grosse Panda (Ailuropoda melanoleuca) gehört zweifellos zu den bekanntesten Tierarten unseres Planeten. Dies mag mit seiner auffälligen schwarzweissen Zeichnung zu tun haben, die im ganzen Tierreich einmalig ist. Vor allem aber dürfte es darauf zurückzuführen sein, dass der Welt Natur Fonds (WWF) den Grossen Panda zu seinem «Wappentier» erkoren und damit weltweit zum Symbol für die vom Aussterben bedrohte Tierwelt gemacht hat.

Der Grosse Panda ist in China zu Hause. Dort bewohnt er die nebelfeuchten Bergwälder in Höhen zwischen 1800 und 3800 Metern. Zwar wird es im Winter empfindlich kalt in diesen Höhen, und es liegt auch oft Schnee. Mit seinem dichten Pelz ist der Grosse Panda aber gut gegen Kälte und Feuchtigkeit geschützt.

Obschon er zur Ordnung der Raubtiere und da zur Familie der Grossbären gehört, ernährt sich der Grosse Panda hauptsächlich von pflanzlicher Kost, ja beschränkt sich beim Essen sogar auf eine einzige Pflanzenfamilie: Bambus. In Chinas Bergregionen ist Bambus zwar ganzjährig mühelos zu beschaffen. Er bildet jedoch eine ausgesprochen nährstoffarme, schwer verdauliche Nahrung, weshalb der Grosse Panda gezwungen ist, grosse Mengen davon zu sich zu nehmen: Zehn bis zwanzig Kilogramm müssen es täglich sein!

Die Paarungszeit der Grossen Pandas fällt jeweils in die Monate April und Mai und stellt für die gewöhnlich einzelgängerischen Tiere eine aufregende Lebensphase dar. Nach einer Tragzeit von vier bis fünf Monaten bringt das Weibchen dann im Schutz einer Felshöhle oder eines hohlen Baums sein Junges zur Welt. Oft sind es auch zwei; das Zweitgeborene ist aber selten lebensfähig.

Die neugeborenen Pandas sind im Vergleich zu den erwachsenen Tieren, welche bis zu 120 Kilogramm schwer werden, winzig klein: Sie wiegen nur etwa 120 Gramm und sind lediglich 15 Zentimeter lang - knapp so gross wie ein Goldhamster. Die Jugendentwicklung währt dementsprechend lang: Erst im Alter von ungefähr anderthalb Jahren sind die Jungtiere selbständig genug, um sich von ihrer Mutter zu lösen und sich auf die Suche nach einem eigenen Wohngebiet zu machen. Die Geschlechtsreife erreichen sie erst mit etwa vier bis sechs Jahren, während ihre Lebenserwartung in freier Wildbahn bei etwa 25 Jahren zu liegen scheint.

Einst war der Grosse Panda über weite Bereiche des zentralen Chinas verbreitet gewesen. Mit der Rodung der Bergwälder auf weiten Flächen durch die stark anwachsende chinesische Bevölkerung schrumpfte sein Lebensraum jedoch mehr und mehr. Zudem wurde eifrig Jagd auf den scheuen Gesellen gemacht, weil sein Fell und andere Körperteile in der chinesischen Volksmedizin sehr gefragt sind. So wurde der Grosse Panda immer weiter zurückgedrängt. Heute kommt er nur noch in wenigen entlegenen Bergregionen der chinesischen Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi vor. Man schätzt, dass die Gesamtpopulation mittlerweile unter 2000 Individuen gefallen ist. Der Grosse Panda gehört damit zu den seltensten und meistbedrohten Grosssäugern der Welt.

Schon vor geraumer Zeit hat die chinesische Regierung den Grossen Panda unter gesetzlichen Schutz gestellt und die Jagd auf ihn bei strenger Strafe verboten. Ausserdem hat sie in den Bergregionen, in denen er noch vorkommt, mehrere Panda-Schutzgebiete eingerichtet. Dass dennoch weiterhin grosse Anstrengungen notwendig sind, um die bedrängte Tierart vor dem Aussterben zu bewahren, zeigte sich Mitte der siebziger Jahre: Damals war das Aufblühen und Absterben ganzer Bambuswälder - ein natürlicher, alle paar Jahrzehnte wiederkehrender Vorgang im Lebenskreislauf dieser Pflanzen - zu beobachten. Das unerwartete Ereignis brachte vielen der schwarzweissen Nahrungsspezialisten den Hungertod und offenbarte unmissverständlich, wie anfällig sie in ihren engen Rückzugsgebieten auf Umweltveränderungen natürlicher wie menschgemachter Art sind.

Seit 1980 führt die chinesische Regierung deshalb in Zusammenarbeit mit dem WWF ein aufwendiges Panda-Schutzprogramm durch. Schwerpunkt dieses Programms bilden - neben der Erforschung der Lebensweise der Tiere und der Bekämpfung der Wilderei - der wirksame Schutz des Lebensraums der letzten Grossen Pandas und die Verbindung der Panda-Rückzugsgebiete untereinander durch geschützte «Korridore». Es ist zu hoffen, dass durch diese Massnahmen dem sympathischen Bären mit den grossen, «nachdenklichen» Augen ein dauerhaftes Verbleiben auf unserem Planeten ermöglicht wird.




Grosser Panda
Ailuropoda melanoleuca


Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Grossbären

Körpermasse
Kopfrumpflänge: 150-170 cm
Schulterhöhe: 70-80 cm
Gewicht: 80-120 kg

Fortpflanzung
Jungenzahl: 1-2 je Geburt
Tragdauer: 4-5 Monate
Höchstalter: ca. 25 Jahre

Bestandssituation
Bestand: unter 2000
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I




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