Zweihöckriges Kamel
Camelus bactrianus
© 1994 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
Schon im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung
hatte der Mensch in Zentralasien das Zweihöckrige Kamel
(Camelus bactrianus) zum Nutztier gemacht. Und noch immer
ist es vielerorts sein unentbehrlicher Helfer. Im allgemeinen
dient es als Lasttier. Es wird aber auch geritten oder vor den
Wagen gespannt. Daneben wird die Wolle für Kleider und das
Fell für Zelte genutzt, die Kamelmilch verwertet und das
Fleisch verspeist.
Lange Zeit kannte man das Zweihöckrige Kamel
nur noch als Nutztier und glaubte, dass es in freier Wildbahn
ausgestorben sei. 1878 traf jedoch der russische Asienforscher
Nicolaj Przewalskij am zentralasiatischen Salzsee Lop Nor überraschend
auf Wildkamele und konnte so die Art erstmals wissenschaftlich
beschreiben.
Im Vergleich zum Hauskamel ist das Wildkamel langbeiniger
und schlanker. Seine Höcker sind kleiner und kippen nie
seitlich über, wie dies beim Hauskamel oft der Fall ist.
Sein Fell ist weniger dicht und zottig, und es ist im Gegensatz
zum Hauskamel einheitlich sandbraun gefärbt. Das wilde Zweihöckrige
Kamel ist im übrigen ein besonders scheues Tier. Mit seinen
wachen Sinnen nimmt es den Menschen schon auf Entfernungen von
zwei bis drei Kilometern wahr und ergreift daraufhin im für
Kamele typischen Passgang mit grosser Geschwindigkeit und Ausdauer
die Flucht.
Die angestammte Heimat des Zweihöckrigen Kamels
sind die rauhen und öden Wüstenstriche Zentralasiens.
Dieser unwirtlichen Umgebung entsprechend ist es ein ausgesprochen
widerstandsfähiges Tier und weist vielerlei körperbauliche
Anpassungen auf. So schützen beispielsweise kräftige
Schliessmuskeln an den Nüstern, dichte Wimpern vor den Augen
und eine starke Behaarung in den Ohren die Sinnesorgane vor den
peitschenden Sandstürmen. Ferner kann das Kamel tagelang
ohne Wasser sein. Zwar besitzt es weder im Magen noch in seinen
Höckern einen Wasserspeicher, wie dies früher immer
wieder behauptet wurde. Vielfältige Massnahmen sorgen aber
dafür, dass kein Tropfen Körperflüssigkeit unnnötig
verdunstet oder sonstwie verloren geht. Zudem vermag es einen
Flüssigkeitsverlust von rund der Hälfte seines Körpergewichts
zu überleben, während für den Menschen schon eine
Verminderung der Körpersäfte um etwa zehn Prozent tödlich
ist.
Das Wildkamel ist - zwangsläufig angesichts der
kargen Weide in seinem Lebensraum - ein äusserst genügsamer
Pflanzenesser. Es verzehrt sämtliche Teile fast aller Pflanzenarten,
die es findet, von Wüstengräsern über dornenbewehrtes
Strauchwerk bis hin zu Ästen von Bäumen. Selbst giftige
Pflanzen, die von kaum einem an deren Tier genommen werden, kann
es verwerten. Wegen des beschränkten Nahrungsangebots lebt
das Wildkamel im übrigen nicht in grossen Herden, sondern
bildet kleine, auf der Suche nach Nahrung und Wasser nomadisch
umherziehende Trupps von meistens weniger als zehn Tieren.
Das Zweihoeckrige Kamel scheint zwar nie besonders
weit verbreitet gewesen zu sein. Dennoch ist es stetig - auch
noch in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts - zurückgedrängt
worden. Heute kommt es lediglich noch in einem kleinen Bereich
der transaltaischen Wüste Gobi im Südwesten der Volksrepublik
Mongolei und in einigen angrenzenden Wüstenregionen im Nordwesten
Chinas vor. 1976 wurde im Rahmen einer zoologischen Forschungsreise
der Wildkamelbestand auf 400 bis 700 Tiere geschätzt. Verlässliche
Bestandsschätzungen neueren Datums sind leider nicht erhältlich.
Für den Rückgang des Zweihöckrigen
Kamels verantwortlich ist zum einen seine massive Bejagung durch
die ansässige menschliche Bevölkerung zwecks Gewinnung
von Fellen, Fleisch und Jungkamelen, welche zu Reittieren abgerichtet
werden. Zum anderen führen mongolische Hauskamelbesitzer
häufig ihre Herden zur Überwinterung in die Wüste
Gobi, wo sie den Wildkamelen die karge Weide und das spärliche
Wasser streitig machen.
Einen Hoffnungsschimmer im Hinblick auf den Fortbestand
des Zweihöckrigen Kamels bilden heute die Schutzbestrebungen
der Mongolei und Chinas. In beiden Ländern ist die Bejagung
der Wildkamele strikt untersagt. 1976 hat die Regierung der Mongolei
zudem den Transaltai-Gobi-Nationalpark gegründet, in welchem
nunmehr die meisten Wildkamele leben. Der wirksame Vollzug der
Schutzgesetze in diesem Park ist für das Überleben
des faszinierenden Wüstenbewohners unabdingbar.
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