Gelbaugenpinguin - Megadyptes antipodes

Saumschnabelente - Hymenolaimus malacorhynchos

Kaka - Nestor meridionalis

Felsschlüpfer - Xenicus gilviventris


© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Neuseeland - mit einer Fläche von 270 000 Quadratkilometern fast siebenmal so gross wie die Schweiz - war während Jahrmillionen ein ausgesprochenes Vogelparadies gewesen. Als einzige grössere Tiere hatten nämlich Vögel aus eigener Kraft die malerische Doppelinsel im südwestlichen Pazifik zu besiedeln vermocht. Säugetiere fehlten - von ein paar Fledertieren abgesehen - auf dem abgeschiedenen Eiland ganz und gar. Und unter den Reptilien und Amphibien war einzig die altertümliche Brückenechse von nennenswertem Körperwuchs. So hatten die Vögel auf Neuseeland weder unter Nahrungswettstreitern noch unter Raubtieren zu leiden und konnten sich ungehindert entfalten. Kein Wunder bildete sich im Laufe langer Zeiträume eine erstaunliche Formenvielfalt heraus, welche praktisch das ganze Spektrum ökologischer Nischen ausfüllte.

Die bemerkenswertesten Vertreter dieser ursprünglichen neuseeländischen Avifauna waren zweifellos die Moas gewesen. Etwa zwanzig Arten dieser flugunfähigen Laufvögel bevölkerten einst Neuseeland, darunter der mächtige Riesenmoa (Diornis maximus), welcher mit einer Gesamthöhe von etwa drei Metern wohl der grösste Vogel war, der je auf unserer Erde gelebt hat.

Mit dem Auftauchen des Menschen wurde der Vorherrschaft der Vögel auf Neuseeland ein jähes Ende bereitet. Die Schädigung der Avifauna begann schon vor ungefähr tausend Jahren mit dem Eintreffen der polynesischen Maoris, und sie nahm mit der Kolonisierung Neuseelands durch die Europäer noch erheblich zu. Durch massive Bejagung, ausgedehnte Waldrodung und Einbürgerung diverser Säuger wurden die Inselvögel mehr und mehr aus ihren angestammten Lebensgebieten verdrängt. Mindestens 45 Vogelarten - darunter sämtliche Moas - waren bis zum Jahr 1800 aufgrund der Machenschaften des Menschen ausgestorben, weitere 7 Arten sind es seither. Damit hat Neuseeland im Zuge der menschlichen Siedlungsgeschichte rund zwölf Prozent seiner einzigartigen Vogelwelt für immer verloren.

 

72 Vogelarten sind gefährdet

In jüngerer Zeit sind auf Neuseeland erhebliche Anstrengungen unternommen worden, um dem unerfreulichen, stetig weiterschreitenden Niedergang der einheimischen Vogelwelt Einhalt zu gebieten. Mit teils sehr aufwendigen und teils auch recht unkonventionellen Methoden kämpft die neuseeländische Naturschutzbehörde zusammen mit privaten Natur- und Vogelschutzorganisationen, darunter dem WWF, unermüdlich darum, Neuseelands noch immer grossen Reichtum an Vogelarten für die Nachwelt zu erhalten. Etwelche Vogelarten werden allerdings - diesen Bestrebungen zum Trotz - vorderhand in ihrem Fortbestand gefährdet bleiben, denn selbstverständlich lassen sich viele der verantwortlichen Schadfaktoren nicht so leicht aus der Welt schaffen. So können beispielsweise grossflächige Waldrodungen nicht von heute auf morgen rückgängig gemacht werden. Auch können land- und viehwirtschaftliche Nutzflächen nun nicht beliebig in Naturreservate umgewandelt werden. Und Ratten, Katzen, Hunde, Iltisse und andere Raubsäuger haben sich bislang selbst den aufwendigsten Ausmerzaktionen erfolgreich widersetzt.

Die Naturschutzbehörde Neuseelands hat vor kurzem eine umfassende Studie über die Situation der einheimischen Vogelwelt durchgeführt. Gemäss dieser Erhebung müssen heute 72 neuseeländische Vogelarten, also rund zwanzig Prozent der neuseeländischen Vogelwelt, als gefährdet betrachtet werden.

