Halsbandmangabe - Cercocebus torquatus
Guineapavian - Papio papio
© 2000 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Obschon die Wälder und Savannen Westafrikas vom
Menschen in ihrer Ausdehnung massiv vermindert und die verbleibenden
Naturlandschaften in ihrer Beschaffenheit stark verändert
worden sind, beherbergen sie noch immer eine bemerkenswerte Vielfalt
von Wildtieren. Das gilt auch für Guinea-Conakry, das ganz
im Westen Westafrikas gelegene Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken.
In der kleinen Republik überlebt eine überraschend
vielgestaltige Fauna, darunter ein ganzes Dutzend Affenarten.
Zwei davon sind die Halsbandmangabe (Cercocebus torquatus)
und der Guineapavian (Papio papio), von denen hier berichtet
werden soll.
Die Halsbandmangabe
Die Halsbandmangabe ist eine von vier Mangabenarten,
welche innerhalb der Familie der Meerkatzenartigen (Cercopithecidae)
in der Gattung Cercocebus zusammengefasst werden. Alle
vier Mangaben neben der Halsbandmangabe handelt es sich
um die Mantelmangabe (Cercocebus albigena), die Schopfmangabe
(Cercocebus aterrimus) und die Haubenmangabe (Cercocebus
galeritus) sind in Afrika zu Hause, und alle vier sind
waldbewohnend. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Senegal
ostwärts quer durch die bewaldeten Regionen West-, Zentral-
und Ostafrikas bis nach Kenia und Tansania im Osten und Nordangola
im Süden.
Die Halsbandmangabe ist ein mittelgrosses Mitglied
der Familie der Meerkatzenartigen. Wie bei vielen anderen Affenarten
sind die Männchen im Durchschnitt erheblich grösser
als die Weibchen: Sie weisen eine Kopfrumpflänge von bis
zu 70 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 9 Kilogramm auf,
während die Kopfrumpflänge bei den Weibchen maximal
55 Zentimeter und das Gewicht gewöhnlich nur 5 bis 6 Kilogramm
beträgt.
Das Verbreitungsgebiet der Halsbandmangabe reicht
von Senegal im Nordwesten bis nach Kongo-Brazzaville im Südosten.
Die Bestände, welche westlich der so genannten «Dahomey-Lücke»
(mehr hierüber im nächsten Abschnitt) vorkommen, haben
ein etwas anderes Aussehen als die Bestände östlich
davon. Manche Wissenschaftler trennen die Halsbandmangaben deshalb
in zwei verschiedene Arten auf, nämlich in die «Rauchgraue
Mangabe» (Cercocebus atys) westlich der Dahomey-Lücke
und in die «Rotkopfmangabe» (Cercocebus torquatus)
östlich davon. Im allgemeinen werden die beiden Formen von
den Zoologen jedoch als derselben Art zugehörig betrachtet
und lediglich in eine westliche Rasse (Cercocebus torquatus
atys) und eine östliche Rasse (Cercocebus torquatus
torquatus) unterteilt. Wir schliessen uns hier der zweiten
Auffassung an.
Eine Lücke im Wald
Die Dahomey-Lücke befindet sich im Bereich der
beiden westafrikanischen Länder Benin (welches zu Kolonialzeiten
Dahomey hiess) und Togo und stellt eine wichtige biogeografische
Eigenheit Westafrikas dar. Es handelt sich um ein Gebiet, wo
verhältnismässig trockenes Klima das Wachstum von Wald
seit mehreren Jahrtausenden nicht zulässt. Savannen-Vegetation
schiebt sich deshalb wie ein Riegel zwischen die beiden Blöcke
äquatorialen Regenwalds im westlichen Westafrika und in
Zentralafrika.
Zwar besteht die Dahomey-Lücke schon recht lang,
doch war sie in grauer Vorzeit ebenfalls mit Wald bewachsen und
verband damals die beiden heute getrennten Waldblöcke. Viele
Tierarten, so auch die Halsbandmangabe, konnten sich damals ungehindert
über den ganzen äquatorialafrikanischen Regenwaldgürtel
ausbreiten. Als jedoch Klimaveränderungen die Dahomey-Lücke
entstehen liessen, wurde der Artbestand dieser waldlebenden Tiere
in zwei separate Populationen aufgetrennt. Diese haben sich seither
unabhängig voneinander weiterentwickelt, und darum unterscheiden
sich heute die ursprünglich artgleichen Tiere hüben
und drüben mehr oder weniger stark in ihrem Aussehen und
Verhalten voneinander.
