Gelbflossen-Thunfisch - Thunnus albacares

Wahoo - Acanthocybium solandri

Grosse Goldmakrele - Coryphaena hippurus

Pazifischer Fächerfisch - Istiophorus platypterus


© 1997 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Fotografien aus dem Weltraum zeigen die Erde als bläulich schimmernde Kugel - als «blauen Planeten». Ursache dieser Färbung ist das auf der Erde vorhandene Wasser: Beinahe drei Viertel der Erdoberfläche, nämlich 360 Millionen Quadratkilometer, sind davon bedeckt. Auf diesem Wasser beruht die Einzigartigkeit der Erde. Es macht unseren Planeten zu einer fruchtbaren Oase inmitten des Sonnensystems, in dem sonst kein Leben gedeiht.

Das grösste Gewässer der Erde ist unbestritten der Pazifik: Mit einer Fläche von 165 Millionen Quadratkilometern ist er grösser als alle Kontinente zusammen. Seiner riesenhaften Ausdehnung entsprechend bildet dieser mächtige Ozean die Heimat für Myriaden aquatischer Tiere. In immenser Vielfalt verteilen sie sich auf ein breites Spektrum unterschiedlichster Lebensräume, das von den Mangrovensümpfen und Korallenriffen im lichtdurchfluteten Küstenbereich bis hin zu den unergründlichen, stockfinsteren Gräben der Tiefsee reicht.

Einer der grössten Lebensräume des Pazifiks ist die sogenannte «epipelagische Zone», womit die oberflächennahen Wasserschichten der offenen See bezeichnet werden. Da dieser Ozeanbereich so gut wie keine festen Strukturen aufweist, ist die Zahl verschiedenartiger Lebensnischen verhältnismässig klein und demzufolge die Vielfalt mariner Lebensformen ziemlich gering. Unter anderem kommen weniger als zwei Prozent aller uns bekannten Fischarten darin vor. Dafür weisen diese riesige Bestände auf. Und deshalb ist die epipelagische Zone ungeachtet ihrer «Artenarmut» für den Menschen von grösster Bedeutung: Von hier stammt der Grossteil des für den menschlichen Verzehr bestimmten Weltfischfangs.

In der epipelagischen Zone leben im übrigen einige der spektakulärsten Fischarten, die wir kennen: grossgewachsene, kräftige Raubfische, welche bei der Verfolgung ihrer Beutetiere Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90 Kilometern je Stunde erreichen. Zu diesen räuberischen Hochseefischen gehören der Gelbflossen-Thunfisch (Thunnus albacares), der Wahoo (Acanthocybium solandri), die Grosse Goldmakrele (Coryphaena hippurus) und der Pazifische Fächerfisch (Istiophorus platypterus) - allesamt Mitglieder der Ordnung der Barschartigen Fische (Perciformes), einer riesenhaften Sippe mit über 6000 Arten in etwa 150 Familien.

 

Nauru - Inselzwergstaat im Westpazifik

Die vier genannten Fischarten kommen unter anderem in den Gewässern rund um Nauru, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, vor. Diese kleine Inselrepublik liegt im westlichen Pazifik, keine sechzig Kilometer südlich des Äquators, und besteht aus einer einzigen Insel mit einer Fläche von 21,2 Quadratkilometern, einem Umfang von 16 Kilometern und einer maximalen Höhe von 65 Metern.

Nauru ist (nach dem Vatikan und nach Monaco) der drittkleinste unabhängige Staat der Erde. Seinen gut 8000 Einwohnern, welche fast ausnahmslos entlang der rund um die Insel führenden Küstenstrasse leben, geht es wirtschaftlich bestens: Sie bezahlen weder Steuern noch Zölle; Schulbildung und medizinische Versorgung sind kostenlos. Die Quelle des Wohlstands findet sich auf dem Felsplateau im Inselinnern: Es handelt sich um hochwertiges Naturphosphat, das aus dem Kot («Guano») entstanden ist, den unzählige Generationen von Meeresvögeln im Laufe vieler Jahrtausende hier «aufgeschichtet» haben, und das nun im Tagebau abgebaut und zu stolzen Preisen an Düngerfabriken in Australien und Japan verkauft wird.

