Britische Jungferninseln

(British Virgin Islands)


© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Wie eine Gruppe von grünen, buckligen Schildkröten, die durch das blaue Wasser ziehen, liegen sie da: die Britischen Jungferninseln. Jedenfalls von weitem gesehen, durch das Flugzeugfenster. Beim Näherkommen nehmen sie dann Gestalt an: Grüne Berghänge leuchten in der Tropensonne, umrandet von blendend weissen Stränden und türkis schimmerndem Wasser. Schliesslich, nach der Landung, empfängt den Besucher Sommerwetter. Palmwedel rascheln in der leichten Brise, malerische Kolonialgebäude lenken den Blick auf sich, der Geruch exotischer Blüten steigt in die Nase. Man wähnt sich im Paradies.

In der Tat sind die Britischen Jungferninseln nicht nur gemäss den Prospekten des Tourismusbüros, sondern auch in Wirklichkeit ein untadeliges Karibik-Paradies - freundlich, unverdorben, fast jungfräulich. Und dies, obschon der kleine Archipel hauptsächlich vom Tourismus lebt. Des Rätsels Lösung ist simpel: Die Inselregierung setzt auf Qualität statt auf Quantität, auf exklusiven Luxustourismus statt auf hektischen Massentourismus. Wer sich auf den Britischen Jungferninseln in der Sonne aalen und die Ruhe geniessen will, der muss also über ein gut bestücktes Bankkonto verfügen. Dafür hat man die Gewissheit, mit seinem Geld zur Erhaltung der beschaulichen Atmosphäre dieses Archipels beizutragen.

Diskos, Kasinos und Glitzershows fehlen auf den Britischen Jungferninseln vollständig. Die Hauptattraktion der Inselgruppe ist unbestritten das kristallklare Wasser, das sie umfängt. Segeln und Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen sind dementsprechend die hauptsächlichen Urlaubsbeschäftigungen der Inselgäste. Zahlreiche Ausstatter für jede Art von Wassersport sorgen dafür, dass keinerlei Wünsche der gutbetuchten Gäste offen bleiben.

Insbesondere gelten die Britischen Jungferninseln als eines der besten Segelreviere der Welt. Hier gibt es mehr Charterboote als irgendwo sonst in der Karibik. Man kann sie mit oder ohne Kapitän, mit oder ohne Koch, mit oder ohne Crew mieten. Die Inselgruppe eignet sich besonders für weniger erfahrene Segler und solche, die Angst haben, seekrank zu werden. Die «zentralen» Gewässer der Jungferninseln kennen nämlich keine navigatorischen Risiken, und die Passatwinde kommen stetig mit Geschwindigkeiten um 20 Knoten, aber ohne die Atlantikdünung, welche die Fahrt zwischen den weiter südlich gelegenen Karibikinseln oftmals recht ungemütlich macht. Im übrigen hat es unzählige einsame Buchten, welche geschützte Ankerplätze bieten. Siebzig Prozent der Feriengäste kommen des Segelns wegen auf die Britischen Jungferninseln.

 

Kleingewachsene Grosse Antillen

Der Archipel der Jungferninseln liegt ungefähr 80 Kilometer östlich von Puerto Rico in der nördlichen Karibik und besteht aus rund 100 Inseln, von denen allerdings nur etwa jede dritte so gross ist, dass man auf ihr leben kann.

Geologisch gesehen gehören die Jungferninseln zu den Grossen Antillen, denn sie ragen von derselben, nur etwa 70 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Kontinentalplatte auf, der auch Puerto Rico aufsitzt. Dagegen sind sie im Osten durch die rund 2000 Meter tiefe «Anegada-Passage» von den «echten» Kleinen Antillen getrennt. Ihrer geringen Grösse wegen werden sie aber dennoch gewöhnlich den Kleinen Antillen zugerechnet.

Obschon die Jungferninseln unverkennbar eine einzige Inselgruppe bilden, sind sie politisch zweigeteilt: Der südwestliche Bereich mit einer Gesamtfläche von 344 Quadratkilometern, einer Bevölkerung von 110 000 Personen und den Hauptinseln St. Croix, St. Thomas und St. John befindet sich im Besitz der USA («US Virgin Islands»). Der nordöstliche Bereich mit einer Gesamtfläche von 153 Quadratkilometern, einer Bevölkerung von 13 000 Personen und den Hauptinseln Tortola, Virgin Gorda und Anegada gehört Grossbritannien («British Virgin Islands»).