Zu den stark gefährdeten Vogelarten (Kategorie A) zählt der Gelbaugenpinguin (Megadyptes antipodes), zu den mittelgradig gefährdeten Arten (Kategorie B) zählen die Saumschnabelente (Hymenolaimus malacorhynchos) und der Kaka (Nestor meridionalis), und zu den leicht gefährdeten Arten (Kategorie C) zählt der Felsschlüpfer (Xenicus gilviventris). Von diesen vier Vogelarten soll nachfolgend die Rede sein. Sie bewohnen verschiedenartige Lebensräume und unterliegen somit auch unterschiedlichen Schadfaktoren. Anhand der Besprechung der vier Arten lässt sich deshalb die Vielfalt der Probleme, mit denen die Vögel Neuseelands - und dementsprechend auch die Naturschützer - konfrontiert sind, gut erkennen.

 

Der Gelbaugenpinguin

Der Gelbaugenpinguin ist entlang der Süd- und Südostküste von Neuseelands Südinsel sowie auf der benachbarten Stewartinsel, der Campbellinsel und den Aucklandinseln zu Hause. Mit einer Körperlänge von bis zu 76 Zentimetern ist er das viertgrösste Mitglied der Pinguinfamilie (Spheniscidae).

Wie alle seine Vettern ist der Gelbaugenpinguin ein hochspezialisierter Meeresvogel, der unter Wasser Jagd auf kleine Fische und Tintenfische macht und dabei kurzfristig Geschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometern erreicht. Pinguinuntypisch verhält er sich hingegen bezüglich seiner Gesellschaftsform: Er sucht nicht in grösseren Schwärmen seine Nahrungsgründe auf, und er brütet auch nicht in kopfstarken Kolonien in Meeresnähe, wie dies «normale» Pinguine tun. Beim Gelbaugenpinguin bauen die fest «verheirateten» Paare ihre Nester weit im Landesinnern - ausser Sichtweite der Nachbarn und gut versteckt zwischen Grasbülten, unter Felsüberhängen, im Gebüsch oder gar im Wald unter Farnwedeln und zwischen Wurzeln.

Ein vollständiger Brutzyklus dauert beim Gelbaugenpinguin mehr als ein halbes Jahr. Den Anfang machen jeweils Mitte August Balz, Paarung und Nestplatzsuche. Ende September, Anfang Oktober legt dann das Weibchen zwei weisse Eier. Männchen und Weibchen bebrüten das Gelege in der Folge abwechslungsweise während sechs Wochen in ein- bis zweitägigen Schichten. Anlässlich der Rückkehr eines Partners zum Nest findet stets ein ausgedehntes Begrüssungszeremoniell statt, bei welchem beide Altvögel mit hochgerecktem Kopf, hohlem Kreuz und nach vorn gehaltenen Flügeln aus voller Kehle «trompeten». Die Maoris nennen den Gelbaugenpinguin deshalb treffend Hoiho - «Schreihals».

Nach dem Schlüpfen im November bedürfen die jungen Gelbaugenpinguine weitere dreieinhalb Monate lang der elterlichen Fürsorge. Erst Ende Februar, Anfang März erfolgt nämlich der Wechsel vom wolligen Daunenkleid zum wasserdichten Erwachsenengefieder und, kurz darauf, die Loslösung der Jungvögel von ihren Eltern. Stets tauchen sie ohne Begleitung und Hilfe derselben ins Meer ein und ziehen auf eigene Faust los.

Der Gelbaugenpinguin gilt als der seltenste Pinguin der Welt. Die Gesamtpopulation wird auf lediglich 1400 bis 1800 Brutpaare geschätzt. Zwar scheint der gelbäugige Pinguin nie besonders häufig gewesen zu sein. Dass aber die Bestände in unserem Jahrhundert alarmierend zurückgegangen sind und die Art heute als ernstlich bedroht eingestuft werden muss, ist allein die Schuld des Menschen: Durch die land- und besonders viehwirtschaftliche Nutzung der neuseeländischen Küstenregionen werden die Vögel von ihren traditionellen Brutplätzen verdrängt. Eingeschleppte Raubsäuger wie Frettchen, Ratten und Katzen plündern ihre Nester, und massive Fischereiaktivitäten im Umfeld Neuseelands schmälern ihre Nahrungsgrundlage.