1906, wenige Jahre nachdem Deutschland Nauru als Teil der Marshallinseln in Besitz genommen hatte, war mit dem lukrativen Geschäft begonnen worden. Und noch immer läuft die Ausbeutung der Schatzkammer auf Hochtouren. Zur Jahrtausendwende werden Naurus Phosphatvorkommen jedoch erschöpft sein. Bald wird es also mit dem Wohlstand der Bevölkerung zu Ende gehen, und vielen Inselbewohnern wird dann wohl nichts anderes übrigbleiben als auszuwandern. Denn durch den Phosphatabbau ist das einstmals saftig grüne Innere des Tropeneilands in eine unfruchtbare, zerklüftete «Mondlandschaft» verwandelt worden. Und der 150 bis 300 Meter breite landwirtschaftlich genutzte Küstengürtel dürfte höchstens ein paar hundert Menschen eine ausreichende Existenzgrundlage bieten.

Die zurückbleibenden Nauruer werden sich voraussichtlich wieder vermehrt den Schätzen des umliegenden Meeres zuwenden müssen, wie es ihre polynesischen, mikronesischen und melanesischen Vorfahren einst taten. Als Selbstversorger nutzten diese nicht nur die reichen Fischbestände im Küstenbereich der von Korallenriffen umkränzten Insel. Sie fuhren mit ihren Ausleger-Segelbooten auch weiter hinaus, um dort mittels Angelhaken und Langleinen den Räubern unter den Hochseefischen nachzustellen. Dabei dürften sie unter anderem regelmässig Gelbflossen-Thunfische, Wahoos, Grosse Goldmakrelen und Pazifische Fächerfische erbeutet haben, welche alle als ausgezeichnete Speisefische gelten.

Wie häufig dies ihren heutigen Nachfahren noch gelingen wird, ist allerdings schwer vorherzusagen. Denn die vier genannten Hochseefische sind in den letzten Jahrzehnten durch die Fischfangflotten der Industrieländer massiv übernutzt worden. Allein vom Gelbflossen-Thunfisch wurden Jahr für Jahr mehr als eine Million Tonnen den Meeren entnommen!

Noch sind die vier Arten - dank ihrer enorm weiten Verbreitung einerseits und ihren überaus hohen Nachzuchtraten andererseits - nicht an den Rand der Ausrottung getrieben worden. In vielen Meeresregionen, so auch im südwestlichen Pazifik, sind ihre Bestände aber inzwischen stark ausgedünnt. Und es ist unbestritten, dass die Lage für diese vier wie auch viele weitere Arten von Hochseefischen längerfristig durchaus kritisch werden kann - sofern nicht endlich international gültige Fischereigesetze dafür sorgen, dass die verheerend hohen Fangquoten eingeschränkt werden und die Fischbestände genügend Zeit zur Regeneration erhalten. Bleibt es beim derzeitigen Raubbau, werden nach Meinung der Fachleute schon bald manche wirtschaftlich wichtigen Arten «unter die sichere biologische Bestandsgrenze» geraten. Nicht nur würden sich die Fischfangflotten dadurch selbst um ihre Existenzgrundlage bringen, sondern es würde letztlich die ausreichende Versorgung der gesamten Menschheit mit tierlichem Eiweiss in Frage gestellt. Nachhaltigkeit statt Plünderung muss dringend auch bei der Hochseefischerei zum allgemeinen Nutzungsprinzip werden.

Die Chancen für eine baldige Besserung der Situation stehen leider schlecht, denn politische Strukturen sind zäh. Wohl unterzeichneten im August 1995, anlässlich der 6. UN-Fischereikonferenz, einhundert Staaten eine allgemein gelobte Konvention, welche das Fischmanagement in internationalen Gewässern umfassend regeln soll. Bevor dieser zwischenstaatliche Vertrag aber in Kraft treten kann, müssen ihn mindestens dreissig Staaten ratifizieren, und das kann erfahrungsgemäss noch viele Jahre dauern.

