Kiribati
© 1990 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
«Kiribati» - ein Staat mit diesem Namen
ist den meisten von uns unbekannt, und selbst in neueren Atlanten
sucht man ihn mitunter vergeblich. Tatsächlich existiert
die unabhängige Republik Kiribati aber schon seit über
zehn Jahren: Sie liegt mitten im Pazifischen Ozean und besteht
aus drei Inselgruppen - den 16 Gilbertinseln, den 8 Phönixinseln
und 8 der 11 Linieninseln - sowie der Ozean-Insel, heute Banaba
genannt. Die politische Zusammenfassung der 33 Koralleninseln,
die über ein riesiges Areal verstreut liegen, ist allerdings
eher künstlich und das Staatsgebilde in vielerlei Hinsicht
sonderbar.
Eine eigenartige Nation
Zu den vielen Eigentümlichkeiten, die Kiribati
kennzeichnen, gehört zuallererst der Name, der zwar «Kiribati»
geschrieben, jedoch «Kiribas» ausgesprochen wird.
Dies ist keineswegs ein ursprüngliches Wort der Kiribatier,
wie man vielleicht annimmt, sondern ihre sprachliche Umsetzung
des englischen «Gilberts», der Kurzform von «Gilbert
Islands». Da aber nur knapp die Hälfte der Inseln,
aus denen die Republik besteht, zur Gruppe der Gilbertinseln
gehört, ist der Name der pazifischen Inselnation im Grunde
genommen missverständlich. Für die Einwohner Kiribatis
ist das aber kein Problem, denn sie nennen die Gruppe der Gilbertinseln
ohnehin «Tungaru»...
Sehr eigenartig ist auch das Verhältnis - oder
vielmehr Missverhältnis - zwischen Land und Wasser innerhalb
der Grenzen Kiribatis: Das Staatsgebiet umfasst zwar die unvorstellbare
Fläche von 5,2 Millionen Quadratkilometern offener See;
die Landfläche misst aber insgesamt lediglich 886 Quadratkilometer.
Kein anderes Land der Welt weist ein solch extremes Verhältnis
auf.
Dann kommt hinzu, dass Kiribati als einzige Nation
der Welt in nordsüdlicher Richtung von der Datumsgrenze
zweigeteilt wird - jener künstlich gezogenen Linie, durch
welche die aus der Erdrotation resultierende Datumsdifferenz
ausgeglichen wird. Während also die Inseln im Osten Kiribatis
Sonntag haben, ist im Westen Montag.
Wohl gerade all seiner Eigenarten wegen besitzt Kiribati
einen ganz besonderen Charme: Es ist ein Stück Südsee,
wie sie sich vor etwa einem halben Jahrhundert darstellte und
heute kaum mehr existiert. In dieser kaum berührten Ecke
des Pazifischen Ozeans sind Kanus mit Auslegern und Segeln noch
kaum durch Motorboote ersetzt, und Touristen kommen erst wenige
in diesen abgelegenen Winkel des Pazifiks. Die Inselbewohner
sind überaus herzlich, zuvorkommend und gastfreundlich.
Sie mögen Spass, nehmen das Leben leicht und lassen alles
gemütlich angehen.
Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 27°
Celsius
Die Inseln Kiribatis verteilen sich entlang des Äquators
zwischen dem sechsten nördlichen und dem zwölften südlichen
Breitengrad. Entsprechend ausgeglichen ist das Klima des Südseestaats,
denn die in den Tropen ohnehin kleinen Temperaturschwankungen
sind hier, unter dem ausgleichenden Einfluss des Ozeans, noch
geringer. Während des ganzen Jahres herrschen Durchschnittstemperaturen
um 27°C; tagsüber klettert das Thermometer vielleicht
auf 34°C, in der Nacht fällt es selten unter 21°C.
Temperaturen um 20°C werden von den Inselbewohnern schon
als unangenehm kalt empfunden.
Der «Winter» ist auf den Kiribati-Inseln
eigentlich nur daran zu erkennen, dass es dann etwas häufiger
regnet: Die von November bis März wehenden Nordwestwinde
bringen oft Regen, der in heftigen, unregelmässigen Güssen
herabfällt. Die Zeit der Südostwinde, März bis
Oktober, ist trockener. Relativ selten sind Wirbelstürme,
die in anderen Regionen der Südsee des öfteren schwere
Verwüstungen anrichten.