 

Die Saumschnabelente

Die Saumschnabelente, eine von insgesamt acht auf Neuseeland heimischen Mitgliedern der Familie der Entenvögel (Anatidae), war einst über weite Teile sowohl der Nord- als auch der Südinsel verbreitet gewesen. Heute findet man die etwa 55 Zentimeter lange Ente fast nur noch in den bewaldeten Berggebieten der zentralen Bereiche der Nordinsel und der westlichen Bereiche der Südinsel. Ihre Population ist auf 2000 bis 4000 Individuen abgesunken.

Als Lebensraum bevorzugt die Saumschnabelente Fliessgewässer und scheint sich besonders entlang der rasch fliessenden Bergbäche ihrer Heimat sehr wohl zu fühlen. Diese sauerstoffreichen Gewässer beherbergen eine Vielzahl wasserlebender Insekten, darunter Köcherfliegenlarven, von denen sie sich zur Hauptsache ernährt. Ihre Nahrung erwirbt die Saumschnabelente im allgemeinen nach typischer Entenmanier: Sie schwimmt auf dem Wasser umher und taucht immer wieder Kopf, Hals und zuweilen auch den ganzen Vorderkörper ins Wasser, um nach Beute zu schnappen.

Erwachsene Saumschnabelenten leben gewöhnlich in fest «verheirateten» Paaren und bleiben das ganze Jahr über ihrem Wohngebiet treu. Das Brutgeschäft fällt zumeist in die Monate August bis Oktober. Das Paar legt dann in Gewässernähe an einem in der Vegetation gut versteckten Ort sein Nest an. Das Gelege besteht aus vier bis neun Eiern und wird während 31 bis 32 Tagen bebrütet. Die Jungen begeben sich praktisch unmittelbar nach dem Schlüpfen auf das Wasser und vermögen dank ihrer übergrossen Füsse leicht gegen die starke Strömung anzuschwimmen. Zwar betreuen - entenuntypisch - sowohl das Weibchen als auch das Männchen den Nachwuchs. Dennoch fallen viele der jungen Saumschnabelenten in ihren ersten Lebenswochen «exotischen», das heisst vom Menschen eingeschleppten Raubsäugern zum Opfer.

Die Saumschnabelente hat im übrigen aufgrund der Eingriffe des Menschen in die neuseeländische Natur grosse Bereiche ihres ehemaligen Verbreitungsgebiets eingebüsst. Fliessgewässer wurden vielerorts verbaut, und die deckungbietende Ufervegetation entlang von Wasserläufen wurde häufig entfernt. Eingeschwemmte landwirtschaftliche Düngemittel führen sodann gebietsweise zu einer Überdüngung der Gewässerflora, wodurch der Sauerstoffgehalt und damit auch der Insektenbestand im Wasser absinkt. Hier und dort haben ferner Wasserkraftwerke einschneidende Veränderungen für die Saumschnabelente gebracht.

 

Der Kaka

Wie sein aus Kreuzworträtseln bekannter Vetter, der Kea (Nestor notabilis), ist der Kaka ein neuseeländischer Vertreter der Papageienfamilie (Psittacidae). Er weist eine Länge von etwa 45 Zentimetern auf und trägt ein eher papageienuntypisches, düsteres Federkleid.

Der Kaka ist ein strikter Waldbewohner und bewohnt nur urtümlichen neuseeländischen Wald in tiefen und mittleren Lagen. Da es heute solchen Wald nur noch in wenigen Reststücken gibt, ist die Verbreitung des krummschnäbligen Vogels stark geschrumpft. Innerhalb seiner Heimatwälder bewegt sich der Kaka gewöhnlich im oberen Bereich des Kronendachs umher. Dort ernährt er sich als «Gemischtköstler» und nimmt sowohl holzbohrende Insekten und deren Larven als auch Samen, Früchte und Blütennektar zu sich.