Bei manchen Tierarten sind die Unterschiede zwischen
der westlichen und der östlichen Population erheblich, weshalb
die beiden Formen allgemein als zwei verschiedene Arten eingestuft
werden. Bei anderen sind die Unterschiede geringfügig, weshalb
eine Auftrennung in zwei Typen höchstens auf Unterart-Ebene
als gerechtfertigt angesehen wird. Für die Halsbandmangabe
gilt weder das eine noch das andere; sie steht irgendwo dazwischen
und sorgt eben deshalb in Fachkreisen für Diskussionen.
Lebhaft und lautstark
Wie die anderen Mangabenarten und überhaupt
die meisten Mitglieder der Familie der Meerkatzenartigen
ist die Halsbandmangabe ein sehr geselliges Wesen. Sie lebt in
Gruppen von meistens zehn bis dreissig Individuen, welche sich
im allgemeinen aus mindestens zwei erwachsenen Männchen
und vier erwachsenen Weibchen nebst mehreren Jugendlichen und
Kindern zusammensetzen. Das Gruppenleben der Halsbandmangaben
ist stets eine sehr lebhafte und geräuschvolle Angelegenheit,
denn die verschiedenen Gruppenmitglieder stehen ständig
in irgendwelchem Kontakt untereinander und äussern dabei
ein breites Spektrum von keckernden, kreischenden und anderen
Lauten.
Jede Mangabengruppe bewegt sich innerhalb eines festen
Wohngebiets umher, dessen Fläche sich je nach Qualität
des örtlichen Lebensraums auf 15 bis 200 Hektaren
bemisst. Es scheint, dass jede Gruppe einen zentral gelegenen
Bereich ihres Wohngebiets zumindest während gewissen Jahreszeiten
als Territorium für sich allein beansprucht, während
sie die Randbereiche mit Nachbargruppen teilt. Die Halsbandmangaben-Gruppen
gehen einander allerdings auch in diesen peripheren Überlappungszonen
ihrer Wohngebiete die meiste Zeit des Jahres aus dem Weg. Von
den Männchen geäusserte Rufe, welche vom menschlichen
Ohr noch in einer Entfernung von über einem Kilometer vernommen
werden können, scheinen dabei eine wichtige Rolle zu spielen.
Nur während der Regenzeiten, wenn das Nahrungsangebot reichlich
und der Nahrungswettstreit entsprechend gering ist, sind die
Gruppen einander gegenüber etwas toleranter. Dann kann es
sogar vorkommen, dass benachbarte Gruppen vorübergehend
zu einem grösseren Verband zusammenfinden.
Die Halsbandmangaben sind zwar flinke Kletterer, doch
halten sie sich tagsüber vorwiegend am Boden und im Unterholz
des Waldes auf. Dort finden sie ihre Nahrung, die zur Hauptsache
aus Früchten, Samen und Insekten besteht. Gern besuchen
sie bei der Futtersuche auch Lichtungen, Gewässerränder
und Waldrandgebiete, denn dort lässt das einfallende Sonnenlicht
eine besonders üppige, nahrungsreiche Bodenvegetation gedeihen.
Dabei machen sie auch vor waldnahen Pflanzungen nicht Halt, weshalb
sie mancherorts als Ernteschädlinge in Verruf geraten sind.
Über das Fortpflanzungsverhalten der Halsbandmangaben
in freier Wildbahn haben wir noch kaum Kenntnisse. Aus der Beobachtung
der Tiere in Menschenobhut wissen wir jedoch, dass die Tragzeit
etwa fünfeinhalb Monate dauert und dass stets ein einzelnes
Junges zur Welt gebracht wird. Die Männchen erreichen die
Geschlechtsreife mit fünf bis sieben Jahren, die Weibchen
etwas früher. Wie die meisten meerkatzenartigen Affen können
Halsbandmangaben ein recht hohes Alter erreichen. Der Altersrekord
in Zoos liegt bei 32 Jahren.
Der Guineapavian
Der Guineapavian ist eine von fünf Pavianarten,
welche innerhalb der Familie der Meerkatzenartigen in die Gattung
Papio gestellt werden. Die Paviane sind wie die Mangaben
eine afrikanische Affensippe, sind aber beträchtlich weiter
verbreitet als diese. Zwar fehlen sie in den Regenwäldern
West- und Zentralafrikas, doch findet man in praktisch allen
offenen, trockenen Lebensräumen Afrikas südlich der
Sahara die eine oder andere Pavianart. Der Mantelpavian (Papio
hamadryas) hat sogar zusätzlich den Süden der Arabischen
Halbinsel zu besiedeln vermocht.
Der Guineapavian kommt von allen Pavianformen am weitesten
westlich vor. Man findet ihn in den Ländern Mauretanien,
Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea-Conakry, Sierra Leone
und Mali.