 

Der Gelbflossen-Thunfisch

Mit einer Länge von bis zu 1,7 Metern ist der Gelbflossen-Thunfisch eines der grössten Mitglieder der ungefähr 45 Arten umfassenden Familie der Makrelen (Scombridae). Er kommt rund um den Erdball herum in den tropischen, subtropischen und warmen gemässigten Zonen der Ozeane und Meere vor, fehlt allerdings im Mittelmeer. Im Gegensatz zu den meisten anderen Thunfischen besucht er häufig auch küstennahe Gewässer.

Der Gelbflossen-Thunfisch bewegt sich in kopfstarken Schwärmen umher und macht vornehmlich Jagd auf ebenfalls schwarmbildende kleinere Hochseefische, erbeutet daneben aber auch freischwimmende Tintenfische und Krebstiere. Auf der «Pirsch» verlässt er sich ausschliesslich auf die ausgezeichnete Sehkraft seiner Augen. Aus diesem Grund stellt er seiner Beute stets in der vom Tageslicht erhellten Zone dicht unter der Wasseroberfläche nach und taucht selten tiefer als ein paar Dutzend Meter.

Wie die meisten anderen Mitglieder der Makrelenfamilie ist der Gelbflossen-Thunfisch ein «Zugfisch», der nicht nur auf seinen Beutezügen weit umherstreift, sondern auch regelmässige saisonale Wanderungen - oftmals über Distanzen von mehreren tausend Kilometern - unternimmt, die ihn von den Jagdgründen zu den Laichplätzen führen.

Die Laichplätze der Gelbflossen-Thunfische befinden sich stets in der unmittelbaren Nachbarschaft von Meeresgebieten, welche besonders hohe Konzentrationen von freischwebenden Lebewesen («Plankton»), der Hauptnahrung der jungen Thunfische, aufweisen. Dort geben die Weibchen im Schwarm ihre gewöhnlich mehr als eine Million Eier ins freie Wasser ab, wo sie unverzüglich von den Männchen besamt werden. Die Eier sind mit einer grossen, nahrhaften «Ölkugel» ausgestattet, schweben deshalb im Wasser und treiben in der Folge nahe der Meeresoberfläche mit den dort herrschenden Strömungen von den Laichplätzen weg zu den nahegelegenen planktonreichen «Kinderstuben». Dort schlüpfen die Jungfische aus den Eiern und machen sich sogleich über ihre Beutetiere her.

Derweil die Eier und später die daraus geschlüpften Jungfische passiv in die eine Richtung getragen werden, schwimmen ihre Eltern aktiv in gewöhnlich umgekehrter Richtung zu ihren Jagdgründen zurück. Erst viel später, wenn sie eine gewisse Grösse erreicht haben, folgen ihnen die Jungfische nach. Diese zeitweilige Trennung der erwachsenen Gelbflossen-Thunfische von ihren Jungen ist insofern sinnvoll, als sie den Kannibalismus innerhalb der jeweiligen Population auf ein Minimum beschränkt. Denn die Gelbflossen-Thunfische sind bei ihrer Kostzusammenstellung überhaupt nicht wählerisch und erlegen durchaus auch jüngere Individuen ihrer eigenen Art.

Die Geschlechtsreife erreichen die jungen Gelbflossen-Thunfische gewöhnlich im Alter von fünf bis sechs Jahren, und sie können ein Höchstalter von ungefähr zwanzig Jahren erreichen.

