Karakal
Caracal caracal
© 1998 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Afrika ist die Heimat vieler verschiedener Raubtiere
(Ordnung Carnivora), darunter auch zehn Katzenarten (Familie
Felidae). Ein paar von ihnen, so der Löwe (Panthera leo),
der Leopard (Panthera pardus) und der Gepard (Acinonxy
jubatus), sind uns allen wohlbekannt, andere weniger. Zu
letzteren zählt neben der Rohrkatze (Felis chaus),
der Schwarzfusskatze (Felis nigripes) und der Goldkatze
(Profelis aurata) sicher auch der Karakal oder Wüstenluchs
(Caracal caracal), von dem hier die Rede sein soll.
Karakal bedeutet «Schwarzohr»
Mit einer Schulterhöhe von 40 bis 45 Zentimetern
und einer Kopfrumpflänge von 60 bis 80 Zentimetern ist der
Karakal ein mittelgrosses Mitglied der Katzenfamilie. Das Körpergewicht
liegt meistens zwischen 8 und 20 Kilogramm, wobei die Männchen
mit durchschnittlich 15 Kilogramm etwas kräftiger sind als
die Weibchen mit durchschnittlich 11 Kilogramm.
Typisch für den Karakal ist, dass er hinten «überbaut»
ist: Seine Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine.
Die überaus kräftigen Hinterbeine machen den Karakal
zu einem der kraftvollsten Hochspringer unter den Katzen: Sprünge
aus dem Stand von drei Metern Höhe sind für ihn eine
Kleinigkeit (was ihm etwa bei der Jagd nach vorüberfliegenden
Vögeln sehr dienlich ist).
Die Farbe des Karakalfells variiert auf der Oberseite
je nach Lebensraum von blass rotbraun in trockenen Gebieten bis
zu sandbraun oder sogar ziegelrot in niederschlagsreicheren Gegenden.
Die Rückseiten der grossen Ohren sind schwarz, ebenso die
«Ohrpinsel», welche mit einer Länge von etwa
fünf Zentimetern zu den längsten innerhalb der Katzenfamilie
gehören. Diesem auffälligen Körpermerkmal verdankt
der Karakal seinen Namen: Er leitet sich vom türkischen
Garah gulak ab, was soviel wie «Schwarzohr»
bedeutet.
Eine Vorliebe für trockene Lebensräume
Der Karakal hat eine bemerkenswert weite Verbreitung
in den Tropen und Subtropen Afrikas und Asiens: In Afrika ist
er südlich der Sahara - von der Sahelzone im Norden bis
zu Südafrikas Kapprovinz im Süden - weit verbreitet
und fehlt eigentlich nur in den Regenwaldgebieten Zentral- und
Westafrikas. In der Sahara selbst kommt er nicht vor, doch findet
man ihn im ganzen nördlichen Afrika, von Marokko im Westen
bis Ägypten im Osten. In Asien begegnet man dem Karakal
auf der Arabischen Halbinsel sowie im Nahen und Mittleren Osten,
von der Türkei ostwärts bis nach Zentralindien. Die
nördliche Grenze seines Verbreitungsgebiets liegt in Kasachstan
zwischen dem Kaspischen Meer und dem Aralsee.
Innerhalb seines weiten Verbreitungsgebiets zeigt
der Karakal eine deutliche Vorliebe für trockene Lebensräume:
Er bewohnt hauptsächlich Dornbuschsavannen, hügelige
Steppen, Halbwüsten, Trockenwälder und trockene Berggebiete
(bis in Lagen von 3000 Metern ü.M.). Echte Wüstengebiete
meidet er dagegen ebenso wie Feuchtländer, weshalb man seinen
Zweitnamen «Wüstenluchs» besser vermeiden sollte.
Wie die meisten Katzen geht der Karakal hauptsächlich
nachts auf Jagd. Das Spektrum seiner Beutetiere ist sehr breitgefächert
und reicht von Nagetieren und anderen Kleinsäugern über
Vögel aller Art bis hin zu Schliefern und kleineren Antilopen.
