Jaguar

Panthera onca


© 1988 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Grosskatzen»)



Gesamtlänge: 160 - 275 cm
Schwanzlänge: 45 - 80 cm
Schulterhöhe: ca. 70 cm
Gewicht: 35 - 165 kg
Tragzeit: 93 - 110 Tage
Wurfgrösse: 1 - 4, meist 2 Junge
Geburtslänge: 30 - 40 cm
Geburtsgewicht: 700 - 900 g
Höchstalter: frei um 15 Jahre, im Zoo bis 22 Jahre

 

Der Jaguar ist der einzige «Amerikaner» unter den Grosskatzen: Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mexiko im Norden bis nach Paraguay im Süden. Innerhalb dieses Gebietes bewohnt er hauptsächlich die weiten, unberührten Wälder und die buschreichen Savannen unterhalb 1000 m über dem Meeresspiegel.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Jaguar kaum vom Leoparden und wird darum auch oft mit ihm verwechselt. Dem aufmerksamen Beobachter fällt es allerdings nicht schwer, die beiden Katzen auseinanderzuhalten: Der Jaguar ist nämlich deutlich kräftiger und untersetzter gebaut als der Leopard. Ausserdem hat er einen kürzeren Schwanz und kürzere Beine. Und schliesslich weicht auch sein Fellmuster ab: Kennzeichnend sind vor allem die grossen Ringflecken auf dem Rücken, welche einen dunklen «Hof» mit meist noch einigen schwarzen Tupfen umschliessen.

Der Jaguar ist ein typischer Einzelgänger. Die Geschlechter leben für sich allein in einem festen Wohngebiet. Hier kennen sie sich gut aus und wissen darum immer, wo sie am besten nach Beutetieren Ausschau halten. Jaguarreviere weisen eine Fläche von 15 bis 800 Quadratkilometern auf und überlappen an den Rändern stark mit den Revieren benachbarter Artgenossen. Im allgemeinen geht jeder Revierinhaber seinen Nachbarn geflissentlich aus dem Weg. Von Zeit zu Zeit schliessen sich aber männliche und weibliche Tiere für kurze Zeit zu Paaren zusammen, um Junge zu zeugen. Dann sind der Urwald und die Savanne vorübergehend von den grollenden Rufen des Jaguars erfüllt.

Nach einer Tragzeit von 93 bis 110 Tagen bringt die Jaguarmutter im Dickicht meist Zwillinge zur Welt. Sie werden während etwa zwei Jahren von ihr sorgfältig in die grosse Kunst der Pirschjagd eingeweiht. Erst im dritten Lebensjahr - mit Eintreten der Geschlechtsreife - trennen sie sich von ihr und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Revier.

Der Jaguar hält sich vorzugsweise in der Nähe von Flüssen, Seen und Sümpfen auf, denn hier leben besonders viele Beutetiere. Gerne bejagt er mittelgrosse Huftiere, wie Tapire, Pekaris (Neuweltschweine) und Mazamas (Spiesshirsche). Da diese aber nicht besonders häufig vorkommen und schwer zu erlegen sind, muss er sich zumeist mit kleineren Tierarten begnügen. Dazu zählen vor allem Pakas, Capybaras und andere grosse Nagetiere, Tamanduas (Ameisenbären), Gürteltiere, Leguane (Echsen) und Vögel.

Der Jaguar ist ein ausgezeichneter Schwimmer; oft macht er in den Urwaldflüssen erfolgreich Jagd auf Kaimane (Krokodile), Flussschildkröten und sogar Fische. Ausserdem ist er ein guter Kletterer, der im Geäst der Bäume Wickelbären, Faultiere und Brüllaffen zu erbeuten vermag. Nie geht der athletische Jäger am Tag auf Pirsch; er ist immer nur in der Dämmerung und in der Nacht unterwegs.

Alten indianischen Berichten zufolge benutzt der Jaguar manchmal folgenden Trick, um Fische zu fangen: Er legt sich auf einen Ast über dem Wasser und tunkt seine Schwanzspitze ein paar Mal ins Wasser. Dadurch werden neugierige Fische angelockt, die er dann nur noch mit der Vordertatze aus dem Wasser zu holen braucht. Ob diese Berichte stimmen, ist bis heute unbekannt.

In den Südstaaten der USA ist der Jaguar im Lauf der letzten 130 Jahre ausgestorben: In Kalifornien wurde 1860 letztmals ein Jaguar geschossen, in Texas 1946 und in Arizona 1949. Verantwortlich hierfür war sein schlechter Ruf als «Viehdieb». In den sechziger Jahren wurde er dann in Mittel- und Südamerika wegen seines wertvollen Pelzes gejagt. Allein im Amazonasbecken wurden damals jährlich etwa 15 000 Jaguare erlegt! Zum Glück ist dieses masslose Gemetzel beizeiten unterbunden worden. Heute droht dem Jaguar aber erneut Gefahr durch die fortschreitende Abholzung der südamerikanischen Tropenwälder. Für sein Überleben ist von grösster Bedeutung, dass möglichst viele der noch unberührten Naturlandschaften unter Schutz gestellt werden.




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