Mit Ausnahme von Anegada sind die 16 bewohnten und rund 40 unbewohnten Eilande der Britischen Jungferninseln aus vulkanischem und aus Sedimentgestein aufgebaut. Die Landschaft ist hügelreich, wobei der höchste Berg, der Mount Sage auf Tortola, 543 Meter über den Meeresspiegel emporragt. Anegada ist im Gegensatz hierzu eine flache Korallenkalkinsel, deren höchste Erhebung lediglich 8,5 Meter beträgt.

Ursprünglich waren die Britischen Jungferninseln von dichtem Wald bewachsen gewesen - regengrünem Wald auf den passatzugewandten Seiten, wo die feuchtigkeitsbeladenen Luftmassen jeweils abregnen, Trockenwald auf den passatabgewandten Seiten. Durch die Plantagenwirtschaft, die Beweidung und den Holzschlag in der Vergangenheit wurde dieser ursprüngliche Tropenwald jedoch bis auf wenige Reste, die sich hauptsächlich noch an den oberen Hängen des Mount Sage finden, zurückgedrängt. Stattdessen ist auf weiten Flächen ein bescheidener, wenig abwechslungsreicher Sekundärbusch herangewachsen. Nach wie vor palmenbestanden sind die strandnahen Bereiche der Inseln, und natürlich grünt und blüht in den Gärten der Wohnhäuser und der Hotels üppige exotische Pflanzenpracht.

Das Klima auf den Britischen Jungferninseln ist ausgesprochen angenehm: Es herrscht sozusagen ewiger Sommer. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen schwanken im Jahresverlauf lediglich zwischen 25 und 28°C, wobei die von Nordosten wehenden Passatwinde stets für eine erfrischende Brise sorgen. In der sommerlichen «Regenzeit» zwischen Juni und Oktober gibt es gelegentliche Schauer, die aber zumeist als kurze, heftige Platzregen niedergehen, so dass die Sonne alsbald wieder scheint. Während dieser Jahreszeit kann es auch geschehen, dass ein Hurrikan die Inseln streift.

 

Sankt Ursula und die elftausend Jungfrauen

Die Jungferninseln wurden von Christoph Kolumbus am 14. November 1493, anlässlich seiner zweiten Fahrt in die Neue Welt, entdeckt und ihrer grossen Zahl wegen nach der heiligen Ursula und ihren Gefährtinnen, den sogenannten 11 000 Jungfrauen, benannt. Im Reisebericht des damals mitfahrenden Diego Alvarez Chanca heisst es: «Eine ganze Gruppe von Inseln erhebt sich aus dem Meer, einige dicht bewaldet, andere ziemlich felsig. Die grösste nennt Kolumbus Santa Ursula, den anderen gibt er den Namen Las Once Mil Virgines.»

Kurz darauf machte Kolumbus jedoch nicht Bekanntschaft mit sanften Jungfrauen, sondern mit angriffslustigen Indianerfrauen. Es geschah, nachdem Kolumbus ein Boot ausgeschickt hatte, um Wasser zu holen. Hierzu nochmals Diego Alvarez Chanca: «Das Boot stösst, als es sich auf der Rückfahrt befindet, auf ein Kanu mit vier Insassen, deren Hässlichkeit allein schon erschreckend ist. Und nun muss Kolumbus seinen Glauben an die bedingungslose Ehrfurcht der Indianer gegenüber dem weissen Mann fallen lassen: Die Indianer greifen, als sie das Boot erblicken, sofort an. Ein Hagel von Pfeilen überschüttet die Matrosen. Denen gelingt es zum Glück, das Kanu umzuwerfen, doch ergeben sich die Indianer nicht. Sie kämpfen weiter, schiessen weiter ihre Pfeile ab, als stünden sie auf flacher Erde. Einer der Indianer fällt, ein zweiter, schwer verwundet, ertrinkt. Die beiden anderen werden gefangengenommen und vor Kolumbus gebracht. Der Admiral traut seinen Augen nicht: Die hässlichen Geschöpfe mit den langen, verfilzten Haaren, den bemalten Gesichtern und den durchbohrten Nasen, in denen Holzpflöcke stecken, sind Frauen!»

Kolumbus nahm, wie es damals allgemein üblich war, die Inselgruppe für Spanien in Besitz. Die Spanier liessen sich in der Folge aber nie auf den Jungferninseln nieder - was den englischen, französischen und holländischen Siedlern freie Hand liess, die ab 1620 dort eintrafen. Die Franzosen und die Holländer blieben allerdings nur kurze Zeit, und die Engländer wurden später von den Spaniern vertrieben, welche ihrerseits bald von den Franzosen verjagt wurden, worauf wieder die Engländer auf dem Schauplatz erschienen. Die Jungferninseln erlebten also den üblichen Gang der Kolonialgeschichte in der Karibik, bei der sich die damaligen europäischen Grossmächte willkürlich um die neuentdeckten Inseln rauften. 1672 annektierten dann die Engländer offiziell Tortola und Virgin Gorda mit den umliegenden kleinen Inseln und überraschenderweise blieb es dabei.

