Jaguar

Panthera onca


© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Nach dem Tiger und dem Löwen ist der Jaguar (Panthera onca) die drittgrösste Katze der Welt. Erwachsene Männchen können bis 140 Kilogramm wiegen und eine Kopfrumpflänge von 170 Zentimetern erreichen.

Die Heimat des Jaguars ist das zentrale und südliche Amerika. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mexiko im Norden bis nach Patagonien im Süden und von der Atlantikküste im Osten bis zu den Abhängen der Anden im Westen. Innerhalb dieses Raums bewohnt er hauptsächlich die weiten unberührten Wälder und buschreichen Savannen unterhalb 1000 Meter ü.M.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Jaguar kaum vom Leoparden, der in Asien und Afrika zu Hause ist, und wird darum oft mit ihm verwechselt. Dem aufmerksamen Beobachter fällt es aber nicht schwer, die beiden Katzen auseinanderzuhalten: Der Jaguar ist deutlich kräftiger und untersetzter gebaut als der Leopard. Ausserdem hat er einen kürzeren Schwanz und kürzere Beine. Und schliesslich weicht auch sein Fellmuster ab: Kennzeichnend sind vor allem die grossen Ringflecken auf dem Rücken, welche einen dunklen «Hof» mit meist noch einigen schwarzen Tupfen umschliessen.

Der Jaguar ist ein typischer Einzelgänger. Männchen wie Weibchen leben für sich allein in einem festen Wohngebiet. Die Jaguarreviere weisen - je nach Beutetierdichte - eine Fläche von 5 bis 500 Quadratkilometern auf und überlappen an den Rändern stark mit den Revieren benachbarter Artgenossen. Im allgemeinen gehen die Revierinhaber ihren Nachbarn geflissentlich aus dem Weg, und dabei helfen ihnen Duftmarken, die sie bei ihren Streifzügen durch das Revier hier und dort anbringen. Nur zum Zweck der Fortpflanzung schliessen sich die paarungsbereiten männlichen und weiblichen Tiere von Zeit zu Zeit kurzfristig zusammen.

Auf die Jagd geht der Jaguar hauptsächlich nachts, und zwar vorzugsweise in der Nähe von Flüssen, Seen und Sümpfen, denn dort leben besonders viele Beutetiere. Gerne bejagt er mittelgrosse Huftiere wie Tapire, Pekaris (Neuweltschweine) und Mazamas (Spiesshirsche). Er überfällt aber auch Pakas, Capybaras und andere grosse Nagetiere, Tamanduas (Ameisenbären), Gürteltiere, Leguane und Vögel. Als guter Schwimmer macht der Jaguar auch in den Urwaldflüssen Jagd auf Kaimane, Flussschildkröten und sogar Fische. Ausserdem ist er ein guter Kletterer, der im Geäst der Bäume Wickelbären, Faultiere und Brüllaffen zu erbe ten vermag.

Gelegentlich vergreift sich der Jaguar an den Nutztieren des Menschen - an Rindern, Schafen, Ziegen und Lamas -, wo diese im Umfeld seines Lebensraums vorkommen. Er hat darum vielerorts den schlechten Ruf eines «Viehdiebs» und wird massiv bekämpft.

Auch das schöne Fell wird dem Jaguar zum Verhängnis. Allein im Amazonasbecken wurden in den sechziger Jahren jährlich etwa 15 000 Jaguare deswegen erlegt. Dieses masslose Gemetzel konnte zwar, hauptsächlich durch das «Washingtoner Abkommen», das den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten regelt, stark eingeschränkt werden. Ganz zum Erliegen gekommen sind der lukrative Schwarzhandel mit Jaguarfellen und die Wilderei zu diesem Zweck aber bis heute nicht. Im übrigen droht dem Jaguar eine immense Gefahr durch die rasant fortschreitende Abholzung der lateinamerikanischen Tropenwälder. Er verliert dadurch immer weitere Bereiche seines natürlichen Lebensraums, und die Bestände seiner Beutetiere nehmen ständig ab.

Noch verfügen die Fachleute nicht über genaue Bestandszahlen. Sie
sind sich aber einig, dass der Jaguar im Rückgang begriffen ist und bereits aus vielen Gebieten vollständig verschwunden ist. Für sein Überleben ist von grösster Bedeutung, dass möglichst viele der noch unberührten Naturlandschaften Mittel und Südamerikas unter ausreichenden Schutz gestellt werden, wie dies zum Beispiel mit dem «Cockscomb Jaguar Reservat» in Belize geschehen ist. Ohne grossflächige Erhaltung natürlicher Lebensräume haben langfristig weder der Jaguar noch all die anderen Vertreter der vielfältigen lateinamerikanischen Fauna und Flora - und letztlich vielleicht nicht einmal der Mensch - eine Überlebenschance. Der WWF bemüht sich deshalb seit Jahren, die Regierungen wie auch die Bevölkerung der lateinamerikanischen Länder von der Notwendigkeit des Tropenwaldschutzes zu überzeugen und unterstützt sie sowohl fachlich wie finanziell bei ihren diesbezüglichen Bestrebungen.




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