Wie bei den Mangaben sind sich die Wissenschaftler
nicht immer einig darüber, wieviele Arten von Pavianen es
insgesamt gibt. Der Mantelpavian wird zwar im allgemeinen als
eigene Art anerkannt. Die anderen vier Paviane der Guineapavian,
der Grüne Pavian (Papio anubis), der Bärenpavian
(Papio ursinus) und der Gelbe Pavian (Papio cynocephalus)
sind hingegen einander alle sehr ähnlich und lassen
sich in Gefangenschaft auch problemlos kreuzen. Manche Fachleute
sind deshalb der Ansicht, es handle sich bei diesen vier Formen
bloss um Rassen ein und derselben Pavianart namens «Steppenpavian»
(Papio cynocephalus).
Heuschrecken als Leckerbissen
Die Guineapaviane gehören zu den grössten
Mitgliedern der Familie der Meerkatzenartigen. Gross gewachsene
Männchen können eine Kopfrumpflänge von 90 Zentimetern
und ein Gewicht von über 25 Kilogramm aufweisen. Die Weibchen
sind erheblich kleiner und leichter als die Männchen.
Obschon sich auch die Guineapaviane behände im
Geäst von Bäumen umherbewegen können, sind sie
doch praktisch ausschliesslich bodenlebende Affen. Sie bewohnen
lichte Waldungen, Savannen aller Art sowie felsenreiche Hügelgebiete.
Wie die Halsbandmangaben sind sie sehr gesellige Tiere, welche
in Gruppen von gewöhnlich dreissig bis sechzig, mitunter
aber auch bis zweihundert Individuen zusammenleben. Jede Gruppe
umfasst in der Regel mehrere erwachsene Männchen und Weibchen,
wobei letztere meistens in der Mehrzahl sind. Unter den Männchen
herrscht eine strenge Hierarchie, wobei die Stellung des einzelnen
in der Rangordnung nicht allein von seiner Kampftüchtigkeit
abhängt, sondern auch von seiner Fähigkeit, mit anderen
Männchen Bündnisse zu schliessen.
Wie bei den Halsbandmangaben geht es auch bei den
Guineapavianen innerhalb der Gruppen sehr «bewegt»
zu. Die verschiedenen Gruppenmitglieder stehen ständig in
vielfältiger Weise in Kontakt miteinander manchmal
friedlich, z.B. bei der gegenseitigen Fellpflege, manchmal weniger
freundlich, z.B. beim Zanken um Nahrung. Die Jungtiere sind überdies
ständig an Hasch-, Balg- und anderen Spielen mit ihren Altersgenossen
beteiligt.
Die Nacht verbringen die Guineapaviangruppen entweder
in Felsen oder auf Bäumen und begeben sich jeweils am frühen
Morgen auf Fresswanderung. Sie streifen in Wohngebieten von bis
zu vierzig Quadratkilometern umher, wobei aber je Tag bloss ein
kleiner Teil des Gebiets durchstöbert wird. Die Streifgebiete
benachbarter Gruppen überlappen stark. Zwar gehen die Gruppen
einander weiträumig aus dem Weg, beanspruchen aber im Gegensatz
zu den Halsbandmangaben zu keiner Jahreszeit einen Teil ihres
Streifgebiets als strikt gruppeneigenes Territorium.
Die Guineapaviane sind ausgeprägte Allesesser
und verzehren, was immer sie an Essbarem finden. Ein Grossteil
ihrer Kost besteht aus pflanzlichen Stoffen aller Art, doch gehören
stets auch Insekten und andere Kleintiere dazu. Man hat schon
Paviane beobachtet, welche Hasen gejagt und erlegt haben, und
andere, welche Nagetiere aus deren Bau freigegraben haben. Bilden
sich in einem Gebiet grosse Heuschreckenschwärme, so essen
sich die Paviane oftmals während Tagen an diesen satt und
verschmähen vorübergehend jede andere Nahrung.
Die Fortpflanzung scheint bei den Guineapavianen an
keine bestimmte Jahreszeit gebunden zu sein. Nach einer Tragzeit
von ungefähr sechs Monaten kommen die Jungen gewöhnlich
als Einzelkinder, selten als Zwillinge zur Welt. Als Neugeborene
klammern sie sich zunächst am Bauch ihrer Mutter fest. Später
werden sie bei Ortsverschiebungen rittlings mitgetragen. Die
jungen Weibchen bringen gewöhnlich im Alter von etwa fünf
bis sechs Jahren ihr erstes Kind zur Welt, während sich
die Männchen aufgrund der gruppeninternen Hierarchie, die
auch das Vorrecht zur Paarung mit den Weibchen regelt, erst mit
sieben bis elf Jahren erstmals fortzupflanzen vermögen.
