Insel Man

(Isle of Man)


© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Wer in der ersten Juniwoche die Insel Man besucht, der findet sich inmitten Zehntausender lederbekleideter Motorradfreunde, ihrer blitzblank spiegelnden Maschinen und dem Nebel ihrer Auspuffgase. Denn dann werden auf einem 60 Kilometer langen Strassenrundkurs die alljährlichen «Isle of Man Tourist Trophy Motor Cycle Races» ausgetragen, ein Hauptereignis im internationalen Motorradjahr. Mehrere zehntausend Motorräder auf einem Strassennetz von insgesamt nur 574 Kilometern machen die Insel Man für ein paar Tage zum Stück Erde mit der grössten Motorisierungsdichte. Es brummt, heult, knattert und quietscht überall. Zum Glück nur eine Woche lang!

Wer am 5. Juli auf der Insel Man weilt, der findet sich unweigerlich als Zuschauer einer Zeremonie, bei der das als «Tynwald» bezeichnete Inselparlament nach uralter Tradition eine Freiluftversammlung auf einem stufenförmigen Hügel im Inselinnern abhält. Die Veranstaltung erinnert daran, dass Man ein unabhängiger Freistaat ist, mit eigenen Gesetzen und
eigener Regierung. Und zwar ununterbrochen seit über 1000 Jahren - seit die Wikinger hier im Jahr 979 zum ersten Tynwald (von normannisch «thing» = Versammlung und «vollr» = Feld) zusammentraten.

Wer irgendwann sonst auf die Insel Man kommt, der findet ebenfalls viel Merkwürdiges und Erstaunliches. So haben die legendären Manx-Katzen keine Schwänze, und niemand weiss warum (vgl. Kasten Seite 4). Vier Hörner haben dafür die Böcke der eigenartigen Loaghtan-Schafe, die seinerzeit von den Wikingern hergebracht wurden und deren Wolle zum begehrten «Manx Tartan» (ein «Schottentuch») verarbeitet wird. Die öffentlichen Verkehrsmittel wiederum scheinen dem Verkehrsmuseum entsprungen: Der Uferpromenade der Hauptstadt Douglas scheppert gemächlich ein Pferdetram Jahrgang 1876 entlang. Von Douglas nach Port Erin im Inselsüden dampft tagtäglich eine Schmalspureisenbahn Jahrgang 1874. Nordwärts, nach Ramsey, zuckelt ein elektrisches Tram Jahrgang 1893. Und zum höchsten Punkt der Insel, zum Gipfel des Snaefell, fährt von Laxey aus eine elektrische Bergbahn Jahrgang 1895. Technologie aus dem letzten Jahrhundert in bestem Zustand!

Überhaupt wird man auf Man vielerorts an die bezaubernde Atmosphäre Englands erinnert, wie es zur Jahrhundertwende gewesen sein muss. So etwa angesichts der relativen Unberührtheit der Insel: Die Bäche sind klar, die Landschaft ist unverdorben, die Strände sind sauber. Oder angesichts der pastellfarbenen viktorianischen Häuserfassaden entlang der Uferpromenade von Douglas. Das kommt daher, dass sich die Inselbewohner vom atemlosen Fortschrittswettbewerb der restlichen Welt nicht anstecken, von den «Segnungen» der Moderne nicht überrollen lassen. Hier bestimmen sie seit über tausend Jahren selbst, was gut für sie ist. Und bisher war es am besten, dem Überkommenen die Treue zu halten.

 

Zentrum der Britischen Inseln

Die Insel Man liegt mitten in der Irischen See, etwa auf halbem Weg zwischen der englischen und der irischen Küste. Liverpool ist 131, Belfast 145 und Dublin 154 Kilometer entfernt. Bei einer maximalen Länge von 52 und einer maximalen Breite von 22 Kilometern bemisst sich die Fläche des Eilands auf 588 Quadratkilometer.