Überall in seinem Verbreitungsgebiet steht der Karakal im
Ruf eines für seine Grösse besonders wilden, unerschrockenen
Räubers. Auf Suaheli beispielsweise heisst er deshalb Simba
mangu («Kleiner Löwe») oder auch Simba
kali («Grimmiger Löwe»).
Mit einer «Leuchttapete» ausgerüstet
Wie alle Katzen ist der Karakal ein besonders hoch
entwickeltes Raubtier. Zu seinen körperbaulichen Anpassungen
an das «Handwerk» des Beutegreifens gehört erstens
das Gebiss: Die Zahl der Zähne ist deutlich vermindert,
und ihre Form ist stark abgewandelt. Die wichtigsten seitlichen
Zähne sind die sogenannten «Reisszähne»,
welche beiderseits des Kiefers aus dem letzten Vorbackenzahn
des Oberkiefers und dem ersten Backenzahn des Unterkiefers hervorgegangen
sind. Die vier Reisszähne sind nicht breit und abgeflacht
wie bei den Pflanzenfressern, sondern schlank und scharfkantig.
Sie eignen sich deshalb auch weniger zum Kauen als vielmehr zum
Schneiden: Wie mit einer Schere kann der Karakal mit Hilfe der
Reisszähne mundgerechte Stücke aus dem Fleisch seiner
Opfer heraustrennen. Zur Optimierung der Schneidewirkung der
Reisszähne lässt das Kiefergelenk keine seitlichen
Bewegungen zu, wie sie die Pflanzenfresser zum Mahlen und Kauen
ihrer Nahrung benötigen. Wichtige Zähne sind ferner
die Eckzähne («Fangzähne»): Es sind kräftige,
gut bewurzelte «Dolche», welche zum Packen und Töten
der Beutetiere dienen.
Zweitens verfügt der Karakal wie alle Katzen
über enorm leistungsfähige Augen: Selbst bei Lichtverhältnissen,
die wir Menschen als «stockdunkel» bezeichnen würden,
vermag er noch erfolgreich auf Jagd zu gehen. Seine Augen weisen
zum einen eine sehr grosse Pupille auf, welche besonders viel
Restlicht ins Auge einfallen lässt. Zum anderen überwiegen
in der Netzhaut die stäbchenförmigen, dem Dämmerungssehen
dienlichen Sinneszellen deutlich die zapfenförmigen, für
die Farbempfindung zuständigen Zellen. Das Karakalauge besitzt
dadurch eine (auf Kosten der Qualität des Farbensehens)
erheblich gesteigerte Lichtempfindlichkeit. Für eine verbesserte
Nachtsicht sorgt des weiteren eine besondere Gewebeschicht, welche
sich hinter der Netzhaut befindet und die einfallenden Lichtstrahlen
wie ein Spiegel ins Auge zurückwirft. Diese Schicht heisst
Tapetum lucidum, was wörtlich übersetzt «Leuchttapete»
bedeutet. Sie bewirkt, dass die Sinneszellen der Netzhaut von
den einfallenden Lichtstrahlen gleich nochmals von hinten gereizt
werden. Das auf der Netzhaut entstehende Bild ist deshalb doppelt
so hell, als wenn das Tapetum lucidum nicht vorhanden
wäre. Letzteres ist im übrigen der Grund dafür,
dass die Augen des Karakals (wie auch aller anderen Katzen) im
Dunkeln aufleuchten, wenn sie von einem Lichtstrahl getroffen
werden.
Zur «Spezialausrüstung» des Karakals
gehören drittens grosse, muskulöse Pfoten, mit denen
er seine Beute ergreift und zu Boden zerrt. Es sind gefährliche
«Fangeisen» aus Muskeln, Sehnen und spitzen, messerscharfen
Krallen. Haben sie ein Opfer einmal gepackt, so gibt es kein
Entrinnen mehr. Beim Laufen sind die Krallen in Hauttaschen zurückgezogen.
So werden sie nicht abgewetzt und bleiben immer scharf. Nur beim
Beutefang und beim Klettern werden sie mit Hilfe besonderer Muskeln
vorgestreckt.