 

Der Wahoo

Wie der Gelbflossen-Thunfisch ist auch der Wahoo ein Mitglied der Makrelenfamilie - und er ist sogar noch grosswüchsiger: Ältere Individuen messen in der Länge gewöhnlich um 2 Meter und wiegen oftmals mehr als 60 Kilogramm. Auch der Wahoo kommt in allen wärmeren Meeresbereichen rund um die Erde herum vor. Im Gegensatz zum Gelbflossen-Thunfisch ist er aber nirgendwo häufig und bildet auch niemals grössere Schwärme: Man begegnet ihm im allgemeinen einzeln oder in kleinen Trupps.

Der Wahoo ist ein tüchtiger Raubfisch, der hauptsächlich Fischen aller Art, daneben aber auch Tintenfischen nachstellt. Er gehört zu den schnellsten Schwimmern der epipelagischen Zone: Bei der Jagd kann er über kurze Distanzen Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 70 Kilometern je Stunde erreichen, so dass ihm nur wenige Fische, auf die er es abgesehen hat, zu entkommen vermögen.

Vielfach bewegt sich der Wahoo auf hoher See umher, doch zeigt er sich auch oft in der Nähe von fischreichen Korallenriffen, sofern die lokalen Küsten steil in die Tiefe abfallen. Nauru, das die Spitze eines untermeerischen Vulkans mit sehr abschüssigen Flanken darstellt, bietet somit entlang seiner Küsten beste Jagdgründe für diesen Hochseefisch.

 

Die Grosse Goldmakrele

Die Grosse Goldmakrele ist ein Mitglied der Familie der Goldmakrelen (Coryphaenidae), welcher als einzige weitere Art die Kleine Goldmakrele (Coryphaena equisetis) angehört. Ältere Individuen können eine Länge von bis zu 1,9 Metern und ein Gewicht von bis zu 40 Kilogramm erreichen, wobei die Männchen deutlich grösser werden als die Weibchen.

Die Grosse Goldmakrele kommt fast in allen tropischen, subtropischen und warmen gemässigten Meeren vor, hält sich aber stets auf offener See auf und meidet die Küstenbereiche. Sie lebt oft gesellig in kleinen Schwärmen, welche aus nicht näher erforschten Gründen gern Tangbündel, Baumstämme oder anderes Treibgut «begleiten» und auch von Flössen und ruhig treibenden Booten angelockt werden.

Die Grosse Goldmakrele macht gerne Jagd auf Fliegende Fische (Familie Exocoetidae), wobei sie im Jagdeifer oft meterweit aus dem Wasser springt. Aber auch andere Fische verschmäht sie nicht und nimmt ausserdem Tintenfische und Krebse.

 

Der Pazifische Fächerfisch

Der spektakulärste unter den vier vorgestellten Hochseefischen ist gewiss der Pazifische Fächerfisch: Nicht nur ist er mit einer Länge von bis zu drei Metern und einem Gewicht von bis über 100 Kilogramm besonders gross, sondern er hat mit seiner speerförmigen Schnauze und seiner segelförmigen Rückenflosse auch ein besonders «abenteuerliches» Aussehen. Er ist ein Mitglied der Familie der Fächerfische (Istiophoridae), welche ungefähr zehn Arten umfasst, und in den warmen Bereichen des Pazifiks und des Indischen Ozeans weitverbreitet, während im Atlantik als «Bruderart» der sehr ähnliche Atlantische Fächerfisch (Istiophorus albicans) vorkommt.

Der Pazifische Faecherfisch ist ein schneller und wanderfreudiger Fisch, der oft in kleinen Schwärmen durch das oberflächennahe Wasser zieht und dabei auch die Nähe der Küsten nicht meidet. Die meisten Fachleute halten ihn für den schnellsten «Sprinter» unter den Fischen der Hochsee, denn er soll kurzfristig Geschwindigkeiten von über 90 Kilometern je Stunde erreichen können.

Zur Hauptsache ernährt sich der Pazifische Fächerfisch von kleineren Schwarmfischen. Bei der Jagd stürzt er blitzschnell in einen Fischschwarm und schlägt dabei mit seinem speerförmigen «Schnabel» wild um sich. Dann dreht er um und beginnt, die toten und verletzten Opfer zu verspeisen.




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