Im Inselinnern trifft man auf ein zentrales, fast unbewaldetes Hügelland, das von tiefen Flusstälern durchzogen und durch eine Senkung, der die Strasse von Douglas nach Peel folgt, zweigeteilt ist. Der höchste Punkt im Süden ist der South Barrule mit 483, im Norden der Snaefell mit 621 Metern ü.M. Von letzterem, so sagen die Inselbewohner, kann man sechs verschiedene Königreiche sehen: Man natürlich, dann England, Schottland, Irland und Wales - und, wenn man den Blick etwas hebt, das Himmlische.

Man wird vom warmen, aus dem Golf von Mexiko stammenden Golfstrom umspült und hat demzufolge ein recht mildes und ausgeglichenes Klima. Die monatlichen Temperaturmittel schwanken zwischen 5°C im Januar und 14°C im August. Da auch der Regen mit ungefähr 800 Millimetern im Jahr nicht übermässig niedergeht, erfüllt Man alle Voraussetzungen als Badeinsel für sonnen- und wärmehungrige Briten.

Douglas, die Inselhauptstadt, befindet sich an der Südostküste von Man und hat seinen Namen von den Flüssen Dhoo und Glass, die hier ins Meer münden. Douglas war nicht immer die Metropole der kleinen Insel gewesen: Erst 1869 hatte es das weiter südlich gelegene Castletown in dieser Funktion abgelöst. Dort steht noch heute das mächtige Castle Rushen, die Residenz der früheren Inselherrscher. Der Aufstieg des Fischerdorfs Douglas begann mit dem Bau eines leistungsfähigen Tiefwasserhafens, wo in der Folge alle Frachter und Fähren anlegten, die zwischen Man und den übrigen Britischen Inseln verkehrten. Ein eigentlicher Bauboom erfasste damals die Stadt. Heute lebt rund ein Drittel der gut 60 000 Personen zählenden Inselbevölkerung in Douglas. Hier tagen das Inselparlament und der Regierungsrat. Hier befinden sich die meisten Hotels, Restaurants und Pubs der Insel, welche die anreisenden Urlauber bewirten. Und hier haben all die vielen Banken ihren Sitz, welche sich der günstigen Steuergesetze wegen auf Man niedergelassen haben.

 

Kelten, Wikinger, Angelsachsen

Die ersten Siedler scheinen die Insel Man schon um 8000 v.Chr. erreicht zu haben. Sie lebten anfänglich als Jäger und Sammler. Etwa um 4000 v. Chr. wurde dann die Landwirtschaft eingeführt, welche bis vor etwa 200 Jahren der Haupterwerbszweig der meisten Inselbewohner blieb.

Ab dem 7. Jahrhundert v.Chr. fielen hier wie auf den übrigen Britischen Inseln die Kelten ein, welche ihrerseits von den Germanen aus Mittel- und Westeuropa verdrängt worden waren. Bis zum 9. Jahrhundert n.Chr., also rund 1500 Jahre lang, war die Insel rein keltisches Siedlungsgebiet. Aus dieser Zeit stammen nicht nur die vielgestaltigen Runenkreuze, die hier und dort auf der Insel gefunden wurden und jetzt im Manx Museum in Douglas bewundert werden können. Auch der Name der Insel, der auf den keltischen Seegott Manannan zurückgeht, stammt aus dieser Epoche. Und nicht zuletzt stammt das Manx, die ureigene Sprache der Bewohner von Man, von den Kelten: Manx zählt zur gälischen Gruppe der keltischen Sprachen, der auch das Irische und das Schottische angehören.

Leider ist das Manx-Gälisch heute im Begriff auszusterben. Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts sprach die überwiegende Mehrheit der Inselbevölkerung diese Sprache. Mehr und mehr gewann aber in der Folge das Englische an Bedeutung, und besonders in unserem Jahrhundert ging die Zahl der Manx sprechenden Inselbewohner drastisch zurück. 1970 gab es nur noch rund 300, 1990 keine 50 kompetenten Sprecher mehr. Und auch sie verwenden Manx keineswegs mehr als Umgangssprache, sondern pflegen es als kulturelles Gut und versuchen es mittels Sprachkursen, Radioprogrammen usw. vor dem vollständigen Untergang zu bewahren.

