Kleine Riesenmuschel
Tridacna maxima
© 2002 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Wir Menschen neigen zur Ansicht, dass die Wirbeltiere
- also die Säuger, die Vögel, die Reptilien, die Amphibien
und die Fische - die dominanten Lebewesen auf unserem Planeten
sind. Das stimmt jedoch nur bezüglich der Körpergrösse
der einzelnen Individuen. Hinsichtlich der Artenzahl, der Individuenzahl
und der Biomasse herrschen auf der Erde eindeutig die wirbellosen
Tiere vor. Beispielsweise bringen all die kleinen bis winzigen
tierlichen Organismen, welche direkt unter unseren Füssen,
im Erdboden, leben, mehr Lebendgewicht auf die Waage als die
oberirdisch lebenden Tiere: Mit drei bis vier Tonnen Bodenleben
je Hektar rechnet man in Mitteleuropa im Schnitt! Tatsächlich
übertreffen die wirbellosen Tiere gemessen an ihrer Formenfülle
die Wirbeltiere in jedem Lebensraum, ob im Wasser, auf dem Land
oder in der Luft. Mehr als 95 Prozent aller beschriebenen Tierarten
sind Wirbellose.
Eine der artenreichsten Wirbellosensippen bildet der
Stamm der Weichtiere (Mollusca). Er umfasst rund 70 000 beschriebene
Arten von Schnecken (Gastropoda), Muscheln (Bivalvia), Kopffüssern
(«Tintenfischen»; Cephalopoda), Furchenfüssern
(Solenogastres), Schildfüssern (Caudofoveata), Käferschnecken
(Placophora), Napfschalern (Tryblidiacea) und Grabfüssern
(Scaphopoda). Ihm gehören ausserdem die grössten aller
Wirbellosen an, nämlich zum einen die geheimnisvollen Riesenkalmare
oder «Kraken» der Gattung Architeuthis, welche die
unergründliche Tiefsee rund um den Globus herum bewohnen,
und zum anderen die Riesenmuscheln der Gattung Tridacna, welche
in den küstennahen Korallengärten des Indopazifiks
vorkommen. Von einem dieser gross gewachsenen «Nichtwirbeltiere»,
der Kleinen Riesenmuschel (Tridacna maxima), soll auf
diesen Seiten berichtet werden.
In einen Mantel gekleidet
Die Familie der Riesenmuscheln (Tridacnidae) setzt
sich aus neun verschiedenen Arten zusammen, wovon zwei zur Gattung
Hippopus und sieben zur Gattung Tridacna gerechnet werden. Die
unbestritten grösste Art ist die Eigentliche Riesenmuschel
oder «Mördermuschel» (Tridacna gigas)
mit einer Länge von bis zu 140 Zentimetern und einem maximalen
Gewicht von über 400 Kilogramm, wovon rund drei Viertel
auf die bis zu zehn Zentimeter dicke Kalkschale und ein Viertel
auf das darin geborgene lebende Gewebe entfällt.
Die über weite Bereiche des Südpazifiks
verbreitete Kleine Riesenmuschel ist zwar mit einer Schalenlänge
von bis zu 40 Zentimetern deutlich kleiner als die Eigentliche
Riesenmuschel. Dafür ist ihr «Mantellappen»
- so heisst der Körperteil, den die Riesenmuscheln in ungestörtem
Zustand lippenartig über die Schalenränder nach aussen
stülpen - besonders farbenprächtig. Er umfasst die
gesamte Farbpalette und leuchtet bei jedem Individuum in jeweils
anderer Kombination.
Der Mantellappen ist der sichtbare Teil des so genannten
«Mantels», eines komplex aufgebauten Gewebes, das
- ähnlich wie die Haut bei anderen Tieren - die inneren
Organe der Kleinen Riesenmuschel vollständig umschliesst.
Hierauf ist der Begriff «Mantel» zurückzuführen.
So wie bei anderen Tieren Mund und After Öffnungen in der
Haut darstellen, welche die Verbindung zwischen der Aussen- und
der Innenwelt erlauben, so verfügt auch die Kleine Riesenmuschel
über zwei Öffnungen im Mantel, eine Einström-
und eine Ausströmöffnung. Beide befinden sich im Bereich
des Schalenspalts, zwischen den beiden bunten «Lippen»
des Mantellappens, sind aber unterschiedlich ausgebildet: Während
als Einströmöffnung ein schlitzförmiges Loch dient,
ist die Ausströmöffnung zu einem Rohr («Sipho»)
ausgezogen.