Bis auf wenige Ausnahmen sind die Inseln Kiribatis
typische Atolle, deren Saumriffe eine seichte Lagune umschliessen.
Der über dem Wasser befindliche trockene Landstreifen ist
im allgemeinen nicht breiter als 200 bis 300 Meter; seine Länge
kann aber bis 100 Kilometer betragen. In einigen wenigen Fällen
haben die Korallen die zentrale Lagune aufgefüllt; diese
Inseln haben eine flächige Form.
Der Boden der Kiribati-Inseln besteht aus zerbröckelten
Korallen und ist nur wenig fruchtbar. Daher ist die Pflanzenwelt
- gemessen an der üppigen Vegetation tropischer Inseln,
deren Boden aus vulkanischem Gestein besteht - sehr artenarm.
Praktisch die einzigen höheren Pflanzen, die von Natur aus
hier in grösserer Zahl gedeihen, sind die Kokospalme und
der Schraubenbaum.
Auch die Tierwelt Kiribatis ist wenig aufsehenerregend:
Fast nur Meeresvögel und Fluginsekten haben den weiten Weg
über das Meer auf die abgeschiedenen Eilande gefunden. Umso
reichhaltiger offenbart sich das Leben in den warmen, küstennahen
Gewässern. Korallenriffe von enormer Farben- und Formenpracht
wachsen direkt unter der Wasseroberfläche. Sie bieten einer
Unmenge bunter Fische, stachelbewehrter Seesterne, riesenhafter
Muscheln und anderer bizarrer Geschöpfe Unterschlupf und
Nahrung.
Das Leben geht einen gemütlichen Gang
Von den insgesamt 65 000 Einwohnern Kiribatis leben
fast vierzig Prozent (rund 25 000) auf der Hauptinsel Tarawa,
wo sich neben dem Hauptort Bairiki unter anderem ein internationaler
Flugplatz, eine geschützte Schiffsanlegestelle und ein grösseres
Krankenhaus befinden. Auf den restlichen Gilbertinseln wohnen
je zwischen 800 und 4000 Menschen. Die Phönix- und die Linieninseln
waren ursprünglich unbewohnt und wurden erst besiedelt,
nachdem die Europäer in diese Region vorgedrungen waren.
Die Besiedlungsversuche auf den Phönixinseln (ab 1938) waren
allerdings erfolglos, weil schwere Dürreperioden die Inseln
beutelten; sie sind heute wieder menschenleer. Auf den Linieninseln,
wo sich grosse Kokosnussplantagen befinden, leben ungefähr
2000 Menschen. Auf der Ozeaninsel (Banaba) finden sich nur etwa
300 Einwohner.
Von einigen Polynesiern, Chinesen und Weissen abgesehen
gehören die Bewohner der Kiribati-Inseln der mikronesischen
Rasse an, erkennbar an ihrer kupferfarbenen Hautfarbe, ihren
dünnen Lippen, dem schmalen Körperbau und dem schwarzen,
glatten Haar. Ihre Vorfahren waren vor etwa 3000 Jahren von den
Philippinen her über die Karolinen auf die Gilbertinseln
gelangt. Die meisten von ihnen leben heute von dem, was sie auf
ihren kleinflächigen Feldern an bauen und vom Fischfang.
Die Skala der Nutzpflanzen, die zum Anbau auf den
Koralleninseln geeignet sind, ist allerdings klein. Taro, eine
Sumpfpflanze, die ursprünglich aus Bima stammt, wird in
tiefen Gruben angepflanzt, die unter dem Grundwasserspiegel liegen.
Man isst diese jamsähnliche Knollenfrucht, die hier Grundnahrungsmittel
ist, gekocht als Gemüse oder auch als sehr unterschiedlich
zubereiteten «Pudding». Ein weiteres wichtiges Nahrungsmittel
ist die Frucht des aus dem indomalaiischen Raum stammenden Brotfruchtbaums;
sie wird gekocht oder in Kokosöl gebraten. Ausserdem isst
man die zu Streifen geschnittenen, gekochten und dann gerösteten
Früchte des Schraubenbaums. Wichtige pflanzliche Nahrungsmittel
sind ferner auch die auf vielerlei Arten zubereiteten Früchte
der Kokospalme, der Bananenstauden und der Papayabäume.