Im 9. Jahrhundert eroberten und kolonisierten die aus dem skandinavischen Raum stammenden Wikinger die Insel Man. Interessanterweise übernahmen sie die Sprache der keltischen Inselbevölkerung, doch etablierten sie schon bald ihr eigenes Verwaltungssystem, eine frühe Form konstitutioneller Monarchie: das «Kingdom of Mann and the Isles», dem neben der Insel Man noch die Hebriden angehörten. Der «King of Mann and the Isles» war keineswegs ein absoluter Herrscher, sondern war einerseits der norwegischen Krone unterstellt, andererseits musste er seine Macht mit einem Parlament teilen: dem bereits erwähnten «Tynwald». Jeweils am 5. Juli (dem alten Mittsommertag) versammelten sich die Familienoberhäupter der Insel zu dieser altnordischen «Landsgemeinde», um unter freiem Himmel Gesetze zu beschliessen, die auch der König zu respektieren hatte.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entbrannte ein Streit um die Vorherrschaft auf der Insel zwischen den Königen von Norwegen, Schottland und England, bei dem schliesslich (1346) England die Oberhand behielt. 1405 schenkte der englische König seine kleine Aussenbesitzung dem adligen Sir John Stanley für besondere Verdienste, und dessen Nachfahren, die Grafen von Derby, nahmen in der Folge den Titel «Lord of Man» an. Bis 1736 befand sich die Insel in ihrem Besitz, und unter ihrer Herrschaft entwickelte sich Man zu einem berüchtigten Schmugglerstützpunkt: Einheimische Seeleute schleusten auf dunklen Wegen Tabak und Spirituosen aus diversen Quellen nach England ein. Nachdem die Insel über die weibliche Linie an die Herzöge von Atholl übergegangen war, nahm der Schmuggel derart überhand, dass England sich zum Eingreifen veranlasst sah. 1765 wurden die Atholls gezwungen, ihre Souveränitätsrechte an die englische Krone zu verkaufen, was nicht nur dem illegalen Handel ein Ende setzte, sondern letztlich auch dazu führte, dass Königin Elizabeth II. heute den Titel «Lord of Man» trägt und somit Besitzerin der Insel ist.

 

1000 Jahre Tynwald

Seltsam: Seit über 650 Jahren ist die Insel Man fest in englischer Hand, und dennoch ist das kleine Territorium bis heute nicht dem Vereinigten Königreich einverleibt worden. Es ist und bleibt ein unmittelbar mit der englischen Krone verbundener Freistaat, dem die britische Regierung nichts vorzuschreiben hat. Man hat eine eigene Regierung, ein eigenes Parlament, eine eigene Gerichtsbarkeit. Es hat eine eigene Postverwaltung, ein eigenes Erziehungswesen, eine eigene Polizei. Und es hat eine eigene Währung, eine eigene Flagge, eine eigene Hymne. Kurz: Auf der Insel Man herrscht «Home Rule», Selbstbestimmung. Hier entscheiden die Menschen selbst, was am besten für sie ist, und sogar Königin Elizabeth II. als gegenwärtiger «Lord of Man» hat auf Man nur beschränkte Macht. Denn nach wie vor gibt es den Tynwald, die gesetzgebende Versammlung aus Wikingerzeiten. Mit über 1000 Jahren ungebrochener Tradition gilt er als das älteste Parlament der Welt!