Überlebenswichtige Partnerschaft mit Algen
Wie alle Muscheln ernährt sich die Kleine Riesenmuschel
von frei schwebenden pflanzlichen und tierlichen Kleinstlebewesen
(«Plankton»), die sie aus dem Meerwasser filtert.
Mit der Hilfe von Millionen winziger Wimpern einerseits und mit
Muskelkraft andererseits strudelt bzw. saugt sie ihr Atemwasser
mit den darin enthaltenen Mikroorganismen durch die Einströmöffnung
in den Schaleninnenraum und presst es zwischen ihren netzartig
gestalteten Kiemenblättern hindurch. Dabei bleiben die Planktonteilchen
an der äusseren Kiemenfläche hängen und werden
anschliessend zum Schlund, also zum Darmeingang, verfrachtet.
Gleichzeitig wird dem Wasserstrom der für die Atmung notwendige
Sauerstoff entnommen. Und danach spült das durch die Ausströmöffnung
abfliessende Wasser gleich noch das angefallene Kohlendioxid
sowie die Abfallstoffe der in den Mantelinnenraum einmündenden
beiden Nieren und des Darms mit sich fort.
Ihre planktonische Nahrung reichert die Kleine Riesenmuschel
- wie alle Riesenmuscheln - auf eine eigentümliche Weise
an: Ihr freier, prächtig gefärbter Mantellappen beherbergt
ganze Scharen kleiner, einzelliger Algen der Art Symbiodinum
microadriaticum. Diese leben mit dem massigen Tier in Symbiose,
also in Gemeinschaft zu gegenseitigem Nutzen. Die Algen werden
von der Riesenmuschel mit allen lebensnotwendigen chemischen
Stoffen versorgt. Dafür liefern sie ihrer Wirtin Glycerol,
ein zuckerartiges Kohlenhydrat, das sie mit Hilfe des Sonnenlichts
aus Kohlendioxid und Wasser, also durch so genannte Photosynthese,
aufzubauen vermögen. Neueren Untersuchungen zufolge bildet
das Glycerol nicht etwa nur eine «Beikost» der Kleinen
Riesenmuschel, sondern stellt ihre Hauptnahrung dar. Dies lässt
erahnen, welch grosse Bedeutung die symbiontischen Algen in ihrem
Leben spielen.
Die Symbiodinum-Algen sind nicht gleichmässig
über den Mantelrand verteilt, sondern finden sich gehäuft
im Bereich so genannter «Hyalinorgane», das sind
glaskörperartige Zellhaufen, welche das Sonnenlicht wie
Linsen sammeln und in das Mantelgewebe hinein leiten. Die Kleine
Riesenmuschel hat also im Laufe ihrer Stammesgeschichte Organe
entwickelt, die einzig dem Wohlbefinden ihrer pflanzlichen «Lebenspartnerinnen»
dienen. Auch die bunten Farbeinlagerungen im Mantellappen sind
in diesem Sinne zu verstehen: Sie bilden eine Art «Sonnenbrille»,
welche die empfindlichen Algen vor schädlicher UV-Stahlung
schützt.
Es wurden bisher keine erwachsenen Kleinen Riesenmuscheln
ohne Symbiodinum-Algen gefunden. Und es wurden nirgendwo
Kleine Riesenmuscheln festgestellt, die nicht in seichten, warmen,
ungetrübten, vom Sonnenlicht durchfluteten Küstengewässern
leben, wo der Solarenergiebedarf der Algen ausreichend gedeckt
wird. Die Symbiose scheint also - zumindest für die Muscheln
- heute überlebenswichtig zu sein. Tatsächlich mutmassen
die Marinbiologen, dass die Riesenmuscheln im Verlauf ihrer Stammesgeschichte
nur dank der Symbiose mit den Symbiodinum-Algen zu ihrer
aussergewöhnlichen Grösse heranwachsen konnten - und
dass sie heute auf Gedeih und Verderb von deren «Mitarbeit»
abhängig sind.