Ein weiteres Jahrhundert lang erfolgte jedoch keine gezielte Besiedlung des Archipels. Während dieser Zeit entwickelten sich die Britischen Jungferninseln zu einem bevorzugten Schlupfwinkel der im Karibischen Meer operierenden Seeräuber und Freibeuter - der französischen Korsare, der britischen Bukaniere, der niederländischen Filibuster. Erst ab 1756, als die Zuckerpreise in Europa höher und höher kletterten, kamen vermehrt britische Siedler auf die Jungferninseln und begannen, das Land urbar zu machen. Vor allem legten sie Zuckerrohrplantagen an. In der Folge wurden Tausende von Sklaven aus Afrika importiert, welche auf den Zuckerrohrfeldern, in den Zuckermühlen, den Rumbrennereien und den Herrenhäusern der Plantagenbesitzer arbeiten mussten. Bald schon waren die Britischen Jungferninseln fest integriert in den damaligen Dreieckhandel zwischen Europa (Lieferant von Konsumgütern), Afrika (Lieferant von Negersklaven) und der Karibik (Lieferant von Zucker und Rum).

Der Wohlstand währte allerdings nur wenige Jahrzehnte. Zum einen verdrängte allmählich billiger Rübenzucker aus Europa den Rohrzucker aus der Karibik vom Markt. 1819 vernichtete ein Hurrikan die gesamte Zuckerrohrernte der Inseln, was manchen Farmer in den Ruin trieb. Und 1833 wurde die Sklaverei auf Drängen der britischen Öffentlichkeit in allen Kolonien Grossbritanniens abgeschafft. 1854 brach dann auf Tortola eine schwere Revolte aus, nachdem ein Weisser einen Schwarzen beleidigt hatte. Dabei wurden Herrschaftshäuser geplündert und die zugehörigen Plantagen in Brand gesetzt. In der Folge kam der Zuckerrohranbau völlig zum Erliegen. Praktisch alle Weissen verliessen den Archipel. Die Inseln verarmten vollständig.

Zurück blieben lediglich einzelne der befreiten Sklaven und deren Nachkommen. Sie führten ein einfaches Leben als Selbstversorger: Sie produzierten etwas Obst und Gemüse, hielten sich ein paar Ziegen, Schafe und Rinder und gingen in den küstennahen Gewässern auf Fischfang. Das blieb so bis zur Mitte unseres Jahrhunderts. Dann entdeckte der internationale Tourismus die prachtvolle Inselgruppe und liess neuen Wohlstand aufkommen.

 

US-Währung im britischen Territorium

Noch kann man im «Hinterland» von Tortola und Virgin Gorda hier und dort Schwarzen begegnen, welche in schlichten Holzhütten wohnen, den Boden mit einfachen Mitteln bebauen und die Früchte ihrer Arbeit mit Eseln in die nächstgelegene Ortschaft befördern, um sie dort auf dem Wochenmarkt zu verkaufen. Der Grossteil der einheimischen Bevölkerung geht heute jedoch einer gut bezahlten Arbeit im Tourismusgeschäft und im damit verbundenen Transport- und Bauwesen nach.

Bei einem Angebot von etwa 350 Charterbooten und 1100 Zimmern (in rund 100 Beherbergungsbetrieben) verzeichnen die Britischen Jungferninseln im Jahr etwa 170 000 übernachtende Gäste. Sie stammen zum weit überwiegenden Teil aus den USA, weshalb auf dem britischen Archipel nicht das Pfund Sterling, sondern der US-Dollar die offizielle Währung ist. Ungefähr 150 Millionen US-Dollar bringen die Besucher dem kleinen Karibikterritorium alljährlich. Das reicht für's erste. Da inzwischen nicht nur hinsichtlich der Umweltbelastung ein gewisser Sättigungsgrad erreicht ist, soll der Tourismus jetzt nur noch mit äusserster Behutsamkeit weiterentwickelt werden.

Seit einigen Jahren hat sich auf den Britischen Jungferninseln im übrigen das sogenannte «Off-shore Business» rapid entwickelt - ein unauffälliges Geschäft mit allerlei Finanztransaktionen, welche aus steuertechnischen Gründen ausserhalb des britischen Mutterlands abgewickelt werden. Über 10 000 Treuhand- und Finanzgesellschaften aller Schattierungen mit wenig oder gar keinem ansässigen Personal («Briefkastenfirmen») haben sich seit dem Erlass des entsprechenden Gesetzes im Jahr 1984 auf dem Archipel niedergelassen - und dem kleinen Territorium schätzungsweise 25 Millionen Dollar an Lizenzgebühren eingebracht.