Der Tynwald umfasst heute zwei Kammern, ein Oberhaus («Legislative Council») mit 11 Mitgliedern von Amts wegen und ein Unterhaus («House of Keys») mit 24 vom Volk gewählten Mitgliedern. Ihm zur Seite steht ein Exekutivrat, der sich aus sieben Mitgliedern des Tynwalds zusammensetzt; er waltet zusammen mit dem Statthalter der englischen Königin (dem «Lieutenant Governor») als Inselregierung. Natürlich tagt der Tynwald heute nicht mehr nur einmal im Jahr unter freiem Himmel wie zu Zeiten der Wikinger, sondern tritt regelmässig in den «Legislative Buildings» am Prospekt Hill in Douglas zusammen. Aber einmal im Jahr, am 5. Juli, wird dem «alten» Tynwald gedacht. Dann werden wie einst auf dem Tynwald Hill bei St. John's die Gesetze verlesen, und alle Inselbewohner sind eingeladen, der feierlichen Zeremonie beizuwohnen: Angeführt von einem Offizier, der das 700 Jahre alte Staatsschwert trägt, bewegt sich die Prozession der Würdenträger der Insel zum Tynwald Hill, einem kreisrunden Hügel, der in Terrassen abgestuft ist. Ganz oben nehmen der Lieutenant-Governor, der Bischof der Inseldiözese und die Mitglieder des Oberhauses Platz. Die Stufe unter ihnen belegen das Unterhaus, die Gemeindevorsteher, die Geistlichkeit, der Polizeichef und andere hohe Verwaltungsbeamte. Und ganz unten wartet das versammelte Volk. Die beiden Inselrichter verlesen sodann in Englisch und in Manx alle Gesetze, die der Tynwald übers Jahr erlassen hat. So war das hier immer, und niemand zweifelt daran, dass es noch lange so bleiben wird.

 

«TT» - die «Tourist Trophy Races»

International bekannt gemacht hat die Insel Man keineswegs ihr bemerkenswertes, uraltes Parlament, sondern die grosse sportliche Attraktion der Insel: die Motorradrennen um die «Tourist Trophy», kurz «TT» genannt. Seit 1907 werden diese Rennen für «Touring Motorcycles», also normale, serienmässige Motorräder, veranstaltet. Die Geschwindigkeit der Sieger auf dem kurvenreichen Rundkurs über hügeliges Land und mitten durch enge Dörfer hat sich mittlerweile mehr als verdreifacht. Und unter den todesmutigen Fahrern wie auch unter den fanatischen Zuschauern haben diese gefährlichsten Rennen der Welt inzwischen über 130 Todesopfer und unzählige Verletzte gefordert.

Während der «TT» wird die Insel Man für eine Woche aus ihrer Ruhe gerissen. Randvoll sind die Fähren aus Liverpool und Fleetwood mit Motorrädern und ihren begeisterten Besitzern, die herüberkommen, um dem Spektakel beizuwohnen. Den Fanatismus sieht man ihnen allen an: den alten Männern mit den gegerbten Gesichtern ebenso wie den Mädchen im schwarzen Leder, den Burschen mit Schnurrbart und Langhaar ebenso wie den ganzen Familien, die per Motorrad mit Seitenwagen anreisen. Sie reden über nichts anderes als über Motorräder, haben keinen Sinn für die Landschaft, und auch der Kontakt mit den Inselbewohnern interessiert sie kaum.

Letztere stört das allerdings wenig. Ihnen sind die «Ledermenschen» auf ihren Maschinen trotzdem willkommen, denn Zehntausende von Besuchern hinterlassen unweigerlich eine ganze Menge Geld. So nehmen sie den Trubel gelassen hin - in der Gewissheit, dass der Spuk nach einer Woche wieder vorbei ist. Sie waren es ja auch gewesen, welche die einträgliche und prestigeträchtige «TT» seinerzeit auf die Insel geholt hatten...

 

Seebad und Steuerparadies

Rund 800 landwirtschaftliche Betriebe, 6000 Hektaren Kulturland, 26 000 Hektaren Weideland, 34 000 Rinder und 7000 Schafe gibt es auf der Insel Man. Immerhin. Aber ebenso wie die Fischerei, die Kleinindustrie und der Bleierzabbau hat die Landwirtschaft ihre einstige Bedeutung für die Inselökonomie längst eingebüsst. Haupteinnahmequellen sind heute der Tourismus einerseits und internationale Finanzgeschäfte andererseits.