Umgekehrt gilt dies interessanterweise nicht: Die
Symbiodinum-Algen können durchaus ohne die Riesenmuscheln
fortbestehen, denn sie gehen auch mit den meisten Riff bildenden
Korallen Symbiosen ein.
Synchrones Ablaichen
Wie viele andere Weichtiere sind die Riesenmuscheln
Zwitterwesen («Hermaphroditen»). Die männlichen,
Samen erzeugenden Keimdrüsen sind vor den weiblichen, Eier
produzierenden ausgereift, so dass also jedes Individuum zuerst
ein Männchen und danach ein Weibchen ist. Eine Selbstbefruchtung
ist damit ausgeschlossen.
Die Keimdrüsen befinden sich in der Nähe
des Herzbeutels und haben eine einfache Ausmündung in den
Mantelinnenraum. Da weder Samenblasen noch sonstige Hilfseinrichtungen
ausgebildet sind, gelangen die Geschlechtszellen (Samen oder
Eier) unmittelbar in den Mantelinnenraum und von da mit dem ausströmenden
Wasser ins Freie. Dort findet die Befruchtung statt.
Wir wissen heute, dass die im Wasser treibenden Eier
der Riesenmuscheln einen chemischen Stoff absondern, der sich
mit den Wasserströmungen ausbreitet und alle fortpflanzungsfähigen
Riesenmuscheln des betreffenden Küstenabschnitts dazu anregt,
unverzüglich auch ihre - männlichen oder weiblichen
- Geschlechtszellen abzugeben. Jede erwachsene Riesenmuschel
kann also durch die Abgabe von Eiern ein regionales «Synchronlaichen»
auslösen. Durch solch gemeinschaftliches Ablaichen erhöht
sich die Wahrscheinlichkeit, dass die ins Wasser abgegebenen
Eier von Samen befruchtet werden, entscheidend. Bei der Kleinen
Riesenmuschel erfolgt das «Synchronlaichen» im Übrigen
saisonal gebunden: In den Gewässern von Fidschi beispielsweise
findet es gewöhnlich im Juni und Juli statt, bei Guam zwischen
November und März.
Noch am selben Tag, an dem ein Ei befruchtet wird,
schlüpft aus ihm eine winzige, frei im Wasser schwebende
Wimperkranzlarve («Trochophora»). Diese verwandelt
sich innerhalb von vierundzwanzig Stunden zu einer ebenfalls
frei schwebenden Segellarve («Veliger»). Bei dieser
lassen sich die beiden späteren Schalenhälften bereits
in Form von zwei winzigen, durchsichtigen «Segeln»
erkennen.
Die Meeresströmungen tragen die Riesenmuschellarve,
die sich von winzigen Planktonteilchen ernährt, allmählich
von ihrem Geburtsort fort. Nach nur vier bis sieben Tagen beendet
sie jedoch ihr frei schwebendes Leben und lässt sich an
einem geeigneten Ort - auf einem Korallenriff oder einer Sandfläche
- nieder. Sie verwandelt sich dort zur Miniatur-Riesenmuschel
und befestigt sich mit Hilfe klebriger Haftfäden («Byssusfäden»)
am Untergrund. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt dringen die
symbiontischen Algen, die in ihrer Jugend ebenfalls ein frei
treibendes Entwicklungsstadium durchlaufen, in das Mantelgewebe
des Riesenmuschelbabys ein. Letzteres wächst verhältnismässig
langsam heran und ist für unser Auge erst im Alter von etwa
drei Monaten erkennbar. Die Geschlechtsreife tritt ebenfalls
spät, nämlich im Alter von gewöhnlich sechs bis
acht Jahren, ein. Im Gegenzug dürfte die Lebenserwartung
unter natürlichen Bedingungen bei über hundert Jahren
liegen.
Eine traditionelle Beute
Es überrascht kaum, dass die grossen, sesshaften,
friedfertigen und leicht zugänglichen Riesenmuscheln von
alters her vom Menschen als Eiweissquelle genutzt werden. Tonnen
von Rieselmuschelschalen, welche im Bereich der Abfallhaufen
früher pazifischer Inselsiedler gefunden wurden, bezeugen
die Bedeutung der Riesenmuscheln für deren Ernährung.