Der Eiweissbedarf der Kiribatier wird hauptsächlich
durch Fisch gedeckt. Die Männer sind ausgezeichnete Bootsfahrer.
Sie bauen schnelle, seetüchtige Kanus mit Ausleger und Segel.
Segeln sie mit dem Wind, so können sie Geschwindigkeiten
von bis zu 30 Stundenkilometern erreichen. Mit ihren Booten fangen
die Männer in den Lagunen und in den küstennahen Gewässern
eine Vielzahl delikater Fische. Langusten, Palmendiebe, Meeresschnecken
sowie Muscheln bereichern mitunter die Speisekarte, ebenso
wie Hühner und Schweine, deren Haltung weit verbreitet ist.
Um ein wenig Bargeld zum Kauf einiger wichtiger zusätzlicher
Nahrungsmittel wie Reis, Zucker und Mehl in die Hände zu
bekommen, stellen die meisten Kiribatier in geringen Mengen Kopra
(getrocknetes Kokosnussfleisch, Rohstoff für die Kokosöl-Produktion)
her.
Im grossen Ganzen geht das Leben auf den Kiribati-Inseln
einen recht gemütlichen Gang. Fast alle Aktivitäten
sind darauf abgestellt, das Lebenswichtigste zu beschaffen; darüber
hinaus wird nicht viel getan. Die Hauptbeschäftigungen sind
das Fischen, das Unterhalten der Tarofelder, das Kochen - und
der Umgang miteinander. Die friedliche Ruhe wird höchstens
einmal unterbrochen durch ein knatterndes Motorrad und ab und
zu vielleicht durch eine Maschine von Air Tungaru, sofern diese
überhaupt fliegen.
Eine bewegte Geschichte
Entdeckt wurden die Gilbert-Inseln im Jahre 1606 vom
spanischen Seefahrer Fernandez de Quiros. Ihren Namen erhielten
sie dann aber nach dem britischen Kapitän Thomas Gilbert,
der die Inseln 1788 mit seiner «Charlotte» erforschte.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die Inselgruppe zwar häufig
von amerikanischen und britischen Walfängern aufgesucht,
es liessen sich auch einige europäische Händler auf
den Inseln nieder und trieben mit den Eingeborenen Handel, und
natürlich durften auch amerikanische und englische Missionare
nicht fehlen, die aus den Insulanern gute Christenmenschen machten.
Noch hatte aber kein Land offiziell Besitzansprüche auf
die Gilbertinseln geltend gemacht.
Das änderte sich im Jahre 1892, als England die
Gilbert- und die südlich davon gelegenen Elliceinseln zum
britischen Protektorat erklärte. Als man 1900 auf der Ozeaninsel
(Banaba) Phosphat entdeckte, annektierte England schnell auch
noch diese Insel und fügte sie seinem Inselbund bei. Aus
dem Protektorat wurde 1916 eine Kolonie, der man noch im selben
Jahr die Linieninseln Washington und Lanning und 1919 die Weihnachtsinsel
(Kiritimati) angliederte. Schliesslich kamen 1937 noch die Phönixinseln
hinzu. Allerdings beanspruchten bereits seit 1856 auch die Amerikaner
die 14 Inseln der Phönix- und der Linien-Gruppe. Das führte
zu einem viele Jahre dauernden Streit zwischen Amerika und England.
Im Zweiten Weltkrieg besetzten dann die Japaner die Gilbertinseln
und die Ozeaninsel. 1943 wurden sie aber von den Amerikanern
in einer auf beiden Seiten sehr verlustreichen Schlacht wieder
von den Gilbertinseln vertrieben, und 1945 mussten die Japaner
auch die Ozeaninsel aufgeben, nachdem der Krieg für sie
verloren war.
In der Folge wurde die britische Kolonie vom «Westpazifischen
Hochkommissariat» der UNO verwaltet, da Amerika diese Aufgabe
nicht übernehmen wollte, um nicht in den Ruf einer Kolonialmacht
zu gelangen. Erst 1972 ging die Verwaltung wieder an Grossbritannien
über.