Weitere körperbauliche Kennzeichen, welche den
Karakal im speziellen und die Katzen im allgemeinen zu besonders
tüchtigen Beutegreifern machen, sind die besonders grosse,
gewölbte Gehörkapsel, die modifizierte Halsschlagader,
das stark rückgebildete Schlüsselbein und noch vieles
mehr. Alle diese körperbaulichen Merkmale wurden von den
Katzen im Laufe ihrer jahrmillionenlangen Stammesgeschichte nach
und nach entwickelt und tragen wesentlich zum bemerkenswerten
Erfolg der Katzensippe im tagtäglichen Kampf ums Überleben
bei.
Duftmarken dienen der Verständigung
Neuere, in Südafrika, Israel und Turkmenistan
durchgeführte Freilandstudien haben interessante Einblicke
in das gesellschaftliche Leben der Karakals gewährt: Erwachsene
Individuen führen im allgemeinen ein sesshaftes und ausserhalb
der Paarungszeit einzelgängerisches Leben. Ihr Wohn- und
Jagdgebiet beanspruchen sie allerdings - im Unterschied zu vielen
anderen Raubtieren - keineswegs zur alleinigen Nutzung: Es überlappt
auf allen Seiten beträchtlich mit denjenigen benachbarter
Individuen beiderlei Geschlechts. Zur Vermeidung unliebsamer
Begegnungen zwischen Nachbarn dienen den Karakals Duftmarken,
die sie auf ihren Streifzügen - in Form von Harn und Sekreten
aus ihren Drüsen an Kinn, Lippen und Zehen - immer wieder
absetzen. Diese Duftmarken orientieren die lokale Karakalgesellschaft
einerseits über die Ortsverschiebungen der ansässigen
Artgenossen, andererseits aber auch über die Paarungsbereitschaft
der Weibchen, die Fitness der Männchen und wohl noch manches
mehr. So kommt es, dass die Karakals einer bestimmten Region
einander zwar selten leibhaftig begegnen, jedoch in ständigem
Kontakt untereinander stehen und kontinuierlich über das
Befinden der übrigen Gesellschaftsmitglieder unterrichtet
sind.
Wir wissen nun auch, dass sich die Grösse der
Karakal-Wohngebiete nicht allein nach dem Beutetierangebot richtet,
sondern noch andere, uns nicht bekannte Faktoren berücksichtigt.
In Israel wiesen jedenfalls die Wohngebiete der Karakalmännchen
in einer Region mit recht hoher Beutetierdichte durchschnittlich
eine Fläche um 200 Quadratkilometer auf, während sich
die Karakalmännchen in Südafrika bei ähnlichem
Nahrungsangebot in Gebieten von nur rund 50 Quadratkilometern
umherbewegten. Die Wohngebiete der Karakalweibchen waren in beiden
Untersuchungsgebieten deutlich kleiner als die der Männchen,
aber ebenfalls regional unterschiedlich: Sie massen in Israel
um 60 Quadratkilometer, in Südafrika hingegen nur 5 bis
30 Quadratkilometer.
Herausgekommen ist bei den Studien ferner, dass die
Karakals zwar keineswegs täglich alle Bereiche ihres individuellen
Wohngebiets durchstreifen, bei ihren nächtlichen Pirschgängen
aber doch beträchtliche Strecken zurücklegen. So wanderten
die untersuchten Individuen in der turkmenischen Wüste Karakum
Nacht für Nacht etwa zwanzig Kilometer weit, während
in Israel die Männchen im Durchschnitt immerhin rund zehn
Kilometer und die Weibchen sieben Kilometer weit zogen.
Hilflose 250-Gramm-Bündel
Die Fortpflanzung der Karakals findet nicht überall
im riesenhaften Verbreitungsgebiet zur selben Zeit statt, sondern
richtet sich nach den örtlichen - hauptsächlich des
Klimas und Untergrunds wegen unterschiedlichen - Gegebenheiten.
Überall erfolgen die Geburten jedoch in einer Jahreszeit,
in welcher die Dichte der Beutetierbestände besonders hoch
und somit die Nahrungsbeschaffung für die Weibchen während
der Jungenaufzucht verhältnismässig einfach ist.