Der Erlös aus dem traditionellen Export von Früchten, Gemüse und Fischen sowie Sand, Kalk und Kies nimmt sich dagegen mit rund 2,5 Millionen Dollar im Jahr recht bescheiden aus.

 

«Tortola» bedeutet «Turteltaubeninsel»

Die Inseln des Britischen Jungfernarchipels sind miteinander durch regelmässige Fährboote verbunden. Neben diesen nach Fahrplan verkehrenden Fähren warten in den Häfen der Ansiedlungen auch Wassertaxis auf Kundschaft, die fürs «Inselhüpfen» ebenso zu haben sind wie für Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten oder zu verschwiegenen Buchten. Kleinflugzeuge verkehren zwischen den Hauptinseln Tortola, Virgin Gorda und Anegada. Öffentliche Busse gibt es keine, dafür kann man Taxis oder Autos mieten, denen insgesamt 80 Kilometer asphaltierter Strasse zur Verfügung stehen. Gefahren wird selbstverständlich links.

Im folgenden seien die wichtigeren Inseln kurz vorgestellt:

Tortola ist mit einer Fläche von 54 Quadratkilometern und rund 10 000 Einwohnern die grösste der Britischen Jungferninseln und mit dem Hauptstädtchen Road Town auch das Verwaltungszentrum des Territoriums. Road Town besitzt dank zahlreicher alter Kolonialgebäude sowie vieler farbenprächtiger Ladengeschäfte typisch westindischen Charme. Ein reich bestücktes Heimatmuseum, ein prächtig gestalteter Botanischer Garten und die von den Engländern im 18. Jahrhundert erbauten Befestigungsanlagen Fort George und Fort Charlotte laden hier zum Besuch.

Zu den Sehenswürdigkeiten Tortolas gehört zweifellos auch der Mount-Sage-Nationalpark im Südwesten der Insel. Vom 543 Meter hohen Gipfel bietet sich ein phantastischer Ausblick auf die ganze Inselgruppe. Hübsch angelegte Wanderwege durchziehen die letzten Reste urzeitlichen Tropenwalds, die auf den Britischen Jungferninseln noch existieren. Mit etwas Glück kann man hier die Liebestaube aus der Gattung der Turteltauben beobachten, nach der Tortola benannt ist.

Ein Abstecher lohnt sich ferner zur «Callwood Rum Distillery» an der Nordwestküste Tortolas. Hier wird noch auf traditionelle Weise in einem Steingebäude aus der Plantagenzeit Rum hergestellt. Altertümliche Kupferkessel, Zuckerpressen und Regale voller Flaschen sind teils noch in Betrieb oder stehen einfach herum.

Virgin Gorda ist 22 Quadratkilometer gross und wird von etwa 2000 Personen bewohnt, von denen die meisten im Hauptort Spanish Town im Südwesten der Insel leben. Spanish Town war zu Beginn der Kolonialgeschichte die Hauptstadt der Britischen Jungferninseln gewesen; erst 1741 zog die Inseladministration nach Road Town auf Tortola hinüber.

Einen Besuch wert sind auf Virgin Gorda besonders «The Baths» ganz im Süden der Insel - mächtige, in Jahrmillionen von Wind und Wasser zu merkwürdigen Skulpturen geformte Granitfelsen. Sie bilden natürliche Grotten und Becken, die sich von der Meerseite her schwimmend und kletternd erkunden lassen.

Interessant sind auch die Ruinen der alten, verlassenen Kupferminen beim Copper Mine Point am Südostzipfel von Virgin Gorda. Sie waren zwischen 1838 und 1867 von englischen Einwanderern ausgebeutet worden. Noch immer sind Stolleneingänge, altertümliche Steingebäude, Zisternen usw. vorhanden.

Anegada, 34 Quadratkilometer gross und von etwa 200 Personen bewohnt, liegt 60 Kilometer von den anderen Britischen Jungferninseln entfernt. Das Riff im Umfeld Anegadas ist mit Schiffswracks aus mehreren Jahrhunderten förmlich übersät, denn die ausgesprochen flache, aus der Ferne kaum sichtbare Insel ist von alters her eine gefährliche Falle für unvorsichtige Kapitäne.