Kakas sind sehr gesellige und lärmende Vögel, welche ihre Anwesenheit stets durch eine Vielzahl lauter Rufe - von rauhen Schreien bis zu melodiösen Pfiffen - verraten. Die Fortpflanzungszeit fällt in das südliche Sommerhalbjahr (September bis März), und das Nest befindet sich in einer geräumigen Baumhöhle. Darin bebrütet das Weibchen sein aus meistens vier oder fünf Eiern bestehendes Gelege während 24 Tagen zwar allein, wird aber vom Männchen während dieser Zeit regelmässig mit Nahrung versorgt. Die Jungen sind mit etwa zehn Wochen flügge und bleiben dann noch mehrere Monate in der Gesellschaft ihrer fürsorglichen Eltern.

Der Kaka hat nicht nur weite Bereiche seines einstigen Lebensraums verloren. Besonders die Jungvögel fallen auch des öfteren eingeschleppten Raubsäugern zum Opfer. Ferner schmälern eingeführte Nahrungswettstreiter wie der Fuchskusu (Trichosurus vulpecula), ein aus Australien stammender Kletterbeutler, seine Nahrungsgrundlage. Grössere Kakabestände finden sich inzwischen nur noch auf einigen der neuseeländischen Küste vorgelagerten Inseln wie Little Barrier, Codfish und Kapiti, wo die Zahl «exotischer» Tiere vergleichsweise gering ist.

 

Der Felsschlüpfer

Der Felsschlüpfer gehört zu einer Vogelfamilie, welche ausschliesslich auf Neuseeland heimisch ist: den Maorischlüpfern (Xenicidae). Vier Arten umfasste diese Vogelgruppe, deren Verwandtschaft im dunkeln liegt, noch vor kurzem. Eine davon starb jedoch um 1874 aus; eine zweite wurde seit 1972 nicht mehr gesehen. Häufig und weitverbreitet ist heute einzig noch der Zwergschlüpfer (Acanthisitta chloris), der sich rühmen kann, mit einer Länge von 7,5 Zentimetern der kleinste Vogel Neuseelands zu sein.

Auch der Felsschlüpfer ist ein zierlicher, nur 9 Zentimeter langer Vogel. Er kommt ausschliesslich auf Neuseelands Südinsel vor und bewohnt dort subalpine Wiesen-, Gebüsch- und Felslandschaften im Bereich der zentralen Bergkette, zumeist in Höhen zwischen 900 und 2500 Metern ü.M. Er ist ein ziemlich schlechter Flieger, der sich die meiste Zeit am Boden aufhält. Dafür erlauben ihm seine überdimensionalen Füsse, baumläuferartig an den Felsen umherzuklettern. Hüpfend und flatternd «schlüpft» der Vogelzwerg in seinem Lebensraum von Fels zu Fels - stets auf der Suche nach Insekten, seiner Hauptnahrung.

Jeweils im September oder Oktober bauen die Felsschlüpferpaare in einer Felsnische ein umfangreiches Kugelnest mit seitlichem Eingang. Das Nest wird aus Grashalmen, kleinen Zweigen, Moos und Würzelchen gebaut und mit Federn gut ausgepolstert. Dahinein legt dann das Weibchen zwei bis fünf Eier. Über die Brutzeit und die Nestlingszeit ist nichts bekannt, doch zeigen Beobachtungen, dass die beiden Altvögel ihren Nachwuchs partnerschaftlich aufziehen.

Der Felsschluepfer kommt in seiner bergigen Heimat vorerst noch in gesunden Beständen vor, und sein Lebensraum wurde bislang vom Menschen verhältnismässig wenig geschädigt. Es wird aber befürchtet, dass insbesondere die nach Neuseeland eingeschleppten marderartigen Raubsäuger Iltis (Mustela putorius), Hermelin (Mustela erminea) und Mauswiesel (Mustela nivalis) für den winzigen Vogel ein ernstes Problem darstellen.




ZurHauptseite