Die Tragzeit liegt bei etwa achtzig Tagen, und es
werden gewöhnlich ein bis drei, seltener vier Junge je Wurf
geboren. Als Wurfplatz wählt das Weibchen eine Felsnische,
einen hohlen Baumstamm oder ein anderes sicheres Versteck. Die
neugeborenen Karakals sind anfänglich völlig hilflose,
blinde 250-Gramm-Bündel. Etwa am zehnten Lebenstag öffnen
sich ihre Augen, und mit ungefähr einem Monat erscheinen
die Milchzähne. In diesem Alter beginnen sie, feste Nahrung
zu sich zu nehmen, die ihnen die Mutter zuträgt. Mit sechs
bis sieben Monaten unternehmen sie dann ihre ersten Jagdversuche,
anfänglich allerdings ziemlich erfolglos. Noch bis zum Alter
von etwa einem Jahr bleiben sie mit ihrer Mutter zusammen, und
erst mit ungefähr zwei Jahren sind sie vollständig
ausgewachsen.
Wie bei vielen anderen Raubtieren wandern die jungen
Männchen nach der Loslösung von ihrer Mutter weit umher
und suchen nach einem geeigneten, noch freien Jagdgebiet, um
sich dort niederzulassen. Die jungen Weibchen sind ortstreuer
und werden oftmals ganz in der Nähe ihres Geburtsorts sesshaft,
so dass nicht selten ihr Wohngebiet teilweise mit dem ihrer Mutter
überlappt.
Über die Lebensdauer der Karakals in freier Wildbahn wissen
wir bislang nichts. In Menschenobhut sind die mittelgrossen Katzen
bis neunzehn Jahre alt geworden.
Ausgedünnte Bestände wurden aufgefüllt
Hin und wieder mag ein Karakal einem hungrigen Leoparden
zum Opfer fallen. Ansonsten braucht der rotbraune Jäger
keine natürlichen Feinde zu fürchten. Wie die meisten
grösseren Raubtiere hat er jedoch im Menschen von alters
her einen Erzfeind: Vor allem als «Viehdieb» wurde
und wird der Karakal in weiten Bereichen seines Verbreitungsgebiets
unnachgiebig bejagt. So haben beispielsweise die Farmer in Namibia
allein im Jahr 1981 nahezu dreitausend Karakals getötet.
Erfreulicherweise scheint der Karakal diesem enormen
Jagddruck zum Trotz in vielen Bereichen seines Verbreitungsgebiets
noch immer in gesunden Beständen vorzukommen. Dies mag vor
allem darauf zurückzuführen sein, dass seine hauptsächliche
Nahrungsgrundlage - verhältnismässig kleinwüchsige
Säugetiere und Vögel- durch die Aktivitäten des
Menschen nicht sonderlich beeinträchtigt werden. Dort, wo
Trockengebiete in künstlich bewässerte Kulturflächen
umgewandelt worden sind, mag er sogar von diesen profitieren.
Auch verfügt der Karakal dank seiner verhältnismässig
hohen Fortpflanzungsrate und der Auswanderbereitschaft der jungerwachsenen
Individuen über ein gutes Potential, ausgedünnte Bestände
wieder aufzubauen. So hat die Art in Südafrika nachweislich
Farmgebiete wiederzubesiedeln vermocht, in denen sie durch unnachgiebige
Nachstellungen vorübergehend ausgemerzt war.
Über die Situation des Karakals in Somalia, dem
Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, sind praktisch keine
Angaben erhältlich. Wir wissen einzig, dass in diesem armen
ostafrikanischen Land weder Naturschutzgebiete existieren, die
diesen Namen verdienen, noch ein tatsächlicher Jagdschutz
für die einheimischen Wildtiere besteht. Die Landschaft
Somalias ist allerdings auf weiten Flächen durch trockene
Gestrüppsavannen, felsenreiche Hügelzüge und unwirtliche
Halbwüsten geprägt. Man darf darum annehmen, dass der
Karakal auch in Somalia noch immer einigermassen weitverbreitet
ist und in überlebensfähigen Beständen vorkommt.
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