Um 1890 kamen die ersten Feriengäste aus Liverpool, Manchester und anderen grossen Industriestädten Englands herüber, um auf Man die gute Seeluft, das milde Klima und die sonnigen Badestrände zu geniessen. Es waren vornehmlich Leute aus der Arbeiterschicht, die sich eine Reise ans Mittelmeer nicht leisten konnten und sich mit dem «Neapel des Nordens», wie sie Douglas nannten, zufrieden geben mussten. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Noch immer sind es vor allem englische Fabrikarbeiter, die mit ihren Familien auf der Insel Man ihre Badeferien verbringen. Nur die Zahl der Urlauber hat stetig zugenommen und bemisst sich mittlerweile auf eine halbe Million im Jahr.

Die Inselbewohner sind freundliche Gastgeber und bieten ihren Gästen nicht nur eine Vielzahl preiswerter, aber guter Unterkünfte, sondern auch eine Fülle von Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Die sportlichen Angebote reichen vom Rasenbowling über Pony-Trekking und Windsurfen bis hin zum Drachensegeln. Und natürlich fehlen auf Man auch die Bingosäle, die Varietes und die Souvenirläden nicht, die untrennbar zu jedem britischen Seebad gehören.

Geldgeschäfte aller Art sind die andere wichtige Säule der Inselwirtschaft. Die über zwanzig verschiedenen Banken, welche allein die Atholl Street in Douglas säumen, zeigen unmissverständlich, zu welch gewichtigem Finanzplatz sich Man in jüngerer Zeit entwickelt hat. Sie nähren sich von der freundlichen Steuergesetzgebung der - auch in dieser Hinsicht souveränen - Insel, die der strangulierenden Besteuerung in England und Irland spottet und zu «Off-shore-Geschäften» geradezu einlädt. Es gibt auf Man keine Erbschaftssteuer und keine Kapitalertragssteuer, keine Handänderungssteuer und keine Warenumsatzsteuer - keine all dieser lähmenden Abgaben, sondern nur eine simple Einkommenssteuer. Deren Maximalsatz erreicht noch nicht einmal den Minimalsatz in den Nachbarländern. Und das, finden die Inselbewohner, ist recht so.

 

 

 

Kasten: Die Manx-Katze

Niemand weiss, seit wann sie auf der Insel Man vorkommt und woher sie stammt: die vielzitierte, schwanzlose Manx-Katze. Vage Hypothesen, wie diese seltsame Laune der Evolution zustande kam, gibt es allerdings manche. Dass es sich um eine Kreuzung zwischen einem Kaninchen und einer Katze handelt, ist von den Zoologen ins Reich der Phantasie verwiesen worden. Auch nicht ganz überzeugend klingt, dass vor 400 Jahren ein spanisches Handelsschiff bei schwerem Sturm an der Südküste zerbarst, und dass sich dabei aus dem Orient stammende, schwanzlose Schiffskatzen an Land retten konnten. Zwar gibt es auf Java und Sumatra stummelschwänzige Katzen, aber schwanzlose gibt es nicht. Am ehesten dürfte es sich bei der Manx-Katze um eine sogenannte «Spontanmutation» handeln, also eine plötzlich erfolgte, dauerhafte Veränderung des Erbguts (möglicherweise aufgrund jahrhundertelanger Inzucht).

Von einer «Missgeburt» sprechen denn auch viele Katzenfachleute. Die Katzenzüchter kümmert das wenig. Sie haben die Manx-Katze zur anerkannten Edelkatzen-Rasse (Nr. 25) erklärt. Besonders in England, Skandinavien und den USA hat sie viele Liebhaber gefunden. Gemäss offiziellem Rassenstandard sind der fehlende Schwanz, die überhöhten Hinterbeine und der kurze Rücken die wesentlichen Merkmale der Manx-Katze, während die Fellfärbung und -musterung keine Rolle spielt. Bei einem Ausstellungstier muss die Schwanzlosigkeit so vollkommen sein, dass sich dort, wo bei normalen Katzen der Schwanz beginnt, ein ausgeprägtes Loch befindet. Die Hinterbeine können nicht hoch genug sein, der Rücken nicht kurz genug, denn nur dadurch ergibt sich die «richtige», hoppelnde Gangart der Manx-Katze. Mit anderen Worten: Je grösser die Missbildung, desto perfekter die Rasse!