1974 entschieden sich die polynesischen Bewohner der
Elliceinseln in einer Volksabstimmung für eine Abtrennung
von den mikronesischen Gilbertesen. 1975 lösten sie sich
aus dem Inselbund und wurden 1978 als «Tuvalu» unabhängig.
Etwa zur gleichen Zeit erfolgten auch Unabhängigkeitsbestrebungen
der polynesischen Banabaer, die aber nicht erfolgreich waren.
Das Problem ist noch nicht gelöst und schwelt im Untergrund.
1977 überliessen die Engländer ihrer Kolonie
die innere Selbstverwaltung, und am 12. Juli 1979 schliesslich
die völlige Unabhängigkeit. England hatte diesen Zeitpunkt
sehr bewusst gewählt, denn er fiel mit dem Ende des Phosphatabbaus
auf der Ozeaninsel zusammen - die Minen mussten 1980 wegen Erschöpfung
der Phosphatvorkommen geschlossen werden. Die Briten lösten
sich somit leichten Herzens von einer Kolonie, die keine Rohstoffe
mehr besass und zukünftig nur noch Kosten verursacht hätte.
Ebenfalls 1979 übertrugen die USA alle ihre Ansprüche
auf die Phönix- und die Linieninseln der Republik Kiribati.
Ihre heutigen Ausmasse erhielt die pazifische Inselnation mit
der bewegten Geschichte allerdings erst 1982, als sie die beiden
Linieninseln Fanning und Washington von einem australischen Kokosölproduzenten
zurückkaufen konnte.
Die Republik Kiribati wird heute durch ein Parlament
regiert, das aus 37 Abgeordneten besteht und jeweils für
einen Zeitraum von vier Jahren gewählt wird. Der Präsident
wird ebenfalls vom Volk direkt gewählt, und zwar aus drei
oder vier Kandidaten, die das Parlament aus seinen Reihen vorschlägt.
Der Präsident ernennt dann sein Kabinett mit acht Ministern
wiederum aus den Mitgliedern des Parlaments. Das Regierungsgebäude
befindet sich im Hauptort Bairiki auf der Gilbertinsel Tarawa.
Hoffnungsstrahl am Wirtschaftshimmel: Manganvorkommen
Bis 1979 hatte Phosphat 85 Prozent des gesamten Exportvolumens
der Gilbertinseln ausgemacht. Seit der Unabhängigkeit und
Schliessung der Phosphatminen steht Kiribati vor dem Ruin: Seine
Wirtschaft basiert fast ausschliesslich auf der Kopraproduktion
(90 Prozent des Exportvolumens). Nennenswerte Einnahmen bringt
lediglich noch die Vergabe von Fischereirechten innerhalb der
nationalen 200-Meilen-Zone.
Der Tourismus fällt bei den Einnahmen des Landes
überhaupt nicht ins Gewicht, und es besteht auch kaum Aussicht
darauf, dass er in absehbarer Zukunft ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor
wird, denn leichter zugängliche und besser erschlossene
Südseeinseln bilden eine übermächtige Konkurrenz.
Die einzige Hoffnung auf eine baldige Besserung der
kläglichen Wirtschaftslage bilden die reichen Manganvorkommen,
die vor den Linieninseln im Meer entdeckt wurden. Sie könnten
eines Tages zur Haupteinnahmequelle des Landes werden. Vorderhand
ist Kiribati aber noch auf massive ausländische Finanzhilfe
angewiesen.
Kasten: Der Palmendieb
Es ist nur ganz wenigen landbewohnenden Tieren gelungen,
die erdgeschichtlich jungen, inmitten des weiten Pazifiks gelegenen
Kiribati-Inseln auf natürlichem Weg zu erreichen und zu
besiedeln. Umso erstaunlicher erscheint es, dass der Palmendieb
(Birgus latro), ein mächtiger Land-Einsiedlerkrebs,
selbst auf den kleinsten und abgelegensten Eilanden anzutreffen
ist. Ein Blick auf seine Jugendentwicklung offenbart sein «Erfolgsrezept»:
Die Larve des Palmendiebs entwickelt sich nicht an Land, sondern
im Meerwasser und vermag - mit der Meeresströmung treibend
- mühelos weite Strecken zurückzulegen. Der Palmendieb
ist also im Gegensatz zu anderen Landtieren für die Reise
über das Meer nicht auf Treibgut als Transportmittel angewiesen.