Und daran hat sich bis heute wenig geändert: Noch immer
spielen die Riesenmuscheln eine wichtige Rolle für die im
Küstenbereich wohnhafte, sich selbst versorgende Bevölkerung
vieler indopazifischer Inseln. Zum einen dient der Schaleninhalt
(von dem bis auf die bitter schmeckenden Nieren alle Teile essbar
sind) als Nahrungsmittel, zum anderen werden die Schalen gern
als Schüsseln verwendet.
Die traditionelle Nutzung der Riesenmuscheln scheint
ihre Bestände im Allgemeinen nicht erheblich geschädigt
zu haben. Die grossen Weichtiere spielten wohl an den wenigsten
Orten eine zentrale Rolle beim Fischfang, und ausserdem waren
sich viele Inselvölker der Verletzbarkeit ihrer Insel-Ökosysteme
durchaus bewusst. Sie trieben keinen Raubbau, sondern pflegten
einen schonenden Umgang mit ihrer eng begrenzten Umwelt. Überlieferte
Gebote («Tabus») sorgten dafür, dass einzelne
Riffteile nur zu bestimmten Zeiten oder von bestimmten Clans
betreten wurden und dass für zahlreiche Tierarten ein Jagdverbot
oder zumindest eine vorübergehende Schonzeit eingehalten
wurde.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerieten
auf vielen indopazifischen Inseln - aufgrund der umwälzenden
Einflüsse von aussen - die traditionellen Jagd- und Fangbestimmungen
in Vergessenheit. Gleichzeitig taten sich lukrative internationale
Märkte auf. So führte der in der chinesischen Küche
als Leckerbissen geltende Schliessmuskel der Riesenmuscheln vielerorts
zu einer enormen Verfolgung der wehrlosen Riffbewohner. Zu Abertausenden
wurden die Tiere aus dem küstennahen Wasser ihrer Heimatinseln
geholt, um ihr Fleisch nach Taiwan, Singapur und Hongkong zu
verkaufen. Auch ihre grossen Schalen wurden massenhaft exportiert,
insbesondere auf die Philippinen, wo sie zu allerlei kunsthandwerklichen
Gegenständen verarbeitet wurden. Des Weiteren wurden unzählige,
zumeist junge Tiere lebend gesammelt und dem internationalen
Tierhandel zugeführt, um den Bedarf der Aquarianer zu decken.
Drei Eigenheiten ihrer Biologie wirkten sich nun für
die Riesenmuscheln verhängnisvoll aus: Erstens werden die
Tiere erst in verhältnismässig hohem Alter - wenn sie
bereits eine ansehnliche Grösse erreicht haben - geschlechtsreif.
Vielerorts wurden deshalb sämtliche fortpflanzungsfähigen
Tiere eingesammelt, so dass die Vermehrung der lokalen Bestände
vollständig zusammenbrach. Zweitens dauert die Phase als
frei schwebende Larve verhältnismässig kurz, weshalb
die Distanzen, welche die von den Meeresströmungen getragenen
Jungtiere zurücklegen, weit geringer sind als bei vielen
anderen marinen Wirbellosen, darunter den Korallen und den Seeigeln.
Entsprechend gering sind die Chancen der Riesenmuscheln, verwaiste
Inseln wiederzubesiedeln. Drittens müssen die Riesenmuschelbestände
eine gewisse Minimaldichte aufweisen, damit ein Synchronlaichen
- und damit eine erfolgreiche Befruchtung der Eier - stattfinden
kann. Fällt die Bestandsdichte unter diesen Wert, so ist
die Nachzucht nicht mehr gewährleistet.
Riesenmuschelgärten als Rettung
Auch in den Küstengewässern von Niue, dem
rund 500 Kilometer östlich von Tonga im Südpazifik
gelegenen und aus einer einzigen, etwa 260 Quadratkilometer grossen
Insel bestehenden Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, wird
die Kleine Riesenmuschel von alters her genutzt. Offenbar hat
sich der Fang aber stets in verträglichem Rahmen abgespielt,
denn die Bestandsdichte liegt noch immer bei rund 100 Individuen
je Hektar. Das ist zwar weit entfernt von der natürlichen
Dichte, die sich zum Beispiel in ungestörten Bereichen des
Grossen Barriereriffs vor Ostaustralien auf rund 1400 Individuen
je Hektar bemisst. Noch erlaubt sie aber die erfolgreiche Nachzucht
und damit den Fortbestand der lokalen Population.