Wer sich den Sinn für natürliche Form- und Bewegungsschönheit erhalten hat und wer die bedeutsamen Funktionen des Katzenschwanzes als «Seelenpendel» und als Balancierhilfe kennt, der wird die bewusste Zucht einer solchen «Monstrosität» ablehnen - und gerne auf einen Besuch der «Manx Cattery», einer Zuchtstation für Manx-Katzen in Douglas, verzichten.

 

 

 

Bildlegenden

In Douglas, der Hauptstadt der Insel Man, leben rund 20 000 Personen, das entspricht etwa einem Drittel der gesamten Inselbevölkerung. Douglas hatte 1869 Castletown, das keinen ordentlichen Hafen besass, als Inselhauptstadt abgelöst und sich in der Folge rasant zur «Metropole» der kleinen Lordschaft in der Irischen See entwickelt. Viele Gebäude der Stadt stammen aus jener Zeit vor der Jahrhundertwende und haben unverkennbar victorianischen Baustil.

Die Küste der Insel, auf der die Katzen keinen Schwanz, die Schafe dafür vier Hörner haben, ist durch zahlreiche Buchten stark gegliedert und bricht streckenweise in schroffen Klippen zum Meer ab. Das Inselinnere ist hingegen durchwegs lieblich: Überall grüne Felder mit Steinwällen, hier und dort ein kleiner baumbestandener Fluss, mitunter ein Stück flaches Marschland, und immer im Hintergrund sanfte Hügel.

Vorzeigereichtum gibt es auf Man nicht. Die Inselbewohner geben sich bescheiden und stapeln tief, obschon dank Tourismus und Finanzgeschäften das Volkseinkommen stetig steigt. Am auffälligsten sind vielleicht noch die Villen jener wohlhabenden englischen Rentner, die ihre Konten und den Wohnsitz nach Man verlegt haben - nicht nur des milden Klimas wegen, sondern auch, weil es hier weder eine Kapitalertrags- noch eine Erbschaftssteuer gibt.

Alljährlich Anfang Juni, wenn die Motorradrennen um die «Tourist Trophy» stattfinden, werden die Landstrassen der Insel Man zu Rennpisten. Der 60 Kilometer lange Rundkurs über hügeliges Land und durch enge Dörfer ist voller Tücken. Obschon Heuballen an den gefährlichsten Ecken hingepackt werden, fordern Steinwälle, Bäume und sonstige «Hindernisse» am Strassenrand fast jedes Jahr Tote und Verletzte unter den wagemutigen Rennfahrern und auch unter den fanatischen Zuschauern.

Es lohnt sich für die Bewohner von Man in vielerlei Hinsicht, dass ihr kleines Eiland ein souveräner Freistaat ist, in welchem sie am Eigenen festhalten können. Die Pubs zum Beispiel sind tagsüber durchgehend geöffnet, wie es einst auch in England Brauch war. So lässt sich das «Jough Layer», ein Starkbier, jederzeit ungehindert (und in erstaunlichen Mengen) geniessen.

Man ist für die abgabengeplagten Engländer, Schotten und Iren ein Steuerparadies und wird von ihnen rege für sogenannte «Off-shore Investments» benützt - Geldgeschäfte auf dem Weltmarkt, über die sie der heimischen Steuerbehörde keine Rechenschaft ablegen müssen. Zahlreiche internationale Banken im Zentrum von Douglas weisen auf die erhebliche Bedeutung der Insel als Finanzdrehscheibe hin.




ZurHauptseite