Der Palmendieb ist ein ungewöhnlich grosser und
kräftiger Krebs: Er erreicht eine Länge von 30 bis
40 Zentimetern, bringt bis zu drei Kilogramm auf die Waage, und
die Spannweite seiner Beine misst bis zu einem Meter. Von kurzen,
regelmässigen Ausflügen ans Wasser abgesehen, bei denen
er seine Kiemen befeuchtet und die Weibchen ihre befruchteten
Eier absetzen, hat sich der Palmendieb vollständig an ein
Leben auf dem Land gewöhnt. Auf von Menschen bevölkerten
Inseln lebt er als Nachttier und verbringt die Tage in selbstgegrabenen
Erdlöchern, die er reich mit den Fasern von Kokosnussschalen
auskleidet. Auf unbewohnten Inseln, wo er keine Feinde hat, ist
er durchaus auch am Tag unterwegs.
Die Nahrung des Palmendiebs besteht zur Hauptsache
aus dem Fruchtfleisch heruntergefallener und angeschwemmter Kokosnüsse.
Mit seinen kräftigen Scheren befreit er die Frucht an dem
Ende, wo später der Keimling auswachsen würde, von
den Fasern. Dann zertrümmert er das dünne Deckelchen
eines Keimlochs, vergrössert die entstandene Öffnung
und «löffelt» schliesslich das nahrhafte Fruchtfleisch
mit den schmalen Scheren seiner hinteren Beinpaare aus. Findet
er einmal keine Kokosnuss am Boden, so erklimmt er in erstaunlich
kurzer Zeit eine nicht allzu hohe Palme und tut sich dort an
den heranwachsenden Früchten gütlich. Daher stammt
auch sein Name. Im übrigen verschmäht der Palmendieb
auch die Früchte der Schraubenbäume nicht, und mitunter
nimmt er sogar Blätter und tote Tiere, die an Land gespült
wurden.
Leider ist der Palmendieb auf den meisten vom Menschen
bewohnten Pazifikinseln - so auch auf den Gilbertinseln - stark
zurückgedrängt worden. Sein Fleisch gilt überall
als grosse Delikatesse, und darum wird er rücksichtslos
verfolgt, wo und wann immer er sich zeigt. Der «Kokosräuber»,
wie der Palmendieb manchmal auch genannt wird, steht heute in
der Kategorie «Seltene Arten» auf der Roten Liste
der bedrohten Tierarten.
Legenden
Im Südseestaat Kiribati, wo Kokospalmen das Landschaftsbild
prägen, spielt sich alles Leben praktisch auf Meereshöhe
ab. Sämtliche Inseln ragen höchstens drei bis vier
Meter über den Meeresspiegel auf. Einzig Banaba, die ehemalige
Ozean-lnsel, weist einen Hügel von 81 Metern Höhe auf
- die höchste Erhebung Kiribatis.
Eine wichtige Lebensgrundlage der Kiribatier bildet
der Fischfang sowohl in den seichten Lagunen als auch in den
küstennahen Gewässern. Sie benützen dazu ihre
wendigen, seetüchtigen Ausleger-Segelboote, derer sie sich
auch für den Tauschhandel zwischen den einzelnen Inseln
bedienen.
Kiribati ist ein Stück unverfälschter Südsee
- noch kaum berührt vom Tourismus und anderen «Segnungen»
der westlichen Zivilisation. Dies mag mit ein Grund dafür
sein, warum die Kiribatier, obschon kaum mit weltlichen Gütern
gesegnet, durchweg fröhliche Menschen sind, die Spass mögen
und mit sich und der Welt zufrieden sind.
Die Einwohner Kiribatis tanzen oft und gerne. Vielfach
versammeln sich spontan ein paar Jugendliche und führen
ihre traditionellen Tänze auf. Nachdruck liegt vor allem
auf den Bewegungen der Hände, des Kopfes und der Augen,
weniger auf der der Beine. Begleitinstrument ist in der Regel
die vierseitige Ukulele.
Der Schraubenbaum oder Pandanus ist neben der Kokospalme
die einzige höhere Pflanze, die auf den Kiribati-Inseln
in grösserer Menge wächst. Seine schmalen Blätter
eignen sich ausgezeichnet zur Herstellung geflochtener Matten
und Körbe.
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