Klunkerkranich

Bugeranus carunculatus


© 1991 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Der Klunkerkranich (Bugeranus carunculatus) gehört mit einer Höhe von fast 1,5 Metern zu den grössten Mitgliedern der Kranichfamilie (Gruidae). Wie bei allen Kranicharten wird sein kurzer Schwanz durch die stark verlängerten inneren Armschwingen überragt, was ihm - zusammen mit seinem langen Hals und den langen Beinen - ein sehr elegantes Aussehen verleiht. Kennzeichnend für den Klunkerkranich sind die zwei weiss befiederten Lappen, welche beiderseits seiner Kehle herunterhängen. Ihnen verdankt er seinen Namen.

Der Klunkerkranich ist hauptsächlich im zentralen und südlichen Afrika beheimatet. Hier hält er sich vorzugsweise in offenem, feuchtem Gelände auf - in ausgedehnten Sumpfgebieten, nassen Grasländern, Verlandungszonen von Seen und Überschwemmungsgebieten. Er ist ein sehr scheuer und aufmerksamer Vogel und gehört regelmässig zu den ersten Vögeln, welche bei Gefahr auffliegen. Der Sage nach schützt sich der Klunkerkranich tagsüber häufig dadurch vor dem Einschlafen, dass er mit seinem Fuss einen Stein ergreift und dann sein Bein anwinkelt. Sollte er in dieser Stellung eindösen, so würde ihn der zu Boden fallende Stein sofort wieder aufwecken. «Der wachsame Kranich» ist im afrikanischen Kunsthandwerk ein oft dargestelltes Motiv.

Das Nahrungsspektrum des Klunkerkranichs ist sehr breit und umfasst pflanzliche wie tierliche Stoffe. Gerne stochert er mit seinem langen, spitzen Schnabel im Boden nach Wurzeln und Knollen von Zypergräsern und anderen Sumpfpflanzen. Geschickt packt er aber auch kleinere Tiere wie Würmer, Heuschrecken, Frösche, Fische und Mäuse.

Erwachsene Klunkerkraniche leben das ganze Jahr über in Paaren zusammen. Sie werden häufig noch von einem weniger als ein Jahr alten Jungen begleitet. Man trifft deshalb Klunkerkraniche im allgemeinen zu zweit oder zu dritt an. Die unverpaarten (gewöhnlich jugendlichen) Individuen schliessen sich mit ihresgleichen zu kleineren Schwärmen zusammen, denen sich manchmal noch Kronenkraniche und Paradieskraniche zugesellen.

Die Bruten finden in den meisten Bereichen des Verbreitungsgebiets zwischen Mai und August statt. Das Nest ist kein besonders kunstvolles Gebilde, sondern ein umfangreicher Haufen aus Schilflhalmen und anderen trockenen Pflanzenteilen, welche das Kranichpaar zu einer mehr oder weniger festen Unterlage zusammentritt. Es wird in der Regel an einer gut geschützten Stelle im seichten Wasser angelegt. In die flache Mulde des Nests legt das Weibchen ein bis zwei Eier, wobei aber auch aus Zweiergelegen meistens nur ein Junges hochkommt. Die jungen Kraniche lösen sich erst gegen Ende ihres ersten Lebensjahrs von den Eltern, und sie erreichen die Geschlechtsreife erst mit vier bis fünf Jahren. Die Nachzuchtrate der Art ist also ziemlich gering.

Leider sind Klunkerkraniche heute kein häufiger Anblick mehr in Afrika. Grössere Bestände findet man lediglich noch in sechs grossflächigen Feuchtgebieten: den Kafue-Niederungen, dem Bangweulu-Sumpf, den Busanga-Flächen und der Liuwa-Ebene in Sambia sowie dem Okavango-Delta und den Makgadikgadi-Pfannen in Botsuana. Der Hauptgrund für den Rückgang der Art ist die Zerstörung ihres bevorzugten Lebensraums: Weite Feuchtgebiete sind in der jüngeren Vergangenheit zur Gewinnung land- und forstwirtschaftlicher Nutzflächen trockengelegt, andere durch den Bau von Wasserkraftwerken zu Stauseen umgewandelt worden. Negativ wirken sich aber auch die Bejagung der Vögel und die Plünderung ihrer Nester durch die rasch anwachsende und immer entlegenere Gebiete besiedelnde afrikanische Bevölkerung aus.

Wie so vielen anderen bedrohten Tierarten kann dem stark bedrängten Klunkerkranich praktisch nur durch die Erhaltung seines Lebensraums, das heisst den Schutz der noch verbleibenden Feuchtgebiete Afrikas, geholfen werden. Tatsächlich gibt es heute schon eine ganze Reihe von Schutzgebieten in Zaire, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Malawi, in denen der grosse Vogel ein gesichertes Zuhause gefunden hat. Weitere müssen geschaffen beziehungsweise effizient geschützt werden. Im übrigen ist es mittlerweile mehreren Zoologischen Gärten gelungen, die Art zu züchten, und es wird gegenwärtig abgeklärt, wie die Chancen der Ausbürgerung von in Menschenobhut gezüchteten Individuen an gut ge schützten Orten sind.




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