Sollten die Bestände jedoch weiter zurückgehen,
so müssten zur Sicherung der lokalen Population gezielte
Artenschutzmassnahmen getroffen werden. Das Anlegen gut geschützter
«Riesenmuschelgärten» hat bei mehreren anderen
Inseln im Indopazifik gute Erfolge gezeitigt und wäre sicher
auch hier durchführbar. So wurden etwa bei Palau, Fidschi
und den Marshallinseln in ausgewählten Korallenriffabschnitten
«Muschelfarmen» eingerichtet. Jungmuscheln, die aus
besonderen Zuchtstationen stammten, wurden dort eingesetzt, gross
gezogen und schliesslich schonend, d.h. bestandserhaltend, genutzt.
Dabei zeigte sich, dass die Erträge aus solchen Farmen sehr
beachtlich sein können. Solche Zuchtprogramme vermögen
also nicht nur zahlreichen Insulanern ein geregeltes Einkommen
zu sichern, sondern es lässt sich durch sie auch die örtliche
Nachfrage nach Muschelschalen und -fleisch decken, ohne dass
auf die frei lebenden Muschelbestände zurückgegriffen
werden muss. Die vom WWF unterstützten Riesenmuschel-Zuchtprogramme
sind ein gutes Beispiel dafür, wie die (berechtigten) Lebensunterhaltsansprüche
der Inselbewohner mit den Anliegen des Naturschutzes verknüpft
werden können.
Legenden
Mit einer Länge von bis zu 40 Zentimetern
ist die Kleine Riesenmuschel (Tridacna maxima) zwar - wie ihr
eigentümlicher Name andeutet - kleiner als die Eigentliche
Riesenmuschel (Tridacna gigas), welche eine Länge von bis
zu 140 Zentimetern erreicht. Dafür ist ihr über den
Schalenrand ragender, lippenförmiger «Mantellappen»
besonders farbenprächtig. Er leuchtet bei jedem Individuum
in jeweils anderer Farbkombination.
Das Verbreitungsgebiet der Kleinen Riesenmuschel
erstreckt sich über den gesamten Südpazifik. Allerdings
ist das Vorkommen der bunten Muschel innerhalb dieses Areals
keineswegs flächendeckend, denn sie ist eine typische Korallenriffbewohnerin,
lebt also ausschliesslich in den lichtdurchfluteten Küstengewässern
der hier und dort, weit verstreut, aus dem Pazifik aufragenden
Inseln.
Der farbige, zweilippige «Mantellappen»
ist der sichtbare Teil des so genannten «Mantels»,
eines komplex aufgebauten Gewebes, das die inneren Organe der
Kleinen Riesenmuschel vollständig umschliesst. Zwei Öffnungen
erlauben die Verbindung zwischen der Aussen- und der Innenwelt:
eine schlitzartige Einströmöffnung (vorn) und eine
zu einer Röhre ausgezogene Ausströmöffnung (hinten).
Die Kleine Riesenmuschel beherbergt in ihrem Mantellappen
ganze Scharen winziger Algen, welche ihre Wirtin mit photosynthetisch
hergestellten, zuckerartigen Kohlenhydraten versorgen und so
ihre Ernährung sicherstellen. Zugunsten der pflanzlichen
«Lebenspartnerinnen» hat die Muschel im Laufe der
Stammesgeschichte verschiedene körperliche Anpassungen vorgenommen.
Zu nennen sind unter anderem die bunten Farbeinlagerungen im
Mantellappen: Sie stellen eine Art «Sonnenbrille»
dar, welche die empfindlichen Algen vor schädlicher UV-Strahlung
schützen.
Die Jugendentwicklung der Kleinen Riesenmuschel
verläuft recht gemächlich: Nach der Metamorphose der
frei schwebenden Larve zum Riff bewohnenden Schalentier vergehen
drei Monate, bis unser Auge das Riesenmuschelbaby überhaupt
zu erkennen vermag. Und die Geschlechtsreife tritt erst im Alter
von sechs bis acht Jahren ein. Im Gegenzug liegt die Lebenserwartung
unter natürlichen Bedingungen bei vermutlich über hundert
Jahren. Auf dem Bild sind neben der Kleinen Riesenmuschel die
Tentakelkronen von Bunten Spiralröhrenwürmern (Spirobranchus
giganteus) zu sehen.
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