Trübe Aussichten für Westafrikas Affen
Die Halsbandmangabe und der Guineapavian werden von
der Weltnaturschutzunion derzeit als «nahezu gefährdet»
eingestuft, gelten also nicht als von der Ausrottung bedroht.
Das könnte aber schon in absehbarer Zukunft der Fall sein.
Besonders düster sieht es für die Halsbandmangabe aus:
Sie ist im Gegensatz zum Guineapavian für ihr Überleben
auf das Vorhandensein von Waldungen angewiesen und wird durch
die ungebremste Zerstörung der westafrikanischen Wälder
stark beeinträchtigt. Neueren Schätzungen zufolge werden
allein in Guinea-Conakry alljährlich mehr als 300 Quadratkilometer
Wald gerodet. Einigermassen intakte Wälder kommen bald nur
noch in Schutzgebieten und besonders schwer zugänglichen
Gegenden vor.
Es deutet zwar manches darauf hin, dass sich die Halsbandmangabe
auch in stark vom Menschen geschädigten Waldstücken
und selbst in Sekundärwuchs zurecht findet sofern
sie dort nicht übermässig verfolgt wird. Leider werden
aber sowohl die Halsbandmangabe als auch der Guineapavian
und überhaupt alle grösseren Säugetiere Westafrikas
überall intensiv bejagt, einerseits für den menschlichen
Verzehr und andererseits wegen ihres schlechten Rufs als Ernteschädlinge.
Ihre Bestände werden dadurch immer stärker ausgedünnt.
Obschon sich beiden vorgestellten Affenarten bislang
als bemerkenswert widerstands- und anpassungsfähig erwiesen
haben, besteht kein Zweifel, dass sie dem fortwährenden
Lebensraumverlust und dem hohen Jagddruck nicht ewig standzuhalten
vermögen. Solange diese doppelte Belastung anhält,
werden sie mehr und mehr zurückgedrängt und schlussendlich
wohl nur noch in gut geführten Schutzgebieten überleben
können wovon es in ihrer Heimat leider nur sehr wenige
gibt...
Bildlegenden
Die Halsbandmangabe (Cercocebus torquatus) aus
der Familie der Meerkatzenartigen (Cercopithecidae) ist von Senegal
im Westen bis nach Kongo-Brazzaville im Osten verbreitet. Die
Bestände westlich der (bei Togo und Benin befindlichen)
«Dahomey-Lücke» sind etwas anders gefärbt
als die Bestände östlich davon. Sie werden deshalb
unter dem Namen «Rauchgraue Mangaben» (Cercocebus
torquatus atys; links) unterartlich von ihren östlichen
Verwandten, den «Rotkopfmangaben» (Cercocebus torquatus
torquatus; rechts), abgetrennt. Erwachsene Männchen können
eine Kopfrumpflänge von maximal 70 Zentimetern und ein Gewicht
von bis zu 9 Kilogramm erreichen. Die Weibchen sind deutlich
kleiner und leichter.
Wie alle Mangaben ist die Halsbandmangabe eine
Waldbewohnerin. Sie vermag zwar flink zu klettern, doch hält
sie sich tagsüber vorwiegend am Boden und im Unterholz des
Waldes auf. Dort findet sie auch ihre Nahrung, die zur Hauptsache
aus Früchten, Samen und Insekten besteht.
Der Guineapavian (Papio papio), der hauptsächlich
Savannen und andere offene, trockene Lebenräume bewohnt,
gehört zu den grössten Mitgliedern der Familie der
Meerkatzenartigen. Gross gewachsene Männchen können
eine Kopfrumpflänge von 90 Zentimetern und ein Gewicht von
über 25 Kilogramm aufweisen. Wie die Halsbandmangabe ist
der Guineapavian ein geselliger Affe, der in Gruppen von gewöhnlich
30 bis 60 Individuen lebt.
Die gegenseitige Fellpflege spielt bei den Guineapavianen
eine wichtige Rolle. Obschon das «Lausen» durchaus
einem praktischen Zweck dient, nämlich der Entfernung von
Schmutz und Parasiten aus dem Fell und von der Haut, fördert
sie auch in hohem Mass die freundschaftlichen Beziehungen innerhalb
der Gruppe und damit deren Zusammenhalt.
Die jungen Guineapaviane kommen nach einer Tragzeit
von ungefähr sechs Monaten zur Welt. Sie werden sechs bis
acht Monate lang gesäugt, erreichen die Geschlechtsreife
mit etwa fünf Jahren und können zumindest in
Menschenobhut über vierzig Jahre alt werden.
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