Nördlicher Haarnasenwombat
Lasiorhinus krefftii
© 1993 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Mit einer Körperlänge von etwa einem Meter
gehört der Nördliche Haarnasenwombat (Lasiorhinus
krefftii) zu den grössten Beuteltieren Australiens.
Er ist ein Mitglied der Familie mit dem wenig schmeichelhaften
Namen «Plumpbeutler», und dies nicht ganz zu Unrecht:
Der breite Kopf, der rundliche Körper und die stämmigen
Beine verleihen dem Tier in der Tat ein etwas schwerfälliges
Aussehen.
Seine Schwerfälligkeit legt der Nördliche
Haarnasenwombat allerdings ab, sobald er zu graben beginnt, denn
er ist ein geborener Baumeister, vergleichbar mit unserem Dachs.
Die frühen englischen Siedler bezeichneten den graubraunen
Gesellen denn auch als «Australischen Dachs». Erst
später setzte sich der Name «Wombat» durch,
der aus der Sprache der Eingeborenen Ostaustraliens stammt.
Der Nördliche Haarnasenwombat liebt geradezu
die Wühltätigkeit. Unter Einsatz seiner kräftigen
Grabkrallen an den Vorderpfoten arbeitet er fast täglich
an seinem weitläufigen unterirdischen Bau, welcher bis drei
Meter unter der Oberfläche liegt und aus einem komplexen
System von Gängen, Schlafkammern, Toiletten und Lüftungsschächten
besteht. Ein einziger Bau kann über zwanzig Eingänge
haben und sich über ein Gebiet von mehr als hundert Quadratmetern
ausdehnen.
Die Wohnhöhle im Untergrund dient dem Nördlichen
Haarnasenwombat zum einen als Schutz vor den klimatischen Unbilden
seiner ostaustralischen Heimat: Unter der Erde ist es in den
glühend heissen Sommern angenehm kühl und in den frostig
kalten Wintern behaglich warm. Zum anderen findet er in seiner
Burg Zuflucht vor Dingos, Adlern und anderen Fressfeinden. Tatsächlich
verschwindet der scheue und aufmerksame Beutler schon bei der
geringsten Beunruhigung sofort in seinem sicheren Bau und kommt
so bald nicht wieder hervor.
Obschon der Nördliche Haarnasenwombat gewöhnlich
in kopfstarken Kolonien lebt, führt er dort das Leben eines
Einzelgängers und pflegt keinen Kontakt zu seinen Nachbarn.
Den Tag verbringt er gewöhnlich unter der Erde. Erst bei
Dunkelheit verlässt er seinen Bau und weidet dann während
mehrerer Stunden, denn seine Kost besteht zu 99 Prozent aus Gräsern.
Kommt er beim langsamen Voranschreiten in die Nähe eines
Artgenossen, so genügt ein leises Schnauben, und die beiden
Tiere gehen einander aus dem Weg.
Natürlich müssen auch bei den ungeselligen
Wombats Männchen und Weibchen hin und wieder zusammenkommen,
um für Nachwuchs zu sorgen. Die Paarung erweist sich aber
jeweils als schnelle, ziemlich unromantische Angelegenheit. Drei
Wochen später bringt das Wombatweibchen dann ein lediglich
zwei Gramm schweres Einzelkind zur Welt. Dieses benützt
den Beutel seiner Mutter während rund sechs Monaten, doch
schon im Alter von drei Monaten kommt es bisweilen zum Vorschein
und läuft für kurze Zeit neben der Mutter her.
Im Gegensatz zum Beutel der Känguruhs öffnet
sich der des Wombatweibchens nicht nach vorn, sondern nach hinten,
weshalb das Junge überraschenderweise zwischen den Beinen
seiner Mutter nach rückwärts aus dem Beutel herausblickt.
Für ein grabendes, in Erdgängen lebendes Beuteltier
ist diese Anordnung aber sehr vorteilhaft: Wäre der Wombatbeutel
nämlich nach vorn geöffnet, so würde er sich ständig
mit Erde füllen und das Jungtier dadurch massiv beeinträchtigt.
Durch Verfolgung und Belästigung seitens des
Menschen
ist der Nördliche Haarnasenwombat leider beinahe vollständig
ausgestorben. Schon den frühen australischen Siedlern waren
die Wombats nicht nur als «Dachsschinken» willkommen,
sondern auch als «Schädlinge» verhasst. Die
kräftigen Tiere rissen nämlich Löcher in die Viehzäune,
und in den Wombatbauten suchten die neu eingeführten Kaninchen
Schutz und wurden allmählich zu einer echten Landplage.
So vergiftete und vergaste man die Kaninchen - und mit ihnen
auch die Wombats. Ausserdem kreidete man den kräftigen kleinen
Kerlen an, dass hin und wieder eine Kuh in einem ihrer Gänge
einbrach und sich dabei verletzte. Man schoss sie darum ab, wann
und wo immer sie sich zeigten. In manchen Gegenden setzte man
sogar «Kopfpreise» aus.
Heute überlebt nur noch eine einzige Kolonie
von Nördlichen Haarnasenwombats. Sie befindet sich in Epping
Forest im ostaustralischen Bundesstaat Queensland und besteht
aus ungefähr 70 Individuen, welche rund einhundert, über
eine Fläche von 15 Quadratkilometern verteilte Baue bewohnen.
Der Nördliche Haarnasenwornbat ist seit 1958
vollständig geschützt. Ausserdem ist Epping Forest
seit 1971 ein gut geführter Nationalpark. Es wird sich weisen,
ob diese späten Schutzbestrebungen genügen, damit die
letzte winzige Population des stummelschwänzigen Beuteltiers
zu überleben vermag.
Nördlicher Haarnasenwombat
Lasiorhinus krefftii
Systematik
Klasse: Säugtiere
Ordnung: Beuteltiere
Familie: Plumpbeutler
Körpermasse
Gesamtlänge: 90-100 cm
Schulterhöhe: ca. 30 cm
Gewicht: 25-30 kg
Fortpflanzung
Tragdauer: 20-22 Tage
Jungenzahl: 1 je Wurf
Hochstalter: ca. 25 Jahre
Bestandssituation
Bestand: ca. 70
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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