Kleideraffe

Pygathrix nemaeus


© 1995 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)



Der Kleideraffe (Pygathrix nemaeus), ein Mitglied der Sippe der Schlankaffen, zählt zu den farbigsten Herrentieren der Welt. Seine bunte Fellfärbung wirkt so, als sei er mit Jacke, Weste, Kniehose, Strümpfen und Schuhen bekleidet - daher sein Name.

Die Heimat des Kleideraffen ist der indochinesische Subkontinent. Dort kommt er in den tropischen Urwäldern östlich des Mekongs - in Vietnam, Laos und Kambodscha - vor. Ob es wohl Zufall ist, dass ihm seine mandelförmigen Augen ein typisch fernöstliches Aussehen verleihen?

Wie die meisten Schlankaffen leben die Kleideraffen in sogenannten «Haremsgruppen», d.h. zumeist fünf- bis zehnköpfigen Trupps, die sich aus einem erwachsenen Männchen, ein paar Weibchen und deren Nachkommen zusammensetzen.

Wie die meisten Schlankaffen sind die Kleideraffen im übrigen reine Vegetarier. Ihre Nahrung setzt sich mehrheitlich aus Blättern zusammen, umfasst aber auch Früchte, Blüten und Triebspitzen. Um solch schwer verdauliche Nahrung bestmöglich verwerten zu können, verfügen die langschwänzigen Affen über einen grossen, mehrkammerigen Magen, in welchem - ähnlich wie bei den wiederkauenden Huftieren - Bakterien die Aufspaltung der Zellulose besorgen.

Ihres hilfreichen «Kuhmagens» zum Trotz sind die Kleideraffen hinsichtlich ihrer Kost sehr wählerisch. Sie nehmen nur die jungen, zarten Blätter von ein paar ausgewählten Baumarten, und sie verspeisen auch nur ganz bestimmte Früchte. Alte Blätter oder überreife Früchte, die sie versehentlich gepflückt haben, lassen sie einfach fallen. Über diesen «verschwenderischen» Essstil freuen sich dann Hirsche, Wildschweine und andere bodenlebende Pflanzenfresser, die den im Geäst fresswandernden Affen oft über weite Strecken hinterherlaufen.

Auffällig ist, dass sich die Kleideraffen nie um Futter zanken, wie dies etwa bei Makaken regelmässig zu beobachten ist. Tatsächlich kommt es vor, dass zwei Gruppenmitglieder friedlich beieinander sitzen und von ein und demselben Zweig Blätter zu sich nehmen. Solche «Grosszügigkeit» ist bei Altweltaffen selten. Überhaupt gestaltet sich das Leben innerhalb der Kleideraffengruppe sehr harmonisch. Nicht nur die Mutter-Kind-Beziehung ist sehr eng, sondern auch die Beziehung der erwachsenen Tiere untereinander. So kommt es des öfteren vor, dass Kinder zwischen den älteren Mitgliedern der Gruppe herumgereicht und abwechslungsweise gehütet werden.

Leider ist der Kleideraffe heute vom Aussterben bedroht. Zum einen gehört er mit zu den grossen Verlierern des Vietnamkriegs. Während dieses schrecklichen, rund drei Jahrzehnte währenden Kriegs nahm die indochinesische Natur enormen Schaden. Unter anderem wurden damals Millionen Liter Pflanzenvertilgungsmittel zur Entlaubung über Wälder versprüht, in denen Verstecke des Vietcongs vermutet wurden. Dies hatte zwangsläufig auch auf die heimische Kleideraffenpopulation verheerende Auswirkungen.

Zu schaffen macht dem Kleideraffen in jüngerer Zeit aber auch der Landhunger der anwachsenden menschlichen Bevölkerung Indochinas und die damit verbundenen Waldrodungen. Neueren forstwirtschaftlichen Karten zufolge hat er inzwischen mindestens 75 Prozent seiner ursprünglichen Waldheimat verloren.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Kleideraffe in verschiedenen Gegenden Indochinas eifrig bejagt wird. Dies ist zwar illegal, da die bunten Affen in ihrem ganzen Verbreitungsgebiet unter striktem Schutz stehen. Der Vollzug der Naturschutzgesetze ist jedoch meistenorts ungenügend, weil den Naturschutzbehörden die dafür notwendigen Geldmittel fehlen. Dies zeigt sich auch daran, dass Kleideraffen noch immer in den Strassenmärkten der grösseren Städte zum Kauf angeboten werden.

Die Regierungen von Vietnam, Laos und Kambodscha sind sich der grossen Umweltprobleme in ihrer Region durchaus bewusst. Mit fachlicher Unterstützung internationaler Organisationen liessen sie deshalb ein Umweltschutzprogramm erarbeiten, und sie haben auch bereits mit der Umsetzung desselben begonnen. So verwenden sie heute beachtliche Kräfte darauf, ein regionales Netzwerk von Naturschutzgebieten aufzubauen, um möglichst der gesamten Vielfalt der reichen indochinesischen Tier- und Pflanzenwelt eine bleibende Heimat zu schaffen. Ferner soll der Vollzug der Artenschutzgesetze massgeblich verbessert werden. Von diesen Massnahmen wird nicht zuletzt auch der arg bedrängte Kleideraffe profitieren können.




Kleideraffe
Pygathrix nemaeus

Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Herrentiere
Familie: Meerkatzenverwandte

Körpermasse
Kopfrumpflänge: 55-80 cm
Schwanzlänge: 50-77 cm
Gewicht: 10-18 kg

Fortpflanzung
Jungenzahl: 1 je Geburt
Tragdauer: ca. 6 Monate
Höchstalter: ca. 25 Jahre

Bestandssituation
Bestand: ca. 10 000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I




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