Die prächtigen Unterwassergärten des Korallenriffs zusammen mit den ungezählten versunkenen Schiffen, in denen angeblich noch so manche Golddublone auf ihren Entdecker wartet, macht Anegada zu einem Paradies für Tauchenthusiasten. Ferner ist Anegada als Stützpunkt der Hochseeangler bekannt. Sie finden dank des nahen, jäh in die Tiefe abstürzenden Puerto-Rico-Grabens im Norden und der Anegada-Passage im Osten beste Voraussetzungen für ihren «Sport». Schon mehrfach wurden hier Rekordfänge eingeholt.

Jost Van Dyke trägt seinen Namen nach einem gefürchteten holländischen Piraten, war aber ursprünglich von friedliebenden Quäkern besiedelt gewesen. Beef Island, auf dem sich der internationale Flughafen der Inselgruppe befindet, ist durch eine einspurige Brücke mit Tortola verbunden, welche 1966 von Königin Elisabeth II. höchstpersönlich eingeweiht wurde. Guana Island ist ein unter Schutz gestelltes «Laboratorium der Natur», denn hier findet sich eine zehnmal vielfältigere Flora und Fauna als auf anderen Inseln vergleichbarer Grösse. Norman Island weist Felsgrotten im Küstenbereich auf, in denen vor langer Zeit ein kostbarer Piratenschatz versteckt gewesen sein soll, der Robert Louis Stevenson angeblich zu seinem weltberühmten Roman «Die Schatzinsel» inspiriert hat. Vom kleinen Dead Chest Island bei Peter Island soll der Song «Yo ho ho and a bottle of rum» stammen, denn es heisst, hier habe einst der berüchtigte Pirat Edward «Blackbeard» Teach ein paar seiner Männer mit lediglich einer Flasche Rum als Proviant ausgesetzt. Auf Salt Island wird in den natürlichen Salzpfannen nach alter Väter Sitte Salz geschöpft, getrocknet und abgepackt und anschliessend im Bereich der Britischen Jungferninseln verkauft.

 

 

Legenden

Mit all ihren verschwiegenen Buchten waren die Britischen Jungferninseln lange Zeit ein fabelhafter Schlupfwinkel für die im Karibischen Meer operierenden Piraten. Heute tummeln sich das ganze Jahr über Urlauber auf Privat- und Charterjachten in den blaugrünen Gewässern des kleinen Archipels. Die beständig wehenden Passatwinde, die wenig ausgeprägte Atlantikdünung und die vielen reizvollen Ankerplätze machen die Britischen Jungferninseln zu einem der beliebtesten Segelreviere der Welt. Bild: Soper's Hole bei West End, Tortola.

Der Archipel der Jungferninseln, welcher als Ausläufer der Grossen Antillen den Übergang zu den Kleinen Antillen bildet, ist in einen britischen und einen amerikanischen Teil gegliedert. Der britische Teil umfasst l6 bewohnte und rund 40 unbewohnte Eilande mit einer Gesamtfläche von 153 Quadratkilometern. Verwaltungszentrum ist das an der Südküste von Tortola gelegene Städtchen Road Town, wo rund die Hälfte der 13 000 Inselbewohner lebt und arbeitet.

Die Bewohner der Britischen Jungferninseln sind zum weit überwiegenden Teil Nachkommen afrikanischer Sklaven. Ein wichtiges Fest findet deshalb Ende Juli statt, wenn mit viel Musik und Tanz der Sklavenbefreiung im Jahr 1833 gedacht wird. Nicht nur einmal im Jahr, sondern allwöchentlich am Samstag kann man auf dem farbenfrohen Markt von Road Town das reichhaltige Angebot an Gemüse- und Obstsorten bestaunen, welche auf den Britischen Jungferninseln gedeihen.

Auf der Rangliste der beliebtesten Urlaubsbeschäftigungen der Jungferninsel-Besucher kommt gleich nach dem Segeln das Tauchen und Schnorcheln. Besonders beim Korallenriff von Anegada finden Taucher und Taucherinnen eine Unterwasserwelt von grossartiger Formen- und Farbenpracht sowie eine Fülle von Schiffswracks aus allen Epochen, in denen noch allerlei Schätze lagern sollen.

80 Kilometer befestigter Strasse stehen den Urlaubern auf den Britischen Jungferninseln insgesamt zur Verfügung, wobei wie im Mutterland links gefahren wird. Ein beliebter Tagesausflug führt auf der Hauptinsel Tortola zur Cane Garden Bay, einer Bucht mit traumhaftem Sandstrand an der Nordwestküste, wo es neben einer Anzahl schattiger Bars auch eine altertümliche Rumbrennerei zu besichtigen gibt.




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