Indopazifischer Buckeldelphin

Sousa chinensis


© 1996 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Mit einer Länge von maximal 3,2 Metern bei den Männchen und 2,4 Metern bei den Weibchen und einem Gewicht von lediglich 90 bis 150 Kilogramm ist der Indopazifische Buckeldelphin (Sousa chinensis) ein recht zierliches Mitglied der Ordnung der Waltiere. Dafür hat er ein überaus weites Verbreitungsgebiet im indopazifischen Raum: Er bewohnt sämtliche tropischen und subtropischen Küstengewässer von Taiwan und China im Norden quer durch den Indomalaiischen Archipel bis nach Australien im Süden und längs der Küsten Indochinas, Indiens, Arabiens, Ostafrikas und Madagaskars bis zur Südspitze Afrikas im Westen. Je nach Region ist der kleingewachsene Delphin unterschiedlich - nämlich milchweiss, lehmgelb, rosa oder grau ­ gefärbt und ist teils auch gefleckt, was die Fachleute dazu bewogen hat, vier geografische Rassen zu unterscheiden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Delphinen ist der Indopazifische Buckeldelphin wenig gesellig und streift gewöhnlich in Trupps von drei bis fünf Individuen umher. Gern halten sich dieselben im Bereich seichter, korallenriffgeschützter und mangrovengesäumter Buchten auf und schwimmen mitunter auch in brackige Flussmündungen hinein. Hingegen sind sie so gut wie nie im offenen Meer anzutreffen.

Gekennzeichnet ist der Indopazifische Buckeldelphin - wie sein Name andeutet - durch ein buckelförmiges Polster aus Fettgewebe in der Rückenmitte, auf dem die Rückenflosse sitzt. Im übrigen hat der Indopazifische Buckeldelphin einen langen, schlanken «Schnabel» mit über 120 Zähnen. Damit vermag er seine Beutetiere ­ in erster Linie Fische aller Art ­ gut zu packen.

Um sich im Wasser zu orientieren, verfügt der Indopazifische Buckeldelphin wie alle seine Vettern über ein Ortungsverfahren nach dem Echolotprinzip. Dabei sendet er Ultraschallwellen, das heisst sehr hohe und für das menschliche Ohr höchstens als «Klicks» oder schnelles «Rattern» hörbare Töne, aus und horcht, ob diese von etwaigen im Wasser vorhandenen Objekten als Echo zu ihm zurückkehren. Die Auswertung solcher Echos ermöglicht es dem schnittigen Meeressäuger, Entfernung, Grösse, Gestalt, Bewegungsrichtung usw. der betreffenden Objekte, seien es Beutetiere, Artgenossen, Feinde oder Hindernisse, exakt zu bestimmen.

Die Ultraschallpeilung der Delphine arbeitet für uns Menschen unvorstellbar präzis. Die Tiere vermögen offensichtlich ein fragliches Objekt mittels unterschiedlicher Klangbündel «haargenau» abzutasten und sich mit Hilfe der vielfältigen Echos im Gehirn ein naturgetreues Bild davon zu machen. Bei Experimenten in Gefangenschaft konnten Delphine Objekte mit Grössenunterschieden von wenigen Millimetern auseinanderhalten, frische von weniger frischen Fischen unterscheiden, mit verbundenen Augen Ringe einsammeln und noch viele weitere «Kunststücke» ausführen.

Über die Bestandssituation des Indopazifischen Buckeldelphins ist zwar nichts Genaues bekannt. Er scheint aber von Natur aus nirgendwo besonders häufig zu sein, und die Tatsache, dass Sichtungen seltener werden, lässt leider befürchten, dass die Population rückläufig ist. Die Ursachen dafür dürften wie bei den anderen Waltieren «menschgemacht» sein: Übernutzung der Beutefische und damit Entzug der Nahrungsgrundlage, Bejagung zwecks Nahrungsbeschaffung, Zunahme des küstennahen Schiffsverkehrs und dadurch erhebliche akustische Störung der Echolotung, Auslegen kilometerlanger Nylonwandnetze, in denen die Tiere verunglücken, Verschmutzung der Küstengewässer mit immer grösseren Mengen ungeklärter Abwässer aus Industrie, Haushalt und Landwirtschaft. Letzteres trifft den Indopazifischen Buckeldelphin besonders stark, denn als verhältnismässig grosser Unterwasserjäger steht er am Schluss vieler mariner Nahrungsketten, in denen sich über viele Glieder hinweg die im Wasser vorhandenen Schadstoffe in hoher Konzentration ansammeln.

Immerhin haben die jahrelangen grossen Anstrengungen des Welt Natur Fonds (WWF) und anderer Natur- und Umweltschutzorganisationen dazu geführt, dass zunehmend auch die kleineren, weniger bekannten Waltiere von verschiedenen Nationen sowie im Rahmen internationaler Konventionen unter - teils vollständigen, teil lokal oder saisonal begrenzten - Schutz gestellt worden sind. Eine überaus wichtige Aufgabe ist es nun, endlich auch der masslosen und besonders heimtückischen Verseuchung der marinen Ökosysteme, von denen letztlich alles Leben auf unserem Planeten abhängt, einen Riegel vorzuschieben.




ZurHauptseite